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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

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Die Sspalt. Seite 20 Psg.

Die SspaltigeZeile 30 Psg

Nr. 118. Montag dm-22. Mai 1882.

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Amtliches

Ersahrungsmäßig hat seit Erlaß des ReichZgLsâfs über den ' Unterstützungsw ohn sitz vom 6. Juni 187g.chHM^esbezüglichen Aus- sührungsgesetzes vom 8. März. 1871' die Zahl der Beschwerden gegen ^-â-Hkmrnverbäude wegen versagter Unterstützung fortdauernd sich ge­steigert. Im Interesse der wirklich Hülfsbedürstigen empfiehlt es sich die Anordnung zu treffen, daß in jeder Gemeinde besondere Armenpflege- Commissionen bezw. Deputationen, bestehend aus dem Octsvorstande, einem weiteren Mitgliede der Gemeindebehörden, dem Ortèpfarrer bezw. einem Kirchenältesten gebildet werden, um nach sorgfältiger Prüfung der persönlichen Verhältnisse für die entsprechende Sustentation der Armen die nölhige Fürsorge zu treffen. Diese Einrichtung hat sich bereits anderwärts bewährt und erleichtert wesentlich die Geschäfte der Behörden. Die Herrn Ortsvorstände ersuche ich darauf hinzuwirken, daß auch in der ihrer Verwaltung unterstellten Gemeinde dergleichen Armen- Commissionen bezw. Deputationen (cfr. §. 52 der Gem.-Ordn. vom 23. Oktober 1834) soweit solche nicht bereits bestehen sich noch bilden. Ueber das Ergebniß erwarte ich nach vier Wochen Bericht.

Hanau am 12. Mai 1882.

Der Landrath.

Gefunden: Ein 2^2 m langes und ca. 2^2 cm breites Stück Reifeisen. Ein blechener Eßlöffel. Ein schwarzer wollener Handschuh (rechter). Eine s. g. Sturmlaterne auf dem Wege von Vilbel bis Gronau; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Gronau.

Verloren: Ein wildlederner Handschuh.

Entlaufen: Eine männl. Dogge (Bastart), am 19. Maia., auf den NamenBox" hörend.

Hanau am 22. Mai 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschan.

Vom Gotthardiunnel.

(A. d. D. Montags-Bl.)

Luzern, 21. Mai, 9 Uhr Morgens. Viele berühmte Gäste trafen bereits ein. Ungefähr 1200 Eingeladene nehmen an der aus 3 Extra-Zügen bestehenden Festfahrt Theil. Die Waggons wer­den elektrisch beleuchtet. Alle 1000 Meter brennt eine Lampe. Die Gesammtlänge beträgt 15000 Meter. Die höchste Bahnsteigerung ist in der Mitte 1154 Meter über dem Meer hoch. Die Strecke Luzern- Mailand zählt 62 Tunnels, 32 große Brücken, 10 Viadukte und 24 Uebergänge. Die gesammte Arbeitsdauer währte 7 Jahr 5 Monat. Es wurden 500,000 Kilo Dynamit gebraucht, 320,000 Löcher wurden gebohrt; täglich arbeiten 2500 Mann.

Die von der,Kollandirungs>Kommission" veranstalteten Belastungs­und Beleuchtungsproben fielen vorzüglich aus. Die Temperatur im Tunnel ist höchstens 20 Grad Wärme, so daß auch ohne künstliche Nachhilfe der Aufenthalt durchaus erträglich ist. Vor dem Durchbruch herrschten 34 Grad Wärme. Im Ganzen starben während des Baues 177 Arbeiter, 877 wurden körperlich verletzt. Das ständige Tunnelper- sonal besteht aus 8 Weichen-, 4 Portal-, 8 Tunnelwärtern und 16 Bahn­arbeitern. Tie Bahnüberwachung geschieht durch täglich zweimalige Durch­gänge von Wärtern, einer kommt von Göschenen, einer von Airalo, sie treffen sich im Innern und tauschen die Kontrolbücher. Jeder ist ver­sehen mit Knallsignalbüchse, einem Handhammer, Bolzenschlüssel und Laternen. Die Strecke besitzt 61 Lokomotiven, 167 Personen- und 538 Güterwagen.

Vertreten sind hier augenblicklich für Festberichte 32 italienische, 24 deutsche, 18 schweizerische, 4 österreichische, 5 französische, 4 englische und 1 amerikanische Zeitung. Wie dankbar zu erwähnen ist, begegnet man der Presse allseitig sehr zuvorkommend.

Rom, 21. Mai, 10 Uhr Morgens. Am gestrigen Gott- hard-Banket in Genua toastete der deutsche Botschafter Herr von Keu- dell auf Italien und das Könighaus Savoyen, dabei Italiens Initiative zum Gotthard-Tunnelbau anerkennend. Der italienische Minister Bacca- rini toastete auf den deutschen Kaiser und die Schweiz.

