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Nr. 136.

Mittwoch den 14. Juni

Amtliches.

Bekanntmachung.

Vom 15. Juni ab werden

a. Bischofsheim vom Landbestellbezirke in Bergen,

k A"W^rhof I ö Landbestellbezirke in Bruchköbel,

c. Mittelbucheu ) 1 * '

c .Hochstadt^^^" I vom Landbestellbezirke in Dörnigheim abgezweigt und dem Landbezirke des unterzeichneten Postamts zugetheilt.

Die genannten Orte haben vom obenerwähnten Tage an durch einen hiesigen mit Fuhrwerk ausgerüsteten Landbriesträger wochentäglich zwei­malige Bestellung.

Der Landbriefträger fährt um 8 Uhr Vorm, von hier ab und hat die Landpostfahrt behufs der Bestellung und Einsammlung von Post­sendungen in den obengenannten Orten bis Mainkur auszudehnen, Wo­selbst er die ihm von hier aus mittels eines geschlossenen Briefpackets im Bahnzuge 2,15 Rachm. weiter zuzuführenden Briefe und Zeitungen zu 1 er auf der Rückfahrt stattfindenden 2ten Bestellung in Empfang zu nehmen und die in den Unterwegsorten gesammelten Briefe abzuweisen hat.

Dem Landbriefträger ist gestattet, 1 bis 2 ihm bekannte, zuverlässige Reisende auf dem Wagen für seine eigene Rechnung und Gefahr mit­zunehmen. Der festgesetzte Personengeldsatz beträgt für jedes Kilometer TVä Pfennig, mindestens aber 20 Pfennig für Strecken, für welche das nach der Kilometerzahl berechnete Personengeld diesen Betrag nicht erreicht.

Hanau, 11. Juni 1882.

Kaiserliches Postamt. Lins.

Rundschau.

B. F. (Deutsches Reich.) Am vergangenen Sonntag hat im Kronprinzlichen Palais die Taufe des Urenkels des Kaisers stattgefun­den, welchem feierlichen Akte eine äußerst glänzende Versammlung bei­wohnte. Von fürstlichen Persönlichkeiten waren außer Sr. Maj dem Kaiser und der Kaiserin und den übrigen Mitgliedern der Kaiserlichen Familie König Albert von Sachsen, Kronprinz Rudolf von Oesterreich, der Herzog von Aosta, als Vertreter des Königs von Italien, Großfürst Sergius von Rußland, sowie Vertreter der deutschen und der andern auswärtigen Fürstenhäuser zugegen. Die Taufhandlung selbst wurde vom Ober-Hosprediger Schloßpfarrer Dr. Kögel vollzogen.

Der Reichstag überwies in seiner Sonnabendssitzung die Vorlage betreffs Fürsorge der Relikten von Angehörigen des Reichsheeres und der Marine einer Commission von 14 Mitgliedern. Die socialistischen Abgeordneten Hasenclever und Kayser brachten die Angelegenheit des seiner Zeit in Stuttgart verhafteten Reichstagsabgeordneten Dietz (soc.- dem.) zur Sprache und erklärten die Ausführung des hierauf bezüglichen Reichstagsbeschlusses für ungenügend. Bundeskommissar Wegmann recht­fertigte das Verfahren des Bundesrathes, womit dieser Gegenstand erle­digt ist. Für die nächste Sitzung am Montag den 12. Juni standen der Nachtragsetat und die zweite Berathung des Tabakmonopols auf der Tagesordnung. Das Erscheinen des Reichskanzlers wurde bestimmt er­wartet.

Bei der im 7. sächsischen Reichstagswahlkreise (Meißen-Großen- hain) stattgefnndenen Stichwahl erhielt Käuipffer 6761 und Schillert (freiern?) 6318 Stimmen. Da einzelne noch außenstehende Dörfer an dem Grsammtergebniß nichts mehr ändern können, so ist demnach der fortschrittliche Candidat gewählt worden.

Das Befinden Sr. kgl. Hoheit des Prinzen Karl von Preußen ist in den letzten Tagen leider weniger befriedigend gewesen, weil bei dem nunmehr freien Bewußtsein von dem erlauchten Patienten die Beschwerden des Verbandes mehr empfunden werden. Indessen gibt nach ärztlicher Versicherung der Zustand des Prinzen, wenn man sein hohes Alter auch berücksichtigen muß, zu ernsten Besorgnissen keinen Anlaß.

Bei der in Greifswald stattgefundenen Ersatzwahl zum Reichstage ist der liberale Candidat, Senator Stoll, mit 6120 Stimmen gegen 5460 Stimmen, welche der konservative Gegenkandidat Graf Behr er­hielt, zum Abgeordneten gewählt worden.

