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Nr. 64.
Donnerstag den 16. März
1882.
Amtliches.
Gefunden: Eine Nadel mit verziertem beweglichen Kopf. Ein goldener Ring mit Hellem Stein.
Zugelaufen: Drei Stück Enten.
Hanau am 16. März 1882.
Aus König!. Landrathsamt.
Tagesschau.
— Bei Gelegenheit des Trauergsttesdienstes in der Kapelle der russischen Botschaft nahm Se. Majestät der Kaiser, wie die „National- Zeitung" erfährt, Gelegenheit, dem russischen Militärbevollmächtigten, Fürsten Dolgoruki, mitzutheilen, daß er soeben ein Handschreiben des Kaisers Alexander erhalten habe, welches ihn auf das Tiefste gerührt habe.
— Berlin, 15. März. Der permanente Ausschuß des Volkswirthschaftsrath beschloß, nach dem „F. I.", den Ausschluß der doppelten Versicherung der Arbeiter; für die Anzeige entlassener Arbeiter stellte er eine Frist von 8 Tagen fest und genehmigte die Grundzüge für Gemeinde-, Orts-, Jnnungs und Fabkrik-Krankenkassen nach der Vorlage. Für Todesfälle setzte er anstatt des 20- den 30-fachen Betrag, für Kran- ken-Unterstützung anstatt 2 nur 1 Jahr.
— Berlin, 15. März. In der heutigen (35.) Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde die Berathung des Etats des Kultusministeriums fortgesetzt. Es entspinnt sich eine längere Debatte über die Universitäten, in welcher Virchow und Windthorst scharf gegen einander polemisiren. Nächste Sitzung Freitag. (Fortsetzung der Berathung des Kultusetats.) lFr. Ztg.)
— Die „Köln. Ztg." schreibt: Der Reichskanzler soll sich lebhaft für die Bewilligung des vorgeschlagenen neuen Steuer-Erlasses interes- siren; die Regierung deshalb auf Annahme desselben bestehen. Die Berathungen über diesen Steuer-Erlaß haben in der Budgetcommission noch nicht begonnen. Man wünscht dort zuvörderst in eine Erörterung über die vom Finanzminister der Commission zugestellte Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben des laufenden Etatsjahres 1881/82 einzutreten, um zu prüfen, ob der Steuer-Erlaß in der angegebenen Höhe genehmigt werden kann. Zum Referenten über den Steuer-Erlaß war ursprünglich der Abg. Frhr. v. Minnigerode bestellt worden, da derselbe aber jetzt Urlaub genommen, dürfte wahrscheinlich der Vorsitzende der Budgetcommission, Abg. v. Benda, das Referat übernehmen. Von einer Seite will man beantragen, den Steuer-Erlaß zur gänzlichen Aufhebung der vier untersten Stufen der Klassensteuer zu verwenden.
— Dem Abgeordnetenhause ist ein Gesetzentwurf, betreffend die unentgeltliche Uebereignung eines Abschnittes des großen Thiergartens in Berlin (zur Erbauung des Reichstagsgebäudes), zugegangen.
— In einem Artikel über die „Verstaatlichung der preußischen Eisenbahnen" sagt die „Post":
.... Unter dem Eindrücke des zielbewußten Vorgehens der Staatsregierung gewann bald die Einsicht Boden, daß der bestehende Zustand mit den an das Verkehrswesen zu stellenden Ansprüchen wirk- lich in Widerspruch stehe, daß das Privat-Eisenbahnsystem ein thatsächliches Monopol der gefährlichsten Art sei, und sich, je weiter das Netz sich ausdehne und verzweige, um so schroffer als solches entwickeln müsse) Man konnte sich nicht länger der Erkenntniß verschließen, daß es ein unerträglicher Zustand sei, wenn die höchsten Interessen des Verkehrs privaten Kapitalisten-Gesellschaften anheim gegeben wären, wenn Privatgesellschaften es in ihrer Hand hätten, einen fast unbeschränkten Einfluß auf Handel und Industrie auszuüben. Man überzeugte sich allmählich, daß der Staat, wenn er sich in den Besitz der Haupteisenbahnlinien zu setzen suche, nur zurücknehme, was ihm gebühre. Man erkannte, daß eine konsequente wirthschaftliche Politik ohne den Besitz der Eisenbahnen unmöglich sei, und nicht minder, daß vom militärischen Gesichtspunkte aus dre Sicherheit des Staates wesentlich davon bedingt sei, daß die großen Verkehrswege unbeschränkt und zu jeder Zeit zur Verfügung des Staates stehen. Daß diese Gesichtspunkte auch in der öffentlichen Meinung über alle Bedenken den Sieg davon getragen haben, trat in der betreffenden Verhandlung des Abgeordnetenhauses sehr deutlich hervor
in der außerordentlichen Schwäche der gegen die Vorlage erhobenen Einwände. Es war fast ein Sieg ohne Kampf. Der Kampf war eben schon durchgesührt, und es kam nur noch darauf an, die Früchte desselben zu ernten. Für diesen erfreulichen Verlauf der Angelegenheit gebührt vor Allem dem Staats-Minister Maybach die wärmste Anerkennung. Nicht nur, daß er durch seine Thatkraft das Werk der Verstaatlichung unmittelbar gefördert hat, Der Allem war es auch die energische und einsichtsvolle Verwaltung des Eisenbahnwesens, welche ganz besonders dazu beigetragen hat, dem Staatsbahnsystem neue Freunde zu gewinnen. In den Leistungen, welche das Eisenbahnwesen unter seiner Leitung aufzuweisen hatte, lag der stärkste Antrieb für die weitere Ausbildung des Staatssystems.
