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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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Nr. 87. Freitag den 14. April 1882.
Amtliches.
Bürgermeister Schmidt in Rüdigheim wurde als Vieh- und Fleischbeschauer in Pflichten genommen.
Hanau am 4. April 1882.
Für den am 27. August 1859 geborenen Franz Karl Albrecht Kreuter aus Hanau ist um Entlassung auè dem Preußischen Unterthanenverband behufs Auswanderung nach England nachgesucht.
Hanau am 4. April 1882.
Der Landrath.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Wenn man das hohe Alter unseres Kaisers in Betracht zieht, so muß man allerdings seinen Gesundheitszustand, der ihm die Last der Regierungsgeschäfte noch immer tragen läßt, sür außerordentlich erklären. Es ist indessen doch nicht zu verhehlen, daß Kaiser Wilhelm in letzter Zeit öfter und bedenklicher als früher von Unpäßlichkeiten und Schwächen des Alters heimgesucht worden ist, weshalb die Leibärzte dem erlauchten Herrn eine klimatische Erholung angerathen haben. Se. Majestät wird sich daher sobald als es die Umstände erlauben nach Wiesbaden zur Frühjahrskur begeben, wohin ihn wahrscheinlich auch die Kaiserin begleiten wird. Das letztere größere Unwohlsein des Kaisers war übrigens schon vor den Ostertagen vollständig gehaben, so daß der Kaiser sowohl die Regierungsgeschäfte erledigen als auch in gewohnter Weise sich den religiösen Andachten und Familienseierlichkeiten des Osterfestes widmen konnte.
Der definitiven Ernennung des Grafen Hatzfeldt zum Leiter unseres auswärtigen Amtes sicht man jeden Tag entgegen, zumal nunmehr auch für diesen bewährten Diplomaten ein Nachfolger für den Botschafterposten in Konstantinopel wahrscheinlich in der Person des genialen Herrn von Radowitz, zur Zeit deutscher Gesandter in Athen, gefunden sein soll. Der wegen einer überstandenen Krankheit erholungsbedürftige Graf Hatzfeldt ist übrigens schon an den Ostertagen von seinem Urlaube nach Berlin zurückgekehrt und hat die Leitung des auswärtigen Amtes wieder übernommen.
In unseren Regierungskreisen herrscht große Regsamkeit, um den Rest der geplanten gesetzgeberischen Arbeiten sobald als möglich vor den noch Ende dieses Monats einzuberufenden Reichstag zu bringen. Die kürzeste Ferienzeit hat sich dieserhalb der Bundesrath gegönnt, denn derselbe fährt nicht, wie früher gemeldet wurde, am 15. April mit feinen Berathungen fort, sondern hielt schon am 13. April seine erste Plenarsitzung ab. Wie man hört sind die Gesetzentwürfe, betreffend die Unfallversicherung der Arbeiter und das Tabakmonopol die ersten und hauptsächlichsten Berathungsgcgenstände deS Bundesrathes. Auch meldet man aus Berlin, daß der Reichskanzler Fürst Bismarck den sogenannten „Ministkrfitzungen" des BundeSrsthes beizuwohnen gedenkt und deshalb wahrscheinlich schon in diesen Tagen aus Friedrichsruhe nach der Reichshauptstadt zurückkehren dürfte.
Verhandlungen, welche das Reichseisenbahnamt mit Bayern bezüglich der in diesem Bundesstaate noch aufrecht erhaltenen Ausnahmetarife der Eisenbahnen, welche den Holzhandel Süddeutschlands schwer schädigen sollen, gepflogen worden sind, sollen die Regierungskreise von der Nothwendigkeit einer Reform deS Reichseisenbahnamtes überzeugt haben. Es besteht nämlich für dasselbe die eigenthümliche Thatsache, daß es eine ganze ungenügende Competenz und sozusagen keine Untergebene besitzt, denn eine die Interessen des Ganzen im Auge habende Einheit im Eisenbahnverkehre haben wir noch nicht, das betreffende Gesetz muß erst noch im Reichstage geschaffen werden.
Ein Artikel im neuesten Militärwochenblatt, der augenscheinlich von einem höheren Cavallerieosficier herrührt, beschäftigt sich in ebenso beweiskräftiger als militärwiffenschaftlicher Weise mit der Frage, wie namentlich bei der Cavallerie, zumal bei den Husaren, Ulanen und Kü- rassiren die Ausrüstung eine einfachere und billigere, dabei aber die Schlagfertigkeit der Reiter erhöhende werden könnte, wenn man diese und jene Unfformstücke abschaffte, resp, änderte. Wir glauben, daß dieser Hinweis des Fachmannes dre Beachtung der hohen Militärs und Abge
ordneten verdient, denn die Schlagfertigkeit der Truppen erhöhen und noch dabei Geld sparen, dies wären sehr begehrenswerthe Errungenschaften für das deutsche Reich.
