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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.
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Nr. 59.
Freitag den 10. März
Amtltches.
Gefunden: Zwanzig Pfennig baar. Ein schwarzer sweicher Herrenhut.
Zugelaufen: Ein gelber langhaariger Pinscher, m. Geschl.
Verloren: Zwei Stück Post-Packctadressen.
Entlaufen: Ein schwarzer langhaariger Spitz, m. Geschl.
Hanau am 10. März 1882.
____________________Aus Königl. Landrathsamt. ____________________
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Die großen Zeit- und Streitfragen, welche gegenwärtig unsere innere Politik bewegen, werden voraussichtlich in der nächsten Zeit schon ihre Lösung resp. Entscheidung finden. Im Abgeordnetenhause wird in kurzer Frist die Entscheidung über die kirchenpolitische Vorlage fallen, denn an die zweite Berathung der erwähnten Vorlage, welche gegenwärtig in der Kirchen-Commission des Abgeordnetenhauses stattfindet, wird sich ungesäumt die endgültige Dièkusiron hierüber im Plenum anschließen. Es ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß die Verhandlungen der Kirchen-Commission zu einem erfreulichen Resultate führen werden, wofür das Zusommengehen der Conservativen und Nationalliberalen bei den am Montag wieder begonnenen Commissionsberathungen spricht, so daß die Erwartung nicht unberechtigt erscheint, daß die kirchenpolitische Vorlage auch im Plenum des Abgeordnetenhauses, wenn auch modificirt, angenommen werden wird. Auch die in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 7. März gegen die Stimmen der Liberalen erfolgte Annahme des Regierungsantrages aus Errichtung einer Gesandtschaft beim päpstlichen Stuhle ist zweifellos Von Bedeutung für eine friedliche Wendung der kirchenpolitischen Frage. Die beiden andern großen unsere innere Politik beherrschenden Fragen, die der Arbeiterunfall-Versicherung und des Tabakmonopols, gelangen zur Zeit zwar nur innerhalb des beschränkten Rahmens des Bslkswirth- schaftsrathes zur Erörterung, aber augenscheinlich ist die Zeit nicht mehr fern, wo diefe wichtigen Angelegenheiten vor dem Forum des Reichstages wieder zur Verhandlung gelangen. Wie nämlich von verschiedenen Seiten gemeldet wird, stünde die Einberufung des Reichstages Mitte April bevor, welchem die Entwürfe der Arbeiterunfallversicherung und des Tabakmonspols zunächst vorgelegt werden würden; ob freilich die Entscheidung des Reichstages, zumal bezüglich des Tabakmonopöls, im Sinne der Regierung ausfallen wird, ist noch sehr zweifelhaft.
Auf dem Gebiete der auswärtigen Politik war das Ereigniß der Woche. die Proklamirung des Fürsten Milan zum Könige von Serbien, unter dem Titel: Milan Obrenovics I., welches „interessante" Ereigniß der politischen Welt ziemlich überraschend kam. Auf den ersten Augenblick könnte man darüber im Zweifel sein, ob die Eehebung Serbiens zum Königreiche mit Zustimmung der Großmächte erfolgte, da die „Politische Corresp." aus Belgrad vom 7. März meldete, daß die.Proklamirung Serbiens zum Königreiche noch im Laufe des 6. März sämmtlichen Großmächten notificirt worden sei. Diese Mittheilung an die europäischen Höfe ist aber offenbar eine bloße Formalität, denn die erwähnte Correspondenz sagt selbst, daß die serbische Regierung bereits seit Wochen im Besitze von Erklärungen sämmtlicher Großmächte sei, daß ihrerseits der Erhebung Serbiens zum Königreiche kein Hinderniß im Wege stehe. Die „Times" erblickt in diesem Ereignisse einen Act von großer politischer Bedeutung, welcher Meinung wir indessen nur in sehr beschränkter Weise beipflichten können, denn so lange das neugebackene Königreich keinen erheblichen Gebietszuwachs erfühlt, wird es ebensowenig wie das Fürstenthum Serbien eine bedeutende politische Rolle spielen können.
Markgraf Maximilian von Baden, Onkel des regierenden Großherzogs, ist am 6. März, hochbetagt, verschieden. Der Verblichene war königlich preußischer General der Cavallerie und Chef des Badischen 2. Dragoner-Regiments Nr. 21 und erfreute sich trotz seines hohen Alters bis vor wenigen Wochen einer großen geistigen und körperlichen Rüstigkeit.
(Oesterreich-Ungarn.) Auf dem südslavischen Jnsurrektious- gebiete sind seit dem Falle von Ulok im oberen Narentathale keine größeren militärischen Aktionen zu verzeichnen gewesen, da das eingetretene schlechte Weiter alle umfangreicheren Operationen hindert. Sobald das Wetter es aber nur einigermaßen erlaubt, beabsichtigt die österreichische
1882.