— In der „Köln. Ztg." lesen wir: „Die kürzlich vorgensmmene Volkszählung in Frankreich zeigt nach dem jetzt bekannt werdenden Eadergcbniß eine Bevölkerungszunahme, die mit dem Wohlstand der Nation und dem Reichthum des Landes in grellstem Widerspruche steht. Die Bevölkerung Frankreichs hat sich danach in einem Zeitraum von fünf Jahren um nur 389 000 Seelen vermehrt, während Deutschland in demselben Zeitraum einen Bevölkerungszuwachs von rund 2 Millionen Seelen zu verzeichnen hat. Französische Nationalökonomen erblicken in dieser, die nationale Lebenskraft beider Völker überaus scharf charakteri- sirenden Thatsache eine Gefährdung der Machtstellung Frankreichs und das wird man ja in der That aus der Bevölkerungszunahme Deutschlands entnehmen dürsen, daß unser deutsches Volk gegenüber allen anderen Nationen sich noch immer im Stadium nationalen Aufschwunges befindet, daß — wie Pessimisten uns glauben machen möchten — von einem Niedergänge unseres Volkes noch lange nicht die Rede sein kann. Das verdient besonders gewissen panslavistischen und vielleicht auch gallischen Zukunftsträumen gegenüber einige Beachtung. Wir wollen bei dieser Gelegenheit übrigens daran erinnern, wie unrecht bei dieser großen Bevölkerungszunahme Deutschlands, die, in gleichem Verhältnisse wachsend, im Laufe eines Jahrhunderts geradezu einer Verdoppelung der Bevölkerung gleichkommen würde, diejenigen haben, welche die ebenso rasch sich erhöhende Auswanderungs-Ziffer lediglich auf politische und wirthschaftliche Gründe zurückzuführen bemüht sind, während eine der gewichtigsten Ursachen der zunehmenden Auswanderung selbstverständlich in der Bevölkerungs Zunahme zu suchen ist. Daher ist es auch ganz unmöglich, die Auswanderung zu verhindern und kaum möglich, sie zu beschränken. Wohl aber erwächst uns aus diesem Umstande die unabweisliche Verpflichtung, den Strom der Auswanderung zu regeln und die deutsche Volkskraft, die uns jetzt vollständig verloren geht, unserm Heimathlande dienstbar zu machen.
— Hagen i. W., 14. März. (Betrogene Auswanderer.) Bekanntlich hat die Auswanderung in dem rheinisch-westfälischen Jndu- striebezirk sehr große Dimensionen angenommen. Um so interessanter dürfte ein Brief sein, den ein Landmann unseres Kreises kürzlich von einem nach Südamerika ausaewanderten Verwandten erhielt und dem wir Folgendes entnehmen: „Wenn Du noch nicht verkauft hast, so bleibe ja daheim, und hast Du schon verkauft, so komm nicht hierher; der Agent hat uns schändlich betrogen. Wir müssen, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen, denn hier ist alles furchtbar theuer, arbeiten in den Plantagen von früh um 6 bis Abends um 8 Uhr, mit einer halben Stunde Mittagszeit und dabei ist eine Hitze, daß Einem der Schweiß nur immer so von der Stirn läuft; Frühstück und Vesperbrod muß bei der Arbeit verzehrt werden. Auch ist es hier fürchterlich ungesund. W. M. aus dem Iserlohner Kreise, Du kennst ihn ja auch, liegt auf den Tod, seine Frau ist vor acht Tagen gestorben; was aus den vier Kindern werden soll, das weiß der liebe Gott! Wir sind nun erst ein Vierteljahr hier und der dritte Theil von uns ist krank oder todt; was soll daraus werden? Hätten wir nur das Geld, wir kämen lieber heute als morgen zurück!"
— Stuttgart, 15. März. Die Centralstelle für Landwirth- schast hat sich nach dem „F. I." ebenfalls mit 17 gegen 1 Stimme für das Tabakmonopol und die Vermehrung der Tabak bauenden Bezirke in Württemberg ausgesprochen.
— W ien, 15. März. Die „Wiener Zeitung" publizirt die Er-