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Nr. 84.

Dienstag den 11. April

1882.

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Tagesschau.

Berlin, 10. April. Wie dieNat.-Ztg." meldet, würde die Abreise des Kaisers nach Wiesbaden eventuell am 20. oder 24. April erfolgen und der Ausenthalt des Kaisers daselbst bis etwa 10. Mai dauern. Die Großherzogin von Baden beabsichtigt während dieser Zeit gleichsalls ihren Aufenthalt in Wiesbaden zu nehmen.

Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs den Kaufmann J. I. Vera Cruz zum Konsul aus Ilha do Sal (Kap Ver- dische Insel) und an Stelle des auf seinen Antrag entlassenen Konsuls Hansing den Kaufmann William Philippi zum Konsul in Mozambique zu ernennen geruht.

Fürst Bismarck hat in einem Schreiben an dieN. A. 3 " feinen Dank für die ihm zu seinem Geburtsfeste entgegengebrachten Glück­wünsche, welche er ihrer großen Zahl und wegen seiner verminderten Schreibkraft nicht direkt beantworten konnte, ausgesprochen.

Berlin. Das Berl. Tgbl. vom 5. April schreibt: Der älteste Kammerdiener deâ Kaisers, August Engel, feiert heute sein 50- jähriges Dienstjubiläum. Anfangs des Jahreè 1841 trat er seine jetzige Stellung an, der er mit solcher Pflichttreue und Ergebenheit vorstand, daß er sich rühmen darf, in der langen Zeit von mehr als 41 Jahren niemals von seinem kaiserlichen Herren ein böses Wort gehört öder auch nur ein unfreundliches Gesicht gesehen zu haben. Auf allen Inspektions­reisen und Manövern war Engel der Begleiter des Monarchen. Der 68 Jahre alte Jubilar ist geistig wie körperlich rüstig. Schön gestern erhielt der Jubilar zahlreiche Glückwünsche, so vor Allem aus Baden- Baden ein Telcgr., in welchem die Großherzogin von Baden dem treuen Diener ihres Vaters die herzlichsten Glückwünsche übermittelt.

Nach den bei Ausführung von Neu- und Reparaturbanten auf Forstdienstetablissements vielfach gemachten Erfahrungen zeigen die Unter­nehmer, denen die Ausführung im Wege der Submission übertragen war, das Bestreben, bei den oft bedeutenden Abgeboten gegen die Kosten­anschläge sich dadurch einen Gewinn zu sichern, daß sie schlechtes und billiges Material verwenden und schlechte Arbeit liefern. Eine dies ver­hindernde, ausreichende Kontrole ist bei der meist entfernten Lage der Forstetablissements von dem Wöhnrrte der Kreisbaubeamten ost gar nicht zu ermöglichen. Der Minister für Landwirthschaft re. hat daher den Regierungen rc. durch Cirkularverfügung vom 18. vor Mts. em- pfohlen, sich in solchen Fällen, in welchen eine genügende Kontrole der Bauunternehmer nicht ausführbar erscheint, die Bauten durch die be­treffenden Revier-Obersörster, soweit dieselben dazu die ersorderliche Qualisikstisn und neben ihren sonstigen Dienstobliegenheiten auch genü­gende Zeit haben, auf fiskalische Rechnung ausführen zu lassen. Es werde dadurch bie Verwendung guten dauerhaften Materials und solide Arbeit sicher gestellt und durch die größere Dauerhastigkeil der Gebäude eine Entlastung der Baufonds herbeigeführt werden. Die Regierungen sind deshalb ermächtigt worden, in allen Fällen, wo sie es für ange- 1.1 essen erachten, Neu- und Reparaturbauten auf Forstdienstetablissements ohne Rücksicht auf die Höhe deS Kostenbetrages den betreffenden Revier- Oberförstern zur Ausführung auf fiskalische Rechnung zu übertragen resp, dieserhalb zu berichten. Bei den solcher Art auszuführenden Bauten könnten sämmtliche Lieferungen und Arbeiten freihändig vergeben wer­den. Selbstverständllch werde hierdurch die dem Kreisbaubeamten ob­liegende Kontrole über die anschlagsmäßige Ausführung der Bauten in keiner Weise berührt. Auch seien die Ober-Forstmeister dafür verant­wortlich zu machen, daß die erwähnte Ausführungsart nur gewählt werbe, wenn dem betreffenden Oberförster in jeder Hinsicht die erforder­liche Qualifikation beiwohne.

