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Nr. 80. Dienstag den 4. April 1882.
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Amtliches.
Bekanntmachung.
Mittwoch den 17. Mai d. I, von 9 Uhr Vormittags ab, sollen hierselbst ungesähr 80 bis 90 Gestütpferde, bestehend aus Mutter- stuten, 4jährigen Hengsten, Wallachen und Stuten und jüngeren Fohlen, meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden.
Sämmtliche vierjährigen und älteren Pferde sind mehr oder weniger geritten. Die zu verkaufenden Pferde werden am 15. und 16. Mai von 7 bis 10 Uhr Morgens geritten und von 4 bis 6 Uhr Nachmittags auf Wunsch an der Hand gezeigt.
Listen über die zum Verkauf kommenden Pferde werden Anfangs Mai zum Versandt rc. fertig gestellt sein und auf Wunsch zugeschickt werden.
Für Personenbeförderung zu den bezüglichen Zügen vom und zum Bahnhof Trakehnen wird am 15., 16. und 17. Mai gesorgt sein.
Trakehnen, den 24. Februar 1882.
Der Landstallmeister.
________________________gez. von Dassel._________________
Gefunden: Eine rothe Perlenkette mit Medaillon. Ein Manns- Hemd.
Verloren: Zehn Mark in Papier. An der Gasfabrik ein Packet.
Hanau am 4. April 1882.
Aus Königl. Landrathsamt.
Rundschau.
B. F. (Deutsches Reich.) DaS Hauptereigniß in unserer innern Politik ist zur Zeit die in voriger Woche im Abgeordnetenhaus unmittelbar vor dessen Vertagung erfolgte Annahme der kirchenpolitischen Vorlage, wie sie aus den Verhandlungen zwischen Centrum und Conser- vativen hervorgegangen ist. Dieselbe verlängert in ihrem ersten Artikel die diskretionären Vollmachten des Juligrsetzes von 1880 (Dispens vom Eid des Bièthumsverwcsers, Aufhebung des Sperrgesetzes und der kommissarischen Vermögensverwaltung) bis zum 1. April 1883. Dann folgen Artikel 2, 3 und 3a der Vorlage, betreffend die B-schöfe, die Dispensen betreffs der Vorbildung der Geistlichen, die Aufhebung des „Culturexamens" und die Beseitigung des Institutes der „Staatspfarrer", Artikel 4 (Anzeigepflicht) und 5 (Zulassung der Hilfsgeistlichen) der Regierungsvorlage fallen weg. Das Centrum hat also einen Theil seiner Ansprüche fallen lassen, während die Conservativen als Gegenleistung auf die beiden letzten Artikel der Regierungsvorlage verzichteten. Was nun die Verhandlungen selbst anbelangt, so dürften dieselben zur Stunde bereits zu bekannt sein, um eine ausführliche Wiederholung derselben zu rechtfertigen; wir tragen daher aus der entscheidenden Freitags-Sitzung nur noch nach, daß die kirchenpolitische Vorlage in dritter Lesung nach den Beschlüssen der zweiten Lesung mit 228 gegen 130 Stimmen angenommen wurde. Cultusminister v. Goßler erklärte hierbei nochmals, daß die Regierung principiell an ihrer Vorlage festhalte, doch verfehlte er nicht, seine Freude darüber zu erkennen zu geben, daß das Centrum seine rein negirende Position aufgegeben habe. gierens genehmigte das Haus noch das Gesitz, betreffend die Fürsorge für die Wmwen und Waisen der unmittelbaren Staatsbeamten definitiv in der Fassung der zweiten Lesung und vertagte sich frdann bis Dienstag, den 18. April, für welchen Tag kleinere Vorlagen auf der Tagesordnung stehen. — Das Herrenhaus hielt am Freitag ebenfalls eine Sitzung ab, in welcher der Etat im Gangen genehmigt wurde; das Haus vertagte sich sodann auf unbestimmte Zeit.
Der Reichskanzler Fürst Bismarck vsllendete am 1. April sein 67. Lebensjahr und hat der Geburtstag unsers großen Kanzlers diesmal noch deshalb eine besondere Bedeutung, weil in diesem Jahre zwei De- cennien sich vsllendcn, seit Bismarck in das Ministerium eintret und damit jene großartige patriotische Wirksamkeit begann, wie sie vor ihm noch kein deutscher Staatsmann, wenigstens mit solchem Erfolge, entfaltet hat. Wie man auch über die socialpolitifchen Bestrebungen des Reichskanzlers denken möge — Eines müssen selbst die erklärtesten Gegner desselben zugestehen: daß Fürst Bismarck mit eiserner Confiquenz
an dem Bestreben fest gehalten hat, Deutschland zur Größe zu führen und alle Zwischenfälle und Verwickelungen zu dessen Besten zu wenden. Der 1. April wird daher allezeit in unserer Geschichte stehen als einer der Ausgangspunkte unserer wiedergewsnnenen nationalen Größe; an den nachfolgenden Geschlechtern ist es, dieses kostbare Gut zu hüten und zu wahren.
