fanden volle Anerkennung des Publikums, welche nach jedem einzelnen Vortrag durch Applaudiren und Bravorufen zum Ausd.uck gelangte — eine Anerkennung, die sämmtliche Muwirkenven in vollem Maße ver- dienten. Das Fest schloß würdig mit einer „Herkules-Scene", wobei zwei jüngere Mitglieder der Turngemeinde als Clowns ausgezeichnetes leisteten. Den besten Beweis dafür, wie das Publikum von den Aufführungen befriedigt war, kann wohl der Umstand bezeugen, daß dasselbe ^aè reichhaltige und gutgewählte Programm nicht nur bis zu Ende mit größter Aufmerksamkeit anhörte, sondern später noch zum größten Theile bis in den Morgen hinein durch Tanz sich vergnügte. Möge es uns vergönnt sein, die uns so lieb gewordene dramatische Section in diesem Winter noch einmal hören und bewundern zu können.
X Langenselbold. Nächsten Sonntag den 19. d. Mts. beabsichtigt der Schleuch er'sche Jugendgesangverein im Saale zum „weißen Roß" (Bauscher'sche Liegenschaft) dahier einen melodramatischen Abend zu veranstalten. Wie aus dem uns vorliegenden Programm ersichtlich steht ein amüsanter Abend zu erwarten und wollen wir daher nicht verfehlen Freunde einer heiteren Muse darauf aufmerksam zu machen.
Wer will lachen sich im Leben pudelnärrisch, sich erfreu'n, Ja der komm' zu uns herein.
Denn bei uns da ist's gut sein,
Denn wir jungen Burschen sind ein kreuzfideles helles Chor
Vivat hoch, es lebe der Humor!
— Bocken heim, 14. Febr. Bettler und Obdachlose werden jetzt mehr denn jemals hier verhaftet. Bei einer polizeilichen Streife an einem der letzten Abende wurde nach dem „B. A." ein ganzer Transport solcher Personen, welche Tags über besonders in Frankfurt und hier ihr Wesen getrieben, sich aber Abends bis zum hiesigen Gerichtsgebiet, in verlassene Ziegeleien, Brückenbögen rc. zurückgezogen hatten, hierher ins Gefängniß gebracht.
— Allendorf, 8. Febr. Bekanntlich ist das Wiegen und der Verkauf des Tabaks in hiesiger Stadt vorige Woche vorgenommen und beendet worden. Die Preise erreichten nicht die Höhe wie in den früheren Jahren, denn für den Centner Tabak wurden nur 22—24 Mark (ohne Steuer) gezahlt. Hier und in den nächst gelegenen Dörfern Wahlhausen, Ellershausen und Kleinbach sind ca. 1460 Centner Tabak geerntet, wofür etwa 34 000 Mk. gelöst und 17 480 Mk. an Steuern bezahlt wurden. (W.-B.)
— Wabern, 9. Febr. Die Zuckerfabrik hat ihre Rübenvorräthe nunmehr total aufgearbeitet und ist die „Campagne" für dieses Jahr geschlossen. Als Zuckerkönig, d. h. als Lieferant der meisten Rüben, ist Herr Oberamtmann Spötter, Mittelhof, zu betrachten.
— Frankenberg, 13. Febr. Die in Folge des Wiener Thea- terbrandes gesammelten Geldsummen sind ganz enorm, wofür folgendes Beispiel spricht: Eine Familie auf einem Doffe in der Nähe unserer Stadt hatte die Absicht, ein durch den Brand des Ringtheaters verwaistes Kind anzunehmen. Dieselben wandten sich dieserhalb nach Wien, von wo ihnen dann die Nachricht wurde, daß die Sammiu igen für die Hinterbliebenen ein so reiches Resultat ergeben hätten, daß man fast in Verlegenheit gekommen sei, wie das Geld verwendet werden sollte. Ein jedes der verwaisten 46 Kinder erhält 10 000 Gulden (17 000 Mirk). Aus diesem Grunde wird jedes Anerbieten in Betreff der unentgeltlichen Aufnahme eines dieser verwaisten Kinder zurückgewiesen.
