Einzelbild herunterladen
 

«honncment»-

Preiè:

Ehrlich 9 Wort. Halbj.4M.SSP. Pierteljihrlich

1 Marl 25 Psg. Wir auswärtige

Abonnenten «it dem betreffen- 9«s Postaufschlag. Me einzelne Num­mer 10 Ksg.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stât Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspsndenz.

Nr. 50.

Dienstag den 28. Februar

3«fetH»n*«

Preis:

Die 1spa!tige Garmondzeile * deren Ran» 10 $fg.

Lie Sspalt Seife 20 Pfz.

LieSsPaltigeZsti«

30 Psg

1882

Amtliches.

Verloren: Auf der Straße von Hanau bis Dörnigheim eine wollene Pferdedecke.

Entflogen: Ein welsches Huhn.

Gefunden: Ein Portemonnaie mit Inhalt. Ein Quantum ge­brannten Kaffee. Ein farbiges Taschentuch.

Zugelaufen: Ein kleiner grauer Hund mit Kette.

Hanau am 2s. Februar 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Unsere innere politische Lage bietet gegenwärtig wenig Stoff zu allgemeineren und eingehenderen Be- trachtuugen dar, da es hierzu fest ganz an Anhaltspunkten fehlt. Erst wenn im Adgeordnetenhause die Verhandlungen über die kirchenpolitische Vorlage wieder beginnen, wird Gelegenheit zu Erörterungen gegeben sein, wie sie ein Gegenstand, welcher für unsere gesammte innere Politik von so weittragender Bedeutung ist, naturgemäß Hervorrufen muß. Außer­dem ist als ein Ereigniß, welches ebenfalls allgemeineres Interesse be­ansprucht, der an diesem Dienstag, den 28. Februar, erfolgte Zusammen­tritt des Volkswirthschaftsrathes zu betrachten, denn die demselben zu unterbreitenden Vorlagen werden sich auch mit der Frage des Tabak- Monopols und der Arbeiter-Unfall-Bersicherung befassen und da die hierauf bezüglichen Gesetzentwürfe den Reichstag in seiner nächsten Sitzung beschäftigen werden, so kann man den Verhandlungen des Volkswirth- schaftsrathks mit berechtigter Spannung entgegensehen. Auf dem Gebiete der auswärtigen Politik ist es noch immer dieSkobeleff-Affaire", welche die Aufmerksamkeit am meisten in Anspruch nimmt; daß General Sko- belcff namentlich wegen seiner Pariser Rede von der ruffischen Regierung zur Verantwortung gezogen werden wird, kann man aus dem Umstande mit Sicherheit entnehmen, daß Skobeleff auf Befehl Kaiser Alexanders sofort nach Petersburg zurückbeordert wurde; der weitere Ausgang dieser Angelegenheit, welche ganz Europa in Aufregung versetzte, muß jedoch einstweilen abgewartet werden.

Der Bundesrath hielt am 23. Februar eine Plenarsitzung ab. Von den zur Berathung gelangten Gegenständen ist besonders zu er­wähnen die Vorlage betreffend die Grundsätze der Besetzung der Subal­tern- und Uuterbeamtenstkllen bei den Reichs- und Staatsbehörden mit Militairanwärtern, welche nach den Ausschußanträgen in erster Lesung mit einigen unwesentlichen Abänderungen angenommen wurde.

Das Abgeordnetenhaus hielt an allen Tagen der vergangenen Woche Sitzungen ab, welche mit Ausnahme desSchwerinstages" am Mittwoch sämmtlich der Fortsetzung der zweiten Etatsberathung gewidmet waren. Von wichtigeren Beschlüssen ist nur die am Donnerstag in zweiter Le­sung erfolgte Annahme des Gesetzentwurfes, betreffend die Verwendung der Jahresüberschüsse der Verwaltung der Eisenbahnangelegenheiten, zu erwähnen. Sämmtliche sechs Paragraphen des erwähnten Gesetzentwur- fes wurden den Commissionsanträgen gemäß, mit welchem sich auch die Regierung einverstanden erklärt hatte, genehmigt. Am Freitag und Sonnabend beschäftigte sich das Haus mit der Berathung des Etats des Ministeriums des Innern.

Der Inhalt des vom König von Bahern an den Ministerpräsi­denten v. Lutz gerichteten Handschreibens ist jetzt zur öffentlichen Kennt­niß gelangt. Dasselbe betont, daß ,der König stets die Kirche beschützt habe und beschützen werde; er erblicke in der Pflege des religiösen Sinnes des Volkes die Grundlage für die Ordnung und diese sei die Hauptauf­gabe der Regierung. Die Regierung müsse aber die Bestrebungen, dem Rechte der Krone entgegenzutreten, zurückdrängen. Schließlich spricht der König Herrn 9. Lutz und sämmtlichen Räthen der Krone seine aller­höchste Anerkennung für ihr bisheriges Verhalten sowie das Vertrauen aus, daß sie unter allen Schwierigkeiten fest aushalten werden.