Der Reichskanzler hat den bundesstaatlichen Ministern die schriftliche Einladung zugehen lassen, zu den Berathungen des Bundesrathes gemäß den Bestimmungen der Geschäftsordnung des Bundesralhcs sich am 15. April in Berlin einzufinden.
(Schluß in der Beilage.)
Tagesschan.
— Berlin, 3 April. Se. Majestät der Kaiser und König leiden seit gestern Abend an einer leichten Indisposition. Allerhöchstdie- selben sind in Folge dessen veranlaßt, heute das Zimmer zu hüten und haben Vorträge und Empfänge für heute abbestellt.
— Der „R. u. St.-A." Nr. 80 veröffentlicht: 1) Gesetz, betreffend eine dem Herzoglich Glücksburgischen Hause zu gewährende vertragsmäßige Abfindung, vom 20. März 1882. — 2) Gesetz, betr die Abänderung des Pensionsgesetzes vom 27. März 1872, vom 31. März 1882.
— Die Bevollmächtigten zum Bundesrath, Königlich bayerischer Ober-Regierungsrarh Schmidtkonz und Königlich sächsischer Geh. Finanzrath Golz sind von Berlin abgereist.
— Troppau (Oesterr. Schlesien), 3. April. Gestern hat ein großer Brand im Eisenwerk Witkowitz stattgefunden; mehrere Gebäude sind niedergebrannt, der Schaden beträgt gegen 400 000 Gulden. Der Brand blieb lokalisirt. (Rh. K.)
— Neustettin, 30. März. Der „Nordd. Presse" wird geschrieben: Nachdem schon seit einiger Zeit das Gerücht in hiesiger Stadt sich verbreitete, daß die Untersuchung des Synagogenbrandes neuerdings höheren Orts angeordnet worden sei, scheint sich dasselbe jetzt zu bestätigen, da schon wiederholte gerichtliche Vernehmungen in dieser Sache erfolgt sind. Ob Herr Pinoff wieder mit der Untersuchung betraut worden ist, haben wir noch nicht in Erfahrung bringen können; anzunehmen dürfte allerdings sein, daß wie dies wohl in der Regel geschieht, die nochmalige Untersuchung derselben Sache einem anderen Beamten übertragen wird. Am wirksamsten würde die Untersuchung wohl betrieben werden, wenn ein Kriminal-Kommissar aus Berlin hier an Ort und Stelle die Untersuchung sührte. Diese Beamten haben schon in den verwickeltsten Fällen Licht in das Dunkel einer Sache gebracht. Doch wie der Gang der Sache sich auch gestalten möge, einstweilen muß es für die Pflicht eines jeden christlichen Mitbürgers erachtet werden, Alles zu thun, was in des Einzelnen Kräften steht, um den Brandstifter herauszubringen. Obgleich wir schon mit großer Genugthuung auf das Resultat der ersten Untersuchung blicken können, da durch dasselbe der Beweis bereits geführt wurde, daß der Brandstifter nicht unter dem christlichen Theile der Bevölkerung Neustettins zu suchen ist, so dürfen wir uns andererseits bei diesem Ergebniß so lange nicht beruhigen, als noch eine Möglichkeit vorhanden ist, den eigentlichen Verbrecher zu entlarven, denn die unerhörte Schmach, die uns an dem Tage jenes Brandes zugefügt wurde, muß noch heute jedem ehrliebenden Manne die Zorncsröthe ins Gesicht treiben.
— Kiel, 1. April. Mit Flaggenparade wurden heute in Dienst gestellt: in Kiel die Fregatte „Niobe", die Kanonenboote „Albaèroß", „Cyclop", Brigas, „Musquito" und „Undine", in Danzig Korvette „Nymphe", in Wilhelmshaven Kanonenboote „Hay" und „Hyäne".
— Die Hamburg-Amerikanische Pack tfahrt Actien - Gesellschaft hat pro 1881 einen Reingewinn von 5 128 355 Mk erzielt. Die Zahl der transporlirten Personen betrug 78 924 (zu 9/io Auswanderer) gegen 53 926 im Vorjahre.
— Der Fabrikant R Ferber in Gera hat anläßlich der Hochzeit seines ältesten Sohnes einem jeden seiner nach viel n Hunderten zählenden Arbeiter ein Geldgeschenk aus zahlen und mittels Anschlags bekannt machen lassen, die Freude des Tages werde für ihn erst dann eine voll-