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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

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Nr. 104. Donnerstag

den 4. Mai 1882.

Amtliches.

Gefunden: Zwei Portemonnaies mit etwas Getd. Ein Schrau­benschlüssel.

Verloren: Eine Korallenkette mit goldenem Schloß.

Hanau am 4. Mai 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau.

Die Kaiser-Wilhelm-Universität zu Straßburg.

Die „Sttsb.-Ztg." schreibt: Zehn Jahre waren es am 1. Mai, als in Straßburg, der Hauptstadt des dem Deutschen Reiche wiederge­wonnenen Elsasses, die Universität eröffnet wurde, die im Jahre 1794 unter französischer Herrschaft aufgehoben und 1803 in eine französische Akademie verwandelt worden war. Es geziemt sich daher wohl, wenn wir in einigen Worten dieses Ereignisses gedenken, das gleichsam als einer der schönsten Marksteine auf dem Entwickelungsgänge deutschen Lebens und deutscher Bildung zu bezeichnen ist.

Aus der Geschichte der Universität ist hervorzuheben, daß sie vor der Annexion Straßburgs durch Frankreich im Jahre 1621 aus einer im Jahre 1567 gegründeten Akademie hervorgegangen ist und sehr bald derart in Glanz und Ansehen stand, daß sogar der unsterbliche Göthe in derselben im Jahre 17 7 0/71 seine Studien be­endete, daß sie mit dazu beigetragen hat, die Liebe zum Vaterlande im Herzen des großen Dichters zu befestigen, die seinen poesiereichen Schöpfungen den Charakter des Deutschthums gaben.

Auch in den zehn Jahren ihres gegenwärtigen Bestehens hat die Universität, die am 22. Juni 1878 durch kaiserliche Verordnung den Namen Kaiser-Wilhelm-Universität erhielt, einen herrlichen Aufschwung genommen; aus allen Gegenden Deutschlands eilen Jünger der Wissen­schaft dorthin, um sich für ihren künftigen Beruf vorzubereiten und gleichzeitig dazu beizutragen, dem Deutschen Reiche die Herzen derer wiederzuerobern, die sich demselben während der zweihundertjährigen französischen Herrschaft entfremdet hatten.

Die deutsche Regierung hat es verstanden, dem Gefühl derer Rech­nung zu tragen, die sich durch Bande der Freundschaft an das Land geknüpft fühlten, in welchem sie das Gastrecht genossen, indem sie eine Politik der Milde und Versöhnung verfolgte, die in der Geschichte der Eroberungen so selten ist. Sie hat es aber auch verstanden, dem geisti­gen Bedürfnisse des Volkes Rechnung zu tragen, wohl wissend, daß die Liebe zu Kunst und Wissenschaft das beste Mittel ist, das Werk der allmählichen Verbrüderung zu fördern.

Ten Stempel der Milde und Versöhnung trägt auch das Zuge- ständniß der eigenen Verwaltung Elsaß-Lothringens, aber diese ist wie­derum geeignet, mit aller Sorgfalt zu hegen und zu pflegen, was dazu beitragen kann, deutschen Sinn und deutsche Sitte heimisch zu machen. Immer neue wohlthätige Institutionen werden eingeführt, um die wir bei geringerem Patriotismus die Elsaß-Lothringer beneiden könnten. So ist wiederum eine Medicinalcommission berufen worden, um bei der Schulreform in Elsaß Lothringen mitzuwirken. Die Verwaltung will, daß mit der Hebung der geistigen Ausbildung der Jugend die körper­liche Entwickelung derselben Hand in Hand gehe, und darum sorgt sie dafür, daß auch das Wort derer gehört wird, die über das, was nach dieser Richtung hin nützlich und nothwendig ist, ein kompetentes Urtheil haben

Wir glauben deshalb auch gar nicht zu viel zu sagen, wenn wir unserer Ueberzeugung Ausdruck geben, daß die deutsche Regierung das Bestreben hat, Elsaß-Lothringen nach jeder Richtung hin zu einem Musterlande für ganz Deutschland zu stempeln. Die Verwaltung des kleinen Landes in politischer, volkswirthschaftlicher und geistiger Beziehung hat eine so weise und naturgemäße Grundlage, daß schon jetzt aller Augen darauf gerichtet sind, und die Hoffnüng auf die volle moralische Eroberung eine immer zuversichtlichere wird.

Hoffen wir denn nun auch, daß die Kaiser-Wilhelm-Universität zu Straßburg immer herrlicher gedeihe und daß wiederum Männer, wie einst Göthe, als Zierde der deutschen Nation daraus hervorgehen mögen. Dre deutschen Universitäten waren es, in welchen die Flamme

der Begeisterung für ein einiges deutsches Vaterland zu immer mäch­tigerer Lohe emporstieg. Möge die deutsche Universität in Straßburg sich einst als eine der schönsten Perlen in diesem Kranze der deutschen Hochschulen erweisen!

