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Nr. 93.
Freitag den 21. April
1882.
Amtliches.
Dem am 10. Dezember 1861 zu Düdelsheim geborenen Heinich Bartmann, vorehelicher Sohn der jetzigen Ehefrau des Maurers Konrad Moos zu Bockenheim, ist gestattet worden den Familiennamen „Moos" führen zu dürfen.
Hanau am 17. April 1882.
Heinrich Kunkel, Bernhards Sohn, von Niederrodenbach, 33 Jahre alt, wurde als Gemeindediener eidlich in Pflichten genommen.
Hanau am 18. April 1882.
Der Landrath.
Gefunden: Am 15. d. Mts. auf der Straße von Eichen nach Heldenbergen ein alter Rock nebst einer Peitsche; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Eichen. Ein Quantum Nägel, in einem Laden liegen geblieben. Ein Portemonnaie mit 1 Schlüsselchen. Eine Brille. Ein Kinderschuh.
Entlaufen: Ein gelber Dachshund, m. Geschl.
Hanau am 21. April 1882.
_____________________Aus Königl. Landrathsamt. ____________________
Rundschau.
B. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser hat am Dienstag den 18. d. M., Abends 3M1 Uhr, Berlin mittelst Extrazuges verlassen und ist am Vormittag des 19. wohlbehalten in Wiesbaden eingetroffen. Sein Aufenthalt hier ist jedoch nur ein kurz bemessener, da der greise Monarch es sich nicht nehmen läßt, den Frühjahrsbesichtigungen der Berliner und Potsdamer Garnison Anfang Mai beizuwohnen.
In unserer innern Politik ist her Ebbe, welche die österliche Pause hervorgerufen hatte, wieder die Hochfluth des politischen Lebens gefolgt. In Berlin haben neben den gewöhnlichen Sitzungen des Bundesrathes die gemeinsamen Conferenzen der Minister der Einzelstaaten in dieser Woche begonnen, zu denen auch das Eintreffen des Reichskanzlers Fürsten Bismarck aus Friedrichsruhe erwartet wird; den Hauptgegenstand dieser Berathungen bildet ohne Zweifel der Tabakmonopol-Entwurf. Ferner hat am 18. d. Mts. das preußische Abgeordnetenhaus seine durch die Osterferien unterbrochenen Berathungen wieder ausgenommen, während die Landtage von Bayern und Baden bereits kurz nach den Osterfeiertagen wieder zusammengetreten sind. Endlich wird, wie bekannt, auch der Reichstag am 27. April seine Thätigkeit beginnen, welche, neben anderen Vorlagen, wie der Arbeiterunfallversicherung, hauptsächlich der Berathung des Tabakmonopol-Entwurfs gewidmet sein wird, über den der Reichstag als höchste und letzte Instanz seine Entscheidung zu treffen hat. Da das Abgeordnetenhaus mindestens noch zwei Wochen zusammenbleiben wird, so ist ein Zusammentagen desselben mit dem Reichstage unvermeidlich geworden und werden sich beide parlamentarische Körperschaften einige Zeit freundnachbarlich darauf einrichten müssen, einander ihre Thätigkeit möglichst zu erleichtern. Ueber den Schluß der Reichstagssession läßt sich vorläufig noch gar nichts sagen, doch dürfte derselbe bei der Wichtigkeit der im Reichstage diesmal zur Verhandlung kommenden Fragen schwerlich vor Pfingsten erfolgen.
Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich in seiner Sitzung vom 18. April lediglich mit untergeordneten Gegenständen, welche von keinem allgemeineren Interesse sind. Erledigt wurden von dem nur schwach besetzten Hause fast debattelos die Packhofs-Vorlage, die Vorlage über die Abtretung eines Stückes des Berliner Thiergartens u. s. W. Desgleichen wurden die Rechnungsübersichten ohne Debatte genehmigt. Nur die Denkschrift über die Ausführung des Nothstandsgesetzes für Ober-Schlesien erregte eine etwas lebhaftere Debatte. Die Abgeordneten Münzer und Dr. Holtze bemängelten verschiedene Maßnahmen bei der Ausführung des Gesetzes, namentlich aber beklagten sie das Hinausschieben der Inangriffnahme der Oderregulirung, wogegen Minister Dr. Lucius bemerkte, daß die Oderregulirung gar nicht' in den Rahmen der Nothstandsvorlage gehöre. Auch betonte der Minister, daß die Oderregulirung viele Millionen kosten würde und könne sich das Haus nicht schon jetzt, ehe ausgearbeitete Projekte vorliegen, für eine solche Ausgabe en- gagiren. Schließlich wurden die von der Commission vorgeschlagenen
Resolutionen mit der Aenderung, daß die Regulirung der obern Oder nicht auf Staatskosten erfolgen solle, angenommen. In seiner nächsten Sitzung am 19. April beschäftigte sich das Haus hauptsächlich mit Petitionen.
