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Dienstag den 21. Februar

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R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser erfreut sich fort­dauernd des besten Wohlbefindens, wovon seine Theilnahme an dem Balle zeugt, welchen die kronprinzlichen Herrschaften in vergangener Woche im königlichen Schlosse zu Berlin veranstaltet hatten. Mit ge­wohnter Frische und Lebhaftigkeit bewegte sich der greise Monarch unter den Theilnehmern des Balles, um sich erst nach Mitternacht nach seinen Gemächern zurückzuziehen.

Die so lebhaft ventilirte Frage einer Frühjahrssession des Reichs­tages scheint nun an maßgebender Stelle doch in bejahendem Sinne ent­schieden worden zu sein. Wenigstens spricht für diese Annahme der Um­stand, daß der Vvlkswirthschaftsrath bereits auf den 28. Februar ein­berufen worden ist, in welchem jedenfalls die meisten der für die nächste Reichstagssessisn bestimmten Materien zur Vorberathung gelangen und da die Einberufung des Volkswirthschaftsrathes schon so zeitig erfolgt, so schließt man hieraus nicht mit Unrecht auf die Möglichkeit oder sogar Wahrscheinlichkeit einer Frühjahrssession des Parlamentes. Außerdem glaubt man auch in Regierungskreisen, die dringendsten Arbeiten des Landtages etwa bis Ostern erledigen zu können, so daß ein Nebeneinan­dertagen zwischen Reichstag und Landtag ausgeschlossen wäre.

Das Abgeordnetenhaus hielt im vergangener Woche nur drei Sitzungen ab, am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, in denen sich das Haus lediglich mit der Berathung des Etats beschäftigte. Die Ver­handlungen verliefen streng sachlich und ohne bcmerkenswerlhen Zwischen­fall und resümiren wir daher nur kurz, daß bis jetzt von den Special- etats die Etats der Forsten, der Domainen und der landwirthschaftlichen Verwaltung im Ganzen nach den Regierungsanträgen erledigt wurden. Son ungleich größerem und allgemeinerem Interesse waren dagegen die Verhandlungen der Kirchen- und der Eisenbahn-Commission des Abge­ordnetenhauses. Die Kirchen-Commission des Abgeordnetenhauses hat am Freitag die erste Lesung der kirchenpolitischen Vorlage beendigt. Das Ergebniß der ersten Lesung kann man dahin zusammenfassen: Art. 1, welcher die diskretionären Vollmachten der Regierung erneuern wollte, ist abgelehnt worden, der Bischofsparagraph wurde in verschlechterter Fassung angenommen, die Ersetzung des kirchlichen Gerichtshofes durch den Cultusminister als Berufungsinstanz beim Einspruch gegen die An­stellung von Geistlichen dagegen abgelehnt. Auf den Antrag des Cen­trums wurde außerdem die Abschaffung des sogenannten Culturnamens und des Instituts der „Staatspfarrer" beschlossen. Die nächste Sitzung der Kirchen-Commission wird erst in nächster Woche statifinden. Aus den Berathungen und Beschlüssen der Eisenbahn-Commission ist hervor­zuheben, daß in derselben am Freitag in zweiter Lesung der Ankauf der Bergisch-Märkischen Bahn mit 13 gegen 6, derjenige der Thüringischen mit 14 gegen 6, derjenige der Berlin-Görlitzer Bahn mit 12 gegen 9, der der Cottbus. Großenhainer Bahn mit dem gleichen Stimmenverhält- niß, der Ankauf der Rhein-Nahe Bahn mit 11 gegen 10 und derjenige der Märkisch-Posener Bahn ebenfalls mit 11 gegen 10 Stimmen ge­nehmigt wurde.

Der Propst zu St. Hedwig in Berlin, Herr Herzog, ist zum Fürstbischof von Breslau designirt und dürfte, wie die „Nat.-Ztg." ver­nimmt, die Entscheidung so nahe bevorstehen, daß die Präconisation noch im Laufe dieses oder Anfang des nächsten Monats zu erwarten ist.

Die preuß. Ordensmission, welche beauftragt ist, dem Sultan den Schwarzen Adler-Orden zu überbringen, ist am vorigen Freitag in Kon- stantinspel eingetroffen und hat im Palast von Dolma-Bagdsche Woh­nung genommen. Der Sultan wird der Gesandtschaft zu Ehren mehrere glänzende Feste geben, zu denen schon seit Wochen außerordentliche Vor­bereitungen getroffen werben sind.

(Oesterreich-Ungarn.) In Oesterreich nahm in vergangener Woche die Generaldebatte des Abgeordnetenhauses über das Budget das politische Sittereffe im höchsten Maße in Anspruch. Der Kernpunkt die­ser mehrtägigen Verhandlungen lag in der Debatte vom 15. b. M., in welcher aus den Reihen der Linken der Abgeordnete von Plener in der schneidigsten Weise das ganze Regime des Ministeriums Taaffe angriff. Er charakterisirte in treffendster Weise die Begünstigung der slavischen Bestrebungen durch die österreichische Regierung gegenüber dem Deutsch­thum, welche nothgedrungen zur Slavisirung Oesterreichs führen müßten; auch beklagte es der Redner, daß es auf der rechten Seite des Hauses

1882.

