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Nr. 89.
Montag den 17. April
1882.
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Amtliches.
Gefunden: V2 Meter weiße Spitze. Eine Milchkanne. Eine Peitsche. Eine abgetragene Knabenjacke. EineIgeflochtene rothe Perlenkette. Eine Mark in Silber.
Hanau am 17. April 1882.
____________________Aus König!. Landrathsamt. ____________________
— T a g e s s ch a n.
Zeitbetrachtungen.
Was wir jetzt in Bezug auf das französische Militär wesen erleben ist höchst merkwürdig. Es ist abermals ein Beweis für die Erfahrung, daß selbstbewußte Völker von alter Zivilisation nur schwer in fremde Bahnen einlenken, auch wenn es zu Tage liegt, daß diese zum Ziele führen. Wenn man erwägt, daß die Franzosen den Beweis für bie Vortrefflichkeit der preußisch-deutschen Militärorganisation an sich erfahren haben, daß diese Organisation noch einheitlich auf den Ursprung» lichen Grundlagen beruht, die vor 70 Jahren gelegt wurden; daß sie von Preußen aus mit unverhoffter Leichtigkeit sich in allen Staaten des deutschen Reiches eingebürgert hat, ws man früher von der schweren Last frei war; wenn man alles dies erwägt, so hätte man denken sollen, die Franzosen würden nach dem Bruch mit ihrem Militärsystcm die deutsche Organisation nachahmen. Anfangs schien dies auch die Absicht zu sein. Bis auf das Freiwilligensystem, welches mehr nach dem Wohlstände als der Bildung geordnet wurde, blieb man den 'preuß. Grund- sätz-n getreu. Jcmehr aber die Revanche-Idee zur Geltung kam, desto mehr verließ man die defensiven Gesichtspunkte, welche das preußischdeutsche System beherrschen. Die Zahl des französ. Heeres schwoll auf eine Höhe an, welche zur finanziellen Unmöglichkeit wurde. Die lange Dienstzeit des einen, die geringe Belästigung des anderen Theils des Jahresksntingents widersprachen dem gallischen Gleichheitsstreben. Die Erfahrungen des tunesischen Krieges zeigten, daß das den Deutschen nachgebildete System nur für einen Krieg paßt, wo die ganze Volkskraft für die Existenz eingesetzt wird, wo jeder an seiner Stelle thätig ist und die kleinlichen Berechnungen verschwinden in dem allgemeinen Aufschwung. Seitdem plant man in Frankreich neben dem Volksheer die Errichtung einer Kolonialarmee von Berufssoldaten. Die altrepublikanische und die napoleonische Legende liegen im Streit. Die Anhänger der ersten wollen Massen, die der zweiten kleine geschulte Heere mit 5* jähriger Dienstzeit. Gegenwärtig ist man rathloser als je. Die Regierung ist zu sehr von der öfs. Meinung abhängig, um einen entschlossenen Schritt zu thun, und Kommissionen von Laien waren noch nie der geeignete Weg zu einem gesunden Militärsystem. Während unsere Militär- Verfassung in altgewohnter Regelmäßigkeit besteht, ist in Frankreich alles ungewiß, da die volle Durchführung der 20jährigen Dienstzeit sich als unmöglich herausgestellt hat und die willkürliche Befreiung eines Theiles des Kontingentes durch den Ausspruch einer Kommission dem Volksgeist widerstrebt. Im Interesse des Friedens haben wir diesen Stand der Dinge wirklich nicht zu beklagen! (Schw. M.)
— Berlin, 15. April. Ser Majestät der Kaiser und König nahmen heute militärische Meldungen entgegen, hörten den Vortrag des General-Adjutanten von Albcdyll und empfingen den Hof- und Garnison- Prediger Frommel.
— Der „R. u. St.-A." Nr. 89 veröffentlicht die Allerhöchste Ver- ordnung, betreffend die Einberufung des Reichstags auf den 27. d. M. — Weiter veröffentlicht dasselbe Blatt: Gesetz, betreffend die Verwendung der Jahresüberschüsse der Verwaltung der Eisenbahnangelegenheiten vom 27. März 1882.
— Mit dem Beginn des neuen Etatsjahres 1882/83 sind, wie das „Centralbl. der Bauverw." mittheilt, bei den preußischen Staatsbahnen 14 Eisenbahn- bezw. Regierungs-Baumeister zu Eisenbahn - Bau- und Betriebsinspektoren ernannt worden. Gleichzeitig ist die Ernennung sämmtlicher bisherigen Eisenbahn-Maschinenmeister zu Eisenbahn-Maschineninspektoren erfolgt; die Zahl derselben beträgt 97. Nach Inkrafttreten des dem Landtage in diesen Tagen vorgelegten Nachtragsetats für die neuerdings verstaatlichten Bahnen sollen noch weitere Ernennungen von Eisenbahn-Bau- und Betriebsinspektoren und Eisenbahn-Maschinen- insp ktoren erfolgen.
— Der Gesammtvorstand des Abgeordnetenhauses wird sich als
bald nach dem 18. ins Einvernehmen mit der Regierung setzen und die Arbeiten bestimmen, welche auf alle Fälle noch erledigt werden sollen.
