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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.

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Die gspaltigcZeile

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Nr. 101.

Montag den 1. Mai

Amtliches.

Gefunden: Vier Stahlstäbe zu Corsetts. Ein Hundemaulkorb.

Zugeflogen: Ein Kanarienvogel. Eine grau-weiße Taube.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 51 M. Ein Portemonnaie mit Inhalt.

Entlaufen: Ein kleiner junger gelber Spitz.

Entflogen: Drei Kanarienvögel.

Hanau am 1. Mai 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau.

DasD. Mont.-Bl." schreibt: Unser Kaiser, der sich des besten Wohlseins erfreut, wird, wie uns aus Wiesbaden telegraphirt wird, heute Abend um 81/2 Uhr von dort abfahren und mittelst Extrazuges morgen Vormittag um 83/4 Uhr auf dem Potsdamer Bahnhof ein­treffen.

Berlin, 29. April. In der heutigen 56. Sitzung des Abge­ordnetenhauses wird bei der Berathung der Etatsübersicht von 1880.81 die Ausgabe für den Volkswirthschaftsrath nach längerer Debatte nach, träglich genehmigt; hierauf die dritte Lesung des Gesetzes über die Eisen­bahnräthe vorgenommen und das ganze Gesetz mit unwesentlichen Abän­derungen nach den Beschlüssen zweiter Lesung genehmigt. Zum Schluffe folgt die zweite Lesung des Hundesteuergesetzes und wird §. 1 in der Fassung des Kommissionèbeschlusses genehmigt.

Der Kaiserliche Botschafter am Königlich italienischen Hofe, v. Keudell, ist nach Rom zurückgekehrt und hat die Geschäfte der dortigen Botschaft wieder übernommen.

S. M. Knbt.Jlt«.s", 4 Geschütze, Kommandant Kap.-Lieut. Klausa, verließ am 15. Februar cr. den Hafen von Swatow und traf am 18. deff. Mts. in Hongkong ein. S. M. S.Hertha", 19 Ge­schütze, Kommandant Kapitän zur See von Kall, hat am 15. März cr. Kobe verlassen und ist am 17. deff. Mts. in Aokohama eingetroffen. S. M. Knbt.Wolf", 4 Geschütze, Kommandant Korvettenkapitän Strauch, hat am 26. Februar cr. Shanghai verlassen, traf am 4. März cr. in Nagasaki ein und beabsichtigte am 10. deff. Mts. nach Chefoo bezw. Tientsin in See zu gehen.

Das Stärkeverhältniß der einzelnen Fractionen des Reichstages (unter Berücksichtigung der vier erloschenen Mandate) ist augenblicklich solgendes: Deutschconservative 48, Deutsche Reichspartei 26, Centrum 96, Welsen 9, Polen 18, Nationalliberale 45, Secessionisten 47, Fort­schrittspartei 59, Volkspartei 8, Sozialdemokraten 12,Wilde" 25, da­runter 15 Elsaß-Lothringer.

DieSttsb.-Ztg." sagt in ihrerWeltlage" u. a.: Der Export von deutschen Beamten scheint immer größere Dimensionen annehmen zu sollen- Japan hat schon seit lange die Vorzüge unserer Beamten erkannt und sich dieselben für seine Zwecke nutzbar zu machen gesucht. Die Türkei ist seit Kurzem gefolgt, und jetzt scheint auch China diese Bei­spiele nachahmen zu wollen. Wie bestimmt verlautet, hat die chinesische Regierung einer hiesigen Firma die Herstellung eines Telegraphennetzes in China übertragen und zugleich den Wunsch ausgesprochen, daß deutsche Beamte den Betrieb organisiren und in seinen Anfangsstadien leiten möchten. Die Firma hat sich in Folge dessen mit dem Staatssekretär Dr. Stephan in Verbindung gesetzt und es ist sehr wahrscheinlich, daß derselbe einer Anzahl tüchtiger Telegraphenbeamten zu dem erwähnten Zweck einen längeren Urlaub nach China ertheilen wird.

Die Motive zu den neuen Lehrplänen enthalten auch einen Nachweis über den Zudrang zu den höheren Schulen, speciell den Gym. nasien in Preußen, welcher für weitere Kreise von Interesse ist. Im Jahre 1868 bestanden in Preußen 197 Gymnasien und höhere Schulen, d. h. Gymnasien, Progymnasien, Realschulen verschiedener Art und höhere Bürgerschulen im Ganzen 339; im Jahre 1880 war die Zahl der Gymnasien auf 249, die der höheren Schulen überhaupt auf 489 gestiegen. Im Jahre 1868 kam ein Gymnasiast in Preußen auf 427, ein Schüler der höheren Schulen überhaupt auf 266 Köpfe der Bevöl­kerung ; im Jahre 1880 war das Verhältniß 1 : 362, das der höheren Schulen überhaupt 1 : 215, während im Königreich Sachsen z. B. 1 Gymnasiast auf 624 Einwohner und 1 Schüler der höheren Schulen auf 281 Einwohner kamen. Im Jahre 1868 hatten 20 pCt. der Gym­

1882.

nasien mehr als 400 Schüler und im Jahre 1880 hatten 26 pCt. eine Frequenz von 400700 Schülern.

