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Montag den 27. Februar
Nr. 49.
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Amtliches.
Peter Ludwig Puth zu Fechenheim ist als Sachverständiger zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen auf Widerruf bestellt und vereidet worden.
Hanau am 17. Februar 1882.
Der Gemeindediener Puth in Fechenheim ist als Todtenbeschauer dieser Gemeinde bestellt und in Pflichten genommen.
Hanau am 18. Februar 1882.
Der Landrath.
Bekanntmachung.
Die Bestellung der Postsendungen durch Eilboten betreffend.
Für die Bestellung der Postsendungen durch Eilboten treten vom 1. März ab folgende Bestimmungen versuchsweise in Kraft. Bei Vorausbezahlung des Eilbestellgeldes für Sendungen nach Landorten kommt wie bei Telegrammen eine Gebühr von 8 0 Pfennig für Briefe, Postanweisungen und Geldbriefe, dagegen für Packete eine solche von 1 Mark 20 Pfennig ohne Unterschied der Entfernung zur Erhebung. Für die Eilbestellung im Orts bezirk der Po st an st alten kommt im Fall der Vorausbezahlung die seitherige Gebühr von 25 Pfennig für alle Gegenstände außer den Packeten, für letztere der Satz von 40 Pfennig zur Anwendung. Ist das Eilbestellgeld nicht im Voraus entrichtet, so hat der Empfänger, wenn er die Sendung annimmt, das volle Botenlohn zu zahlen. Den Eilboten werden Geldbriefe und Werthpackete bis zum angegebenen Werth von 400 Mark, Postanweisungsbeträge ebenfalls bis zur Höhe von 400 Mark mitgegeben. Eilpackete im Gewicht von mehr als 5 kg werden nur insoweit abgetragen, als die Postanstalt am Bestimmungsort es für angängig erachtet. Bei Vorausbezahlung des Eilbestellgeldes ist unter dem die Eilbestellung verlangenden Vermerk der Zusatz „Bote bezahlt" zu machen.
Berlin W., 20. Februar 1882.
Der Staatssekretair des Reichs-Postamts. Stephan.
Tagesschau.
— Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reiches den Gutsbesitzer Karl Hagen zum Vizekonsul in Kischinew (Rußland) zu ernennen geruht.
— Berlin, 25. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König besichtigten heute Mittag 1 Uhr den gegenwärtigen Offizier-Lehrkursus der Militär.Turnanstalt.
— Berlin, 25. Febr. (K. Z.) Bis jetzt sind endgültig zur Berathung des Volkswirtschaftsraths bezw. der einzelnen Sektionen des- felben bestimmt: 1) ein Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung des Titels 3 der Gewerbeordnung über den Gewerbebetrieb im Umherziehen und einiger Vorschriften über den stehenden Gewerbebetrieb; 2) Fraaen, welche sich auf die Subhastationsordnung beziehen; 3) ein Gesetzentwurf, betreffend die Fabrikation von Zündhölzern mit weißem Phosphor; 4) die Einführung einer Controle der zum Verkauf gelangenden Milch; 5) die Frage wegen Abänderung einer Vorschrift des Viehseuchengesetzes (Hundesperre); 6) die Ausgabe von Obligationen auf den Namen. Daneben werden wahrscheinlich die Grundzüge für ein Unfallversicherungsgesetz und für ein Hülfèkassengesetz sowie der Entwurf des Tabakmono- Pols vorgelegt werden. — Die Absicht, den Reichstag zu einer Frühjahrssession einzuberufen, scheint noch zu bestehen.
— Berlin, 25. Febr. In der heutigen (20.) Sitzung des Abgeordnetenhauses nahm, nach der liberalen „Sttsb. Ztg.", die durch den Abg. Richter (Hagen) vorgestern provocirte Judendebatte ihren Fort- gang, und waren es besonders zwei Redner, welche mit der Fortschrittspartei scharf ins Gericht gingen: die Abgg. Dr. Stöcker und Cremer. Dr. Stöcker hielt es für nothwendig, sein Verhalten in der Judenbe- Wegung noch einmal klar darzulegen und die Ursachen zu erörtern, aus
1882.