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Armeeleitung mit erneuter Energie gegen die Insurgenten vorzugehen, welche sich mittlerweile zum letzten verzweifelten Widerstände an der montenegrinisch-herzegowinischen Grenze sammeln. Die Insurgenten sollen durch ihre letzten Mißerfolge zum Theil sehr entmutigt sein, so daß man in Wien schon in Hinblick hierauf glaubt, den Aufstand in wenigen Wochen gänzlich bewältigen zu können.
(Frankreich.) In Frankreich befestigt sich das Cabinet de Frey- cinet durch seine kluge und gemäßigte Politik, welche es auch nach Innen verfolgt, immer mehr im Vertrauen der Bevölkerung. So hat das gegenwärtige französische Ministerium durch den Gesetzentwurf über die Maires (Bürgermeister), welcher die Gemeinderäthe aller Departements-, Arrondissements- und Cantons-Hauptstädte ermächtigt, ihre Bürgermeister selbst zu wühlen, beinahe allen lokalen Ansprüchen genügt, im Gegensatze zu Gambetta, welcher durch seine die Selbstständigkeit der Gemeindeverwaltungen beschränkenden Projekte gerade die Empfindlichkeit der ein- zelnen Gemeinden reizte. Die Deputirtenkammer hat denn jenen Gesetzentwurf auch mit großer Majorität genehmigt und hierdurch ihr Ein- verständniß mit der Regierung in dieser Frage bewiesen. Auch in einer andern wichtigen Angelegenheit zeigte es sich, daß das Cabinet de Frey- cinet sich auf die Kammer-Majorität stützen kann. Am Dienstag hat die Deputirtenkammer mit 343 gegen 139 Stimmen beschlossen, den Antrag Boysset auf Aufhebung des Concordats zwischen Frankreich und dem Papste, mit welchem Anträge sich die Regierung einverstanden erklärte, in Betracht zu ziehen, welcher Beschluß einer Annahme dieses Antrages ziemlich gleichkommt.
(England.) Das Interesse an dem Attentate gegen die Königin Victoria wird allmälich wieder durch die augenblickliche kritische Lage im englischen Parlamente verdrängt. Diese parlamentarische Krisis tritt in zwei Punkten hervor: In der „Bradlaugh Angelegenheit" und in der Meinungsverschiedenheit zwischen Oberhaus und Unterhaus über die irische Landacte. In Bezug auf ersteren Punkt steht die Sache jetzt so, daß dem Unterhausmitglied für Northampton, dem bekannten Bradlaugh, in der Unterhaussitzung vom 6. März die Eidesleistung untersagt und derselbe hierdurch zum so und sovielten Male zum Hause hinausgemaßregelt wurde. Dieser Beschluß wurde auf Antrag des Führers der Conservativen, Northeote, gefaßt, und da der Premier Gladstone sich gegen diesen Antrag erklärte, so hat Mr. Gladstone unzweifelhaft eine kleine Schlappe erlitten, wie er deren in der Bradlaugh-Affaire schon mehrere davongetragen hat. Was den zweiten Punkt, die Differenzen zwischen den beiden Häusern des Parlaments, anlangt, so sind dieselben bekanntlich dadurch entstanden, daß das Oberhaus eine Commission zur Untersuchung der Wirkung der irischen Landbill eingesetzt hat. Die Regierung mißbilligt entschieden dieses Vorgehen des Oberhauses und desgleichen auch die Majorität des Unterhauses, aber das Oberhaus will einstweilen noch nicht auf die Commission verzichten und so läßt sich nicht absehen, wie sich diese Spannung lösen wird.
(Rußland.) Ans dem Czaremeiche besteht die am meisten in- teressireude Nachricht darin, daß General Skobeleff endlich am 5. März in Petersburg angekommen ist, am Bahnhose vom Beifallsgeschrei seiner dort versammelten Anhänger und Gesinnungsgenossen begrüßt. Noch ist nichts über den Empfang des Generals beim Kaiser bekannt, aber allzu- freundlich dürfte derselbe jedenfalls nicht ausgefallen sein.
(Orient.) Milan Obrenovics I., der neue König der Serben, hat eine Proklamation erlassen, in welcher er erklärt, daß er nach dem Willen des ganzen Volkes die Königskrone angenommen habe. Von ganz Europa sympathisch unterstützt, wofür er seinem tiefen Danke Ausdruck gebe, gehe Serbien einer sicheren Zukunft entgegen. Die Proklamation schließt mit den Worten: „Möge die neue Stellung Serbiens geheiligt werden durch Entwickelung der Liebe seiner Bürger zur Gerechtigkeit, zum Fortschritt, zur Freiheit und Ordnung!" — Die ersten der in Belgrad beglaubigten Vertreter der fremden Mächte, welche den König beglückwünschten, waren der österreichische und der türkische Gesandte. Am Dienstag überreichte der Vertreter Italiens, Chevalier de Tosi, officiell die Anerkennung Serbiens als Königreich Seitens der italienischen Regierung.
Nachtrag.
Die „Provinzial-Correspondenz" sagt in einem Artikel: Monopol