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Nr. 143.

Donnerstag den 22. Juni

1882.

Amtliches.

Der Vieh- und Fleischbeschauer Heinrich Weil zu Bergen ist seines Amtes enthoben.

Hanau am 19. Juni 1882.

Der Landrath.

J. V.: Dr. Klemm, Regierungs-Referendar.

Die Ehefrau des Papiermachers Wilhelm Schlosser, hier wohn­haft, hat einen Paß für sich und ihren Sohn Ewald nach Rußland beantragt.

Hanau am 20. Juni 1882.

Der Landrath.

J. V.: Dr. Klemm, Regierungs-Referendar.

Entlaufen: Ein kleiner tiegergrauer Hund, w. Geschlechts.

Zugelaufen: Ein grau-weißer Neufundländer, W. Geschlechts.

Hanau am 22. Juni 1882.

_______Aus Königl. Landrathsamt.

Die Fischerei und die Nutzung des Eises in dem Teiche und den zugehörigen Wassergraben zu Wilhelms bad soll vom 1. Juli d. J. ab auf 6 Jahre anderweit öffentlich meistbietend verpachtet werden. Termin hierzu ist auf

künftigen Dienstag, den 27. dieses Monats,

Nachmittags 4 Uhr, an Ort und Stelle angesetzt. Zusammenkunft in der sog. großen Wirthschaft. Es wird bemerkt, daß die Reinigung und Ausschlämmung der Gewässer auf fiscalische Kosten geschieht.

Hanau, am 20. Juni 1882.

Der Königliche Domainen-Rentmeister.

5773 Bell.

Tagesschau.

Ems, 21. Juni. Se. Maj. der Kaiser empfingen gestern Mit­tag den Geh. Legationsrath v. Bülow zum Vortrage, dann zum Diner den GeneraUandschaftèdirektor v. Köller aus Stettin, den Generalfeld­marschall Herwarth v. Bittenfeld, den Generallieutenant v. Werder, den Oberst Freiherrn V. Buddenbrock, den Oberstlieutenant v. Colomb, den Oberstlieutenant v. Quednow, sowie den Militärattache v. Prittwitz- Gaffron. Heute machten Se. Majestät nach der Trinkkur eine Prome­nade.

Nachdem der Finanzminister durch eine Verfügung vom 7. d. Mts. eine allgemeine Verlängerung der sämmtlichen Erziehungsbeihülfen, welche bisher für Söhne und Töchter von verstorbenen Beamten des Ressorts der allgemeinen Finanzverwaltung aus dem betreffenden Fonds dieser Verwaltung bewilligt worden sind, angeordnet, hat derselbe durch einen Cirkularerlaß vom 16. d. M. bestimmt, daß die Vorschriften der gedachten Verfügung auch auf die Söhne und Töchter von verstorbenen Beamten aus dem Ressort der Verwaltung der direkten Steuern An­wendung finden, dergestalt, daß diese Erziehungsbeihülfen aus dem Fonds dieser Verwaltung, Titel 11zu Unterstützungen für ausgeschiedene Be­amte sowie zu Pensionen und Unterstützungen für Wittwen und Waisen von Beamten", ohne Unterscheidung zwischen Söhnen und Töchtern von höheren Beamten, von Subalternbeamten und von Unterbeamten, bis zu dem vollendeten achtzehnten Lebensjahre der erziehungsbedürftigen Kinder fortzuzahlen sind, ]ofern nicht deren Zahlung entweder wegen Zeitab- laufs bereits durch Anweisung einer außerordentlichen Unterstützung zu den Kosten weiterer Ausbildung ersetzt ist.

Bekanntmachung auf Grund des Reichsgefetzes vom 21. Oktober 1878. Nach demR.- u. St.-A." Nr. 143 wurde unterm 20. Juni verboten: das Flugblatt, d. d. London, den 10. Juni 1882, mit der UeberschriftParteigenossen", den EingangswortenNoch ist der Prozeß derFreiheit" nicht beendigt" und den SchlußwortenHoch die soziale Revolution!"

Stuttgart, 21. Juni. (Fr. Journ.) Laut einem Extra­blatt der Württembergischen Landeszeitung hat der Staatsanwalt die

Untersuchung gegen die Volksbank-Direktoren Vogel, Kappler und Dief­fenbach wegen betrügerischen Bankerotts und die Verhaftung derselben beschlossen.