denen dieselben entstanden seien. Als solche bezeichnete er die Tendenzen im Berliner öffentlichen Leben. Er verwies darauf, wie das Judenthum sich in alle Verhältnisse des öffentlichen Lebens eindränge, hob hervor, daß es sich hier um die höchsten Güter des Lebens handle, und erklärte, daß der einmal begonnene Kampf nicht wieder aufhören könne, es sei denn, daß derjenige Theil des Judenthums, gegen den er gerichtet sei, seine Position aufgebe und seine Anmaßung fallen lasst. Wolle Berlin nicht verjuden, so müsse dieser Anmaßung ein Damm entgegengesetzt werden. Er rief der Regierung zu: videant consules und rechtfertigte sich alsdann gegen den Vorwurf, daß er die Judenhetze in die Provinzen getragen habe. Abg. Cremer beleuchtete die Entstehung der antifortschrittlichen Bewegung in Berlin, welche nur der Ausdruck des Unwillens über den auf Berlin lastenden Fortschrittsring sei und hob hervor, daß die conservative Bewegung nur den einen Zweck habe: Weg mit der Fortschrittspartei ! Nachdem dieser Redner alsdann das Verhalten des Abg. Richter während der letzten Reichstagswahlcn einer scharfen Kritik unterzogen, schloß er seine Behauptungen mit dem Hinweis darauf, daß die antifortschrittliche Bewegung nicht eher aufhören werde, als bis sie den Sieg errungen und die Burg der Fortschrittspartei erobert habe. Von fortschrittlicher Seite sprachen die Abgg. Dr. Virchow und Richter (Hagen), von denen der erstere Stöcker als einen Apostel des Unfriedens und des Klaffen- und Racenhasfes bezeichnete und die Regierung beschuldigte, daß sie durch ihre große Nachsicht die Dinge soweit habe kommen lassen, wie sie gediehen seien. Diesem Vorwurf trat der Minister des Innern sehr entschieden entgegen, indem er darauf verwies, daß militärische Hilfe gegen Volksaufläufe eine zweischneidige und bedenkliche Waffe sei. Im übrigen erklärte der Minister, daß die Regierung den vom, Grafen Stolberg im November 1880 bei der Interpellation Hänel dargelegten Standpunkt zur „Judenfrage" noch gegenwärtig festhalte. Nachdem noch die Abgg. Strosfer, Schröder (Lippstadt) und Graf Clairon d'Haussonville sich zur Sache geäußert, wurde die Diskussion geschlossen und der Etat der Berliner Polizeiverwaltung, von dem in der ganzen Debatte eigentlich keine Rede gewesen, endlich bewilligt.
— S. M. S. „Elisabeth", 19 Geschütze, Kommandant Kapitän zur See Hollmann, ist am 23. Februar cr. in Callao eingetroffen und beabsichtigte am 27. desselben Monats die Reise nach Iokohama fortzusetzen.
— Aug sb urg, 25. Febr. Die „Allg. Ztg." meldet: Das an den Minister-Präsidenten von Lutz gerichtete Handschreiben des Königs betont, daß der König stets die Kirche geschützt habe und beschützen werde; er erblicke in der Pflege des religiösen Sinnes des Volkes sie Grundlage für die Ordnung, und diese sei die Hauptaufgabe der Regierung. Die Regierung müsse aber die Bestrebungen, dem Rechte der Krone entgegenzutreten, zurückdrängen. Schließlich spricht der König Herrn von Lutz und sämmtlichen Räthen der Krone seine Allerhöchste Anerkennung für ihr bisheriges Verhalten aus, sowie das Vertrauen, daß sie unter allen Schwierigkeiten fest ausharren werden.
— Bellinzona, 23. Febr. Heute Nachmittag 4 Uhr trat zum ersten Male das durch den Gotthardtunnel gelegte telegraphische Kabel in Thätigkeit.
Spezialtelegramme des „Deutschen Montags-Blatt."
— Petersburg, 26. Febr. Es soll die Absicht vorliegen, die Krönung in Moskau am 22. August, des Krönungstags des Kaisers Nikolaus, festznsetzen. — Es verlautet, der Kaiser sei auf die erste Nachricht von Skobeleff's Pariser Rede in größten Zorn gerathen und habe den General Anfangs kassiren wollen. (?) Davor hätten Skobeleff nur die Bitten seiner Freunde Jgnatieff und Katkow bewahrt. Der Kaiser habe die sofortige telegraphische Rückberufung Skobeleff's befohlen, dem jedenfalls in Gatschina ungnädigster Empfang zu Theil wird. Es heißt, ihm solle sein Armeekorps, sowie die Generaladjutanten. Charge genommen, und der General vorläufig zur Disposition gestellt werden. Nach hiesigen Begriffen eine allerdings sehr schwere Strafe. Personen, die Skobeleff genau zu kennen vorgeben, glauben, er würde dann selbst vollständigen Abschied verlangen, auf eigene Hand weiter agitiren und