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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Nr. 41
Freitag den 17. Februar
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser empfing am Montag Nachmittag den neuernannten französischen Botschafter beim deutschen Reiche, Baron de Courcel, in feierlicher Audienz. Sowohl in der Ansprache des Botschafters als auch in der Antwort des Kaisers wurden die freundlichen und friedlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich in besonders scharfer Weise hervorgehoben und nahm der Kaiser noch Gelegenheit, eine besondere Wendung zu gebrauchen, indem er seine Freude darüber ausdrückte, daß der neue Botschafter seine Bildung auf einer deutschen Universität empfangen habe und daher vor allen befähigt sei, deutsche Verhältnisse sachkundig zu beurtheilen.
Dem Bundesrathe ist, wie die „Nat.-Ztg." mittheilt, der Entwurf eines Normal-Jnnungsstatuts auf Grund des Reichsgesetzes vom 16. Juli 1881 zur Beschlußfassung mit dem Bemerken zugegangen, daß der Entwurf den Bundesregierungen bereits direkt zugefertigt ist. Der Entwurf umfaßt 76 Paragraphen und ist mit zahlreichen Erläuterungen bezüglich der korrespondirenden Bestimmungen der Gewerbe-Gesetzgebung versehen. Ferner liegt dem Bundesrathe eine Denkschrift vor, betreffend die Einwendungen der oldenburgischen Regierung gegen den Gesetzentwurf über die Reichskriegshäfen.
Das Abgeordnetenhaus hat nach mehrtägiger Pause seine Verhandlungen am Dienstag wieder ausgenommen. Im Gegensatz zu dem hochpolitischen Charakter der Debatten in vergangener Woche bewegten sich die Berathungen am Dienstag, wo das Haus in die zweite Lesung des Etats eintrat, auf rein sachlichem Gebiete. Zur Berathung gelangte zunächst der Specialetat der Forsten und Domainen und genehmigte das Haus sämmtliche Positionen bei dem Kap. „Einnahmen der Domainen- verwaltung". Desgleichen wurde ohne erhebliche Debatte das Ordinarium der Ausgaben der Domainenverwaltung und ebenso Einnahme und Ausgabe dis Eiats der Forstverwaltung, letztere mit einigen unwesentlichen Abänderungen, genehmigt. In seiner nächsten Sitzung am Donnerstag den 16. Februar setzte das Abgeordnetenhaus die zweite Berathung des Etats fort. — Die Kirchen-Commission des Abgeordnetenhauses setzte ihre Berathungen über die kirchenpolitische Vorlage mit großem Eifer fort und ist Aussicht vorhanden, daß die Vorlage auf" Grund eines Compromisses zwischen der Regierung und den Vertretern des Centrums und der Conservativen von der Commission angenommen wird.
Vor dem Landgericht zu Posen hat am 14. Februar der Socialistenprozeß gegen Mendelsohn und Genossen, wegen Raubes und Landfriedensbruches, begonnen. Die Angeklagten, welche durch vier der bedeutendsten Rechtsanwälte vertheidigt werden, erklärten sich für nichtschuldig.
Die Verstaatlichung der großen Privatbahnen in Preußen macht entschieden Fortschritte. Am Montag genehmigte die Eisenbahn-Commission des Abgeordnetenhauses, nachdem in derselben bereits in voriger Woche der Ankauf der Bergisch-Märkischen Bahn genehmigt worden war, auch die Vorlagen über den Ankauf der Thüringischen und der Berlin- Görlrtzer Bahn und am Dienstag desgleichen dre Vorlagen über den Ankauf der Cottbus-Großenhainer und der Märkisch-Posener Bahn. Es ist wahrscheinlich, daß auch das Plenum des Abgeordnetenhauses diesen Commissionsbeschlüssen beitreten wird.
(Oesterreich-Ungarn.) Die jüngsten Nachrichten vom Aufstande in Süd Dalmatien lassen die Hoffnung wachsen, den Aufstand in der Crivoscie bald bewältigt zu sehen. Die aufständischen Crivoscianer haben bei den Bewohnern der ihnen benachbarten Ortschaften nicht nur kein Entgegenkommen gefunden, sondern dieselben haben sogar Freiwil- ligen-Colonnen gegen die Crivoscianer gebildet, wozu ihnen die österreichische Regierung die Gewehre liefert. Dagegen läßt sich nicht läug- nen, daß sich der Aufstand in der Herzegowina auf ein immer größeres Gebiet erstreckt und sind in Folge dessen neue Dispositionen für die Truppen nothwendig geworden. Es ist auch eine Thatsache, daß die in den zahlreichen kleinen Gefechten, welche in den letzten Tagen an der herzegowimsch-montenegrinischen Grenze stattfanden, zersprengten Aufständischen in Montenegro bereitwilligst Unterschlupf gefunden haben, so daß die vielgerühmte Neutralität Mgânegro's in einem sehr zweifelhaften Lichte erscheint.
