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Nr. UL

Freitag den 12. Mai

1882

Amtliches.

Am 5. Juni d. I. wird die Erhebung einer allgemeinen Berufs- statistk in Verbindung mit einer Erhebung der landwirthschaftlichen und der gewerblichen Betriebe stattfinden.

Damit den Lehrern Gelegenheit gegeben werde, wie es seither bei Volks- re. Zählungen zu wesentlicher Förderung der Sache geschehen ist, sich auch an dem bevorstehenden Zählergeschäfte mithelfend zu betheiligen, finde ich mich zu der Anordnung veranlaßt, an dem bezeichneten Tage, den 5. Juni d. I., den Unterricht an allen Lehranstalten ausfallen zu lassen, in der Erwartung, daß die Lehrer überall da, wo es gewünscht wird, mitzuwirken bereit sein werden. Die Zuziehung von Schülern ist nicht statthaft.

Berlin den 20. April 1882.

Ministerium der geistlichen Unterrichts- und Medizinal - Angelegenheiten

gez.: v. Goßler.

An sämmtliche Provinzial-Schulkollegien und Königliche

Regierungen, die Königlichen Consistorien in der Pro­vinz Hannover und den Königlichen Oberkirchenrath

zu Nordhorn.

Vorstehendes Ministerial-Reskript wird zur Kenntnißnahme und Nachachtung Seitens der Schulbehö.den und der Lehrer publizirt.

Hanau am 8. Mai 1882.

Der Landrath.

Gesunden: Am 6. ds. Mts. auf dem hiesigen Wochenmarkt stehen geblieben ein kleiner brauner Topf mit weißen Blumen. Ein leeres schwarzledernes Portemonnaie. Ein Weißes Taschentuch. Auf der Post liegen geblieben eine Briefmarke.

Entflogen: Ein Kanarienvogel.

Entlaufen: Ein getiegerter Doggenhund.

Hanau am 12. Mai 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Rundschau.

B. F. (Deutsches Reich.) Das jüngste freudige Familien- ereigniß im deutschen Kaiserhause hat in allen Theilen des preußischen und deutschen Vaterlandes die froheste Theilnahme gefunden, denn der Erstgeborene des Prinzen und der Prinzessin Wilhelm von Preußen, der Urenkel unseres greisen Kaisers, ist nach menschlichem Ermessen bestimmt, dereinst mit der preußischen Königskrone zugleich die deutsche Kaiserkrone zu tragen. Möge der jüngste Hohenzollernsproß zur Freude seiner er­lauchten Eltern, Großeltern und Urgroßeltern und zum Heile des ge- fammten deutschen Vaterlandes gedeihen!

Die Ungewißheit, welche unsere innere Lage bezüglich der nächsten parlamentarischen Dispositionen in letzter Zeit beherrschte, hat endlich der so nothwendigen Klärung Platz gemacht. Die Absicht, den Landtag noch längere Zeit neben dem Reichstag tagen zu lasten, ist an leitender Stelle in Berlin mit Rücksicht auf die hieraus entspringenden Uebelstände auf­gegeben worden und der Schluß des Landtages und hiermit auch der Schluß der gegenwärtigen Session am Donnerstag den 11. d. M. erfolgt, nachdem das Abgeordnetenhaus in seiner letzten Sitzung vom gleichen Tage den Rest der ihm gemachten Vorlagen noch erledigt hatte. Der Reichstag kann sich demnach mit ungeschwächten Kräften den seiner harrenden Aufgaben widmen und es ist auch mit Genugthuung zu konstatiren, daß seine Arbeiten in dieser Woche einen flotten Fort­gang genommen haben. Am Montag erledigte der Reichstag ohne be­sonders hervorzuhebende Zwischenfälle die erste Lesung der Novelle zur Gewerbeordnung und verwies die betreffende Vorlage an eine Commis- fiim von 21 Mitgliedern. Außerdem genehmigte das Haus noch in erster und zweiter Lesung den Consularvertrag mit Brasilien. Interest sanier war schon die nächst Sitzung am Dienstag, für welche die erste Berathung des Gesetzentwurfes über die Abänderung des Zolltarifes in Verbindung mit verschiedenen hierzu aus der Mitte des Hauses einge­brachten Anträgen auf der Tagesordnung stand. Die Diskussion gestal­tete sich zu einem lebhaften Rede-Tournier über die Prinzipien von Freihandel und Schutzzoll, aus dem entnommen werden konnte, daß

