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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.

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Vir. 146.

Montag den 26. Juni

1882

Amtliches.

Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Hund mit 4 braunen Pfoten.

Gefunden: Eine braune getragene Joppe. Drei Handtücher. Drei Dokumente, ausgestellt von dem Königl Amtsgericht zu Windecken, Witwe Rüffer zu Windecken betr. Auf der Post liegen geblieben: 3 einzelne Briefmarken.

Entlaufen: Ein brauner Hühnerhund, m. Geschl. Ein kleiner Ulmer-Doggenhund.

Hanau am 26. Juni 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.____________________

Tagesschan.

— Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht den Ge­heimen Regierungs» und vortragenden Rath im Ministerium der geist­lichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten Oskar Bohtz zum Geheimen Ober-Regierungèrath zu ernennen.

— Berlin, 24. Juni. Se. Excellenz der Vizepräsident des Kö­niglichen Staats-Ministeriums, Staats- und Minister des Innern von Puttkamer ist nach der Provinz Schleswig-Holstein und Se. Excellenz der Staatsminister und Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten von Goßler auf einige Tage nach Karlsbad abgereist.

— Berlin, 24. Juni. Heute fand die Preisvertheilung für die Konkurrenzentwürfe zu dem Reichstagsgebäude statt: zwei erste Preise erhielten Wallot in Frankfurt und Thiersch in München; drei zweite Preise erhielten Krämer und Wolkenstein, Kaiser und Großheim, Seelig (alle in Berlin), fünf dritte Preise erhielten Schmechten, Ende und Böckmann, sowie Schupmann (alle drei in Berlin), Stier in Hannover, endlich Giese und Weiderer in Dresden.

— Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Nach dem „R.- u. St.-A." Nr. 145 wurde unterm 22. Juni verboten: die vom 25. März d. I. datirte Nummer der in Pittsburg .(Pennsylvanien) erscheinenden periodischen Druckschrist: „Der Freiheits­Freund", sowie die fernere Verbreitung des Blattes „Der Freiheits­Freund".

— In dem preußischen Enteignungsgesetz vom 11. Juni 1874 ist der Fall nicht vorgesehen, in welchem durch Eisenbahntunnelbauten Ge- meinben oder einzelnen Privaten das Wasser entzogen wird. Nach die­sem Gesetze können nur diejenigen Personen, deren Grundstücke unmittel­bar über dem Tunnel belegen sind und die das Recht hatten, aus dem Terrain, unter welchem der Tunnel gebaut worden, das Wasser zu ent­nehmen, Entschädigung fordern, wenn die Quelle, die ihnen bisher das Wasser lieferte, durch den Tunnelbau versiegt ist. Es ist daher in An­regung gekommen, das erwähnte Gesetz dahin zu ergänzen, daß der Ei­senbahnunternehmer die Verpflichtung hat, für allen den Grundeigen­thümern durch die Bahnanlage zugefügten Schaden volle Entschädigung zu leisten. Eine analoge Bestimmung enthält bereits das Berggesetz vom 24. Juni 1865, nämlich dahingehend, daß jeder Grundeigenthümer, welcher durch den Betrieb eines Bergwerks Schaden zu erleiden hat, Entschädigung zu fordern berechtigt ist.

— London, 23. Juni. Dem Parlament ist ein neues Blaubuch über die egyptischen Angelegenheiten vorgelegt worden, welches den Zeit­raum vom 6. Februar d. I. bis zum 16. Mai v. I. umfaßt.

— Bukarest, 24. Juni. Der hiesige französische Gesandte, Ba­ron de Ring, ist nach Konstantinopel abgereist; seine Reise wird mit der Konferenz in Verbindung gebracht.

- St. Petersburg, 24. Juni. Der „Regierungs - Anzeiger" veröffentlicht eine vom Kaiser bestätigte Verordnung des Reichsraths über die Ergänzung und Abänderung einiger Paragraphen der Stem- Pelsteuervorschristen. Danach sollen nunmehr u. A. russische Aktien, Antheilsscheine, Obligationen, Pfandbriefe, Depotscheine und neue Cou­pons, wenn letztere separirt von den betreffenden Papieren ausgegeben werden, der Stempelsteuer unterliegen. Von Ausländern aus dem Aus­lande einlaufende Bittgesuche und Meldungen, betreffend Proviantliefe­rungen für die russische Armee und die Flotte, sind einstweilen noch von der Stempelsteuer befreit.

— Konstantinopel, 24. Juni. Nachdem der österreichisch­ungarische Botschafter Instruktionen von seiner Regierung erhalten, hielt die Konferenz gestern Nachmittag ihre erste Sitzung in Therapia bei dem italinischen Botschafter ab.

Spezial. Telegramme des Deutschen Montags-Blattes.

