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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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Nr. 108.
Dienstag den 9. Mai
1882.
Amtliches.
Betrifft Gewerbestatistik.
Um den vielfachen irrigen Ansichten über Ausfüllung, von Gewerbekarten, resp. über die nothwendige Anzahl der für die einzelnen Gemeinden zur Verwendung kommenden Gewerbekarten von vornherein zu begegnen mache ich die Herren Ortsvorsteher nochmals darauf aufmersam, daß eine Gewerbekarte nur auszufüllen ist von demjenigen, der
„selbstständig ein Gewerbe (der in meiner Kreisblatt'Verf. vom 22. April er. näher bezeichneten Art) betreibt, sofern er dasselbe
a. mit einem oder mit mehreren thätigen Mitinhabern (Compagnons) oder mit einem oder mit mehreren Gehülfen oder Arbeitern ausübt, oder
b. in dem Betriebe ein Triebwerk (Kraft- oder Umtriebsmaschine), das durch Wind, Wasser, Dampf, Gas oder Heißluft bewegt wird, oder einen Dampfkeffel ohne Kraftübertragung, welcher den allgemeinen polizeilichen Bestimmungen über die Anlegung von Dampfkesseln unterliegt, oder eine Lokomobile oder ein Dampfschiff verwendet."
Im Uèbrigen verweise ich auf meine Kreisblattbekanntmachuug vom 22. April cr. und bringe dieselbe den mit den erforderlichen Anzeigen noch rückständigen Ortsvorständen hiermit in Erinnerung.
Hanau, den 8. Mai 1882.
Der Königliche Landrath.
Die diesjährige öffentliche Impfung findet an den nachbezeichneten Orten und Tagen unentgeltlich statt:
1) Zu Ost heim: am 12. Mai, Nachm. 5 Uhr, Revision.
2) Zu Roßdorf: am 12. Mai, Vorm. 90s Uhr, Impfung; am 19. Mai, Mittags 12 Uhr, Revision.
3) Zu Erbstadt: am 12. Mai, Nachm. 1 Uhr, Impfung; am 19. Mai, Nachm. 3 Uhr, Revision.
4) Zu Eichen: am 12. Mai, Nachm. 3 Uhr, Impfung; am 19. Mai, Nachm. 5 Uhr, Revision.
5) Zu Windecken: am 26. Mai, Nachm. 1 Uhr, Impfung; am 2. Juni, Nachm. 2 Uhr, Revision.
6) Zu Kilianstädten: am 26. Mai, Nachm. 4 Uhr, Impfung; am 2. Juni, Nachm. 5 Uhr, Revision.
Betreffs Gestellung der Impflinge, Herrichtung der Jmpflokale u. s. w. verweise ich auf meine Bekanntmachung vom 2. d. Mts. in Nr. 103 des Hanauer Anzeigers.
Hanau am 8. Mai 1882.
Der Königliche Landrath.
Gefunden: Eine Fibel mit der Inschrift „Maria Molis". Ein weißes Taschentuch. Ein Paar schwarze Handschuhe.
Hanau am 9. Mai 1882.
Aus Königl. Landrathsamt.
Zufolge Verfügung Königlicher Regierung zu Caffel vom 18. März cr. ist der Hautboist und Sergeant Christian Hiege vom 3. Hess. Jnfanterie-Negt. Nr. 83 vom 15. April cr. ab probeweise als Vollziehungsbeamter bei der Königlichen Steuerkasse II angestellt. Demselben sind die Beitreibungsgeschäfte in den zum Cassenbezirk gehörenden Ortschaften des Amtsgerichtbezirks Hanau, sowie in den Ortschaften Niederdorfelden, Oberdorfelden, Kilianstädten und Roßdorf übertragen, wovon die Heren Ortsvorstände hiermit Kenntniß erhalten.
Hanau, den 8. Mai 1882.
Königliche Steuerkasse II.
K ü ch, Rentmeister.
Wird veröffentlicht.
Hanau, den 9. Mai 1882.