Gegner und Freunde des Freihandels, resp. Schutzzolles sich in ihren Anschauungen nur wenig genähert haben. Die Abgg. Schmidt (Elber­feld) und Barth empfahlen eine kommisfarische Berathung der vorge- schlageneu Tariferhöhungen. Entschieden gegen die Vorlage erklärten sich von fortgeschrittener liberaler Seite die Abgg. Bamberger, Sandtmann und Braun, wobei namentlich der Letztere durch seine vielfach humoristi­schen Ausführungen öfters die Heiterkeit des Hauses erregte. Bon cou- servativer Seite trat Abg. Frege lebhaft für die Regierungsvorlage ein, wobei er besonders die Nothwendigkeit hervorhob, dem darniederliegenden Müllergewerbe aufzuhelfen. Eine mehr vermittelnde Stellung nahm Seitens der nationalliberalen Partei Abg. Stephani ein, welcher sich zwar als Gegner aller Zölle überhaupt bekannte, doch zugleich die An­schauung vertrat, daß die Reichsregierung in der begonnenenehrlichen Probe" ihrer Zoll- und Steuerpolitik nicht unterbrochen werden dürfe. Nachdem schließlich der Antrag des Abg. Bamberger, verschiedene Posi­tionen der Regierungsvorlage an eine Commission zu überweisen,^ mit 118 gegen 106 Stimmen abgelehnt worden war, beschloß das Haus, die zweite Lesung der Vorlage im Plenum vorzunehmen. In seiner nächsten Sitzung am Mittwoch genehmigte der Reichstag zunächst in dritter Lesung den Consularvertrag mit Brasilien und trat dann in die erste Berathung der Tabakmonopolvorlage ein. Da Centrum und Con- fervative beschlossen haben, für eine kommissarische Berathung der Tabak- Monopolvorlage zu stimmen, so wird dieselbe voraussichtlich nach Be­endigung der Generaldebatte an eine Commission verwiesen werden, welche sachliche Behandlung eines so überaus wichtigen Gegenstandes man nur billigen kann. Der Reichskanzler Fürst Bismarck^wird wahr­scheinlich, entgegen den allgemein gehegten Erwartungen, an den ersten Berathungen über das Tabakmonopol nicht Theil nehmen können, da er leider zur Zeit von heftigen rheumatischen Schmerzen gequält wird. Doch melden die neuesten Nachrichten aus Friedrichsruhe eine leichte Besserung in dem Befinden unseres leitenden Staatsmannes, so daß der­selbe an der ausschlaggebenden zweiten Lesung der Tabakmonopolvorlage sich hoffentlich wird betheiligen können.

(Oesterreich-Ungarn.) Die im österreichischen Reichsfinanz­ministerium durch den Rücktritt Herrn von Szlavy's, des bisherigen Chefs dieses Departements, herbeigeführte Krisis ist noch immer nicht beendigt. Candidaten für diesen schwierigen, aber auch einflußreichen Posten gibt es allerdings genug, aber den Mann herauszufinden,_ welcher den Parteien in Wien und Pesth gleich genehm ist, darin liegt die Schwierigkeit. Graf Kalnoky, der österreichische Minister des Aeußern, weilte in den letzten Tagen in Pesth, um mit den ungarischen Regie­rungsmännern über verschiedene principielle Fragen der gemeinsamen Verwaltung Rücksprache zu nehmen und wird hierbei ohne Zweisel auch die Neubesetzung des Finanzministeriums mit zur Sprache gekommen sein; doch ist zur Zeit noch nicht bekannt, ob in dieser Personalfrage eine Verständigung erfolgt ist. Kommenden Montag soll das Urtheil im Ringtheater-Prozeß gesprochen werden und sieht man in Wien dem Ausgange dieser Angelegenheit mit begreiflicher Spannung entgegen.

(Frankreich.) Das französische Cabinet Freycinet hat in der Sitzung der französischen Deputirtenkammer vom 8. Mai einen wichtigen Erfolg bezüglich seiner inneren Politik davongetragen. Es handelte sich um den von der Regierung eingebrachten Gesetzentwurf, wonach in Frank­reich die Ehescheidung eingeführt weiden soll. Die Vorlage wurde von der Rechten natürlich heftig angegriffen, doch auch manche Redner der Linken sprachen sich gegen den Regierungsentwurf aus, namentlich be­kämpfte denselben der Deputnte Amagat aus politischen Gründen. Trotz­dem beschloß die Kammer mit 334 gegen 124 Stimmen die Annahme des ganzen Ehescheidungsgesetzcs, so daß das Cabinet Freyeinet sich eines glänzenden Erfolges rühmen darf. Am Dienstag trat die Deputirten­kammer in die Berathung des Gesetzentwurfes, betreffend die Abänderung der Bestimmungen über die Ausweisung von Ausländern aus Frank­reich, ein.

(England.) Der Doppelmord in Dublin, welchem der neuer­nannte Staatssekretär für Irland, Lord Cavendish, und fein Unterstaats­sekretär, Thomas Bourke, zum Opfer sielen, beherrscht die politische Lage in England sollstüiibig. Die Blutthat Dom 6. Mai wird der von Glad-