— Konstantinopel, 24. Juni. Anläßlich der offiziellen Noti­fikation von dem Zusammentritt der Konferenz gab der Botschafter Graf Corti als Doyen gegenüber dem Minister des Aeußern dem Bedauern Ausdruck, daß ein Vertreter der Türkei nicht zugegen gewesen und fügte hinzu, daß Konstantinopel als Konferenzort gewählt sei, um die Ver­handlungen zu erleichtern und zu fördern.

— Petersburg, 25. Juni. Das „Journal de St. Petersbourg" meint, die Weigerung Aarabi Paschas, sich dem Befehle des Sultans gemäß nach Konstantinopel zu begeben, weil die Armee dagegen sei, er­weise, wie wichtig es sei, auf die Herstellung geordneter Zustände in Egypten hinzuwirken.

— Frankfurt a. M., 25. Juni. Der Komponist Joachim Raff, seit 1877 artistischer Direktor des hiesigen Hoch'schen Konservatoriums, ist heute Nacht gestorben. (Raff wurde am 27. Mai 1822 zu Lachen im Kanton Schwyz geboren).

Lokales.

Hanau, den 26. Juni 1882.

— (Mainthal-Sängerbund.) Im neuerbauten geschmackvollen Saale des Gasthauses zum „Schützenhof" in Aschaffenburg wurde ver­gangenen Samstag Nachm. 5 Uhr die gelegentlich des 35jährigen Stif­tungsfestes des dortigen Gesangvereins „Melomania" anberaumte Delegirtenversammlung der Vereine des bis zum Jahre 1874 in Blüthe gestandenen Mainthal-Sängerbundes, dem verschiedene Gesang­vereine Darmstadt's, Offenbach's, Hanau' s, Afchaffenburg's, Fried- berg's, sowie der Gesangverein zu Seligenstadt angehören, abgehalten.

Nachdem der Präsident des Gesangvereins „Melomania", Herr Winkler, die anwesenden Delegirten freundlichst begrüßt; trat man nach längerer beifällig aufgenommener Rede des Schriftführers Herrn Lehrer Goßmann aus Aschaffenburg in die Verhandlungen ein.

Wie wir bereits früher erwähnt, verfiel der Mainthal-Sängerbund, nachdem dessen letztes Gesangsfest 1874 in unseren Mauern zu aller Theilnehmer Zufriedenheit statthatte und Darmstadt die Vorortschaft übertragen wurde, an letzterem Orte in einen so festen Schlaf, aus dem es nur b:e Initiative des Gesangvereins „Melomania" zu Aschaffenburg zu erwecken verstand. Die Vertreter aus Darmstadt entschuldigten sich eben so gut es ging, fanden aber in den Ausführungen des Herrn Seminarlehrer Wahl aus Friedberg in ganz vorzüglicher, mit scharfen, aber auch humoristischen Einwürfen dürchwürzter Rede allge­mein anerkannte und durch lebhafteste Beifallsbezeugungen gebilligte Ent­gegnung.^— Nach längerer Debatte einigte man sich dahin, den Main­thal-Sängerbund vorerst auf Grund des alten Statuts fort bestehen zu lassen, spätestens in 4 Wochen eine Delegirten- versammlung anzuberaumen, in welcher dieser Beschluß völlig sanktionüt und das Statut einer Revision unterzogen werden soll rc. Die Hanau wiederholt angebotene Vorortschaft glaubten die Vertreter mit Entschie­denheit ablehnen zu sollen und so übernahm Aschaffenburg dieses mit Arbeit mannigfacher Art verbundene Amt. Weiter einigte man sich dahin, weil die Lage Hanau's hierzu am besten geeign.t, die Delegir- tenversammlungen bei uns abzuhalten, welchem Ansinnen sich die Ver­treter der Hanauer Vereine gerne anschlosfen. — Vier neu ang^meldete Vereine: Liederkranz in Aschaffenburg, Gesangvereine zu Amorbach, Klingenberg und „Tonblüthe" in Hanau wurden in den Mainthal- Sängerbund ausgenommen.

Abends fand in der trotz ihrer Geräumigkeit angefüllten geschmack­voll geschmückten Markthalle bei eben so vorzüglichen Gesangsvorträgen des Vereins „Melomania" und eines Quartetts desselben, wie der Jäger-Kapelle zu Aschaffenburg das beregte Stiftungsfest statt. Hier hielt Herr Dr. Haupt zu GroßosthUm die wohlourchdachte und großen Beifalls sich erfreuende Festrede und H rr Semina, leerer Waht aus Friedberg, der damit bewies, daß er ein wahrer Freund und Förderer des edlen Gesanges ist, sprach in sinnigen, doch auch dcs gesunden Humors nicht ermangelnden Worten zu den zahlreich Versammelten und ernbete wohlverdienten Beifall. — Trotz der großen Hitze, die im Fest- raume herrschte, schloß die Feier, alle Theilnehmer befriedigend, erst gegen 1 Uhr Nachts.