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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.

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Die tspaltige Earmondzeile 66. deren Raum

10 M.

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Nr. 140.

Montag den 19. Juni

1882.

Amtliches.

Gefunden: Eine wollene Unterjacke. Ein Portemonnaie mit Gilb. Ein weißes Taschentuch.

Verloren: Eine Peitsche. Ein Portemonnaie mit Geld. Ein Barbier-Streichriemen. Ein messingenes Mundblech von einer Säbel­scheide.

Hanau am 17. Juni 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau.

— Berlin, 17. Juni. Heute empfingen Se. Majestät Se. Hoheit den Erbprinzen von Sachsen-Meiningen, besichtigten darauf ein­gehend die Entwürfe zum Reichstagsbau im provisorischen Kunstaus­stellungsgebäude und sprachen nach der Rückkehr den Chef des Militär- Kabinets, General-Adjutanten von Albedyll sowie den General-Quartier­meister Grafen von Waldersee.

— Berlin, 17. Juni. Der „Reichsanzeiger" publizirt das Ge­setz, betr. die Einsetzung von Bezirkseisenbahnräthen und eines Landes­eisenbahnrathes. Dasselbe Blatt schreibt: Die Angaben in der Rededes Reichskanzlers vom 12. Juni über die Menge der Klassensteuer- Exeku­tionen haben starken Eindruck gemacht, obwohl das Material, wie der Reichskanzler hervorhob, bereits in den Motiven des Verwendungsge­setzes enthalten war. Es fehle nicht an Versuchen, die Bedeutung jener Zahlen zu verringern, wie überhaupt den Eindruck der Ausführung des Reichskanzlers abzuschwächen.

— Die Königliche Eisenbahndirektion zu Elberseld ist mit der An- sertigung genereller Vorarbeiten für eine Eisenbahn von dem Personen­bahnhof an der Schiffbrücke in Deutz zum Anschluß an die rechtsrhei­nische Bahn am Gremberger Walde bezw. an die Deutz-Gießener Bahn in der Nähe von Kalk beauftragt worden.

— Witten. In der verflossenen Woche weilte ein belgischer In­genieur in unserer Stadt, welcher auf der hiesigen Centralwerkstätte der Bergisch-Märkischen Eisenbahn hochinteressante Versuche vornahm, um eine wichtige Erfindung, die er vor Kurzem gemacht, vorzuführen. Es handelt sich um das Geheimniß, Stahl auf Stahl in rothwarmem Zu­stande zu schweißen, d. h. also zwei Stahlstücke, ohne sie schweißwarm zu machen, unauflöslich miteinander zu verbinden. Der aenannte In­genieur ist im Besitze eines Mittels, welches die Schweißung ermöglicht.

— Cob lenz, 16. Juni. Bei der am 12. d. M. stattgehabten Rerchstagsnachwahl im dritten Wahlkreise Coblenz-St. Goar erhielt von 10 297 abgegebenen Stimmen Professor Dr. Freiherr v. Hertling in München (Centr.) 9714, der Gegenkandidat Eugen Richter (Fortschr.) 339 Stimmen.

Paris, 18. Juni. Eine Havas-Meldung aus London sagt: England und Frankreich schlugen den anderen Mächten ein Uneigen, nützigkeitsprotokoll vor, worin alle Mächte versprechen, die Integrität des egyptischen Gebiets zu respektiren, nichts ohne das europäische Concert zu thun. Die Annahme desselben Seitens aller Mächte erscheine als gewiß. Der Sultan meine zwar, die Türkei dürfe an der Conferenz nicht Theil nehmen, wende aber nichts dagegen ein, daß die Conferenz in Konstantinopel tage, um den Verkehr mit der Pforte zu erleichtern.

— Petersburg, 17. Juni. Das „Journal de St. Pöters- bourg" veröffentlicht einen Kaiserlichen Ukas, durch welchen der General­major Vlangali unter Verleihung des Ranges eines Geheimen Rathes zum Gehülfen des Ministers des Innern ernannt wird. — Dasselbe Blatt schreibt anläßlich der Entsendung der Schiffe fremder Mächte nach Alexandrien: Rußland habe analoge Dispositionen wie die übrigen Mächte zum Schutze der Konsuln und Staatsangehörigen durch die Ent­sendung von Kriegsschiffen in die egyptischen Gewässer getroffen. Sollte die Landung türkischer Truppen erforderlich sein, so würde sie unter der Kontrole der Mächte und für eine bestimmte Dauer stattfinden. Die Konferenz sei unvermeidlich, aber sie müsse sich ausschließlich mit den egyptischen Angelegenheiten beschäftigen.

— Aus Kairo wird gemeldet: Eine große Anzahl Europäer ist abgereist. Die Cafös, die Läden und Banken sind geschlossen. Die Po- lizn verhaftete gestern einen gewissen Mahmud, einen früheren Mame­

lucken des verstorbenen Khedive Abbas, welcher alarmirende Gerüchte verbreitete und die Fremden dadurch zur Flucht veranlassen wollte. Das Telegrahenamt ist zeitweise geschlossen und es wird bekannt gegeben, daß Telegramme nur auf Gefahr des Aufgebers befördert werden.