(Oesterreich-Ungarn.) Im ungarischen Unterhause hat sich

1882.

am Freitag wieder einmal eine Scandalscene abgespielt, wie sie in den Annalen desselben allerdings nicht gerade zu den Seltenheiten gehören. Infolge von Aeußerungen des Abgeordneten Wahrmann mit Bezug auf die Debatte über die Auswanderung russischer Juden forderte Abg. Jstoczy (Antisemit) denselben. Da Wahrmann bte Forderung ablehnte, beschimpfte ihn Jstoczy im Lesesaale, Wahrmann vergalt mit gleicher Münze und nur durch das Dazwischentreten der Anwesenden wurden Thätlichkeiten verhindert. Jstoczy meldete dem Vorstande der liberalen Partei sofort seinen Autritt aus derselben an. Wegen dieses Zwischen­falles wurde die öffentliche Sitzung abgebrochen und eine geheime Sitzung abgehalten. Nach Wiederaufnahme der ersteren sprach das Haus auf Antrag des Präsidenten eine Rüge über die stattgehabte thatsächliche Jnsultirung aus. Die Session des ungarischen Reichstages ist am 10. Juni durch königliches Rescript geschlossen und der Beginn der neuen Session aus den 15. Oktober festgesetzt worden.

(Frankreich.) Die französische Deputirtenkammer nahm bei der Berathung der Justiz-Vorlage am Sonnabend die Aushebung der Unab­setzbarkeit der Richter mit 300 gegen 204 Stimmen an und beschloß hierauf trotz des Widerspruchs des Justizministers das Prinzip der Erwählung der Richter mit 284 gegen 212 Stimmen.

(England.) Nachdem aus Irland eine ganze Woche hindurch nichts von neuen agrarischen Verbrechen zu hören gewesen war, kommt aus dem unglücklichen Lande die Kunde, daß die irischen Mordbanden ihre unheimliche Thätigkeit wieder ausgenommen haben. Am Abend des 8. Juni wurde der in Rahasane (Grafschaft Galway) wohnende Eigen­thümer Walter Bourke, als er aus der Stadt nach Hause zurückkehrte, erschossen, ebenso wurde der ihn begleitende Dragoner durch einen Schuß getödtet. Bourke war schon seit längerer Zeit Feindseligkeiten Seitens seiner Pächter ausgesetzt, so daß man unter ihnen ohne Zweifel, den oder die Mörder zu suchen haben wird. Bis jetzt sind in Folge dieses Mordes keine Verhaftungen erfolgt und ist es auch sehr fraglich, ob es bei den auf Irland herrschenden Verhältnissen gelingen wird, die Mörder Bourke's zu eruiren. Ferner wurden am folgenden Tage an verschiede­nen Orten des westlichen Irlands Mordversuche gegen vier Pächter be­gangen, welche sämmtlich erheblich verwundet worden sind.

(Italien.) Die Dispositionen bezüglich der Bestattung Gari- baldi's scheinen noch in letzter Stunde verändert worden zu sein. We­nigstens meldet der Telegraph, daß der Sarg, in welchem sich die ir­dischen Ueberreste Garibaldi's befunden, auf dem Friedhofe von Madda­lena auf Caprera beigesetzt worden sei. Der elektrische Draht hat aber nichts davon gemeldet, ob der feierlichen Bestattung die Verbrennung des Leichnams vorausgegangen sei, wie es Garibaldi in seinem Testa­mente angeordnet hatte. Die Nachricht von der stattgefundenen Feuer­bestattung des Leichnams Garibaldi's wäre demnach eine irrthümliche, mindestens eine verfrühte gewesen. Bestimmtere Nachrichten hierüber lagen aber merkwürdiger Weise bis zum Sonnabend Mittag noch nicht vor.

(Spanien.) Innerhalb der ministeriellen (liberalen) Partei Spaniens sind schon seit längerer Zeit Meinungsverschiedenheiten aufge­taucht, welche für den Weiterbestano des Cabinets Sagasta nicht unbe­denklich erscheinen. Einem Theile der Partei neigt das Ministerium zu sehr nach rechts und die Führer dieses Flügels, wie Marschall Servano, wünschen daher, daß die spanische Regierung ihren liberalen Standpunkt entschiedener betone. Vorläufig wollen aber die Ministeriellen noch abwarten, ob der Ministerpräsident Sagasta von selbst ihren Wünschen entgegenkommt.

(Egypten.) Die türkische Mission ist zur Zeit der Angelpunkt, um den sich die egyptischen Angelegenheiten drehen. In Konstantinopel hofft man zuversichtlich aus den Erfolg Derwisch Pafcha's und seiner Begleiter und die günstige Aufnahme, welche dieselben bei den Truppen wie bei der Bevölkerung in Kairo gefunden haben, scheint für die Be­rechtigung dieser Hoffnung zu sprechen. Die Haltung Arabi Pascha's ist indessen eine ziemlich zweideutige, er soll zwar erklärt haben, die Autorität des Sultans anzuerkennen, aber daneben sollen sich seine Be­strebungen noch immer auf die Beseitigung Tewsik Pascha's richten, während die Pforte gerade die Aufrechterhaltung der Herrschaft des jetzigen Vicekönigs wünscht. Man darf also vorläufig der Mission Derwisch Pascha's nicht allzu optimistisch gegenübertreten. Unter diesen