— Hersfeld, 13 Februar Der Verein gegen Verarmung und Bettelei hat in der Zeit vom 7 Januar 1’82 bis 1. Februar 1882 an Handwerksburschen 155 Marken für Nachtquartier â 20 Pf. = 31 Mk., und 98 Marken für Sp äsen â 20 Pf. = 19 Mk. 60 Pfg., zusammen 50 Mk. 60 Pf. verausgabt.
Bus der NMgkMKÄ-
— Frankfurt a. M., 14. Februar. Durch den diesjährigen gelinden Minier kam das Baugeschäft fast nicht zur Ruhe und sind in Folge dessen einzelne Baumaterialien vollständig aufgebraucht worden. Es gilt dies insbesondere von den gewöhnlichen im Feldbrand herge- steütiN Russensteinen, welche absolut uicht z i haben sind, während die in Ringöfen gebrannten Backsteine von 20 auf 25 Mark per Tausend gestiegen sind. — Gegen einen Wucherer, welcher in der Regel als Minimum 40 Prozent nahm, ist Anzeige erfolgt. — Durch Sammlung unter hier lebenden katholischen Dienstmädchen wurden im v. I. 305 M. 50 Pf. als Peterspfennig, für den hl. Vater aufgebracht, eingesandt. — Herr Commandant Ranft hat provisorisch die Funktion des suèpeudirten Herrn Branddirektors Aßmann übernommen. — Ein junger Franzose R . . . wurde vorige Woche bei seinem nächtlichen Nachqausegehen in der Sömmeringstraße von zwei Strolchen angepackt und lorderlen sie ihm Geld und Uhr ab. Dazu zeigte er sich nicht willig und kam es in Folge dessen zu einer Rauferei, in welcher er neben anderen Verletzungen auch einen Stich in den Arm eroielt Als Hülfe kam, entsprangen die Kerle in der Richtung nach dem Kirchhof. Wie wir vernehmen, soll es der Polizei gelungen sein, die Strolche zu ermitteln. Der junge Mensch hatte sich durch Boxen so meisterhaft gewehrt, daß die beiden
! Strauchdiebe, obschon sie den Angefallenen einmal zu Boden gerissen . hatten, doch nicht dazu gelangen konnten, ihn zu berauben. (G.-A.)
— Unter den Schülern der Adlersthchtschule soll sich eine eigenthümliche Krankheit zeigen. Die Kinder sollen nämlich an den Händen und Kniegelenken Knollen bekommen, welche sich öffnen, woraus ein großer Ausschlag an die Stelle tritt. „Pemphyguè" wird uns diese Krankheit, welche auch tödtlich verlausen kann, genannt. In der Schule sind sämmtliche Turngeräthe und Alles, womit die Kinder in Berührung kommen, desinfizirt worden. — Das Physikat ist mit der Untersuchung des Falles betraut worden, und hat sich Herr Physikus Dr. Kloos heute in die Adlersthchtschule begeben. (Fr. Ztg.)
— Die Angelegenheit der Main k analis ati sn wird in allernächster Zeit von Preußen zur Entscheidung vor den Bundesrath gebracht werden, nachdem alle Versuche, ein gütliches Uebereinkoinmen mit Hessen Darmstadt zu treffen, erfolglos geblieben sind.
— Mainz, 13. Febr. Kommenden Mittwoch findet gegenüber dem Bezirksschulhaus auf der Gartenfront an einer alten Baracke, deren Hslzwerk durch Anstrich mit Wasserglas feuerfest gemacht worden ist, in Anwesenheit von Sachverständigen, der Mitglieder der Bau- und Theater- Commission, sowie der Feuerwehrdeputation Verbrennungsversuche statt. Bei günstigem Ausfälle derselben soll das Hslzwerk auf der Bühne durch derartige Substanzen gegen Feuersgefahr geschützt werden.
— Gießen, 14. Febr. Heute Morgen gelang es, eine der Diebinnen, welche seither die Kleider der Schülerinnen der höheren Töchterschule vlsitirten und daraus alles Mögliche mitgehen hießen auf der Thal zu ertappen und zwar in der Person des Dienstmädchens vom Schuldtener. Die Vermuthung hatte sich also bestätigt, daß die Diebin im Hause selbst zu suchen sei. Bei der Visitation fanden sich Federmesser, Hutnadeln, Halstüchelchen, Frühstück u. s. w. vor. Die Diebin wurde in Haft behalten. (G. A.)