— Im Herrenhause ist vom Grafen Schlieben folgende Interpel­lation eingebracht worden: „1) Ist es der königlichen Staatsregierung bekannt, daß in den östlichen Provinzen des Staates die Parzellirungen — sogenannte Ausschlachtungen — von Bauerngrundstücken in einer, die Existenz des Bauernstandes gefährdenden Ausdehnung in den letzten Jahren zugenommen haben? und 2) gedenkt die königliche Staatsregie­rung hiergegen einzuschreiten?" (Fr. S)

— Die Abgeordneten Dr. Philipps und Lenzmann haben folgenden Antrag auf Entschädigung unschuldig Verurtheilter und Verhafteter ein­gebracht: Artikel 1. Dem §. 413 der Strafprozeßordnung wird folgendes Alinea 3 hinzugefügt: Ist infolge einer Wiederaufnahme des Verfahrens auf Grund des §. 399, Nr. 5, Freisprechung erfolgt, so ist dem Ver- urtheilten für die erlittene Strafhaft, sowie die sonstigen Nachtheile, welche er durch das Strafverfahren erlitten hat, aus der Staatskasse Entschädigung zu leisten. Der Anspruch auf Entschädigung ist unzuläs­sig, wenn der Verurtheilte durch sein Verhalten absichtlich seine Verur- theilung herbeigeführt hat. Die Höhe der Entschädigung bestimmt der Richter unter Würdigung aller Umstände nach freiem Ermessen. Artikel 2. Dem §. 499 der Strafprozeßordnung wird folgendes Alinea 3 hin­zugefügt : Außerdem kann einem sreigesprochenen oder außer Verfolgung gesetzten Angeschuldigten auf seinen Antrag für die Untersuchungshaft und die Nachtheile, welche er durch das Strafverfahren erlitten hat, Entschädigung aus der Staatskasse zuerkannt werden. Ein Anspruch auf Entschädigung ist unzulässig, wenn der Angeschuldigte durch sein Ver­halten absichtlich das Strafverfahren herbeigeführt hat. Die Höhe der Entschädigung bestimmt der Richter unter Würdigung aller Umstände nach freiem Ermessen. (Sttsb.-Zig.)

— In deutschen Blättern ist neuerdings vielfach die Nachricht verbreitet worden, daß die chilenische Regierung den ackerbauenden Ein­wanderern außer freier Ueberfahrt je 150 Morgen Land gratis und andere Vortheile sowie 4 Mk. täglich pro Person zur Verpflegung wäh­rend eines Jahres gewähre. Officiös wird dazu bemerkt: Diese Mit­theilungen entbehren zuverlässigen Informationen zufolge der thatsäch­lichen Grundlage. Uebrigens mag daran erinnert werden, daß grade in denjenigen Gebietstheilen Chiles, deren Besiedelung durch Colonisten in Aussicht genommen zu sein scheint, noch in neuerer Zeit eine nicht un­erhebliche Anzahl von Weißen den Indianern zum Opfer gefallen ist.

— Osnabrück, 3. Mai. Die Consecration und Inthronisation des Bischofs von Osnabrück ist heute vollzogen worden. Zur Feier waren erschienen der Oberpräsident der Provinz Hannover, die Land- drosten von Osnabrück und Aurich, die Spitzen der Militär- und Ge­richtsbehörden sowie der Klerus von Osnabrück und Westphalen. Bischof Wilhelm von Hildesheim, assistirt vom Weihbischof Freusberg aus Pa­derborn und dem ehemaligen Armeebischof Namszanowsky, vollführte die Weihe. Nach dem Festact fand Gratulationsempfang beim Bischof Hoe- ting statt. Abends ist Festtafel und Fackelzug der katholischen Vereine und Körperschaften. (Fr. I.)

— Dresden. Der Direktor der großen Landesstrafanstalt zu Zwickau, Herr Geh. Regierungsrath d'Alinge, hat dieser Tage in Dres­den in der Generalversammlung der Vereine zur Fürsorge für Straf­entlassene Daten mitgetheilt, aus denen, wie wir dem „D. I." entneh­men, hervorgeht, daß täglich im Deutschen Reiche durchschnittlich 200 000 Personen vagabundirend von Ort zu Ort ziehen und sich ihren Unter- halt durch Bettelei verschaffen. Herr d'Alinge hält sich auf Grund der von ihm in seiner amtlichen Stellung angestellten Erörterungen für be­rechtigt, den Ertrag der Bettelei für sehr beträchtlich anzusehen, und zwar stelle sich der Minimalertrag täglich auf 1 Mk. 70 Pf., der Maximal­ertrag auf etwas über 4 Mark für die Person, im Durchschnitt also etwa 2,50 Mk. und per Jahr die enorme Summe von 182 500 000 Mark ergeben würde, die von Vagabonden in Deutschland zusammenge­bettelt wird.