(Schluß in der Beilage.)
Tagesschau.
— Berlin, 13. April. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen militärische Meldungen entgegen und hörten die Vorträge des Kriegsministers und des Chefs des Militärkabinets. — Ihre Majestät die Kaiserin und Königin war heute in einer Vorstandssitzung des Frauen-Lazareth-Vereins im Augusta-Hospital anwesend.
— Berlin, 13. April. In der gestern unter dem Vorsitze des Staatsministers v. Boetticher abgehaltenen Plenarsitzung des BundeS- raths nahm die Versammlung zunächst Kenntniß von der Vorlage, betreffend die geschäftliche Behandlung der dem Bundesrath vorliegenden, wichtigeren Berathungsgegenstände. Die Gesetzentwürfe über die Krankenversicherung der Arbeiter, über die Unfallversicherung der Arbeiter, über Abänderung der Gewerbeordnung, über das Reichs-Tabakmonopol und über Abänderung des Zolltarifgefetzes vom 15. Juli 1879, sowie der am 10. Januar d. Jè. unterzeichnete Konfularvertrag mit Brasilien wurden, soweit dieselben bereits vorliegen, den zuständigen Ausschüssen zur Vorberathung überwiesen; soweit die Entwürfe noch nicht an den Bundesrath gelangt sind, wurde beschlosfen, dieselben nach dem Eingänge an die Ausschüsse zu überweisen. Mit den Ausschußanträgen in Betreff der Vorschläge wegen Besetzung dreier Rathsstellen bei dem Reichsgericht war die Versammlung einverstanden. Schließlich wurden ein Antrag wegen Zulassung eines Steuermanns zur Schifferprüfung und eine Eingabe, betreffend die Aufhebung des Zolls für eingedickte Milch, den zuständigen Ausschüssen überwiesen.
— In einem Artikel der Wiener „Presse" vom 9. d. M. heißt es:
.... Die deutsche Reformbewegung ist in der That hauptsächlich das Werk des Fürsten Bismarck, und wenn ihr in jedem andern Staate die Autorität eines um die Nation so verdienten Mannes, wie des Kanzlers, zu Gute käme, in Deutschland thut ihr aus naheliegenden volkspsychologischen Gründen gerade diese Autorität Abbruch, indem sie die zur positiven Gesetzgebung recht eigentlich berufenen Parteien zur Negation und zu einem hartnäckigen Widerstände anreizt. Man muß abwarten, ob das letzte Resultat für sie spricht, wenn die liberalen Fraktionen ihre Sache wie bisher auf das Nichts und Niemals stellen, an dem gichtbrüchigen Asfociationsprinzip festhalten, dessen Unzulänglichkeit sich doch bereits nach allen Richtungen erwiesen hat. Das von den drei liberalen Gruppen vereinbarte Hastpflichtgesetz ist eine zu dürftige Leistung, als daß diese den Gesammtinhalt des wirthschaftlichen Progrcmms des Liberalismus bilden könnte; gegen jede tiefergehende gesellschaftliche Reform aber machen die Liberalen Deutschlands einen erbitterten Krieg, namentlich erklären sie die Wiederherstellung der Innung und die Be- fugniß derselben zur Befähigungsprüfung als finstere Reaktion; zwei Reformpunkte, denen der österreichische Liberalismus erst kürzlich in offizieller Form, wenn auch unter mancherlei freiheitlichen Vorbehalten, zugestimmt hat. Kann in Deutschland Rückschritt sein, was man in Oesterreich als Forlschritt anerkennt?
— Viele Geschäftsleute in England und Deutschland sangen an, den Wochenlohn ihrem Personal am Freitag statt am Sonnabend auszuzahlen, und finden, daß der Freitag kein Unglückstag, sondern ein Glückstag für ihre Leute ist. Sie führen dafür an 1) daß die Frauen der Arbeiter ihre Einkäufe an den sonnabendlichen Wochenmärkten machen können und daß 2) die Arbeiter ihren Lohn am Freitag nicht so leicht wie am Sonnabend vertrinken und verjubeln, weil sie am Sonnabend noch einen Arbeitstag vor sich haben, 3) seien die Sparkassen zwar am Sonnabend, aber nicht am Sonntag geöffnet. (D.-Z.)
— In S oest hat die Polizeiverwaltung die Einrichtung getroffen, die reisenden Handwerksburschen zum Steinklopfen an der Chaussee heranzuziehen, wofür pro Stunde 20 Pfg. vergütet wird. Die Folge ist gewesen, daß die Vaganten um den Bezirk Soest einen weiten Umweg machen.
— In Thum, Kreis Zwickau, versammelten sich die diesjährigen