Der Landrath.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Mit der ersten Berathung der Novelle zur Gewerbeordnung, in welche der Reichstag am vergangenen Freitag getreten ist, hat die Reichtagskampagne eigentlich erst de facto ihren Anfang genommen. Die genannte Vorlage ändert eine ziemliche Reihe von Paragraphen der Gewerbeordnung in ihrem materiellen Inhalte ab. Die einschneidendsten Modifikationen betreffen das Hausirgewerbe und den Geschäftsbetrieb der Handlungsreisenden, außerdem wer- den für eine Anzahl von Kleingewerben Bestimmungen getroffen, die theils eine wirkliche Concession, theils wenigstens die Beibringnng von Prüfungszeugnissen für den Betrieb voraussetzen. Die Generaldiskussion über diesen Gegenstand bot keine hervorzuhebenden Momente dar; der Abgeordnete Lasker unterzog die einzelnen Details einer sehr abfälligen Kritik, namentlich die Bestimmungen gegen die Hausirer erfuhren von Seiten dieses Redners die schärfste Verurtheilung und befürwotete schließlich die Verwerfung der Vorlage. Abg. Hartmann begrüßte dieselbe Namens der Deutschconservativen mit warmen Worten; sehr treffend verglich er die Gewerbeordnung mit einer Fahne, die schon hundert Schlachten mitgemacht habe, eine neue Regelung auf diesem Gebiete sei daher mit Freuden zu begrüßen. Schließlich plaidirte der Redner für Ueber* Weisung der Vorlage an eine Commission. Der hierauf folgende Redner, Abg. Büchtemann (Fortschritt), stellte sich in feinen Ausführungen im Wesentlichen auf den Standpunkt des Abg. Lasker und bemängelte namentlich die Dürftigkeit der Motive, doch erklärte er sich mit einer kommissarischen Behandlung einverstanden. Nachdem noch Seitens der verbündeten Regierungen Bundeskommissar Geh. Rath Bödiker die Vorlage vertheidigt hatte, wurde die Vertagung beliebt und setzte das Haus am Sonnabend die Berathung der Vorlage fort. Was die nächsten Dispositionen für den Reichstag anbelangt, so soll nach der vorläufigen Erledigung der Gewerbeordnungsnovelle die Vorlage über die Abänderung des Zolltarifs und dann erst das Tabakmonopol zur ersten Lesreng gelangen. Die Monopoldebatte wird wahrscheinlich erst am Mittwoch beginnen und erscheint das Resultat der ersten Berathung der Monopolvorlage, nämlich die Verweisung derselben an eine Commission, zweifellos, da hierfür die gesammte Rechte und der größte Theil des Centrums stimmen wollen. Die Beendigung der ersten Lesungen wird für den 16. oder 17. d. Mts. erwartet.
Das Abgeordnetenhaus nahm in seiner Sitzung .vom 4. Mai die kirchenpolitische Vorlage mit den vom Herrenhaufe hierzu beschlossenen Abänderungen definitiv an. Dagegen stimmten die Nationalliberalen, die Secessionisten und die Fortschrittler, sowie ein Theil der Freiconservativen. Am Sonnabend trat das Haus in die zweite Berathung des Verwendungsgesetzes ein. Auch das Herrenhaus hielt am Sonnabend eine Sitzung ab, für welche die Nothstandsvorlage für Oberfchlesien, die Vorlagen über die Secundairbahnen und über die Eisenbahnräthe, sowie Petitionen auf der Tagesordnung standen.
Zu Ehren des Bischofs Dr. Höting fand in Osnabrück am Donnerstag ein Festmahl statt, wobei der Bischof auf Kaiser Wilhelm und Papst Leo, Oberpräsident v. Leipziger auf den Bischof von Osnabrück und der ehemalige Armeebischof v. Namzanowsky auf das deutsche Vaterland toastete.
Der badische Landtag ist am vergangenen Sonnabend durch den Staatsminister Turban im Namen des Großherzogs geschlossen worden. (Schluß in der Beilage.)
Tagesschau.
— Berlin, 8. Mai, Abends. Ueber die Ankunft Bismarck's in Berlin verlauteten heute sich sehr widersprechende Nachrichten, Bestimm- tes weiß Niemand; nicht einmal darüber, ob er überhaupt an der Berathung des Monopols theilnehmen wird, soll bis jetzt etwas festgestellt sein. — Die Ausschüsse des Bundesraths haben die Unfallvorlage, die 123 Paragraphen hat, in 68 abgeändert, denen das Plenum des Bundesraths, wie bereits gemeldet, beistimmte. (Die Vorlage geht nunmehr unverzüglich an den Reichstag.) — Die erste Lesung des Tabakmonopols, welche für Mittwoch in Aussicht genommen war, ist auf einige