Abonnements» Preis:
Jährlich 9 Mark. H°lbj.4M.S0PK.
Vierteljährlich 2 Marl 25 Ps» Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag. Die einzelne N»- mer 10 Psg.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.
Insertions- Preis:
Die ispaltige Garmondzeile ob. deren Raum io Pfg.
Die Ljpalt. Zeile 20 Pfg.
Die SsPaltigeZcile 30 *fg.
Nr. 133.
Freitag den 9. Juni
M^I^
1882.
^^^M«»
Amtliches. Amortisations'Erklärung.
Der auf den Namen des Georg Bindewald zu Eschersheim unterm 11. November 1881 sub Nr. 164 ausgestellte Legitimations- Gewerbeschein für das Jahr 1882 zum Sammeln von Lumpen und Knochen, ist angeblich verloren worden. Wir haben dem Genannten heute einen Duplikatschein ertheilt und erklären das Original für ungültig, verwarnen auch vor jeder event, mißbräuchlichen Benutzung desselben.
Cassel, den 30. Mai 1882.
Königliche Regierung, Abtheilung für direkte Steuern, Domänen u. Forsten. Bechtold i. V.
Rundschau.
B. F. (Deutsches Reich.) Die am kommenden Sonntag, den 11. Juni, im kronprinzlichen Palais zu Potsdam stattfindende Taufe des Kaiserenkels wird einen glänzenden Kreis fürstlicher Gäste in Berlin und Potsdam versammeln. Unter denselben werden sich auch der König von Sachsen und Kronprinz Rudolf von Oesterreich befinden, dagegen ist es noch immer zweifelhaft, ob auch König Humbert von Italien zu den Tauffeierlichkeiten eintreffen wird. Die amtliche Zeitung in Rom meldet allerdings, daß König Humbert die Einladung des Prinzen Wilhelm, der Taufe seines Erstgeborenen beizuwohnen, angenommen hat, doch ist hiermit die Frage immer noch nicht entschieden, ob König Humbert persönlich erscheinen oder sich vertreten lassen wird.
Der Pulsschlag unseres öffentlichen Lebens ist mit der am vergangenen Dienstag erfolgten Wiederaufnahme der Reichstagsverhandlungen nach dreiwöchentlicher Pfingstpause wieder ein regerer geworden und die bevorstehenden Entscheidungen des Reichstages über die ihn beschäftigenden wichtigen Vorlagen beanspruchen in hohem Maße das allgemeine Interesse. An genanntem Tage trat der Reichstag in die zweite Berathung der Zolltarif-Novelle ein und entspann sich gleich über §. 1 der Vorlage eine eingehende Debatte; derselbe betrifft die Aufhebung des Identitätsnachweises für die Rückvergütung des Getreidezolles bei der Ausfuhr von Mühlenfabrikaten und wurde der Paragraph schließlich mit großer Majorität angenommen. Dagegen wurden die sämmtlichen in §. 2 der Vorlage vorgeschlagenen Zollerhöhungen infolge der stärkeren Besetzung der linken Seite des Hauses gegen die Stimmen der Conser- vativen und des Centrums abgelehnt; ferner wurde ein Antrag des socialdemokratischen Abgeordneten Riitinghausen, wonach 100 Kilo Perlmutterstücke nur einem Zoll von 10 Mark unterliegen sollen, angenommen und zwar ebenfalls gegen die Stimmen der Conservativen und des Centrums. Schließlich wurde §. 3 der Vorlage, nach welchem das Gesetz am 1. Juli 1882 in Kraft tritt, angenommen, womit die zweite Berathung der Zolltarif.Novelle beendigt ist. In seiner nächsten Sitzung am Mittwoch beschäftigte sich der Reichstag mit dem Antrag Barth, betreffend die Herabsetzung des Schmalzzolles, dem sogenannten Reliktengesetz für Heer und Marine, Wahlprüfungen u. s. w.
Der Dienstags-Sitzung des Reichstages wohnte auch der Reichskanzler Fürst Bismarck, welcher am Montag Abend im besten Wohlsein von Friedrichsruhe wieder in Berlin eingetroffen ist, auf kurze Zeit bei; später hielt Fürst Bismarck dem Kaiser einen längeren Vortrag. Der Kanzler wird vermuthlich noch der bevorstehenden zweiten Lesung der Tabakmonopol-Vorlage im Reichstage beiwohnen und sich dann zum Kurgebrauche nach Kissingen begeben, wo man zu seinem Empfange bereits gerüstet ist.
(Oesterrei ch-Ung arn.) In der österreichischen Monarchie ist mit der Ernennung des Sektionschefs im auswärtigen Amte, Baron von Kallay, zum Reichsfinanzminister die fünfwöchentliche Krisis im Finanzministerium definitiv beendigt worden. Der österreichischen Regierung ist hierbei die seltene Genugthuung zu Theil geworden, es einmal allen Parteien recht gemacht zu haben, denn Deutsche wie Ungarn und Sla. ven stimmten der Ernennung Kallay's rückhaltlos zu. Der neue Reichsfinanzminister gilt als einer der besten Kenner der occupirten Provinzen, deren Verwaltung seinem Ressort nach wie vor unterstellt bleibt, und man hegt daher auf allen Seiten das Vertrauen, daß Baron Kallay der geeignetste Mann sei, die Herrschaft Oesterreich-Ungarns in „Neu-Oester
reich" moralisch zu befestigen. Welcher Mittel er sich hierbei zu bedienen gedenkt, darüber wird wohl bald etwas Näheres zu erfahren sein.