DieMagdeburger Ztg." schreibt: Heute Nachmittag 3^4 Uhr ist der vordere Kessel deS der österreichischen Nordwestdampfschifffahrts- gesellschast (srüher Prager Dampsschifffuhrtsgesellschsst) gehörigen Dam­pfersAustria" explodirt. Das Schiff lag seit 1 Uhr Mittags in der Zollelbe in der Höhe von Walters Garten unter Dampf vor Anker und sollte noch heute mit zwei leeren Fahrzeugen nach Hamburg abfahren. DieAustria" ist in der Mitte durchgebrochen und fast vollständig zer­trümmert, mehrere große Kessel- und sonstige Eisentheile sind einige hundert Schritte weit weggeschleudert, kupferne Siederohre sind bis in

die Mittelstraße geflogen, im Odeumgarten sowie in den anderen in der Nähe befindlichen Häusern lagen Holz- und Sifentbeile des Dampfers. Ein zehn Fuß langes Eisenstück war bis in die Mittelstraße geflogen und hatte sich dort 3 Fuß tief eingebohrt. Leider hat die Katastrophe auch vier Menschenleben gekostet. Die Leiche des zweiten Steuermanns Stahlberg aus Heinrichsberg war bis in den Garten des Partikuliers Ferchland, Zollstraße 14, geschleudert und lag dort als fast unkenntliche Fleischmasse, den zweiten Bootsmann P.versdorf aus Peversdorf hat man in der Nähe des Schiffes unmittelbar nach der Explosion in der Elbe ertrinken sehen, der Capitän Siems aus Bietz im Hannöverschen und der Heizer Peters aus Peversdorf werden vermißt, dieselben sind höchst wahrscheinlich ins Wasser geschleudert und nicht wieder zum Vor­schein gekommen. Der Maschinist, ein Heizer und drei Bootsleute waren vorn in ihren Kajüten und sind mit einem bloßen Schrecken davonge- kommen. Als Ursache des Unglücks wird Mangel an Wasser im Kessel angenommen. Die in der Nähe liegenden Kähne sind unversehrt ge­blieben Ein etwa zehn Fuß langes Eisenrohr flog u. A. auch in den Salon des Mittag'schen Hauses und schlug auf zwei Sessel auf, die wenige Sekunden vorher von dem Besitzer und der Besitzerin des Hauses, die durch den scharfen Knall der Explosion aufgeschreckt wurden, ver­lassen worden waren. (Fr. I )

Rew-Aork, 6. April. Der DampferHelvetia" von ver Rational-Dampffchiffs - Compagnie (C. Mefsingsche Linie) ist hier ein­getroffen.

Spezial-Telegramme des Deutschen Montags-Blattes.

Petersburg, 9. April. DasJournal de St. Peters- bourg" veröffentlicht ein kaiserliches Reskript an den Reichskanzler, Fürsten Gortschakoff, durch welches derselbe auf seinen Wunsch aus Ge­sundheitsrücksichten und wegen seines hohen Alters von der Leitung des auswärtigen Amtes unter Beibehaltung des Titels Reichskanzler ent­bunden und gleichzeitig der Staatssekretär v. Giers zum Minister des Auswärtigen ernannt wird.

Petersburg, 9. April, 10 Uhr 40 Min. Vorm. Der Ober- Polizeiminister General Koslow ist zum interimistischen Chef der Gen­darmerie mit Beibehaltung der bisherigen Stellung, und General Tscher- najeff zum Generallieutenant ernannt worden. DerGolos" m ldet, daß in dem Dorfe Walego olova, 25 Werst von Anajew entfernt, am vorigen Sonntage, einem Markttage, 30 Buden jüdischer Handler und 80 Häuser zerstört wurden. Das Volk goß Photogen auf die Buden und zündete dieselben an. Ein Theil der christlichen Bevölkerung trat den Unruhestiftern entgegen.

Petersburg, 9. April. DerRegierungsanzeiger" kon- statirt gegenüber anderweitigen Behauptungen, daß außer im vnanßff- schen Kreise auch in einem Distrikte Volhyniens Streitigkeiten zwischen Juden und Christen und Beschädigungen jüdischen Eigenthums vorqe- kommen seien. Im ersteren Bezirke seien 14, in dem letzteren über 30 Ruhestörer verhaftet und Maßregeln gegen eine Wiederholung der Un­ruhen ergriffen worden. Alle anderweitigen Gerüchte seien unbegründet. DerRegierungsanzeiger sagt, er werde nicht verfehlen, alle wirklichen Vorgänge dieser Art bekannt zu geben.

Paris, 9. April, 10 Uhr 30 Min. Vormittags. Sämmt­liche Blätter bespötteln den Aiderstand der Engländer gegen den Tun­nelbau ; besonders erregt es Verwunderung, daß sogar Herbert Spencer sich gegen den Tunnel ausgesprochen hat.

Rom, 9. April, 11 Uhr 15 Min. Vorm. Der König von Württemberg ist für nächsten Mittwoch in Rom angemeibet. Die vatikanischeVoce della Verita" versichert, der König habe Donnerstag beim Papste Audienz. Prinz Heinrich von Preußen verweilt zur Zeit in Genua.

Wien, 9. April, 12 Uhr 55 Min. Nachm. Einer Berliner Korrespondenz der offiziösenMontagsrevue" zufolge wird dem deutschen Reichstag außer dem Tabaksmonopol jedenfalls auch das Gesetz irrer zweijährige Etats und vierjährige Legislaturperioden in der nächsten Früdjahrèsessiön vorliegen, da der Reichskanzler an letzterer Reform unerschütterlich fesihält.