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yer. 77.

Freitag den 31. März

1882.

Amtliches.

Verloren: Mehrere Meter schwarze Spitze.

Gesunden (Stehengeblieben): Ein schwarz seidener Regenschirm.

Hanau am 31. März 1882.

AuS Königl. Landrathsamt.

Rundschau.

B. F. (Deutsches Reich.) Das Osterfest macht seine Nähe bereits durch die größere Ruhe bemerkbar, welche namentlich auf dem Gebiete der hohen Politik eingetreten ist und wir werden darum, wenn nicht alle Voraussicht trügt, die Osterzeit frei von allen Besorgnissen vor europäischen Verwickelungen verleben können. Hierfür ist schon der Umstand, daß Fürst Bismarck, der leitende Staatsmann des deutschen Reiches, sich auf einige Zeit von den politischen Geschäften nach Fried­richsruhe zurückgezogen hat, eine sichere Bürgschaft, denn unser Reichs­kanzler würde sich gewiß nicht diese, dem Vernehmen nach auf vier Wochen berechnete, Erholungspause gegönnt haben, wenn er eine ernst­liche Störung des europäischen Friedens befürchtete. Auch in Bezug auf unsere innere Politik tritt mit der Osterzeit eine naturgemäße Prüfe ein und schon rüsten sich die Mitglieder der bis jetzt noch getagt haben­den gesetzgebenden Versammlungen, der Landtage von Preußen, Bayern, Baden u. s. w, zur Abreise in die Osterferien. Was speciell die beiten Häuser des preußischen Landtages anbelangt, so führte das Abgeord­netenhaus die am Montag begonnene dritte Lesung des Etats am Dienstag zu Ende, aus Welcker bemerkenswerthe Zwischenfälle nicht vorliegen, und genehmigte an letztgenanntem Tage das ganze Etatsgesetz, sowie die Re­gierungsvorlage über verschiedene Abänderungen des Pensionsgesetzes. Für die nächste Sitzung am Mittwoch standen hauptsächlich Anträge und ^Petitionen auf der Tagesordnung. Die Vertagung des Abgeordneten­hauses bis zum l^ April soll am 1. April bestimmt erfolgen, dagegen beabsichtigt das Herrenhaus, in der Osterwoche noch eine oder zwei Sitzungen zur vollständigen Erledigung des Etats abzuhalten.

Ueber die der Reichsregierung zugeschnebene Absicht, den Reichstag im Mai wiederum zu einer Session einzubcrufen, liegen zwar von oifi- ciösir Seite noch Zine bestimmten Erklärungen vor, aber es sind ver- vorhanden, daß man sich an leitender Stelle in Berlin aelernt haben köm ^ Gedanken trägt. So hat, wie denHamb. Nachr."

n rrgraphirt wird, der Präsident der zweiten badischen Kammer, areru-e^- eie Beschränkung der Kammerferien auf eine Woche durch die Dringlichkeit der Anwesenheit der badischen Minister bei der wichtigen Maisession des Reichstages motivirt; es haben also über letz­teren Punkt zwischen den verbündeten Regierungen jedenfalls schon ernst­liche Verhandlungen stattgefunden Ueber die dem Reichstage bei dessen eventueller Einberufung zu machenden Vorlagen verlautet, wenn man von dem Regierungsentwurfe bezüglich des Tabakmonopols absieht, noch nichts Bestimmtes und ist es überhaupt nicht unwahrscheinlich, daß der Reichstag, salls er das Tabakmonopol ablehnt, sofort wieder geschlossen wird.

Der Beleid^ungsprozeß, welchen der Reichskanzler Fürst Bismarck bei dem Amtsgericht Hirschberg i. Schl, gegen den Reichstagsabgcord- neten v. Bunse" "Mgestrengt hatte, ist am 28. März durch die Frei­sprechung des V.. ^klagten beendigt worden

Die Kammer der bayerischen Reichsräthe genehmigte am Dienstag die Gesetzentwürfe über die provisorische Steuererhebung und den er­höhten Mslzsufschlag, sowie den Etat der Ausgaben sür Reichszwecke noch den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses. Der neuernannte päpstliche Nuntius am Münchener Hofe, Msgre. di Pietro, ist am Dienstag in München eingetroffen. Dem neuen Vertreter des Vaticans bei der bayerischen Regierung geht der Ruf eines versöhnlichen, friedliebenden Mannes voraus und es ist nicht unmöglich, daß Msgre. di Pietro be­rufen ist, eine Vermittlerrolle zwischen Preußen und dem Vatican zu spielen.

(Schluß in der Beilage.)

