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Nr. 32.

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G efunden: Am 4. d. Mts. auf dem Wege von Rückingen bis Langenselbold eine s. g. Sturmlaterne. Ein goldener Zwicker. Ein kleiner katholischer Katechismus. Ein Paar Schlittschuhe.

Hanau am 7. Februar 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser ertheilte im Laufe der vergangenen Woche eine Reihe von Audienzen und nahm außerdem zahlreiche Vorträge entgegen. Der Kaiser zeigte sich hierbei ungemein rüstig, wie er denn auch dem am Donnerstag stattgesundenen Bälle im Königlichen Schlosse, der ersten größeren diesjährigen Ballfestlichkeit am Berliner Hofe, bis über Mitternacht hinaus ohne ein Zeichen von Er­müdung beizuwohnen vermochte.

Trotz des Anfang voriger Woche erfolgten Schlusses der Reichs- tagssessisn ist in unserem parlamentarischen Leben keine Ruhepause ein- getreten, da das Abgeordnetenhaus unmittelbar nach dem Schluffe des Reichstages seine Sitzungen wieder ausgenommen hat und auch die Land­tage verschiedener anderer Bundesstaaten, wie die von Bayern, Sachsen und Baden werden voraussich stich noch längere Zeit in Thätigkeit blei­ben. Namentlich sind es die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses, welche schon wegen der dem Hause zugegaugenen Vorlagen das allgemeine Interesse in Anspruch nahmen. Das Abgeordnetenhaus erledigte im Laufe der vergangenen Woche die erste Lesung des Etats. Ferner ver­wies das Haus am Freitag die Vorlage über den Ankauf der Thüringi­schen, der Bergisch-Märkischen u. s. w. Eisenbahn in erster Lesung nach lebhafter Debatte an eine einundzwanziggliedrige Commission. Am Sonnabend gelangte zunächst die Vorlage wegen der neuen Sekundär- bahnen und sonstigen Eisenbahnbauten zur Berathung, welche Vorlagen nach längerer Diskussion an die verstärkte Budgetksmmission verwiesen wurden. Die hierauf folgende erste Berathung der beiden Garantievor- lagen ging ohne Debatte vorüber und schließlich wurde der @. setzentwurs betreffend die Eisenbahnräthe an eine Csmmission überwiesen. Am Dienstag tritt das Haus in die erste Berathung der kirchenpolitischen Vorlage ein.

DerReichs-Anzeiger" veröffentlicht das Preisausschreiben, be­treffend die Errichtung des Reichstagsgebäudes. Auf Grund der Be­dingungen der Konkurrenz sind die deutschen Architekten eingeladen, sich an der Konkurrenz zu betheiligen. Programm und Bedingungen werden den Architekten, welche sich betheiligen wollen, auf schriftlichen Wunsch von dem Bureau des Reichsamtes des Innern übersandt werden.

Die so viel Aufsehen erregende Angelegenheit des preußischen Kam- merrathcs Berling gegen den früheren Landrath in Lauenburg, v. Ben- nigsen-Förder, ist durch die Vermittelung des Reichstags Abgevrdneten Rudolf v. Bennigsen beigelegt worden. Herr v. Bennigsen Förder hat sich zu einer öffentlichen Ehrenerklärung für Herrn Berling bereit erklärt.

In Sachsen vollzieht sich in aller Stille ein Ministerwechsel oder sagen wir vielmehr ein Austausch von Ministerpsrtefeuilles. Durch den Tod des Staats- und Hauèministers Dr. v. Falkenstein ist dieser Posten erledigt worden. Die verschiedensten Candidaten wurden für diesen viel- umworbenen Ruhepssten genannt, indessen haben sich alle Vermmhungen und Combinationen als unrichtig erwiesen, indem König Albert den Minister des Innern und des Auswärtigen, v. Nostiz-Wallwitz, zum Nacbfolger Falkenstein's designirt hat, unter Entbindung desselben vom Portefeuille des Auswärtigen, welches dem Premier und Kriegsminister v. Fabrice übertragen werden soll. Die jüngste Anwesenheit des Letz­teren in Berlin und seine Conferenzen mit dem Fürsten Bismarck wer­den mit dieser Angelegenheit in Verbindung gebracht. Die sächsische erste Kammer verhandelte am Sonnabend über das Dekret der Regierung, den Bau neuer Eisenbahnen betreffend. Nach langer Debatte wurde die Linie Döbeln-Mügeln Oschatz genehmigt. Am Montag stand die Beschluß- fassung über die anderen Bahnen auf der Tagesordnung.