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so viele Deutsche gäbe, welche blind gegen die ihrem eigenen Staate drohende Gefahr seien; außerdem geißelte Abg. v. Plener noch in schar­fen Worten die Finanzpolitik des Finanzministers Dr. Dunajewski. Die Rede Plener's wurde von der Linken und selbst von den Galerien mit brausendem Beifall begrüßt und die heftige Erwiderung des Minister­präsidenten Grafen Taaffe wird nicht im Stande sein, den gewaltigen Ein­druck zu verwischen, den die mannhaften Worte Plener's auf jedes deutschfühlende Herz in- und außerhalb der schwarzgelben Grenzpfähle machen müssen.

(Frankreich.) Gambetta ist von seiner italienischen Reise in vergangener Woche unerwartet rasch nach Paris zurückgekehrt. Man ist natürlich allgemein gespannt, welche Taktik er dem Cabinet de Freycinet gegenüber beobachten wird. Wenn man nach dem Verhalten der von Gambetta inspirirten Presse urtheilen soll, welches dieselbe in der letzten Zeit gegen die jetzige französische Regierung eingeschlagen hat, so wäre der Ex-Ministerpräsident von wohlwollenden Gefühlen für das Cabinet de Freycinet beseelt, denn die gambettfftische Presse äußert sich jetzt in freundschaftlichster Weise gegenüber dem Cabinet. Trotzdem wird sich Herr de Freycinet und sein Ministerium sehr vorsichtig zu dieser wohl­wollenden Haltung Gambetta's stellen müssen, welcher nur zu sehr an den Wolf in Schafskleidern mahnt.

iEngland.) Die irischen Zustände haben sich, trotzdem die eng­lische Thronrede die Verhältnisse in Irland ziemlich optimistisch auffaßte, gerade nicht gebessert. In der Grafschaft Clare sowie in der Grafschaft King wurden wiederum agrarische Mordanfälle verübt, in Miüstreet werden noch immer Mitglieder der berüchtigten „Mondschein"-Hande verhaftet und in der Umgegend von Dublin treiben neuerdings soge­nannte „Garotters", jedenfalls eine neue agrarische Bande, des Nachts ihr Unwesen. Von Gegenmaßregeln der englischen Regierung verlautet noch nichts. — In einer Kohlengrube bei Hartlepool ereignete sich am Donnerstag ein großes Unglück, indem dort eine Explosion schlagender Wetter stattfand, wobei, wie man befürchtet, gegen 100 Arbeiter getödtet wurden.

(Rußland.) Das offieielle und officiöse Rußland hat den Ge­neral Skobeleff wegen seiner Petersburger Rede zwar desavouirt und der General mußte infolge dessen auch auf Urlaub gehen, den er in Paris, für jetzt wenigstens, verbringt, aber dieser Nasenstüber hat auf den heißblütigen Heloen von Geok Tepe offenbar keinen Eindruck gemacht. General Skobeleff hat nämlich in Paris vor den dort studirenden Ser­ben eine neue säbelrasselnde Rede gegen die Deutschen gehalten, wie die „France" meldet. Der General sagte, daß der Einfluß der Fremden Rußland hindere, seine slavische Mission ganz zu erfüllen, von diesem (deutschen) Einflüsse werde man sich eines Tages nur mit dem Säbel in der Faust befreien können. Ein Kampf zwischen Slaven und Teutonen sei unvermeidlich, aber der Slave werde triumphiren. „Wenn das Schicksal will", schloß General Skobeleff, „auf Wiedersehen auf dem Schlachtfeld, Seite an Seite gegen den gemeinsamen Feind!" Was wird die russische Regierung zu dieser anerkennenswerthen Offenherzigkeit eines ihrer höchsten aktiven Militärs sagen?

(Egypten.) Das egyptische Ministerium Mahmud Barondi Pascha hat den bemerkenswerthen Entschluß gefaßt, die Sklaverei in Ostsudan im Prinzipe aufzuheben. Abdelkader Pascha soll zu diesem Behufe zum Gouverneur im Sudan ernannt werden, auch wird ein Specialdepartement in Kairo für den Sudan eingerichtet und ein Gesetz über die Freilassung der Sklaven vorbereitet.

Tagesschau.

— B erlin, 20. Febr. In der heutigen (15 ) Sitzung des Abgeord­netenhauses wurde bei Fortsetzung der Etatsberathung nach längerer De­batte der geheime Dispositionsfond der Regierung mit 248 gegen 73 Stimmen angenommen.

— Weimar. Am 22. d. M. sind 50 Jahre seit dem Tode Göthe's verflossen. Deutsche Damen in Prag beabsichtigen, an diesem Tage dem Andenken des Dichters eine Ovation darzubringen, indem sie auf dem Sarge Göthe's einen Lorbeerkranz niederlegen. Dieselben ha­ben bei dem Großherzog von Sachsen die Erlaubniß dazu nachgesucht, da Göthe in der Weimarer Fürstengruft beigesetzt ist; sie ist ihnen als- bald gewährt worden.

— In Zürich werden alle 3 Monate von Amts wegen die Na-