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Nr. 34. Donnerstag den 9. Februar 1882.

Amtliches.

Gefunden: Eine Peitsche.

Entlaufen: Ein dunkelbrauner dänischer Doggenhund.

Entflogen: Drei Tauben, eine englisch rothe und zwei weiße f. g. Brünner.

Hanau am 9. Februar 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau.

Berlin, 8. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König nähmen heute den Vortrag des Geheimen Civilkabinets entgegen und empfingen den Obersten von Sobbe, Chef des Generalstabs VIII. Armee- Corps.

Berlin. Die zweitägigen Debatten des Abg.-Hauses über die verschiedenen Eisenbahnvorlagcn haben bewiesen, daß der Sieg des Staatsbahnsystems in Preußen endgiltig eiftchieden ist, wenn man daran nach den Elsenbahnerwerbungen von 1879/80 überhaupt noch zweifeln konnte. Zu der alten Mehrheit wird sich voraussichtlich jetzt auch noch der größte Theil des Zentrums gesellen. Bereits hat der Minister Maybach angekündigt, daß alle Aussicht vorhanden ist, demnächst auch den Erwerb der Anhalter Bahn vorzuschlagen, und es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß von einer baldigen Schlußreihe von Erwer­bungen der ganze noch rückständige Rest au Privatbahneu vom Staate in Besitz genommen werden wird. Wenn die Gegner des Staatsersen­bahnsystems mit finanziell-wirthschasttichen Einwendungen wenig auszu­richten vermochten, so hoben sie die große politische Prinz'pienfrage von 'wi übermächtig-« Stellung der Regierung, von der gewaltigen Verstär­kung der Bureaukratie, von der Schmälerung des Budgeirechtc der Volksvertretung u. s. w. hervor. Ein Redner verstieg sich sogar zu der Bemerkung, wir seien auf dem Wege vom Polizeistaat zum Rechtsstaat in die Irre gegangen und würden zum Eisenbahnstaat gelangen. Daß der Staat und auch die jeweilige Regierung durch den Besitz der Eisen bahnen eine Verstärkung ihrer Macht erhalten, ist nicht in Abrede zu stellen. Allein den Staat zu stärken, ist doch keine Preisgebuug liberaler Grundsätze, und eine große als nothwendig erkannte wirthschastliche Re­form zu unterlassen, weil Einem die gegenwärtige Regierung kein volles Vertrauen einflößt, kann doch auch nicht als der richtige Standpunkt be­zeichnet werden. Man vergesse doch nicht, daß in nicht aUzuserner Zeit die großen Nachbarstaaten in den Besitz der Eisenbahnen gelangen wer­den, daß in den süddeutschen Staaten von jeher das Staatsbahnsystem herrschte, ohne daß der allmächtige bureaukratische Elsenbahnstaat alle konstitutionellen Rechte verschlungen hätte oder zu verschlingen drohte. Der Eisenbahnminister hat ganz Recht, wenn er behauptete, nach 50 Jahren würde kein Mensch mehr begreifen, daß es je einen Zustand ge­geben, Wo dieses Verkehrsmittel sich nicht in den Händen des Staates befunden, und es würde ebensowenig Jemanden einfallen, an dem Staals- bahnsystem zu rütteln, wie es heutzutage Jemand an dem Post oder Telegraphenregal thut. (Schw. Merk)

Berlin, 4. Febr. Präsident v. Köller eröffnet die 10 Sitzung des Abgeordnetenhauses um 11 Vt Uhr mit geschäftlichen Miitheilungen. Das Haus setzt die gestern unterbrochene erste Berath -ng ber kirchen­politischen Vorlage fort. Dr Virchow ist gegen die Vorlage, weil sie die Machtvollkommenheiten der Regierung den Religionsgesellschaften gegenüber verstärken will, Welchem Verlangen die Fortschrittspartei nicht nachgeben könne, v. Meyer (Arnswalde) plaidirt für die Vorlage; die Ablehnung derselben würde eine strenge Handhabung der Maigesetze er­forderlich machen. Dr. Gneist erklärt die Bereitwilligkeit seiner Partei zur Beseitigung der Härten der Maigesttze und empfiehlt die Vorbera- thung der Vorlage durch eine Commission von 21 Mitgliedern. Strosser für die Vorlage. Richter gegen die Vorlage, als deren Kernpunkt er die Absicht des Reichskanzlers bezeichnet, im katholischen Lager Gefolg­schaft für eine parlamentarische Mehrheit zur Durchdringung aller seiner jetzigen und künstigen Projekte zu gewinnen. Redner ist für eine Re­vision der Maigesetze, soweit sie die Autorität des Staates unberührt läßt. Nachdem noch die Abgg. v. Liebermann, Kantak, Windthorst, so­

wie Kultusminister Goßler zur Sache gesprochen, geht die Vorlage an eine Commission von 21 Mitglieder. (K. Z)

Wie dieGermania" hört, ist dem Damcapitel zu Breslau ein päpstliches Breve zugegangen, in welchem d r Papst die Haltung des Capitels belobt und den Verzicht desselben aus die Wahl eines Fürst­bischofs annimmt.