Paris, 21. Juni. DieAgence Havas" meldet aus London: Nachdem die formellen Zusagen der Mächte auf die Einladung zu einer Konferenz nunmehr eingegangen sind, tritt die Konferenz morgen m Konstantinopel zusammen. Die dortigen Vertreter der Mächte tau chen morgen zunächst ihre Vollmachten aus.

St. Petersburg, 20. Juni. Durch einen Befehl des Kai­sers an den Senat wird die Zahl der im laufenden Jahre für die Land­armee und für die Marine auszuhebenden Rekruten auf 212 000 festqe- stellt. Ein Kaiserlicher Ukas an den Justiz-Minister verweist die zur Zeit bestehenden Civilgesetze an eine besondere aus im Civilrecht theore­tisch und praktisch erfahrenen Personen gebildete Kommission unter dem Vorsitze des Justizministers; diese Kommission ist beauftragt, einen Ci- vilkodex auszuarbeiten.

Aus Alexandrien in Paris eingegangene Depeschen erklären die Angabe, daß die Zahl der bei den Unruhen getödteten Personen ge­gen 250 betrage, für übertrieben; nach den Berichten der Konsuln seien 46 Europäer ums Leben gekommen; die Zahl der ins Meer geworfenen Leichen übersteige nicht die Anzahl von 30, und die Gesammtzahl aller Getödteten belaufe sich auf etwa 80 bis 90. Augenblicklich herrsche voll­ständige Ruhe.

Reichsgerichts-Entscheidungen.

Stellt bei sog. Antragsdelikten der Antragsberechtigte einen Strafantrag gegen einen an der Strafthat Betheiligten mit der Be­merkung, daß er gegen den anderen Betheiligten keinen Strafantrag stellen wolle, so ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, III. Strafsenats vom 1. April d. I., der Antrag dahin wirksam, daß das Strafverfahren gegen alle Betheiligten eintreten muß.

Lokales.

Hanau, den 22. Juni 1882

- (Impfung.) Den 24. Juni: Nachmittags 2 Uhr ^eüD ton der am 17. Juni dahier geimpften Zöglinge der Knabenbürger- schule II; Nachmittags 4 Uhr Wiederimpfungen für die stöa- linge der Realschule und Nachm. 6 Uhr für die des Gymnasiums 3

Wie uns soeben aus Wiesbaden mitgetheilt wird, haben un­ter den 11 aufgetretenen Bewerbern um die dortige erste Bürgerme ster- stelle die Herren Oberbürgermeister Rauch zu Hanau und kommunal­ständischer Landesrath Schneider in Cassel vor allen anderen Aussicht daß einer von ihnen mit diesem Amte betraut werde. '

Mit dem Heutigen beginnen bei günstiger Witterung die Don- nerstags- Garten-Concerte im Bürgerverein.

Gestern Abend kurz nach 8 Uhr stürzte das etwa ZFFäbrige Töchterchen emes in der Schirngasse wohnenden Schuhmachers aus ei­nem Fenster der im obersten Stockwerk befindlichen Wohnung aus die Straße (Gäßchen zwischen der Hauptwache und Schirngasse) uud trug so schwere Verletzungen davon, daß gegen ^IO Uhr der Tod erfolgte Dieser Vorfall gab Veranlassung zu einem großen Menschenandrana bei der Unglücksstätte. 9

Gestern Abend nach 9 Uhr stürzte in der Nürnbergerstraße das Pferd eines mit Stroh belasteten Wagens; glücklicherweise blieb der hochgeladene Wagen stehen. Auch hier fanden sich schnell viele Zuschauer ein. Mit Hülfe einiger Männer wurde das Pferd, das weiteren Scha­den nicht genommen, wieder auf die Beine gebracht.

Ein Artikel der Offenbacher ZeitungOffenbach und Frankfurt" bespricht am Schluß die Wasserversorgungsverhältaisfe Frankfurts Da auch wir bei dieser Angelegenheit interessirt sind, so glauben wir di- betreffende Stelle des Artikels zum Abdruck bringen zu sollen. D Red"

Nun taucht aber eine neue Frage am Horizont auf, wo Frank­furt der freundlichen Gesinnungen der hessischen Regierung reckt sehr bedarf: die Wasserfrage. Man kennt genugsam die Wassernoth unserer reichen Nachbarstadt, mit der wir in dieser Hinsicht nicht zu tauschen begehren. Die Aufdeckung, bezw Erwerbung neuer Quellen ist daher