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der beträchtlichen Höhe den Tod geben können, kamffaber außerseinigen geringen sonstigen Verletzungen mit einem Rasenbeinbruch davon, so daß die Hochzeit, wenn auch erst später, doch noch abgehalten werden konnte. (C. Tp)

— Cassel, 22. Juni. Edel sei der Mensch, hülfreich und gut". Dieses Wort des Dichters findet seine Anwendung auf den Mann, der gestern unter der größten Theilnahme aller Derer, die ihn kannten, be­stattet worden ist. Die große Zahl von Leidtragenden, die dem Sarge des dahingeschiedenen Nealschuldirektros Preime folgten, bekundete die Liebe und Achtung, die sich der Dahingeschiedene in vielen Kreisen er­worben hatte. Es war ein schönes, ein imposantes Wort, das Herr Pfarrer Ahlfeld seinem vom Herzen kommenden und zum Herzen gehen­den Nachruf zu Grunde legte: „Der treue Mensch wird viel gesegnet." Er zeigte, wie es zutreffe in den Beziehungen zu den nächsten Angehörigen, zum Kreis der Freunde und der Bekannten; zur Schulgemeinde, welcher Preime ein treuer Leiter gewesen. Des Verstorbenen Pietät im enge­ren und weiteren Sinne des Wortes fand die richtige Würdigung. In dieser Tugend möchten wohl nicht viele Menschen ihm gleichkom­men. (H. M.)

— Cassel, 23. Juni. Wie dem „Tageblatt" mitgetheilt wird, hat von Kiel aus Prinz Heinrich, welcher unter dem Direktorat des verstorbenen Dr. Preime die hiesige Realschule I. Ordnung besucht hak, an den derzeitigen Vorstand des Realgymnasiums nachfolgendes Beileids- Telegramm gesandt: „Bitte den Hinterbliebenen des verstorbenen Direk­tors Preime, sowie dem Lehrer-Kollegium meine wärmste Theilnahme auszusprechen. Ich trauere mit Ihnen über den frühen Tod des be­währten Leiters der Realschule, welcher allezeit eine treue und dankbare Erinnerung bewahrt Heinrich, Prinz von Preußen."

— Cassel, 23 Juni. Die Verwendung des s. g. Werthstempels von V12 pCt. ist zu den zu Gunsten der Landeskredit-Kasse ausgestellten Schuldurkunden nicht mehr erforderlich.

— Cassel, 23. Juni. Die „H. M." macht in ihrer gestrigen Nummer bekannt, daß sie mit dem 1. Juli aus den Händen des seit­herigen Eigenthümers in die Hände „einer aus angesehenen Männern und Parteifreunden in Stadt und Land gebildeten Aetiengesellschaft" übergehe. Dazu vernehmen wir, daß auch im Nedactionspersonale ein Wechsel eintreten wird.

— Berge, 21. Juni. Eine seltene Auszeichnung wurde gestern der 70jährigen Dienstmagd in der hiesigen Mühle, Maria Dippel, zu Theil, welcher für ihre langjährigen in der Familie des Herrn Wicke treu geleisteten Dienste, von Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin das goldene Kreuz verliehen wurde. Der eben erst von Berlin zurück­gekehrte Königliche Landrath, Herr von Gehren, war persönlich anwesend, um in Begleitung des Pfarrers Doemich Kreuz und Diplom zu über­reichen Tief ergriffen nahm die treue Dienerin Beides aus den Hän­den des Herrn Landraths, den Segenswunsch aussprechend, daß der Herr es der Kaiserin vergelten möge, was sie durch diese Gabe an ihr gethan habe. Wie eng übrigens in dem Hause des Herrn Wicke das Band zwischen Herrschaft und Gesinde geknüpft ist, zeigt unter anderem auch der Umstand, daß von den 3 Knechten der jüngste 17, die beiden anderen 34 und bezw. 36 Jahre in demselben Hause dienen, während der ältere Mahlbursch ebensowohl über 20 Jahre sür denselben Herrn arbeitet. Gewiß eine große Seltenheit in unsiren Tagen. (K. I.)