(Frankreich.) Regierung und Volk von Frankreich bekunden eine außerordentlich lebhafte Theilnahme anläßlich des Ablebens Gari- baldi's. Das Pariser auswärtige Amt hat die diplomatischen Agenten Frankreichs in Italien angewiesen, sich überall den Kundgebungen des italienischen Volkes anzuschließen, sobald dieselben nicht in feindliche Auslassungen gegen die italienische Regierung ausarten. Der Pariser Gemeinderath wird fünf Vertreter zu der Todenfeier für Garibaldi entsenden, auch die französische Presse, soweit sie republikanisch ist, wird bei dieser Feier durch eine Deputation vertreten sein. Die republikanischen Journalisten von Paris haben außerdem den Beschluß gefaßt, für die Errichtung eines Denkmales für Garibaldi in Paris zu wirken, zu welchem Zwecke von ihnen ein Ausschuß niedergesetzt worden ist.
(England.) In England stehen die irischen wie die egyptischen Angelegenheiten fortgesetzt auf der politischen Tagesordnung. Bezüglich der Behandlung der irischen Frage sind Liberale wie Conservative darin einig, daß die Zügel in Irland unbedingt schärfer angezogen werden müssen und diese Uebereinstimmung tritt auch bei den Debatten im Unterhause über die irische Zwangsbill hervor. Lediglich gegen die Stimmen der irischen Deputirten wurden in der Dienstags-Sitzung des Unterhauses die beiden ersten Artikel der erwähnten Vorlage angenommen und es ist demnach nicht zu zweifeln, daß auch die Zwangsbill im Ganzen die Genehmigung des Hauses finden werde.
(Italien.) Der Tod Garibaldi's steht für Italien natürlich im Vordergründe des öffentlichen Interesses. In allen Städten des Landes finden Trauerkundgebungen statt, der Gemeinderath von Rom hat zugleich als Zeichen seiner Trauer seine Sitzungen bis zum 12. Juni vertagt und außerdem mit einer Zeichnung von 80 000 Lire die Subscrip- tion für ein Garibaldi zu errichtendes Nationaldenkmal eröffnet. Ferner soll auf dem Monte Pincio in Rom neben den Büsten der berühmtesten Italiener auch diejenige des dahingeschiedenen Volkshelden aufgestellt werden. Zu der Feuerbestattung der Leiche Garibaldi's sind die Vertreter der Regierung, des Parlaments und der Stadt Rom bereits nach Caprera abgereist, wo sich schon der Sekretair der Mailänder Leichen- verbrennungs-Gesellschaft, Dr. Pini, befindet, um die Vorbereitungen zur Verbrennung der irdischen Ueberreste Garibaldi's zu leiten.
(Schweiz.) Der schweizerische Nationalrath hat am 5. Juni sein Präsidium gewählt, wobei die radikale Partei den Sieg davontrug. Zum Präsidenten wurde Deutcher aus Thurgau, zum Vicepräsidenten Kaiser aus Solothurn gewählt. Auch der Ständerath wählte am gleichen Tage sein Präsidium und wurde Vigier aus Solothurn zum Präsidenten, Hauser aus Zürich zum Vicepräsidenten gewählt. Sämmtliche Gewählte gehören der radikalen Partei an. Die genannte Partei hat zugleich einen weiteren Erfolg zu verzeichnen, indem der Nationalrath die von dem radikalen Abgeordneten Morel beantragte Resolution, welche der italienischen Nation die Theilnahme des Schweizervolkes anläßlich des Todes Garibaldi's ausdrückt, mit 63 gegen 20 Stimmen annahm.
(Scand inavien.) In Stockholm fand am 6. Juni die Feier der silbernen Hochzeit des schwedischen Königspaares unter allgemeiner Theilnahme der Bevölkerung statt. Aus den Provinzen, selbst aus den entlegentsten Theilen Norwegens, waren zahlreiche Deputationen in der festlich geschmückten Hauptstadt eingetroffen, um das Jubelpaar zu beglückwünschen. Sämmtliche Zeitungen brachten anläßlich des Festes sehr sympathische Artikel.
(Egypten.) Die egyptische Wetterwolke steht noch immer drohend am allgemeinen politischen Horizonte und will sich trotz aller Bemühungen der Mächte noch nicht auflösen. Da das Conferenzprojekt infolge der ablehnenden Haltung der Pforte für jetzt wenigstens von der Bildfläche verschwunden ist, so concentrirt sich nun das Interesse an den egyptischen Angelegenheiten auf die türkische Mission nach Kairo, deren Auftreten man mit großer Spannung entgegensieht. Bis dahin ruhen die diplomatischen Waffen und werden erst dann wieder ausgenommen werden, wenn die Mission des Sultans scheitern sollte, worüber sich aber zur Siunde noch nichts sagen läßt. Im Uebrigen hat aber die egyptische Frage noch nichts von ihrer Schärfe verloren und wird darum jedenfalls noch auf längere Zeit den Gang der hohen Politik beeinflussen.