In der Kirchen-Commission des Herrenhauses hat Ansang dieser Woche die Berathung der kirchenpolitischen Vorlage begonnen. Graf zur Lippe beantragte in der Commission, die Dauer der DiskretionsVollmachten statt auf ein Jahr auf drei Jahre festzusetzen. Auf conser- vativer Seite soll hierüber ziemliche Verstimmung herrschen und wie es heißt, sind die Conservativen entschlossen, auf dem Compromiß mit dem Centrum zu beharren, wonach also der Regierung die sogenannten diskretionären Vollmachten nur auf ein Jahr zugesprochen werden. Der Wiederbeginn der Plenarverhandlungen des Herrenhauses steht unmittelbar bevor.
Die Ernennung des Grafen Hatzfeldt zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes ist noch immer nicht ersolgt, doch sieht man derselben in diesen Tagen mit Bestimmtheit entgegen.
König Albert von Sachsen hat nach mehrwöchentlichem Aufenthalte in Italien am Montag von Como aus die Rückreise nach Dresden angetreten. Königin Carola, welche noch einige Zeit im Süden zu verweilen gedenkt, begleitete ihren hohen Gemahl bis Mailand.
(Oesterreich-Ungarn.) Für die österreichische Regierung erwächst jetzt, nachdem der südslawische Ausstand im Großen und Ganzen als niedergeworfen betrachtet werden kann, die Ausgabe, dauernde Ordnung und geregelte Zustände in den aufständischen Gebieten zu schaffen. Man beschäftigt sich an leitender Stelle in Wien schon lange mit diesem Gedanken, doch hat man sich hier über die Frage, wie der Ausbruch eines neuen Aufstandes in der Herzegowina und Crivoscie am Wirksamsten zu verhindern sei, noch nicht schlüssig gemacht. Den Plan, in den genannten Ländern großartige Befestigungen anzulegen, hat die österreichische Regierung wegen der Kostspieligkeit seiner Durchführung wieder aufgegeben, wenigstens für jetzt; sie wird sich vorläufig damit begnügen, einen Theil der gegen die Aufständischen verwendeten Truppen in der Herzegowina und in der Crivoscie zu belassen, zu welchem Zwecke sie bekanntlich von den gegenwärtig in Wien versammelten Delegationen einen abermaligen Credit in der Höhe von 23 V2 Millionen Gulden verlangt und glaubt man, daß die Delegationen die geforderte Summe schließlich auch bewilligen werden.
(Frankreich.) In der inneren französischen Politik herrscht im Allgemeinen noch Ruhe, da die französischen Kammern erst am 2. Mai ihre Thätigkeit wieder aufnehmen; nur die Agitation der klerikalen Kreise gegen das neue Schulgesetz macht sich, wenn auch in durchaus gemäßigter Form, fort und fort bemerkbar und auch die Gambettisten stoßen "für ihren Herrn und Meister noch fortwährend in die Lärmtrompete, ohne daß man jedoch sonderlich hierauf achtet. In Tunesien hat die Zurückbeförderung eines Theiles der Occupationstruppen nach Frankreich begonnen; indessen ist die aufständische Bewegung in der Regentschaft noch keineswegs erstickt und erneute Truppensendungen nach Tunis sind darum nicht ausgeschlossen. — Die Urheber des großen im Pariser Centralpostamte in der Nacht vom Sonntag zum Montag ausgèsührtcn Diebstahles — es wurden 181 Werthbriefe mit einem Gefammtinhalte von, wie es heißt, ca. einer Million Francs entwendet — sind trotz sorgfältigster Untersuchung noch nicht entdeckt. Es wird jedoch vermuthet, daß die Diebe Postbeamte sind, da die ersteren mit den Einrichtungen und Gewohnheiten des Dienstes im Centralpostamte ganz genau vertraut gewesen sein müssen.
(England.) Die Politik der „halben Maßregeln", welche das englische Cabinet Gladstone in Irland verfolgt, gibt den Oppositionsparteien in England, namentlich aber den Conservativen, Anlaß zu den schärfsten Angriffen auf das ganze „System Gladstone". Die Hauptführer der Conservativen, Lord Salisbury und Sir Stafford Nortbcote, sprachen in voriger Woche auf verschiedenen Meetings gegen die Maßregeln der Regierung in Irland, welche sie als durchaus ungeeignet und gefährlich bezeichneten und es ist bezeichnend für die kritische Situation des jetzigen englischen Cabinets, daß selbst liberale englische Blätt-r den Ausführungen der conservativen Redner Beifall zollen. — In der