— Fuld a, 23. Juni. Der Königliche Landrath des Kreises Gers­feld, Herr Keßler, ist kommissarisch an das Polizeipräsidium zu Berlin versetzt worden. Dem Vernehmen nach sollen demselben dort die Funk­tionen des Dirigenten der Politischen Abtheilung übertragen werden. — Gestern Vormittag hat die seierliche Grundsteinlegung zu dem neuen Mutterhause der Kongregation der barmherzigen Schwestern dahier durch den hochw. Herrn Bischof Georg stattgefunden. (F. K.)

— (Militärisches.) Den von der Ober-Ersatz-Commission der Ersatzreserve 1. Classe als übungspflichtig überwiesenen Mannschaften ist die Vergünstigung gewährt worden, sich den Truppentheil, bei welchem sie üben wollen und bei welchem in dem Kalenderjahre gerade zehn­wöchentliche Uebungen gehalten werden, zu wählen, wenn sie während der Dienstzeit sich selbst verpflegen und bekleiden und ihre gewonnenen Kenntnisse im vorgeschriebenen Umfange dargethan haben. Die Ver­günstigung muß innerhalb vierzehn Tage nach der Ueberweisung zur Er­satzreserve bei dem betreffenden Landwehrbezirks - Commando unter Bei- sügung der erforderlichen Papiere nachgesucht werden.

— Ein Theater ohne Hervorrufe verdient jedenfalls als Merk­würdigkeit erwähnt zu werden. Im Kasseler Hoftheater hat die Inten­danz das Aufziehen des Vorhanges beim Hervorruf der Künstler verbo­ten, und da letztere sich weigern, vor dem Vorhang zu erscheinen, so gibt es dort bis auf Weiteres überhaupt keine Hervorrufe mehr. Man darf darauf gespannt sein, wie dieser Krieg zwischen Intendanz und Künstlerpersonal enden wird.

— In der Denkschrift über die Flußregulirung heißt es betreffs Hessen-Nassau's: „In Hessen-Nassau sind die kleinen Flüsse durchweg Berggewässer mit zumeist grobem Geschiebe, starkem Gefälle und hoch­aufgeschlemmten Ufern. Es verläuft fast keine Hochfluth, ohne beträcht­

liche Schäden zurückzulassen. Fast in sämmtlichen Gewässern sind be- klagenswerthe Zustände eingetreten. Nicht selten sollen bauverpflichtete Anlieger auf das belastete Grundstück verzichten, um sich der Baulast zu entziehen. Im Regierungsbezirk Wiesbaden liegen die Verhältnisse et­was günstiger, weil sich dort weniger die bewegliche Thalsubstanz findet, als im vormaligen Kurhessen. Nichtsdestoweniger liegt auch dort der Flußbau in den Thälern der Lahn, der Eder, des Rehbachs und der Nidda noch sehr im Argen.

— Falsifikate. Der „Manufacturist" bemerkt: Es dürfte nicht überflüssig sein, einmal die in neuester Zeit aufgetauchten Falsifi­kate deutschen Geldes zusammenzustellen. Wir finden da: 1) Falsche 50 Markscheine, gezeichnet Ser. VII., Fol. 32, Lit. G., Nr. 146,271; kenntlich an dem dickeren, rauheren Papier, der schmutzig-grauen resp, braunen Grundfarbe, dem matten und Verschwimmenden Druck der Schrift und Figuren, gegen den die Worte „50 «Fünfzig) Mark" in schwarzer Farbe, aber incorrect gedruckt, stark hervortreten, sowie an der mangel­haften Ausführung der Arabesken auf der Rückseite. 2) Neuere falsche 20 Markstücke, Münzzeichen D, Jahreszahl 1879, schlecht geändert, fühlen sich fettig an; auf dem Avers im Kopfe des Reichsad ers ein Sprung. 3) Falschej 1 Markstücke, angehalten zu wiederholten Malen vom Postamt zu Pirna; sehr gute Prägung, am deutlichsten dadurch zu unterscheiden, daß sie sich eigenthümlich fettig anfühlen. 4) 10 Pfennig­stücke mit geriffeltem Rande (angehalten in Gera), welche durch diese Veränderung den 50 Pfennigstücken sehr ähnlich geworden sind und statt letzterer an den Mann gebracht werden sollten. Die Riffelung ist sehr regelmäßig und sauber, augenscheinlich mit einer Maschine hergestellt. Also Vorsicht gegenüber allen diesen Falsifikaten!