Spezial-Telegramme des Deutschen Montags-Blattes.

— Konstantinopel, 18. Juni, Morgens. Die Bedenken des Sultans gegen die Konferenz, welcher er im Prinzipe bereits am 14. d. Mts. zugestimmt hat, bestehen in dem begründeten Mißtrauen desselben gegen die Gladstonesche englische Politik, von Welcker die Türkei auf der Konferenz nichts Gutes zu erwarten habe. Der Sultan befürchtet na­mentlich von englischer Seite die Aufwerfung von Fragen, die sich direkt gegen seine Souveränetät in Egypten richten. Thatsache ist, wie ich von betheiligt diplomatischer Seite erfahre, daß das englische Kabinet im Ge­gensatz zu allen anderen Mächten die bündige Erklärung, daß den Ge­genstand der Verhandlungen auf der Konferenz ausschließlich die egyp- tische Angelegenheit bilden soll, bis zur Stunde noch nicht abgegeben hat. Doch wird dieselbe zuversichtlich noch im Laufe des heutigen Tages er­wartet und würde unmittelbar darauf der Zusammentritt der Konferenz erfolgen.

— Wien, 18. Juni, Morgens. Gestern Nachmittag notifizirten die Botschafter Lord Elliot und Graf Duchatel dem hiesigen auswärtigen Amte, daß die Westmächte die Pforte aufforderten, bis heute Mittag be­züglich der Konferenz einen Entschluß zu fassen, widrigenfalls die West­mächte die Abhaltung der Konferenz ohne die Pforte beantragen würden. Graf Kalnoky erwiderte, Oesterreich werde bereitwilligst die Schlichtung der egyptischen Angelegenheit unterstützen, hoffend daß die Westmächte den bisherigen Standpunkt nicht verlassen und die Souveränetät des Sultans nicht beeinträchtigen. Die englischen Meldungen, der deutsche und österreichische Generalkonsul in Egypten Hütten den Khedive „be­stürmt", ein neues Ministerium mit Rhagib zu berufen, ist in dieser Form unrichtig. Die beiden Funktionäre versuchten lediglich einen Aus­gleich zwischen dem Khedive und Aarabi. Heute trafen in Triest die ersten 360 Flüchtlinge ein. Von Pola ist gestern ein zweites österreichi­sches Kriegsschiff, von Triest sind drei weitere Lloyddampfer nach Alexan- drien abgegangen. Anstatt Kallay ist Graf Hoyos zum ersten, ferner Graf Szoegyeni zum zweiten Sektionschef im Auswärtigen Amte er­nannt. Kallays Reise in die okkupirten Provinzen wurde verschoben.

— Petersburg, 18. Juni. Eine an allerhöchster Stelle bestä- tigte Resolution der Synode untersagt den Nicht-Christen den öffent­lichen Handel mit Heiligenbildern, Kreuzen und christlichem Kirchenge- räth.

— Rom, 18. Juni, Vormittags. Bei der heutigen Truppenrevue zu Ehren des Verfassungsfestes erschien der italienische Kronprinz zum ersten Male in Kadettenuniform zu Pferde neben dem König, auf der anderen Seite des Herrschers ritt der deutsche Botschafter Herr v. Keudell in Kürassieruniform, die Königin folgte zu Wagen. Eine endlose Menge begrüßte enthusiastisch das Königspaar, welches nachher mit dem jungen Kronprinzen auf dem Balkon des Quirinals erscheinen mußte.

— Petersburg, 18. Juni. Der Seehafen der Eisenbahnstation Putilow und der Petersburger Seekanal sind nunmehr für Fahrzeuge mit einem Tiefgänge bis 15Vr Fuß dem Verkehr übergeben worden; mithin können Waaren nach und aus Petersburg ohne Umladung in Kronstadt verschifft werden. Die Eisenbahnstation Putilow steht in direk­ter Verbindung mit dem allgemeinen Eisenbahnnetze.

— Zur Warnung europäischer Arbeiter vor Engagements für den Panamalkanalbau veröffentlicht die italienische Gesellschaft für Gesund­heitspflege einen auf ihren Wunsch von dem bekannten Reisenden Prada verfaßten Bericht über die Gesundheitsverhältnisse auf dem Isthmus, dem wir folgendes entnehmen: „Die Arbeiten werden nach Lcssips' Be­rechnung 6—7 Jahre in Anspruch nehmen und ungefähr 8000 Arbeiter beschäftigen. Der Kanal wird 17 Meilen lang sein und, wie man sagt, schmäler und tiefer, als der von Suez. Er wird sich von Colombo (Colon) am Antillenmeer bis Panama am Stillen Ocean erstrecken. Colombo ist eine kleine Stadt mit ca. 4000 Einwohnern — eine häß-