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Nr. 141.
Dienstag den 20. Juni
1882.
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Auf das mit dem 1. Juli d. I. beginnende neue Abonnement des „Hanauer Anzeiger"
Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau, welcher im Verlage des hiesigen Waisenhauses täglich mit „Unterhaltnngsblatt^
Samstags mit der „provin)ial-Correspondenz" erscheint, erlauben wir uns hierdurch ergebenst einzuladen.
Wir werden auch in diesem Quartal bemüht sein, unsere geehrten Leser stets mit den neuesten und wichtigsten politischen sowie provinziellen und lokalen Ereignissen auf dem Lau- feuden zu erhalten, ebenso den Vorkommnissen auf dem Gebiete des Handels und der Industrie unsere besondere Aufmerksamkeit schenken.
Für das UnterhaltuuFsblatt werden nur interessante und spannende Novellen erworben, ebenso für reiches Mannichsaltiges Sorge getragen.
Die große und stetig wachsende Abonnentenzahl unseres Blattes ist die beste Garantie, daß Annoncen jeder Art im
.Sanaaer Anzeiger weiteste Verbreitung finden und von wirksamstem Erfolg sind.
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Amtliches.
Nachstehende Bestimmungen, betreffend die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienste, werden hierdurch wiederholt bekannt gemacht:
Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienste darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre nachgesucht werden. Der Nachweis derselben ist bei Verlust des Anrechtes spätestens bis zum 1. April des ersten Militairpflichijahres zu erbringen.
Wer die Berechtigung nachsuchen will, hat sich bei der PrüfungsCommission. in deren Bezirk der Wehrpflichtige ist, spätestens bis znm 1. Februar des ersten Militairpflichijahres schriftlich zu melden.
Alljährlich finden zwei Prüfungen statt, die eine im Frühjahr, die andere im Herbst.
Das Gesuch um Zulassung zur Prüfung mnß für die Frühjahrsprüfung spütesteus bis zum 1. Februar, für die Herdstprüsung spätestens bis zum 1. August angebracht werden.
Hanau den 19. Juni 1882.
Der Landrach.
I. V.: Dr. Klemm, Regierungs-Refercndar.
Für den Georg Leonhard Völkert aus Bockenheim ist zwecks Auswanderung nach Amerika um Entlassung aus dem Staatsverband nachgesucht worden.
Hanau am 16. Juni 1882.
Der Landrath.
J. V.: Dr. Klemm, Regierungs-Referendar.
Zugelaufen: Zwei junge Gänse.
Gesunden: Ein kleines Quantum Goldabfall.
Hanau am 20. Juni 1882.
Aus Königl. Landrathsamt.
Rundschau.
B. F. (Deutsches Reich.) Seitdem im Reichstage die Entscheidung über das Tabakmonopol gefallen ist, hat die Spannung in unserem innern politischen Leben schon merklich nachgelassen, denn mit dem Monopol ist ein Gegenstand von der Bildfläche verschwunden, welcher unser öffentliches Leben jahrelang beschäftigte. Diese Spannung wird sich indessen noch weiter mindern, da mit der bereits am Freitag den 16. Juni erfolgten Vertagung des Reichstages bis zum 30. November dieses Jahres auch die übrigen, das allgemeine Interesse beschäftigenden Tagesfragen unserer innern Politik, wie die focialpolit-schen Gesttzentwürfe bezüglich der Arbeiter-Kranken- und Unfallversicherung, einstweilen in den Hintergrund treten. — Was die übrigen Verhandlungen des Reichstages noch anbelangt, so sind sie gegenüber den unmittelbar vorausgegangenen Debatten über das Monopol von unerheblichem Interesse. Am Donnerstag hielt der Reichstag die Nachlese zum Monopol; er lehnte sämmtliche übrigen Paragraphen der Monopolvortage ab und ging dann zur Diskussion der hierzu gestellten verschiedenen Anträge über, wobei namentlich der Abgeordnete v. Bennigsen eine Rede über unsere inneren Verhältnisse hielt. Schließlich wurde mit 155 gegen 150 Stimmen der modificirte Commissionsantrag angenommen, wonach sich der Reichstag gegen jede weitere Beunruhigung und Belästigung der Tabakindustrie erklärt. Am Freitag genehmigte der Reichstag zunächst den Antrag des Bundesrathes auf redaktionelle Aenderung der neulichen Beschlüsse des Reichstages zur Zolltarifnovelle, worauf auch der Antrag des Reichskanzlers, den Reichstag vom 19. Juni bis 30. November er. zu vertagen, mit großer Majorität zur Annahme gelangte. Nachdem das Haus noch verschiedene Angelegenheiten, darunter den Antrag der elsaß-lothringiscken Abgeordneten auf Zulässigkeit der französischen Sprache bei den Verhandlungen des Landes-Ausschusses — welcher wider allgemeines Erwarten die Genehmigung des Hauses fand — erledigt hatte, erklärte Staatssekretär v. Bötticher den Reichstag im Namen des Kaisers vom 19. Juni bis 30. November für vertagt. Die nächste Sitzung findet am 30. November statt.
Die eingetretene Vertagung der Reichstagsverhandlungen auf nahezu ein halbes Jahr ist unter den gegenwärtig obwaltenden Arbeitsverhältnissen des Reichstages noch als der beste Ausweg zu betrachten. Denn wenn der Reichstag jetzt sein vollständiges Arbeitsprogramm, auf welchem außer verschiedenen Anträgen und kleineren Vorlagen die entscheidenden Berathungen über die Gewerbeordnungsnovelle und die beiden Versicherungsvorlagen standen, hätte erledigen wollen, so würde er voraussichtlich hierzu den halben Sommer gebraucht haben, namentlich da die Commissionen für die genannten Gesetzentwürfe mit ihren Berathungen noch lange nicht zu Ende sind. Die Commissionen werden ihre Verhandlungen vermuthlich Ende Oktober oder Anfang November wiedir aufnehmen, so daß die von ihnen durchberathenen Vorlagen dem Plenum des Reichstages gleich bei dessen Wiederzusammentritte am 30. November zugehen können.
(Oesterreich-Ungarn.) Das czechische Element in Böhmen erobert sich, wenn auch nur schrittweise, immer mehr Terrain. Ein neuer Beweis hierfür ist der Sieg, den die Czechen bei den Pilsener Handelskammer-Wahlen in der Handelssektion davongetragen haben. Zwar behaupten die Deutschen in der Pilsener Handelskammer einstweilen noch die Majorität mit 19 gegen 17 Stimmen, aber die Czechen haben bei den letzten Wahlen fünf neue Sitze gewonnen und wenn sie