DerDeutschen Heeresztg." zufolge hat die Admiralität zur Beschleunigung der Vorlage wegen des Dortmund-Emskanals nicht we­nig beigetragen. Dieselbe ist der Ansicht, daß erst durch diesen Kanal der Ems-Jadek nal, welcher die Ems mit Wilhelmshafen verbinden soll, insofern eine erhöhte Bedeutung für die deutsche Kriegsmarine erhalten werde, als eine sichere und bequeme Straße geschaffen wird, um Kohlen, Erze, Geschütze, Schiffsbaumaterialien und sonstige Erzeugnisse der west­lichen Provinzen nach Wilhelmshafen befördern zu können, ein Vortheil, der bei einem Kriegshafen ersten Ranges von hohem Werthe ist. Wei­ter hört das genannte Blatt, daß in Consequenz dieser Kanalanlage den bereits früher erörterten Projekten eines Ems Seehafens bei Emden, sowie einer Marinestation in der Emsmündung näher getreten werden dürfte.

Der große Nutzen, welchen Deutschland aus der glücklich voll­brachten Legung des direkten Kabels nach Amerika zieht, liegt nicht sowohl in der Verbilligung des Worttarifs und in der schnelleren Verbindung, als es bei dem vielen Umtelegraphiren auf den Zwischen­stationen möglich war, wie vielmehr in der Unabhängigkeit von dem sranzösischen Kabel, auf das in gewissen Fällen angewiesen zu sein keine große Annehmlichkeit war. So oft nämlich das anglo-amerikanische Kabel einer Reparatur bedurfte, oder wenn man in England plötzlich die Preise erhöhte, war Deutschland auf den Vermittelungsdienst Frank­reichs angewiesen. Es liegt auf der Hand, daß bei unserem seit einigen Jahren wieder stark zunehmenden Export nach Amerika eine Verbindung mit den Vereinigten Staaten nöthig war, die auch für den Fall einer Spannung zwischen uns und unseren Nachbarn jenseit der Vogesen die Controle des Kabels vollständig in unserer Hand sicherstellte. (Sttsb.-Ztg.)

Ludwigsburg, 30. April. (Fr. I.) Die Gemahlin des Thronfolgers, Prinzessin Wilhelm von Württemberg, ist heute früh öVs Uhr gestorben. Die Beisetzung der Prinzessin Wilhelm von Württem­berg findet Dienstag Abend 5 Uhr auf der Ludwigsburger Kirchhofgrust statt. Die Eltern der Prinzessin kommen über Nacht daselbst an.

Paris, 30. April. Die erste Aufführung von Radine, einem Drama der Louise Michel, der bekannten Petroleuse, in einem vorstädti­schen Theater, hatte eine ungeheure Menschenmenge angelockt, die haupt­sächlich des Skandals halber gekommen war. Das Slück ist unbedeu­tend, ein politisches Melodrama, das nicht einmal sehr kommunistisch ist, aber von Beginn der Vorstellung an sand ein unglaublicher Lärm statt. Das Publikum lachte, schrie und unterbrach fortwährend die Vorstellung, warf Orangen auf die Bühne und in das Parket. Der Lärm war entsetzlich, die Polizei schritt nicht ein. (Post.)

London, 29. April. Earl Spencer hat den durch den Rück­tritt Cowpers erledigten Posten des Vize-Königs von Irland übernom­men, wird aber seiuen Sitz im Kabinet beibehalten.

Spezial-Telegramme des Deutschen Montags-Blattes.

Tunis, 29. April. Der deutsche Konsulats-Verweser Dr. Nachtigal ist heute vom Bey im Bardo offiziell empfangen worden. Dr. Nachtigal wurde zur Audienz bei dem Bey in einem Galawagen des Letzteren von dem deutschen Konsulate abgeholt. Der französische Resident- schaftssekretär Estournelle begleitete Dr. Nachtigal, um diesen auf seinen ausdrücklichen Wunsch dem Bey vorznstellen. Eine französische Husaren­abtheilung eskortirte die Equipage bis zum Palaste des Bey. Dr. Nachtigal überreichte sein Beglaubigungsschreiben und brachte dem Bey seine Huldigungen dar, welcher sich hiernach in ein freundliches Gespräch über die Forschungsreisen Dr. Nachtigal's einließ.

Rom, 29. April, Abends. Am Mittwoch Abend wurden auf dem hiesigen Bahnhof aus dem Postwagen kurz vor Abgang des Flo­rentiner Zuges hunderttausend Francs auf unbegreifliche Weise gestohlen. Der Gesetzentwurf über Einverleibung der Assab-Bucht soll angeblich noch vor Schluß dieser Kammer-Session vorgelegt werden.

Washington, 29. April. Der Senat hat die Ernennung Nicolas Fish's znm Gesandten in Brüssel bestätigt.

Hamburg, 30. April, Morgens. Die große Weinfirma Ruek und Fenwik in London stellte ihre Zahlungen ein. Die Passiva betra­gen 300 000 Pfd. Lstrl.