Aus der Umgegend.

— Frankfurt a. M., 23. Juni. Ein Kunstwerk seltener Art befindet sich gegenwärtig in unserer Stadt und ist am Samstag und Sonntag von io bis i Uhr im Hotel „Stadt Frankfurt" ausgestellt. Erwähntes Kunstwerk ist zugleich eine Antiquität, nämlich ein Schach­spiel, dessen Holzfiguren vor mindestens 200 Jahren mit der Hand ver« fertigt wurden. Einige uns vorgezeigte Stücke sind so wundervoll ge­arbeitet, daß sie zweifellos jeden Kunstfreund in Erstaunen versetzen dürsten. — In einer Wirthschaft der Schüppengasse sand gestern Abend eine blutige Schlägerei statt. Der Kellner wurde dabei von einem Brem­ser mit einem Bierseidel dermaßen vor die Stirne geschlagen, daß eine breite schwere bis auf den Knochen dringende Wunde entstand. Um der Verhaftung zu entgehen, versteckte sich der Thäter in dem Hause. Die Polizei durchsuchte jedoch dasselbe und fand den Geflüchteten schließlich auf dem Dache, von dem sie ihn natürlich herabholte. — Der Schwur­gerichtshof erkannte in seiner gestrigen Sitzung auf Grund des Verdikts der Geschworenen, wonach sich der Angeklagte Albert Sachs des betrü­gerischen und einfachen Bankerotts, 86 Unterschlagungen und 11 Be- trugsfälleu schuldig gemacht, auf eine Zuchthausstrafe von 12 Jahren unter Aberkennung der Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren. — Albert Sachs war heute nach seiner Verurtheilung total gebrochen. Er mußte sich auf seinen Vorführer stützen, um gehen zu können. Nur mit äußerster Mühe gelangte er zu der Droschke, die ihn in das Unter­suchungsgefängniß zurückbrachte. Die Menschenmenge drückte ihre Zu­stimmung zu dem Urtheil durch lauten Beifall aus. — Der Herr Justizminister wird, dem Vernehmen nach, morgen, Samstag, hier ein- treffen, um das sür das Oberlandesgerichtsgebäude rc. in Aussicht ge­nommene Terrain in Augenschein zu nehmen und die desfallsigen Ver- Handlungen mit dem städtischen Commissarius Herrn Oberbürgermeister Dr. Miquel zum Abschluß zu bringen. (Fr. I.)

— Herr Fuhrmann aus Breslau hat das seitherige Safé Dobra gemiethet, um in den oberen Räumen sein Kaiserpanorama, eine Neuheit, wie sie bisher hier noch nicht gezeigt worden sein dürfte, einige Zeit auszustellen. Die Breslauer Blätter sprachen sich anerkennend über das­selbe aus. — Am 20. ds. fand in dem Zoologitchen Garten das Fa­milienfest der Familie Scriba statt und war von 83 Mitgliedern, dieser namentlich in der Wetterau weitverbreiteten Familie, besucht. Die Stim­mung war eine sehr angeregte. Nächstes Jahr soll ebendaselbst wieder eine Vereinigung stattfinden. — Die hessische Ludwigsbahn hat die An­ordnung getroffen, daß der von Hanau Abends 8 Uhr nach Frankfurt abgehende Zug in Wilhelmsbad, wenn Passagiere daselbst sind, anhalten soll. (G.-A.)

— Darmstadt, 23. Juni. Auf Einladung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wird der kommandirende General des XL Ar­meekorps, General der Cavallerie Freiherr v. Schlotheim, hier eintreffen und heute Vormittag von Seiner Majestät dem König von Sachsen empfangen werden, dessen Generalstabs-Chef er im Kriege 1870/71 ge­wesen ist. (H. L.)

— Offenbach, 23. Juni. In der gestern Abend stattgehabten Sitzung der Stadtverordneten wurde ein Schreiben, betreffend die Man­datsniederlegung des Herrn Amtsrichter Schlinik, verlesen. Vor Beginn der Debatte über die Platzfrage der neuen höheren Töchterschule wurde ein Schreiben des Herrn Wilh. Kumps verlesen, worin auch dieser sein