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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

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Nr. 109. Mittwoch den 10. Mar 1882.

Amtliches.

Die diesjährige hiesige Frühjahrsmesse findet im Interesse der Be- russstatistik in der Zeit vom 7. Juni c, Mittags 12 Uhr, bis zum 14, Juni c., Mittags 12 Uhr, statt, was hiermit veröffentlicht wird.

Hanau am 9. Mai 1882.

Der Landrath.

Gefunden: Eine Milchkanne. Eine schwarze Orleansschürze. Ein Messer. Ein Päckchen Seide. Am 3. ds. in Wilhelmsbad ein s. g. weißer Frauenschoß mit 2 Nadeln; Empfangnahme bei Friedrich Stein in Hochstadt.

Verloren: Eine Brille mit Stahlgestell.

Hanau am 10. Mai 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau.

Der Meuchelmord in Irland.

('21. d. Sttsb-Ztg )

Das im Phönix-Park zu Dublin verübte furchtbare Verbrechen des Mordes an dem neuernannten Staatssekretär Lord Frederik Ca­vendish und dem Unterstaatssekretär Bourke dürste mehr als alles andere beweisen, daß neben der Landliga noch eine geheime Gesellschaft existirt, die von einer Versöhnung zwischen der englischen Regierung und dem irischen Volke nichts wissen, sondern den Kampf bis aufs Messer fortsetzen will. Es handelt sich hier um eine Mörderbande, vor der die Führer der Landliga selber zu zittern haben werden, um mit Göthe's Zauberlehrling auszurufen:Die ich rief die Geister, werd' ich nun nicht los!" Daß dem so ist, geht aus einem von der Landliga erlasse­nen, von Parnell, Dillon und Davits unterzeichneten Manifest an das irische Volk hervor, in welchem es heißt:. . . . am Vorabend einer glücklichen Zukunft habe das traurige Geschick, von wel­chem Irland seit Jahrhunderten verfolgt werde, die Hoffnungen der Ir­länder getroffen. Die Landliga spreche dem irischen Volke und allen denen, die in jüngster Zeit sich für eine Politik der Versöhnung ent­schlossen hätten, in dieser Kalamität ihre aufrichtigste Sympathie aus und hoffe, daß das gesummte irische Volk durch die Art seiner Hand­lungen beweisen werde, daß es das Verbrechen des Mordes verabscheue, sie hoffe, daß das irische Volk auf jede Weise seinen Abscheu über die gräßliche That und seine Theilnahme sür die in Trauer versetzten Fa­milien kundgeben werde. Der Name des das Gastrecht schützenden Ir­land sei durch einen Akt der Feigheit besudelt worden, er werde bis zu dem Momente besudelt bleiben, wo die Mörder der Gerechtigkeit über­liefert seien."

Wird dieses Manifest genügen, die Landliga, wenn auch nur mo­ralisch, von jeder Mitschuld an dem furchtbaren Morde zu befreien? Das ist die Frage, welche heute allseitig aufgeworfen und je nach der Parteistellung jedes Einzelnen beantwortet werden wird.

Wir meinen, daß die agrarischen Morde sich von dem Morde im Phönix-Park nicht im mindesten unterscheiden und daß es von vornherein die Pflicht der Führer der Landliga war, die Mörder, welche die un­schuldigen Pächter niederschossen, die ihren Pachtzins bezahlten, der Ge­rechtigkeit auszuliefern, statt sie zu beschützen und dem Arme derselben vorzuenthalten. Die Agrarmorde waren Meuchelmorde im strengsten Sinne des Wortes, und jede Auslegung, die ihnen den Stempel der Revolution aufzudrücken suchte, ein frevelhaftes Beginnen, das sich früher oder später rächen mußte. Wollen Parnell und Genossen die Schuld an dem Meuchelmorde an Lord Cavendish und Bourke von sich abwälzen, so haben sie und das ist das mindeste, was von ihnen gefordert werden muß alles» was in ihren Kräften steht, aufzubieten, auch die agrarische Bewegung in die Schranken der Ordnung und Ge­setzlichkeit zurückzudrängen, und dabei wird denn alles darauf ankommen, ob ihre Autorität dem irischen Volke gegenüber mächtig genug ist, ein solches Vorhaben zur Ausführung zu bringen.

