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Nr. 116. Freitag

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Amtliches.

Bekanntmachungen aus Grund des Reichsgesehes vom 21. Oktober 1878.

Auf Grund der §§. 11 und 12 des Reichsgesetzes gegen die ge­meingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 werden die Nummern 675, 676, 677, 678 und 679 der zu Straß­burg erscheinenden periodischen DruckschriftElsässisches Volks blatt, Demokratisches Wochenblatt für Stadt und Land", vom 24. und 31. März, 7., 14. und 21. April dieses Jahres verboten.

Gleichzeitig wird das fernere Erscheinen des bezeichneten Blattes untersagt.

Straßburg den 4. Mai 1882.

Der Bezirks-Präsident. In Vertr.: Geiseler.__

Für die diesjährige Badezeit werden zur Verhütung von Unglücks-- fällen und zur Wahrnehmung des Anstandes beim Baden die nachstehen­den Vorschriften in Erinnerung gebracht:

1) das Baden in der Kinzig und in den Stadtgräben sowie im Main, dem Schlosse Rumpenheim gegenüber, ist gänzlich verboten;

2) außerhalb der öffentlichen Bade- und Schwimmanstalten darf im Main nur an demjenigen Platze gebadet werden, welcher durch am Ufer stehende Pfähle als ungefährlich und erlaubt bezeichnet ist;

3) Kindern unter 14 Jahren ist das Baden nur unter Aufsicht er­wachsener Personen gestattet;

4) Ucbertretungen dieser Vorschriften oder Ungebührlichkeiten gegen den mit Handhabung der ersteren beauftragten Badeaufseher werden mit Geldstrafen von mindestens 1 Mark oder bei Unvermögen mit Haft geahndet.

Hanau am 10. Mai 1882.

Der Landrath.

Die nach den bestehenden Vorschriften von der Ist-Einnahme rc. mit 3°/o zu berechnenden Veranlagungsgebühren von der Klassensteuer pro 1881/82 an die einzelnen Stadt- bezw. Gemeindekassen können bei den betreffenden Kgl. Steuerkassen in Empfang genommen werden. Die Herrn Stadt- und Ortsvorstände erhalten hiervon Nachricht.

Hanau am 13. Mai 1882.

Der Königliche Landrath.

Gefunden: Ein Buch, das neue Testament, mit der Inschrift H. Zeh. In der Kirche liegen geblieben: ein kathol. Gebetbuch, worin die Namen Emil Röse & Schneider II stehen. Eine Uhr kette von Stahl. Zwei Pferdedecken.

Geländet: Im Main ein ca. 8 Meter langer Floßbalken; der­selbe kann bei der Rudergesellschaft an der Mainspitze hier Abends von 6 bis 9 Uhr eingesehen werden.

Hanau am 19. Mai 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Rundschau.

(Frankreich.) Die gestimmte französische Politik wird noch immer in erster Linie durch die Dinge in Egypten beeinflußt, wo sich die französische Regierung im Verein mit dem englischen Cabinet so tief engagirt hat, daß ein Zurückgehen kaum mehr möglich erscheint. In- dessen hat sich die öffentliche Meinung in Frankreich bis jetzt von der egyptischen Frage noch nicht allzusehr aufregen lassen, hauptsächlich Wohl, weil sie der R gierung des Herrn de Freycinet keinen Hang zu Aben­teuern, ähnlich der tunesischen Expedition, zutraut. Mit Ausnahme der Gambettisten wünscht Niemand in Frankreich ein besonders schneidiges Vorgehen in den egyptischen Angelegenheiten, und da der Ex Diktator und seine Freunde gegenwärtig nicht mehr maßgebend in Frankreich sind, so ist auch zu hoffen, daß das französische Cabinet seine Rolle in Egyp­ten mit Klugheit und Mäßigung durchführen werde. Dafür spricht der Umstand, daß Frankreich entschieden das Verbleiben Tewsik Pascha's auf dem egyptischen Throne wünscht und dieses ist unter den gegenwär­tigen Verhältnissen in der That noch das Beste.

den 19. Mai 1882.

