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Z«Zleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Nr. 65.
Freitag den 17. März
1882.
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Amtliches.
Am 7. März c. ist zu Eddersheim im Main die anscheinend erst kurze Zeit im Wasser liegende Leiche eines 50 bis 60 Jahre alten Mannes (anscheinend Israelit), 1,72 m groß, mit hoher Stirn, grauem Kopfhaar, grauem Vollbart, blauen Augen und gebogener Nase gefunden worden. Dieselbe war bekleidet mit wollenem Sackrock, braun-wollener Weste und Hose, grauer gewebter Unterhose, einem röthlichen und einem grauen wollenen Hemd, grauen Strümpfen mit weißen Strumpfbändern. Die Strümpfe sind mit den Buchstaben P. B. weiß gezeichnet; in der Rocktasche befand sich ein roth- und weißkarrirtes Taschentuch, roth P. B. gezeichnet. Ich ersuche um Recherchen und Nachricht.
Wiesbaden, den 10. März 1882.
Der Erste Staatsanwalt.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 15. März 1882.
Der Landrath.
Die Herrn Bürgermeister werden an die Einsendung der Nachweisungen über die Lage der Industrie erinnert.
Hanau am 14. März 1882.
Der Landrath.
Die Jnventargegenstände des vormaligen Winzergutes „Bettenburg" zu Kilianstädten, als:
2 Keltern mit Zubehör von sehr altem starken Eichenholz, 20 große und kleine Bütten, Transpoitfässer und dergl., 1 Schrotleiter und sonstige Kellereigeräthschasten,
1 Erdkarren, eine Anzahl Schippen, Hacken, Karste, Heckenscheeren und andere Weinbergsgcgenstände, 44 000 Stück Weinbergspfähle, 1 Tisch, 4 Bänke und der im Domainengehöst zu Kilianstädten lagernde Dünger (etwa 50 Bauernfuder), sollen öffentlich meistbietend verkauft werden.
Termin hierzu ist auf
Donnerstag, den 23. dieses Monats,
Vormittags 10 Uhr,
an Ort und Stelle anberaumt. Zusammenkunft in der Gastwirthschaft des Andreas Zeh sen. zu Kilianstädten. Auf angemessene Gebote wird der Zuschlag sofort ertheilt.
Hanau, am 16. März 1882.
Der Königliche Domainen-Rentmeister
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Rundschau.
B. F. (Deutsches Reich.) In den unsere innere Politik zur Zeit am Meisten bewegenden Fragen tritt neben den großen socialpolitischen Reformpcvjekten des Reichskanzlers die kirchenpolitische Frage besonders hervor und diese ist es auch, welche zunächst zur Entscheidung drängt. Diese Entscheidung, die in nächster Zeit im Abgeordnetenhaus« bezüglich der Eudberathung über die kirchenpolitische Vorlage fallen muß, wird schon durch die schwankende Lage auf dem Gebiete der Unterhandlungen zwischen Berlin und Rom bedingt, über denen noch immer der Schleier der Ungewißheit ruht. Diese Ungewißheit ist auch durch die Audienz, welche der Papst am vergangenen Sonntag Herrn von Schlözer, btm Träger der Verhandlungen Preußens mit dem Batikane, ertheilte, nicht beseitigt worden, denn der Papst äußerte zwar den lebhaften Wunsch, mit Preußen Frieden zu schließen, er betonte aber zugleich, daß dieser Friedensschluß nicht von ihm abhinge. Diese Aeußerung des Oberhauptes der römisch katholischen Kirche eröffnet gerade keine allzugünstige Aussicht auf die endliche Beilegung des Kirchenstreiles in Preußen, trotzdem kann man die abermalige Sendung Herrn von Schlözers nach Rom noch nicht im Voraus als erfolglos bezeichnen, jedenfalls muß erst der Ausgang der kirchenpolitischen Debatten im Abgeordnetenhause ab- gewartet werden.