Der frühere Staatssekretär Forster hat der Freilassung Parnell's rc. nur unter gewissen Garantien seine Zustimmung geben wollen, und ' da meint man nun, daß der Mord im Phönix-Park den Beweis dafür j liefere, daß derselbe recht gehabt habe. Aber diese Auffassung ist eine t vollständig irrige. Dieser Mord würde auch vorgekommen sein, wenn

Parnell auf die geforderten Bedingungen eingegangen wäre, ohne daß auch nur im mindesten die Rede davon sein könnte, ihn strafrechtlich da­für verantwortlich zu machen. Uebrigens kommt es heute gar nicht mehr darauf, an, was man gethan hat oder hätte thun sollen, sondern auf das, was in Zukunft zu geschehen hat, um Ruhe und Frieden wie­derherzustellen. Ein Cromwell würde darüber nicht in Verlegenheit sein; aber die Zeiten der Massenhinrichtungen sind vorüber, und die englische Regierung muß denn schon auf andere Mittel sinnen, um Herrin der Bewegung zu werden. Immerhin aber bedarf es eines Radikalmittels, und das möchte vielleicht darin bestehen, daß man dieselben Leute, welche an der Spitze der Volksbewegung zu stehen meinen, auch an die Spitze der Verwaltung in Irland stellt, daß man ihnen auch Seitens der Re­gierung die Autorität einräumt, welche ihnen die Niederschlagung der Revolution ermöglicht.

Es klingt allerdings ein wenig paradox, wenn man der englischen Regierung zumuthet, einem Parnell, der seine offene Feindschaft gegen dieselbe dokumentirt hat, die Verwaltung Irlands zu übertragen; aber es ist dies vielleicht das einzige Mittel, welches zu einem glücklichen Ausgange sührt. Parnell, sür die Ruhe und Ordnung in Irland ver­antwortlich gemacht, würde mit aller Strenge, die revolutionären Cha­rakteren eigen, die Verbrecher zu finden und zu strafen wissen und das irische Volk auf den Standpunkt zurücksühren, auf dem es stehen muß, um mit ihm paktiren zu können. Schämt sich das irische Volk des Verbrechens im Phönix-Park, so ist der Augenblick gekommen, welcher, richtig benutzt, einen Umschwung der Dinge herbeizuführen vermag. Die englische Regierung würde unweise handeln, wenn sie diesen günstigen Augenblick versäumen sollte.

Berlin, 9. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute den Vortrag des Polizeipräsidenten von Madai und em­pfingen die Präsidien des Reichstages und beider Häuser des Landtages. Später nahmen Se. Majestät militärische Meldungen und darauf den Vortrag des Militairkabinets durch den Oberst-Lieutenant und Flügel- Adjutanten von Brauchitsch, in Vertretung des beurlaubten Gmeral- Lieutenants von Albedyll, entgegen.

Berlin, 9. Mai. In der heutigen (6.) Sitzung des Reichstags theilte der Präsident v. Levetzow mit, daß er von Sr. Majestät dem Kaiser und König empfangen und beauftragt worden fest Höchstlnssen Freude über die Theilnahme des Hauses dankend Ausdruck zu geben. Auf der Tagesordnung stand die erste Berathung des Gesetzentwurfs über Abänderung des Zolltarifs von 1879 in Verbindung mit den Anträgen Richter (Herabsetzung des Zolles sür hartes Kammgarn) und Barth (Aushebung des Schmalzzolles). Dw nach Schluß der längeren De- beantragte Verweisung der Vorlage an eine Kommission wurde abgelehnt und beschlossen Die zweire Berathung im Plenum vorzunehmen. Das Haus vertagte sich darauf bis Mittwoch 11 Uhr und ist als Tagesord­nung außer der dritten Berathung des brasilianischen Konsularvertrags die erste Berathung des Gesetzentwurfs betr. das Reichs-Tabaks­monopol festgestellt.

Berlin, 9. Mai. Das Herrenhaus genehmigte in seiner heu­tigen 20. Sitzung den Gesetzentwurf über die Vertretung des lauenbur- gischen Landescommunalverbandes in der Fassung der Regierungsvorlage mit dem Amendement Dernburg zu Art. 5 und erledigte hierauf, nach demF. I.", Petitionen. Der Präsident gab darauf mit Rücksicht auf die übermorgen stattfindende gemeinsame Sitzung beider Häuser des Land­tags die herkömmliche Geschäftsübersicht. Das Haus dankte dem Präsi­denten für die Geschäftsleitung durch Erheben von den Sitzen.

Oberpfalz. DieAmb. Volksztg." schreibt: Bei einer am 2. Mai in Lnppurg bei Parsberg stattgefundenen Hochzeit wurden nach beendigtem Gottesdienste die üblichen drei Tanztouren im sog. alten Schlosse vorgenommen. Plötzlich brach der Boden unter den Füßen und die ganze Hochzeitsgesellschaft stürzte in den Abgrund, und zwar so außerordentlich unglücklich, daß, wie erzählt wird, Ewige schwer verwundet und Einige getöDtet wurden.

Nach einem Originaltelegram^r desFr. Jl." wurde gestern I Abend 11 Uhr 5 Min. im Prozeß wegen der Wiener Rnigtheater-Ka- i tastrophe Exbürgermeister Rewald von Wien freigesprochen.