■— Um den Beamten der Staatseisenbahn-Verwaltung, welche vielfach auf isolirten Stationen ihren Amtssitz haben, „die gute, bürgerliche Erziehung ihrer Kinder" zu erleichtern, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten durch Verfügung vom 3. d. M. bestimmt, daß fortan den Söhnen und Töchtern der bei einer Staats- oder vom Staate verwalteten Eisenbahn angestellten Beamten zum Besuche von Fortbildungsschulen aller Art mit Ausnahme der höheren Unterrichts-Anstalten, wie Universitäten, Gymnasien rc., sowie zur Theilnahme an Spezialunterrichts- stunden, wie Musik, Handarbeiten rc., freie Fahrt in dritter Wagrnklasse bewilligt werde. Dieselbe Begünstigung darf in den Fällen, in welchen Kinder von Beamten zum Besuche der vorbezeichneten Schulen und Unterrichtsstunden außerhalb des Domicils ihrer Eltern länger dauernden Aufenthalt nehmen, bei dem Beginne und Schluffe der UnterrichtZkurse, beziehungsweise der Schulferien gewährt werden.
— Die erste Sitzung der Finanzminister der deutschen Staaten im Bundesrath soll, wie das „D. Tgbl." erfährt, Dienstag den 18. d. M. stattfinden. Nach anderen Mittheilungen würden diesen Verhandlungen v. Riedel, v. Mittnacht, Elstätter und Turban, die sächsischen Minister V. Könneritz und v. Noftiz, der Weimarische Minister v. Stichling, sowie der hessische Ministerpräsident V. Stark beiwohnen.
— Der „Vossischen Zeitung" wird aus Thüringen vom 13. April geschrieben: Schon seit dem letzten Spätherbste war ein stärkerer Betrieb in der thüringischen Export-Industrie zu bemerken, und jetzt schon bietet sich ein Anhalt dasür, wie groß ungefähr die Erhöhung des Verkehrs sich gestaltet. In dem sämmtliche thüringische Staaten umfassenden Konsularbezirk der nordamerikanischen Union sind nämlich im ersten Quartal d. I. für 1 324105 M. Waaren nach den Vereinigten Staaten ausgeführt worden gegen 1107 805 M. in demselben Zeitraume deS Jahres 1881, also in diesem Jahre ein Mehr von 216 300 M; bei dieser Exportzunahme sind besonders betheiligt: Porzellan, Puppen und andere Spielwaaren, Glas- und Strumpfwaaren. Wie nach den Vereinigten Staaten, so hat auch die Ausfuhr nach Frankreich, Italien und dem Orient zugenommen und herrscht deshalb in der Fabrik« und Hausindustrie im Thüringer Wald reges Leben.
— München, 15. April. Die Kammer der Abgeordneten genehmigte den Militäretat für 1882/83 einstimmig. Im Laufe der Debatte befürwortete Berg die Schaffung der Stelle eines Kavallerie-Jn- spekteurs.
— Libau, 15. April. Der britische Dampfer „Vernon" übersegelte vergangene Nacht den auf der Rhede von Libau ankernden Flensburger Dampfer „Diana", welcher sofort sank; die Mannschaft wurde mühsam gerettet. Am „Vernon" ist das Vordertheil bedeutend beschädigt.
— Galizi en. Während der letzten Tage ist in dem galizischen Sloboda Rungurèka das Petroleum in ganz außerordentlich reichlichen Quantitäten hersorgequollen, namentlich aus dem Brunnen „Maria", der dem Ritter von Torosiewicz zugehört. Derselbe liefert täglich 300 Fässer. , ----------------------------
Spezial-Telegramme des Deutschen Montags-Blattes.
— Wien, 16. April, 10 Uhr. Die meisten hiesigen Blätter melden jetzt den nahe bevorstehenden Rücktritt Jgnatieffs. Auch die offiziösen Kreise halten seine Stellung für erschüttert, bemerken aber, daß, wenn er als Botschafter nach Paris käme, er noch gefährlicher wäre als auf seinem jetzigen Posten ... — Das „Extrablatt" bringt eine lange de- taillirte Meldung über ein großes, Wien und verschiedene Theile Oesterreichs umfassendes Netz von russischen Spionen, welches die Wiener Polizei angeblich entdeckte.
— Petersburg, 16. April, 12 Uhr 10 Min. Nachm. Eine der schlechtestbeleumundeten Persönlichkeiten der Residenz, der bekannte Trubnikow, seit einiger Zeit Beamter zu besonderen Aufträgen im Ministerium des Innern, veröffentlichte in russischer Sprache eine Broschüre, betitelt: „Deutsche und Jesuiten in Rußland", welche als Radikalmittel die Austreibung und Ermordung aller Deutschen anempfiehlt! Der Verkauf der Schrift wurde bisher nicht inhibirt.
— Rom, 16. April, 9 Uhr 40 Min. Vorm. Die politische Apathie, welche jetzt hier herrscht, ist geradezu unglaublich. In Rom wurde