Thermometer st and.
14. Februar. Höchster Stand + 8°, Abends 7 Uhr + 6V2°;
15. Februar. Morgens 7 Uhr + 7°, Vormittags 10 Uhr + 71/2°.
Die Samoa-Jnseln.
Fortsetzung aus Nr. 36.
3 Tage darauf wurde noch einmal Urlaub gegeben, um einen Besuch auf dem Lande zu machen. Die Gesellschaft, aus 6 Personen bestehend, trank zuerst im Jnternational-Hotel einen Brandy mit Sodawasser, wechselte daselbst das große Geld und zog Erkundigung nach Pferden e'n, da die Reitpartien für die Seeleute große Anziehungskraft haben. Wir wurden an John Upolu, einen Kanaker, verwiesen, der heute Mittag an Bord gewesen war, und den ich kannte. Unterwegs trafen wir ihn uno fragten ihn nach Pferden. Sogleich wollte er mir das seinige geben und von anderen Kanakern für die Uebrigen noch Pferde besorgen. Ich gehe mit in seine Wohnung, wo er sofort das Pferd sattelte, während ich meinen Fächer abgab. Das Zaumzeug bestand aus 2 Stricken, von denen der eine aus Cocosgeflecht und der andere, etwas länger, eine grüne nicht sehr dicke Kordel war, die sich aber nicht fest genug erwies. Nachdem wir alle beritten waren, ging es zuerst im Trab und Galopp am Strande auf und ab, ohne daß einer vom Pferde herabgefallen wäre. Dann ritten wir in den Wald hinein ohne Zweck und Ziel. Der Weg war breit und anfangs eben, weshalb wir im schlankem Galopp in südlicher Richtung losritten. Nach etwa 3/t Stunden bogen wir nach links ab und kamen nun in eine Gegend mit dichterem Holz. Der Wald hatte einen wundervollen Duft, und war die Verschiedenheit von den deutschen Wäldern zu groß. Hier standen die schönsten Palmen, riesige Blattpflanzen, Schlinggewächse, Apfelsinen- und Brodfruchtbäume bunt durcheinander. Das war für uns, ach, ein so langenibehrter und darum so herrlicher Genuß, besonders auch, weil wir nicht im Schweiße unseres Angesichts zu Fuß zu gehen brauchten. Von dem Reize der Gegend angezogen, ritten wir schließlich ganz langsam, nur um alles recht schön betrachten zu können. Bald wurde unser Weg durch einen Fluß, den Vas ig an 0, gekreuzt, der hier gerade einen Wasserfall bildete, oberhalb dessen es aber so flach war, daß wir bequem durchreiten konnten. Dann ging es wieder flott weiter, obwohl unser Weg nur ein schmaler Fußpfad war, und kamen wir bald auf einen breiten Weg, der über eine Anhöhe führte. Auf dieser augekommen, sahen wir vor uns ein weißes Hans durch die Büsche schimmern und ritten nun in rasendem Galopp um die Wette darauf los. Es war die deutsche Plantage von Godefroy. Auf der Veranda des Wohnhauses stand ein Herr in sehr leichter japanesischer Kleidung, der uns knutsch anredete und einlud in sein Haus zu kommen. Wir ließen uns dies nicht zweimal sagen, sprangen von den Pferden und banden sie an die Pfosten der Veranda, wo sie aber nicht lange blieben. Denn eins riß sich los und schlug 'die andern, so daß eine heillose Verwirrung entstand, in Folge dessen wir unsere Pferde losbanden, und frei umherlaufen ließen, wo sie dann ruhig in der Nähe des Hauses graßten. In der Stube, die sehr hell und luftig war, stand ein Sopha, Tisch und Stühle, und sah es in dem Zimmer ganz gemüthlich aus. Der Herr hieß Keßler und bewirthschaftete die Plantage, Er war früher Kapi-