(England.) In England beherrscht die irische Wetterwolke noch immer den politischen Horizont. Niemand weiß zu sagen, welchen Aus­gang die irischen Angelegenheiten nehmen werden und das Cabinet Gladstone selbst schwankt unschlüssig hinüber und herüber. Der Erlaß des neuen Ausnahmegesetzes gegen Irland schien darauf hinzudeuten, daß die englische Regierung in Irland nunmehr den Weg der äußersten Strenge einschlagen werde, aber die Einbringung der Bill, betreffend die irischen Pachtrückstände, im Unterhause wonach der Staat einen Ver­trag zu deu rückständigen Pachtsummen leisten will beweist wiederum, .daß Herr Gladstone immer von Neuem versucht, die Iren England zu versöhnen; leider sind alle derartige Versuche bis jetzt nur Schläge ins Wasser gewesen.

(Holland.) Die durch die Demission des Ministeriums van Lynden in Holland eingetretene Ministerkrisis scheint vorläufig ihre Er­ledigung gefunden zu haben, da der König sich entschieden weigert, die Demission seiner Minister anzunehmen. Wie erinnerlich, demissionirte das Ministerium infolge des Umstandes, daß die Mehrheit der nieder­ländischen Deputirtenkammer den mit Frankreich abgeschlossenen Handels­vertrag nicht genehmigte. Diese Mehrheit ist aber aus verschiedenen Parteien zusammengesetzt, von denen keine für sich die Majorität besitzt, so daß es Schwierigkeiten bieten würde, für die gegenwärtigen Minister geeignete Nachfolger zu finden.

(Egypten.) Die Aussichten für einen friedlichen Ausgang der egyptischen Krisis sind fortdauernd die günstigsten. Arabi Bey, der Ur­heber der gegen Tewsik Pascha gerichteten Bewegung, scheint thatsächlich von seinem bisherigen Anhang verlassen worden zu sein und die übrigen Minister fino. vollständig zu Kreuze gekrochen, indem sie dem Vicekönig ihre vollständige Unterwerfung zugesichert und ihn um Verzeihung ge­beten haben. Der Vicekönig, welcher sich Angesichts der herannohenden Panzerschiffe der Westmächte vollkommen wieder als Herr der Situation fühlt, hat jene Erklärungen seinergetreuen" Minister jedoch sehr kühl ausgenommen und letzteren zu verstehen gegeben, daß er nur deshalb die Differenzen mit ihnen für jetzt fallen lassen wolle, um das Land zu retten. Tewsik Pascha gedenkt also später noch Abrechnung mit seinem Cabinet zu halten.

Tagesschau.

I. Anläßlich der Feier der silbernen Hochzeit Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten des Kronprinzen und der Kronprinzessin ist dem VereinJnvatidendank" in Berlin, Markgrafenstraße 51 a, von dem Minister des Innern die Erlaubniß ertheilt, zum Besten miliiairi- scher Hülfsbedürftiger eine Ausspielung von Kunst- und Luxus-Gegen­ständen zu veranstalten und die betreffenden Loose im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben. Die Ministerien anderer deutschen Staaten wie die Senate der freien Hansastädte haben den Vertrieb der Loose in den betreffenden Ländern ebenfalls zugelassen. Es werden 50 000 Loose â 3 Mark mit 6308 Gewinne im Werth von Mk. 60 000 ausgegeben und bestehen die Gewinne vornehmlich aus Silber. Iter Hauptgewinn im Werth von Mk. 5000, 2ter Hauptgewinn im Werth von Mk 3000 rc. Die Ziehung findet am 28. Dezember er. statt. Wegen Uebernahme von Verkaufsstellen wolle man sich an denJnvalidendank" wenden.

Berlin, 17. Mai. Die Tabakmonopolkommission setzte heute die Generaldiskussion fort. Auch bei dieser wurden neue Momente nicht zu Tage gefördert. Zu erwähnen ist nur die Erklärung des Staats­sekretär Scholz, der auf den Einwand der Abgg. Birkenmayer und Köpfer, daß Badens Tabaksbau durch das Monopol völlig ruinirt und der Ex­port von deutschem Tabak aufhören würde, zugab, daß Baden durch die Einführung des Monopols außer Hamburg und Bremen am meisten geschädigt würde, daß aber bei großen Fragen das Wohl des Ganzen ins Auge gefaßt werden müßte, wenn auch der Einzelne darunter leide. Die gewünschte Vorlegung der Bilance der Straßburger Manufaktur blieb in der Schwebe, weil nach der Erklärung des Unterstaatssekretär v. Mayr Fürst Bismarck feine Zustimmung geben müsse; übrigens fei aus dieser Bilance, wie der Commisfar angab, wenig zu ersehen.

Nach einer kurzen Pause stellte Abgeordneter von Hammerstein