Aussehen zeigen, eine erhöhte und besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, weil die amerikanischen Reben theils gar nicht, theils weit später als deutsche und andere Reben den Angriffen der Reblaus erliegen und es deßhalb wohl der Fall sein kann, daß amerikanische Reben, obschon sie vollkommen gesund erscheinen, Herde der Reblaus sind, von denen aus sich letztere verbreitet.
Die Mitglieder der Lokal-Commission müssen, wenn sich der Verdacht des Vorhandenseins der Reblaus herausstellt, ihr Augenmerk darauf richten, daß jedes Verbringen von verdächtigen Reben und von Theilen solcher Reben unterbleibt. Abgesehen davon, daß so die Gefahr einer möglichen Verschleppung verhütet wird, bleibt auf diese Weise ein für die Untersuchung oft werthvolles Material erhalten. Es kommen ganz besonders in Betracht die äußeren Erscheinungen der Reblaus- Krankheit an den Weinstöcken über der Erde. Dr. Wittmack beschreibt dieselben wie folgt:
„1. Stadium. Mitten in einem Weinberge bemerkt man einzelne rundliche Stellen, an denen die Blätter der Stöcke früher (oft schon im Juni und Juli) gelb werden, sich an den Rändern umrollen, vertrocknen und zeitig von unten an abfallen. Die Stöcke selbst können vabei sonst noch ganz gut entwickelt erscheinen, fallen aber doch gegen die sie umgebenden frisch grünen schon auf.
2. Stadium. Im nächsten Frühjahre bleiben die auf den kreisförmigen Stellen angegriffenen Stöcke schon merklich in ihrer Vegetation zurück; sie machen nur kurze Vs bis 2/s Meter lange Schösse, bringen wenig Trauben, die schwer reifen und Beeren von wässerigem Geschmack tragen. Zugleich zeigen die den Kreis umgebenden noch kräftig scheinenden Stöcke im Nachsommer oder Herbste das srühe Gelbwerden, wie die kranken es im vorigen Jahre erkennen ließen."
Ich ersuche die Herren Bürgermeister der betreffenden Gemeinden, die Bildung der Lokal Commissionen, die Eintheilung des Weinbergsareals in Beobachtungsbezirke und die Zutheilung dieser Bezirke an die Commissions-Mitglieder zu veranlassen und, daß dieses geschehen, bis zum 10. Juli anzuzeigen.
Die Feldschützen sind von den Herren Bürgermeistern über die vorher angeführten äußeren Erscheinungen der Reblaus-Krankheit zu belehren und anzuweisen, daß sie von jeder hier einschlagenden Wahrnehmung sowohl Ihnen als auch den Mitgliedern der Lokal-Commission Mittheilung machen.
Die Herren Bürgermeister haben sich mit den Mitgliedern der Lokal Commission dahin zu verständigen, daß Sie von den den Verdacht der Reblaus begründenden Erscheinungen unverweilt Kenntniß erhalten. Selbstverständlich ist vorkommendenfalls von den Herrn Bürgermeistern, unabhängig von der Seitens der Lokal-Commission mir direkt zu machenden Anzeige, ohne allen Zeitverlust über den Sachverhalt zu berichten.
An die Besitzer von Rebpflanzungen richte ich das dringende Ersuchen, die Mitglieder der Aufsichts-Commissionen in der Erfüllung ihrer Aufgabe unterstützen, denselben etwaige Wahrnehmungen über verdächtige Krankheits-Erscheinungen an den Weinreben mittheilen, je nach Umständen von solchen Wahrnehmungen auch mir direkt Kenntniß geben zu wollen."
Tagesschau.
— Berlin, 6. Juni. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute den Polizeipräsidenten von Madai, nahmen militärische Meldungen und demnächst den Vortrag des General- Quartiermeisters Grafen von Waldersee und des Oberst-Lieutenants v. Brauchitsch entgegen. Nachmittags 4 Uhr empfingen Se. Majestät den Reichskanzler Fürsten von Bismarck.
— Berlin, 6. Juni. (Reichstag. 12. Sitzung.) In der heutigen Sitzung machte der Präsident dem Hause zunächst die Mittheilung, daß der Freiherr von Ow (Landshut) sein Mandat niedergelegt habe. Von dem Reichskanzler sei ein Schreiben eingegangen, in welchem Aufklärung über die im Januar d. I. erfolgte Verhaftung des Abg. Dietz gegeben werde.
Der Präsident berichtet sodann über die Betheiligung des Vorstandes an der Eröffnung der Gotthardbahn und macht die Mittheilung, daß den Mitgliedern des Reichstags für eine Hin- nnd Herfahrt auf der Gotthardbahn, gültig für das ganze Jahr, eine Fahrkarte zur Verfügung gestellt ist.
Hierauf trat das Haus in die zweite Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des Zolltarifgesetzes vom 15. Juli 1879.