1882.
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(Frankreich.) Die französische Regierung hat durch die Ausweisung des russischen Flüchtlings und verkappten Nihilisten Peter Lav« roff aus Frankreich in ein Wespennest gestochen. Die gesammte französische intransigente und radikale Presse ist hierüber in hellem Zorn entbrannt und klagt das Cabinet de Freycinet der Tyrannei an, auch wird mit einer Interpellation über diese Angelegenheit in der Deputir- tenkammer gedroht. Nach Ansicht der Radikalen ist Lavroff ein höchst friedfertiger Bürger, der jeglicher politischen Action ferngeblieben sei, während doch Lavroff erwiesenermaßen ein höchst actives Werkzeug der russischen Nihilisten und deren Propaganda im Auslande bildete. Kein unparteiisch Urtheilender wird darum die französische Regierung tadeln, daß sie sich ein derartiges gefährliches Individuum vom Halse schaffte, indem sie ihm einfach das von demselben gemißbrauchte Gastrecht kündigte. Wie es heißt, hat sich Lavroff nach England begeben.
(England.) Im englischen Unterhause ist die Berathung über den ersten Gegenstand, welcher das Haus nach Eröffnung der Session beschäftigte, über die Antwort auf die Thronrede, am Dienstag zu Ende geführt worden. Nachdem ein von Mr. Carthy beantragtes Amendement mit 98 gegen 30 Stimmen abgelehnt worden war, wurde die Adresse selbst mit 87 gegen 22 Stimmen angenommen, wobei die Auszählung des Hauses erfolgte. Ferner erwiderte im Unterhause Unter- staatssekretär Dilke auf eine Anfrage Stanhope's, daß die vorgeschlagene russisch-persische Grenzlinie etwa 150 Meilen von der persisch turkmenischen Grenzstation Sarachs ende. Ob indessen die Russen sich an diese nur auf dem Papiere stehende Begrenzung ihrer Machtsphäre in Centralasien binden werden, ist mehr als zweifelhaft.
(Italien.) Die innere Politik Italiens concentrirt sich jetzt hauptsächlich auf die Debatten in der Deputirtenkammer über das neue Wahlgesetz. Den Mittelpunkt dieser Debatten bildet noch immer das Listenscrutinium, in welcher Frage die italienische Regierung jedoch mehr Glück hat als das weiland französische Cabinet Gambetta, denn die Deputirtenkammer genehmigte den vom Ausschüsse zu dem Entwurf über die Listenwahl beantragten Artikel, welchem die Regierung ihre Zustimmung ertheilt hatte. Nach demselben soll eine Vertretung der Minderheit nur in denjenigen Wahlkreisen anwendbar sein, welche je fünf Ab- geordneee entsenden, und zwar soll die Zahl dieser Wahlkreise mindestens 33 und höchstens 38 betragen. Zur Feststellung der Wahlkreise wird ein aus sechs Senatoren und sechs Abgeordneten bestehender Ausschuß unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten gebildet werden.
(Rußland.) Die Corruption in den höchsten russischen Beamten- kreisen nimmt nachgerade erschreckende Dimensionen an. Wie der russische „Regierungsbote" meldet, sind nun auch der General ouverneur von Orenburg, General der Artillerie Kryschano.wsky und der vortragende Geheimrath im Domänenministerium, Klimof, aus°"vorläufig noch geheim gehaltenen Gründen ihrer Aemter entlassen worden.
(Skandinavien.) Dem schwedischen kronprinzlichen Paare, das gegenwärtig auf einer Rundreise durch Norwegen begriffen ist, wurden besonders in der Hauptstadt Christiania die glänzendsten Ovationen dargebracht. Nam ntlich wurde die Kronprinzessin Victoria, die badische Fürstentochter, bei ihrem Erscheinen von der Bevölkerung überall mit den freudigsten Zurufen begrüßt.
(Orient) In der egyptischen Frage ist erfreulicherweise eine Annäherung der Westmächte an die übrigen Mächte zu konstatiren. England und Frankreich haben an diese eine Collectivnote gerichtet, in welcher sie ihre Haltung in den egyptischeu Angelegenheiten erläutern und den Wunsch anssprechen, sich hierüber mit den anderen Mächten zu verständigen. Die Note ist sehr freundlich gehalten und das Ergebniß eines am vorigen Sonnabend stattgesundeuen englischen Cabinetsratheè.
Tagesschau.
— Berlin, 16. Febr. Der Königliche Hof legt heute für Ihre Hoheit die Herzogin Anna Elisabeth Auguste Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin Die Trauer auf acht Tage an.
— B erlin, 16. Febr. In der heutigen (13 ) Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde die zweite Berathung des Staatshaushalts-Etats fortgesetzt und einige Etats genehmigt.
— Berlin, 15. Febr. Der Gesammtvorstand des Abgeordneten-