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Die feierliche Nagelung und Weihe der von Sr. Majestät dem Kaiser und König den neugebildeten Regimentern verliehenen Fahnen erfolgt nach demArmee-Verordnungsblatt" am 27. und beziehungs» weise am 29. d. M. zu Potsdam. Die zur Empfangnahme der Fahnen zu kommandirenden Unteroffiziere, auch Feldwebel, von jedem Bataillon der neu errichteten Infanterie- Regimenter Nr. 9799 und 128 132 bezw des Eisenbahn-Regiments, sowie von jedem der Pionier-Bataillone Nr. 15 und 16 einer, haben sich im Laufe des 26. dieses Monats bei der Kommandantur in Potsdam zu melden und erscheinen sowohl bei der Nagelung, als auch bei der Einweihung der Fahnen im Parade- Ordonnanz-Anzuge, demnach ohne Gewehr.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Landgüterordnung für Westphalen.

Der vortragende Rath im Ministerium der geistlichen, Unter­richts- und Medizinal-Angelegenheiten, Geheime Ober- Regierungsrath Dr. Goeppert, ist am 18. d. M. verstorben.

Durch allgemeine Verfügung vom 13. d. M hat der Justiz­minister bestimmt, daß in bürgerlichen RechtsstreitigkUten von jetzt ab in den Urtheilen die Personen zu bezeichnen sind, welche zur Zeit der Er­lassung des Urtheils die Parteien als Prozeßbevollmächtigte vertreten haben. Die Bezeichnung soll erfolgen nach Namen, Stand oder Ge­werbe und Wohnort des Vertreters, und zwar in der Weise, daß hinter der im §. 284 Nr. 1 der Civil-Prozeßordnung vorgeschriebenen Be­zeichnung der Parteien, und zwar für jede Partei hinter dem die Partei­stellung andeutenden Ausdruck die Worte hinzugefügt werden: vertreten durch u. s. w.

Aus der Reichshauptstadt. Von Dr. Anton Strecker, dem früheren Begleiter von Gerhard Rohlfs, sind Nachrichten in Berlin eingetroffen. Der betreffende Brief ist ans Makale in Abessinien vom 23. Nov. 1881 datirt. Mit Erlaubniß des Negus Johannes hatte Dr. Strecker seine Reise nach Enarea, Gera und Kaffa angetreten und von demselben Empfehlungsschreiben an den Negus Tekla Haimanot von Godscham, die Königin von Gera und den Sultan von Kaffa erhalten. Der Negus Johannes hatte Strecker ausdrücklich erklärt, er thäte dies nur Deutschland zu Gefallen; nie würde er einem Anderen den Besuch der Kaffaländer erlaubt haben. Wenn möglich, soll der Sultan von Kaffa dasür sorgen, daß Strecker nach Zanzibar gelangt.

An dem Geburtshause Gutzkow's, Ecke der Dorotheen- und Universitätsstraße zu Berlin, und zwar an der nach letzterer Straße zu liegenden Front, ist gemäß dem im Vorjahre gefaßten Beschluß eine marmorne Gedenktafel mit folgender Inschrift angebracht worden: Dem Andenken Karl Gutzkow's, geboren den 17. März 1811. Die Stadt Berlin 1881."

Kiel, 19. Mai. Das Uebungsgeschwader (Chef Contre-Admi- ral von Wickede) verläßt heute die Rhede von Wilhelmshaven und geht zu Uebungszwecken in See.

Aus Elsaß.Lothringen. Mit Beginn des laufenden Sommersemesters weisen fast sämmtliche höhere Lehranstalten des Landes einen erheblichen Zuwachs an einheimischen Schülern auf. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die seit Jahresfrist vom Statthalter auf dem Ge­biete der Schulen getroffenen Bestimmungen die Vorurtheile der Bevöl­kerung gegen die deutschen Lehranstalten wesentlich gehoben haben und dazu beitragen werden, daß die Zahl der ihre Bildung im Auslande suchenden jungen Elsaß-Lothringer von Jahr zu Jahr abnimmt. Auch an der Landesuniversität ist die Zahl der einheimischen Studirenden be. deutend gestiegen. Mittelschulen und Lehrerbildungsanstalten zählen schon seit längerer Zeit fast ausnahmslos nur Elfaß-Lothringer zu ihren Schülern. Jedenfalls wird die Regierung in nicht sehr ferner Z it in der Lage sein, fast ausnahmslos bei Besetzung von Beamtenstellen ge­eignete einheimische Bewerber berücksichtigen zu können. Bei der weib­lichen Jugend ist leider die Sachlage nicht so günstig; auch heu e noch empfängt ein großer Theil derselben seine Bildung in Frankreich. Die Schulrefm men^ haben zwar auch nach dieser Seite hin günstigen Einfluß ausgeübt, aber eine gründliche Aenderung zum Besseren werden sie nicht herbeiführen können, so lange die Bevölkerung glaubt, der feinere Schliff lasse sich nur in sranz. Pensionaten erwerben. (Schw. Mcrk.)