— Berlin, 5. Juni. Die hiesige „Klinische Wochenschrift" be- merkt, daß die barbarischen Verfolgungen und Grausamkeiten, welche jetzt gegen die jüdische Bevölkerung Rußlands verübt werden, auch „von eminenter hygienischer resp, epidemiotischer Bedeutung sind", auf welchen Punkt bisher noch gar nicht oder nicht mit dem gehörigen Nachdruck aufmerksam gemacht ist. Nach Allem, was in den Berichten über das gräßliche Elend der an der Grenze, besonders in Brody angehäuften
Menschenmasse berichtet wird, kann es gar nicht ausbleiben, daß sich dort eine Brutstätte infectiöser, epidemischer Krankheiten entwickelt, die mit Leichtigkeit und Schnelligkeit ihre Keime weiter nach Westen ausstreuen kann. „Hier liegt eine Gefahr vor", bemerkt das Fachblatt, „die uns viel näher noch angeht und drohender vor uns steht, als die Astrachanische Pest von 1879, und es ist die dringendste Aufgabe der zuständigen Behörden, hier helfend und bessernd vorzugehen, und die Bekämpfung des Nothstandes nicht der doch immerhin nur schwachen privaten Thätigkeit zu überlassen. Hier liegt eine entschieden stattliche Aufgabe vor, und wir können nur mit allem Nachdruck ein videant consules aussprechen. Polnische und russische Ueberläufer sind schon oft die Träger größerer Epidemien gewesen, sie sind selbst in den verhältnißmäßig guten Exemplaren, die wir hier sehen, von höchst zweifelhafter hygienischer Dignität. Wie muß es nun erst in Brody und ähnlichen Punkten, wo sich diese vertriebenen abgematteten, halb verhungerten Massen zusammenschaaren, aussehen?"
— Der „R. u. St.-A." Nr. 130 veröffentlicht die Verordnung, betreffend die Erneuerungswahlen sür die Bezirksvertretungen und die Kreisvertretungen in Elsaß-Lothringen, vom 1. Juni 1882.
— S. M. S. „Nymphe", 9 Geschütze, Kommandant Korvettenkapitän Dietert, ist am 2. Juni er. in Carlscrona eingetroffen und am 5. dess. Mts. nach Neusahrwasser in See gegangen. — S. M. Kbt. „Moeve", 5 Geschütze, Kommandant Korvettenkapitän von Kyckbusch, befand sich am 5. d. M. laut Telegramm in Sydney.
— Wien, 6. Juni. Die „Wiener Zeitung" veröffentlicht die Ernennung von Kallay's zum gemeinsamen Finanz-Minister, sowie ferner ein Handschreiben des Kaisers an den bisherigen Reichs-Finanz Minister von Szlavy, in welchem derselbe seine volle Anerkennung für die von ihm geleisteten Dienste ausspricht und ihm das Großkreuz des St. Stefans-Ordens verleiht.
— Rom, 6. Juni. Die amtliche Zeitung meldet, daß Se. Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm von Preußen Se. Majestät den König Humbert zur Uebernahme einer Pathenstelle bei seinem neugeborenen Sohne eingeladen und daß der König die Einladung zu der am 11. Juni stattfindenden Taufe angenommen hat.
— Rom, 6. Juni. Doktor Pini, Sekretär der Mailänder Leichenverbrennungsgesellschaft, ist gestern nach Caprera abgereist, um die Verbrennung der Leiche Garibaldis nach dem System Gorini vorzubereiten. Der Herzog von Genua, General Carava, Oberst Morozzo, sowie die Ceremonienmeister Tolomei und Della Stufa werden den König bei den Leichenfeierlichkeiten vertreten.
— Paris, 6. Juni. Die gestrige Rede des Finanzministers Leon Say in Saint-Quentin konstatirte die günstigen Ernteaussichten. Say sagte, die Ernte würde Frankreich der Nothwendigkeit überheben, beträchtliche Kapitalien zu exportiren, sie würde den Markt erleichtern und eine Herabsetzung des Zinsfußes in 1883 zulassen. Die Regierung werde alsdann sehen, welche Arrangements bezüglich der öffentlichen Schuld sich würden treffen lassen.
— Liverpool. Nach übereinstimmenden Berichten sind an der Küste des Cap Breton nicht weniger als 50 Schiffe von einer riesigen Eisfläche eingeschlossen.
— Die „Times" bringt einen Artikel, in welchem sie empfiehlt, England solle in den internationalen Unterhandlungen betreffs Egyptens die Führung übernehmen, weil die dortigen Interessen Englands größer seien als die irgend eines anderen Staates.
Lokales.
— Pilippsruhe, 7. Juni. Ihre Königliche Hoheit die Landgräfin von Hessen, mit Tochter Prinzessin Elisabeth, Hoheit, haben sich, begleitet von der Hosdame Gräfin Bünau und dem Kammerherrn v. Donop, heute früh 7 Uhr 7 Min. über Frankfurt zu Höchstihrem Erlauchten Vater, dem Prinzen Carl von Preußen nach Cassel begeben.
Hanau, den 7. Juni 1882.
— (Carl Cas sian f.) Gestern Nachmittag 3 Uhr verschied nach langem schweren Leiden unser früherer Oberbürgermeister Herr Carl Cassian.
Der Dahingeschiedene war am 10. Februar 1817 als der Sohn des Lehrers und späteren Organisten an der Johanniskirche dahier, Martin Cassian, geboren. Nachdem derselbe das hiesige Gymnasium absol- virt, widmete er sich zunächst dem Studium der Theologie und trat dann zu dem der Kameralwissenschaften über. Er begann seinen Vorbereitungsdienst als Referendar der damaligen Provinzial-Regierung dahier und wurde nach der neuen Verwaltungs. Organisation in 1850 als Assessor bei dem Landrathsamte Fulda angestellt.
Als ihm 1854 das Oberbürgermeisteramt seiner Vaterstadt angeboten wurde, glaubte er dasselbe im Hinblick auf die damaligen eigenthümlichen politischen Verhältnisse ablehnen zu sollen. Nach seiner am 2. April 1855 durch die städtischen Körperschaften erfolgten nochmaligen Wahl erklärte er sich jedoch zur Annahme des schwierigen Postens bereit. Nach erfolgter landesherrlicher Bestätigung wurde er am 12.