Dem am 28. Februar zusammengetretenen Volkswirthschaftsrath werden von bemerkenswertheren Vorlagen zugehen ein Gesetzen: wnrf über Abänderung des Tit. III. der Gewerbeordnung, betreffend den Gewerbe­betrieb im Umherziehen, Fragen, welche sich auf die Subhastationsordnung beziehen, Fragen, betreffend Abänderung einer Vorschrift des Viehseu­

chengesetzes (Hundeiperre), Ausgabe von Obligationen auf den Namen, ein Gesetzentwurf über die Einführung einer Controls der zum Verkäufe gelangenden Milch u. s. W. Daneben werden den Bolkswirthschaftsrath wahrscheinlich auch die Grundzüge für ein Unfallversicherungsgcsetz und ein Hülfskassengesetz beschäftigen und ebenso der Entwurf des Tabakmo­nopols. Die Absicht einer Frühjahrssession des Reichstages b.steht nach wie vor.

Der König von Württemberg hat sich in vergangener Woche nach Italien begeben; alle Akten u. f. w. in wichtigeren Regierungssachen werden dem Körrg nachgesandt; die übrigen Angelegenheiten erledigt das Staats Ministerium unter Vorsitz des mit Vollmacht versehenen Prinzen Wilhelm.

Die zweite sächsische Kammer, von welcher die Forderung des Ju­stizministers zu persönlichen Zulagen an richterliche Beamte bereits am 26. v. M. abgelehnt worden war, hat auch den Beschluß der ersten Kammer, dem Justizminister das Postulat zu persönlichen Zulagen an richterliche Beamte in beschränkter Disposition zu bewilligen, in ihrer Sitzung vom 24. Februar abgelehnt.

(Oesterreich-Ungarn.) In der österreichischen Hauptstadt beginnt der bevorstehende Urtheilsspruch in dem Prozeß wegen des Ring­theater-Brandes die Aufmerksamkeit zu erregen. Sämmtlichen acht An­geklagten ist die Anklageschrift am Freitag zugestellt worden und darf man gespannt sein, wie das Urtheil ausfallen wird. Die angemessene Bestrafung derjenigen Personen, welche die unmittelbare Schuld an jener fürchterlichen Katastrophe tragen, ist allerdings eine Concession an die erregte öffentliche Meinung, eine eventuelle Bestrafung der zunächst Schul­digen würde aber trotzdem auch eine, wenngleich nur indirekte, Verur- theilung der eigenthümlichen Verhältnisse in der Verwaltung Wiens be deuten, welche mit die Schuld an dem entsetzlichen Ereignisse vom 8. Dezember v. I. tragen.

(England.) Das englische Unterhaus hat nun in voriger Woche, wie in seiner letzten Session, wiederum seinen Bradlaugh- Scandal gehabt, welche Affaire sich schließlich zu einer Schlappe für das Ministerium Gladstone gestaltete. Deon daß der confervative Antrag auf Ausweisung des durch sein tumultuarischcs Auftreten hinlänglich bekannten Bradlaugh aus dem Hause mit der imponirten Majorität von 291 gegen 83 Stim­men angenommen wurde, ist ein bedenkliches Zeichen für die Lage des Cabinets Gladstone, denn offenbar stimmten viele Liberale mit den Con- servativen, also mit den Gegnern des gegenwärtigen liberalen Cabinets und der Umstand, daß die radikalen Ministerkoklegen Gladstone's gegen den conservativen Antrag stimmten, beweist deutlich, daß das englische Cabinet bereits beginnt, sich in einen gewissen Gegensatz zu vielen seiner bisherigen Anhänger zu sitzen. Falls das Ministerium noch mehrere solcher Niederlagen im Laufe der Session erleiden sollte, wozu auch Aus­sicht vorhanden ist, fo kann man dann wohl behaupten, daß seine Tage gezählt seien.

(Rußland.) In Petersburg hat in voriger Woche der große, schon vor längerer Zeit in Aussicht gestellte Nihilistenprozeß gegen Tri- gonja und 19 Genossen begonnen. Nach dem Inhalte der Anklage steht die jetzige Verhandlung mit dem Attentate auf Kaiser Alexander II. vsm 13. März v. I., mit der Ermordung des Generals Mesenzeff, sowie mit dem im Renteigebäude in Cherson ausgeführten Millionendiebstahle in engstem Zusammenhang. Die russische Regierung hat die strengste Ge­heimhaltung der Verhandlungen während des Prozesses anbefohlen und nur sehr wenigen Personen den Zutritt gestattet. Ja, der Gerichtsprä­sident wollte sogar den Vertheidigern verbieten, sich während der Ver­handlungen mit ihren Clienten zu berathen, doch wurde auf den Protest der Vertheidiger dieses Verbot wieder zurückgenommen. Die Angeklagten, deren Benehmen in den Verhandlungen durchgehend als frech und her­ausfordernd geschildert wird, leugnen bis jetzt alle ihnen zur Last ge­legten Vergehen. Die Hetzereien in der psnslavtstischen Presse gegen Deutschland dauern sort. So reproducirt dieNordd. Allgem. Ztg." einen Artikel des russischen BlattesNeue Zeit" über die Bedeutung der Skobeleff'schen Reden und hebt hervor, daß der Artikel von einer Zeitung gebracht werde, die das Organ Jgnatieff's sei und dies fei um so auffälliger, als der Artikel seine Umsturz-Tendenzen auch gegen das