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Nr. 82. Donnerstag den 6. April 1882.
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Tagesschau.
— Berlin, 5. April. Se. Majestät der Kaiser und König haben die regelmäßigen Vorträge entgegengenommen, sind jedoch von der Unpäßlichkeit der letzten Tage noch nicht so weit wieder hergestellt, um bei dem scharfen Ostwinde das Zimmer verlassen zu können.
— Bei der Annahme, daß sich im Bundesrathe 36 St. für und 22 St. gegen das Tabakmonopol auèsprcchen würden, befinden sich unter den Befürwortern des Monopols Bayern mit 6 (eine in unserer heutigen Nummer abgedruckte Privatdepesche des „Fr. Journ." meldet indessen vom Gegentheil. D. Red.) und Hessen mit 3 Stimmen. Nach neueren Nachrichten soll indeß Bayern noch immer seinen prinzipiell ablehnenden Standpunkt gegen das Monopol behaupten und mit dem Vorschläge einer anderweitigen höheren Besteuerung des Tabaks hervortreten wollen. Von der hessischen Regierung sei nach deren Stellung zur Tabaksteuer- frage kaum eine Zustimmung zum Monopol zu erwarten, es müßten denn besondere Verhältnisse obwalten, unter denen die hessische Regierung ihre Opposition aufgegeben hat.
— Der „Reichsbote" (ein streng konservatives Blatt) bespricht in einem längeren Artikel „Zur Kritik der Monopolsvorlage" die etwaigen Nachtheile derselben und sagt am Schlüsse: „Wie darf man die conser- vative Partei ohne Weiteres mit dem Monopol indentifiziren? Das Monopol ist keine Parteisache. Es sind Conservative für das Monopol, aber es sind doch wohl mehr dagegen, und selbst von denen, welche dafür sind, haben wohl die wenigsten Freude daran und ihr Für ist noch ein sehr bedingtes. Wir weisen es deshalb zurück, daß die conservative Partei mit dem Monopol in einen Topf geworfen und so verdächtigt wird."
— Die vom Bundesrothe für die Besetzung der Subaltern- und Unterbeamtenstellen bei den Reichs- und Staatsbehörden mit Militär- anwärtern ausgestellten Grundsätze sind jetzt veröffentlicht worden. Militäranwärter im Sinne der nachstehenden Grundsätze ist jeder In- Haber des Civilversorgungèscheins. Ausschließlich mit Militäranwärtern find zu besetzen: 1) In allen Dicnstzweigen und bei allen Behörden, außer bei der Reichskanzlei, dem Auswärtigen Amt, den Ministerien des Auswärtigen, den CH ffrirburcaux, den Gesandtschaften und Consulaten: die Stellen tm Kanzleiöieust, einschließlich der der Lshnschreiber, soweit deren Inhabern lediglich die Besorgung des Schreibwerks (Abschreiben, Mundiren, Collationiren) und der mit demselben zusammenhängenden Dienstverrichtungen obliegt. 2) In allen Dicnstzweigen und bei allen Behörden, außer bei den Gesandtschaften und Consulaten: sämmtliche Stellen, deren Obliegenheiten wesentlich in mechanischen Dienstleistungen bestehen uno keine technischen Kenntnisse erfordern. Bereits erworbene Ansprüche sollen durch die neuen Grundsätze nicht berührt werden Dieselben treten mit 1. Oktober d. I., für Elsaß-Lothringen mit 1. October 1884 in Kraft
— Der Bundesraths - Bevollmächtigte, Senator der Freien und Hansestadt Bremen, Dr. Meier, ist von Berlin wieder abgereist.
— Die „Dorf.Ztg." schreibt: Fürst Bismarck hat seinen 67ten Geburtstag in Friedrichsruh gefeiert. Um ihn versammelt waren seine Gemahlin, seine Söhne, die Grafen Herbert (aus Lsndon) und Wilhelm und seine Tochter, die Gräfin Rantzau mit ihrem Gemahl. Der Reichskanzler soll vor Jahren einmal geäußert haben, er werde das Jahr 1881 nicht überleben. „ Entweder, sagte er, werde ich nur 66 Jahre alt oder 99 Jahre." Diese beiden Zahlen sollen für ihn in einem geheimnißvollen Zusammenhang steifen
— Im Laufe der letzten Jahre ist wiederholt die Frage zur Erörterung gelangt, ob die Gemeindekirchenräthe und die Kirchenvorstände als öffentliche Behörden im Sinne der die Befugniß zur Wiederincours- setzung von Papieren auf Inhaber betreffenden gesetzlichen Vorschriften und des §. 35 der Grundbuchordnung anzusehen seien. Die gleiche Frage hat hinsichtlich der Verwaltungen der städtischen Sparkassen und der Kreisspar fassen schon früher zu Meinungsverschiedenheiten Anlaß gegeben. Bei den über den Gegenstand in neuerer Zeck zwischen dem Justiz Minister und den übrigen beteiligten Ressort Ministern sowie, in Betreff der Befugniß der Gemeindekirchenräthe und der Kirchenvorstände
zur Wiederincourssetzung, mit der Hauptverwaltung der Staatsschulden stattgefundenen Verhandlungen ist nach der Allgemeinen Verfügung des Justiz-Ministers vom 21. v. M. eine allseitige Uebereinstimmung dahin festgestellt worden, daß die Frage sowohl für die Gemeindekirchenräthe und die Kirchenvorstünde, wie auch, sofern nicht besondere Bestimmungen des Statuts der Kasse in dem einzelnen Fall eine andere Auffassung begründen, für die städtischen Sparkassen und die Kreissparkassen zu bejahen sei.