Die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses erhielten durch die in der ersten Hälfte der Woche stattgefundene zweite Berathung des Cultus- etais wieder eine lebhaftere Färbung. Namentlich gab am Montag die Etatsposition für den Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten dem
Ccntrumsführer, Herrn Windthsrst, Gelegenheit zu einem sehr lebhaften Angriff auf die genannte Institution, deren Beseitigung Herr Windthvrst geradezu forderte. Schließlich wurde jedoch die Position für den kirchlichen Gerichtshof gegen die Stimmen des Centrums genehmigt. Im ferneren Verlaufe der Montagssitzung kam es zwischen den klerikalen Rednern und dem nationalliberalen Abgesrdneten v. Eynern zu ziemlich scharfen Auseinandersetzungen, indem v. Eynern die Friedensliebe des Bischofs Dr. Korum von Trier stark bezweifelte. In der Dienstags- Sitzung nahm die Debatte bei dem Titel „Bisthum Gnesen und Posen" wieder einen sehr bewegten Charakter an, indem der polnische Abgeordnete Dr. v. Jazdzewski dem Cultusminister eine Fülle von Beschwerden vortrug, bezüglich deren Herr von Goßler erwiderte, daß er, um auf alle diese Beschwerden Auskunft zu ertheilen, die halbe Registratnr seines Ressorts hätte zur Stelle bringen müssen. Noch ist aus der Dienstags- Sitzung hervorzuheben, daß der Antrag des Centrums auf Streichung der Position für einen altkatholischen Bischof gegen die Stimmen des Centrums und der Polen abgelehnt wurde. Am Mittwoch setzte das Haus die Specialdebatte über den Cultusetat fort.
Unter den sachverständigen Gutachten, welche in jüngster Zeit von verschiedenen Seiten über das Tabakmonopol abgegeben wurden, befindet sich auck dasjenige der Centralstelle sür Handel und Gewerbe zu Stuttgart. Die genannte Institution berieth am Dienstag unter dem Vorsitze des Württembergischen Ministers des Innern, Hölder, den Tabakmonopol- Entwurf und erklärte sich mit 18 gegen 4 Stimmen für denselben. Dabei wurde die Voraussetzung ausgesprochen, daß die Fabrikanten genügend entschädigt werden, daß die Erträgnisse des Msnopsls zur Beseitigung der Matrikularbeiträge und überhaupt zur Erleichterung der Finanzverhältnisse der bezüglich ihrer Einnahmen weniger günstig gestellten Bundesstaaten Verwendung finden und daß die Concession zum Tabakbau auf einige weitere Württembergische Bezirke ausgedehnt werde. Auch die Württembergische Centralstelle für Landwirthschaft hat sich für das Tabakmonopol ausgesprochen.
Die badische zweite Kammer hat die Wahl des katholischen, aber nicht der ultramontanen Partei angehörigen Abgeordneten Baumstark für ungültig erklärt.
(Oesterreich-Ungarn.) Die trotz der Niederwerfung des Aufstandes in der Crivoscie noch immer ernste Lage im Süden der österreichischen Monarchie hat die abermalige Einberufung der österreichischen und ungarischen Delegationen nothwendig gemacht. Dieselben werden unmittelbar nach den Osterfeiertagen in Wien zusammentreten und wird die den Delegationen zu unterbreitende Vorlage jedenfalls bis zu diesem Zeitpunkt ausgearbeitet sein. Es wird sich hauptsächlich um die Bewilligung weiterer Summen, wie es heißt, im Betrage von 10—12 Mill. Gulden, handeln, wovon die Kosten der in den ausständischen Gebieten neu zu schaffenden befestigten Stellungen, sowie auch die eventuellen Mehrausgaben in den nächsten drei Monaten bestritten werden sollen. — Am Dienstag ist der croalische Landtag eröffnet worden Derselbe wurde in einem königlichen Rescripte ausgefordert, eine aus 4 Mitgliedern bestehende Deputation abzuordnen, welche mit der gleichen Deputation des ungarischen Reichstages über die endgültige Regelung der Fiumaner Frage in Verhandlungen treten soll.
(Frankreich.) Die französische Regierung widmet jetzt der Regelung der tunesischen Angelegenheiten große Sorgfalt. In die Verwaltung von Tunis ist ein völlig verändertes System, eine Zweitheilung der Gewalten, gebracht worden. Der neue französische Ministerresident in Tunis, Cambon, wird ausschließlich mit den politischen Angelegenheiten beauftragt werden, während der neue Consul, dem der Rang eines Generalconsuls zuerkaunt worden ist, sich mit den commerciellen Angelegenheiten beschäftigen wird. Das Journal „Telegrgphe" hofft, daß diese Theilung der Gewalten, welche vordem in den Händen Roustan's concentrirt waren, die internationalen Unzuträglichkeiten in Tunis beseitigen werde. — In der Deputirtenkammer brachte der Finanzminister Leon Say die Vorlage, betreffend die Bewilligung eines Credits von 8 Mill. Frcs. für die tunesische Expedition während des ersten Viertel- jahres 1882, ein.
(Rußland) Aus Rußland ist das bemerkenswertheste Ereigniß der Woche die, wenn auch vorläufig nur für einen Tag, erfolgte Rückkehr des Kaisers Alexander II!. von seiner einstweiligen Residenz Galschina