Tagesschau.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht den Ministe- rial-Direktor im Ministerium des Innern, Wirklichen Geheimen Ober- Regierungsrath Herrfurth zum Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern zu ernennen.

DerR. u. St.-A." Nr. 77 veröffentlicht das Gesetz, betreffend eine Abänderung der Grundbuchordnung, vom 14. März 1882.

Berlin, 30. März Die Stadtverordneten wählten heute mit 99 von 106 Stimmen den Provinzialschulrath Fürstenau zum Stadt- schulrath für höheres Schulwesen.

B erl in, 30. März. In der heutigen (45.) Sitzung des Hau- ses der Abgeordneten fand die zweite Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betr. Abänderung der kirchenpolitischen Gesetze, statt Nach der Fr. Ztg." wird Art. 1 (Erneuerung der diskretionären Vollmachten des Jutigesetzes bis zum 1. April 1883) angenommen. Gegen Art. 2 (Bischofsparagraph) nach dem Kompromißantrag spricht Virchow, dafür Windthorst. Der Kultusminister ist gegen die zweite Hälfre des An­trags, wonach nicht begnadigte Bischöfe nur für unfähig zur Bekleidung des Amtes zu erklären sind. Paragr. 2 des Kompromißantrags wird mit 212 gegen 169 Stimmen angenommen (dagegen stimmen geschlossen Nationalliberale, Fortschritt, Sezessionisten und Freikonservative). Art. 3 (Abschaffung des Kulturexamens) wird mit 228 gegen 142 Stimmen angenommen, ebenso 3 a (Abschaffung der Staatspfarrer) Art. 4 und 5 werden, letzterer fast einstimmig, abgelehnt. Der Kultusminister er­klärt, daß, da nach der Konstellation wenig Hoffnung vorhanden sei, für Art. 4 und 5 eine Majorität zu finden, die Regierung mit den That­sachen rechnen müsse. Nächste Sitzung morgen. (Dritte Lesung der Kirchenvorlage.)

Berlin, 30. März. Das Herrenhaus genehmigte in der Schlußberathung das Pensionsgesetz in der Fassung des Abgeordneten­hauses und erledigte nach demFr. I " mehrere Verwaltungsberichte und Uebersichten.

In derTribüne" lesen wir: Daß trotz der schlechten Zeiten in Berlin noch wacker gespart wird, zeigt der vorliegende Jahresbericht der städtischen Sparkasse aus dem vorigen Jahre. Danach stellt sich das Gesammtguthaben der Interessenten am Schluffe des Jahres auf Mark 36 164 812, während es am Schluffe des Vorjahres Mk. 30 922 346 betrug, sich also um Mk. 5 242 466 vermehrt hat. An neuen Spar­kassenbüchern wurden im Laufe des Jahres 10 059 Stück ausgegeben, dagegen wurden 5570 Stück ganz abgehoben und es verblieb Ende des Jahres ein Bestand an Sparkaffenbüchern von 162 196 Stück. Es be­zifferte sich der Bermögensbestand der Sparkasse auf Mark 38 715 976, der für das Jahr 1881 erzielte Gewinnüberschuß der Sparkasse auf Mk. 387 343, der Reservefonds auf Mk. 3 137 113.

Die Stadt Bernau bei Berlin begeht demnächst eine 450- jährige Hussitenfeier, zu welcher das dortige Cmnitä auch den Kaiser eingeladen hat. Die Antwort ist nun dahin ergangen, daß Se. Majestät eine bestimmte Zusage noch nicht ertheile, diese sich aber vorbehalte.

DiePost" bringt folgende« Privat-Telegramm: Münster, 30. März: Gestern fand ein Pistolenduell zwischen den Referendarien Holtmann und Brüning statt, wobei Holtmann durch einen Schuß in den Kopf getödtet wurde.

Gotha. Nach dem plötzlichen Ableben des Kirchenrechnungs­führers in einem diesseitigen Waldorte fand sich bei Revision der betr. Kirchenkssse ein Deficit von ca. 40000 Mark. (D-Z.)

Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sich die Royeisenproduktisn des deutschen Reichs (einschließlich Luxemburgs) im Februar 1882 auf 24 l 600 Tonnen, darunter 148 155 Tonnen Pudvelroheisen, 11599 Tonnen Spiegeleisen, 58 109 Tonnen Bffsemer und 19 237 Tonnen Gießereiroheisen. Die Produktion im Februar 1881 betrug 212 868 Tonnen.

Wien, 30. März. DieWiener Zeitung" veröffentlicht das sanktionirte Finanzgesetz pro 1882 und die Ernennung des bisherigen