Karlsruhe, 7. Febr. Nach dem heutigen Bulletin über das Befinden des Großherzogs ist der Zustand der entzündeten Augen nicht unbefriedigend, jedoch dauert, die nervöse Schlaflosigkeit fort, woraus die zögernde Kräftigung mb Erholung zu erklären ist.

Wien, 7. Febr. (KZ) Gegenüber zahlreichen in Umlauf befindlichen beunruhigenden Nachrichten über eine angeblich bevorstehende größere Mobilmachung versichert man auf dem Auswärtigen Amte mit vollster Bestimmtheit,daran werde nicht gedacht". Die Beziehungen zur russischen Regierung schlössen j be Bfforgmß zunächst aus. Ich ge­winne indessen trotzdem aus z hlreichen persönlichen Andeutungen durch­aus unterrichteter Personen die Ueberzeugung, daß man hier nicht ohne Besorgniß ist. Namentlich befurchtet man zunächst den Sturz des deutsch­freundlich n Leiters des russischen Auswärtigen Amtes, des Herrn v. Giers. Daß die Verbindung der in Ostgalizien verhafteten Nuthenen mit dem russischen Slawencomito den Zweck hatte, die Bevölkerung von Oesterreich abzuwenden und Rußland näher zu bringen, soll durch die Untersuchung bereits festqesteüt sein. Die hiesige Regierung erwartet von den bisherigen raschen Verhaftungen der Rädelsführer d:e völlige Erstickung der B.wezung Der Ernst der Lage ist jedoch nicht zu unter­schützen.

W ie n, 8. Febr. Amtlich wird aus Serajewo vom 7. d. M. gemeldet: Ban Susj-sno und Karaula Humic aus veranlaßte General Obadich in Foca kurze Offensivstöße gegen die Insurgenten. Der Geg­ner wich beiden Kwonnen aus, nur im Laufe des Nachmittags kam es zwischen einer Abtheilung Insurgenten und der linken Flankenkolonne bei Suèjesno zu einem Feuergefecht, bei welchem 3 Mann verwundet wur­den. Auch bei Humic fand erst gegen Abend ein Geplänkel statt. Das offensive Vorgehen wird fortgesetzt.

Wien, 8. Febr. (K. Z.) Nachdem es den Bemühungen Hohenwarts gelungen, die clericalen Gegner des Petroleumgesetzes zur Annahme oder Stimmenthaltung zu bewegen, wurde der Regierungsent­wurf in namentlicher A stimmung mit 157 Stimmen gegen 145 zur Grundlage der besonderen Berathung genommen. Die Ministerkrise ist beseitigt.

Unter denen, welche durch den Sturz der Bontoux'schen Bank ihr Vermögen verlieren, sollen sich auch die Pariser Jesuiten befinden. Nach ihrer Ausweisung verkauften sie ytm Schein ihre liegenden Besitz- thümer an Riant, der M tglied des Verwaltungsraths der Union ist. Wenn Riant verantwortlich erklärt wird, so werden die Jesuiten ihre Millionen verrie-en. Auch viele andere ausgewiesene Ordensgen ein- schasten sind gefährdet; sie hatten 100 Millionen auf ihre Besitzthümer ausgenommen und dieselben in der Union Gönarale angelegt, wo sie jetzt mcfjt mehr vw Handen sind. Die gegen Bontoux und Feder von dem Untersuchungsrichter erhobene Anschuldigung lautet aus Betrug, Ber- trauensm ß-wauch und VeN'öße g^gen das Gesitz von 1867. betreffend die Handelsgesellschaften. Die beiden Finanzmänner verwahrten sich sehr entschieden g^g n die ersten beiden ânktagepunkte; den dritten gaben sie zu, bemerkt-n aber, daß fast alle Aetiengesellschaften sich ähnliche Ver­stöße zu Schulden kommen li feen, ohne daß sie deshalb je zur Verant­wortung gezogen worden wären. (Sttèb. Ztg.)

Paris, 7 Febr. Der Untersuchungsrichter begann heute die Vernehmung der Verwaltungèräthe der Union générale, Riant und Broglie (Sohn); morgen soll die Vernehmung zweier anderer Verwal­tungsräthe erfo gen. Das JournalLe Fran^aiè" schreibt: die Prü- sung der Bontoux vorgeworfenen Thatsachen habe den Untersuchungs­richter dahin geführt, die Frage der vorläufigen Haftentlassung Bontoux in Erwägung zu ziehen. Die Abendblätter bestätigen, daß der ge­richtliche Liquidator die Einzahlung der noch restirenden 375 Frcs. auf die Aktien der Union gonorale fordern werde.

Paris, 8. Februar. Lefebvre de Böhaine wird auf sein Er-