— Aus dem Reich slande, 3. April. Eine vor einiger Zeit in vielen altdeutschen Zeitungen verbreitete Mittheilung ließ die Annahme zu, daß die Rekrutirungsverhältnisse in Elsaß-Lothringen recht ungünstige feien und eher sich verschlechterten, als verbesserten. Dem ist indeß nicht so; die bekannt gewordenen Zahlen lassen vielmehr auf das Gegentheil schließen. Zwar ist es richtig, daß die Zahl der im Jahre 1879 wegen Verletzung der Wehrpflicht bestraften Militärpflichtigen die hohe Ziffer von 3455 erreicht hat, allein hierbei darf nicht außer Acht gelassen werden, daß der größte Theil dieser Militärpflichtigen Personen sind, welche 1872 in dem Glauben nach Frankreich ausgewandert sind, daß sie auf Grund ihrer Option Franzosen geworden, während die deutsche Regierung die Option wegen Minderjährigkeit als ungültig ansah. Bereits im Jahre 1880 hat sich die Zahl der Berurtheilten wesentlich vermindert; sie betrug nicht mehr ganz 2000, wie die dem Bundesrathe vorgelegte Uebersicht über das Heeresergänzungsgeschäst ersehen läßt. Das Ergebniß des Musterungsgeschäfts für 1881 soll, wie man hört, ein durchaus befriedigendes fein; der ziffermäßige Nachweis wird demnächst aus den Drucksachen des Bundesraths zu entnehmcn sein. Ganz besonders erfreulich gestalten sich die hiesigen Rekrutirungsverhältnffse, wenn man die Zahl, der freiwillig Eingetretenen in Betracht zieht In den Jahren 1875 bis 1879 sind im Bezirke des 15. Armeekorps jährlich durchschnittlich 777 Militärpflichtige freiwillig in die deutsche Armee eingetrettn, während 4478 Rekruten ausgehoben wurden, so daß die Freiwilligen 17 pCt. der aktiv dienenden Militärpflichtigen ausmachen. Von allen deutschen Armeekorpsbezirken weist nur der dritte und vierte ein günstigeres Resultat auf. (M. Z.)
— Goslar, 5. April. (Fr. I.) Der Regierungspräsident Pilgrim ist im 13. hannoverschen Reichstagswahlbezirk mit 4767 von 5565 Stimmen wiedergewählt. Eugen Richter erhielt 625 Stimmen
— Bei Gelegenheit der schristlichen Austritts-Prüfung der Prima des fächsischen Cadetencorps haben sich mehrere Cadetten in der Bearbeitung der Physikaufgabe unerlaubter Hilfsmittel bedient. Der Commandeur des Cadettencorps hat hierauf, der „Wes. Ztg." zufolge, sofort die Zurückweisung der Betreffenden von der Prüfung verfügt; der Präses der Ober-Mtliiär-Examinations-Commisfion, General des Barres, hat diese Zurückweisung dann officiell bestätigt. Die Schuldigen sind auf eine zweite Prüfung verwiesen worden und werden vorläufig als Gemeine in die Armee eingestellt.
— Münch en, 4. April. Die Abgeordnetenkammer erledigte den Kultusetat nach den Anträgen des Ausschusses und vertagte sich dann bis zum 12. April. Schels sprach sein Bedauern darüber aus, daß in Bayern für die Kunst nicht mehr so viel wie früher geschehe. Der Kultusminister erklärte, die Nachwelt werde staunen, was unter König Ludwig für das Kunstgewerbe geschehen sei. Der Antrag des Ausschusses, 100 000 Mark für den Bau des Gymnasiums zu Würzburg zu bewilligen, war von der rechten und linken Seite der Kammer abgelehnt worden. Der Kultusminister hatte nämlich eine unbefriedigende Erklärung auf die Anfrage, ob das Gymnasium ausschließlich ein katholisches werden solle, abgegeben. — Der Magistrat trat nach einer stürmischen Debatte mit 20 gegen 7 Stimmen dem Anträge der Gemeindebevollmächtigten auf Aufhebung der S-multanschulen bei.
— München, 5. April, 12 Uhr 50 Min. Mittags. (Fr. I.) Die „Neuesten Nachrichten" erfahren aus gut hformirten parlamentarischen Kreisen, daß die Regierung sich entschlossen habe, im Bundesralh gegen das Tabakmonopol zu stimmen.
— Madrid, 4. April. Die Bank von Spanien hat ihren Diskont aus 4Ur pCt. herabgesetzt.
— Washington, 5. April. Präsident Arthur hat nach dem
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