^(O esterre i ch - Un g um.) In Oesterreich nahmen in vergange­ner Woche die Verhandlungen der österreichischen und der ungarischen Delegation in Wien über die Lage in den aufständischen Birken das Hauptinteresse in Anspruch. Die Erklärungen, w-lche die Regierungs­vertreter in beiden Delegationen gaben, haben indessen so gut wie gar

Dienstag den 7. Februar

1882.

nicht befriedigt, denn sie lassen nach wie vor in Zweifel, ob sich die österreichische Regierung über die Ursachen des Ausstandes wirklich klar ist. Anzuerkennen ist aber wenigstens daß der Reichskriegsminister, Herr v. Bylandt, zugegeben hat, wenn auch nur indirekt, daß der Aufstand auch nach der Herzegowina und sogar nach Bosnien hinübergreift, hoffentlich ein Anzeichen dafür, daß in Wien das System der amtlichen Schönfärberei bald aufgeqeben werden wird.

(Frankreich.) Obwohl das neue französische Cabinet de Frey- cinet erst wenige Tage alt ist, so läßt sich doch schon jetzt behaupten, daß dasselbe auf solideren Grundlagen basirt, als sei Vorgänger. Die hauptsächlichsten Stützen des Cabinets, der Ministerpräsident de Freycinet, der Finsnzminister Leon Say und der Uuterrichtsminister Ferry sind Männer, welche nicht nur bei den gemäßigten Republikanern in höchstem Ansehen stehen, sondern sich auch bei ihren politischen Gegnern der größten Achtung erfreuen. Auch ist der erste und günstige Eindruck, den schon die Zusammensetzung des Ministeriums de Freycinet in Frank­reich wie im Auslande hervorgerufen hat, durch die ministerielle Erklä­rung in der französischen Deputirtenkammer noch vermehrt worden. Kenre tönenden Deklamationen, noch pomphafte Versprechungen, vielmehr eine einfache Aufzählung Praktischer Reformen und ein Appell an den guten Willen der Kammern, das war die Sprache des Cabinets. Diese Erklärungen sind denn von der Kammer auch sehr beifällig ausgenommen worden und scheint man in Frankreich zu der Erkenntniß gekommen zu sein, daß ein nützliches und arbeitsames Ministerium besser ist als ein phrasenhaftesgroßes Ministerium" â la Gambelta.

(En gl a n d.) In England begeistert man sich plötzlich für die Sache der verfolgten russischen Juden, wie die von der Versammlung in Mansiou House gefaßten Resolutionen beweisen. Ganz richtig wird in­dessen von den russischen Blättern bemerkt, daß die Engländer dkch erst vor ihrer eigenen Thür in Irland kehren möchten; in der That sind die Zustände in Irland nach wie vor derart, daß bis zur offenen Empörung ein gerade nicht zu weiter Schritt ist, doch gibt man sich in England der Hoffnung hin, daß das Parlamrt der Regierung erlauben werde, dem­nächst energisch in Irland vorzugehen.

(Rußland.) Die russische Regierung fühlt offenbar das Be­dürfniß, den faux pas, welchen Genervt Skvbeleff beging, indem er seine bekannte Brandrede vom Stapel ließ, nach Möglichkeit zu korrigiren. Nach einer Meldung desPester Lloyd" hat der provisorische Leiter des russischen auswärtigen Amtes, Staatsrath Giers, in spontaner Weise dem österreichischen Minister des Auswärtigen, Grafen Kaluoky, sein Bedauern über General Skobeleff's Toastrede ausdrücken lassen. Es ist dies allerdings loyal von der russischen Regierung gehandelt, aber an der Thatsache, daß Skobeleff's Worte in Rußland und aus der Balkan­halbinsel vernommen und wohl verstanden worden sind, ändert diese officielle Entschuldigung nichts.

(Türkei.) Die drei Kaiserreiche haben im Verein mit Italien in Konstantinopel einen Schritt unternommen, der sich entschieden gegen die englisch französischen Bestrebungen in Egypten richtet. Der russische Botschafter in Ksustantinopel hat im Auftrage seiner Regierung der Pforte erklärt, daß Rußland die Aufrechterhaltung des Status quo in Egypten auf der Grundlage der europäischen Arrangements und der Firmane der Sultane wünsche und der Anschauung sei, daß der Status quo nur durch ein Einvernehmen zwischen den Großmächten und der souveränen Macht (der Türkei) geändert werden könne. Von den Re­gierungen von Diutschland, Oesterreich Ungarn und Italien ist eine gleichlautende Mitiheilung an die Pforte gemacht worden.

(Egypten) Die durch den Rücktritt des egyptischen Minister­präsidenten Scherif Pascha in Kairo hervsrgerufene Ministerkrisis ist bereits wieder beseitigt. Das neue Ministerium ist wie folgt gebildet: Mahmud Pascha Präsidium und Inneres, Araby Bey Kriegsministerium, Mahmud Bey Arbeiten, Abdallah Pascha Unterricht, Fabry Auswärtiges und Fehmi Pascha Justiz.

(Rumänien.) Im rumänischen Cabinet sind einige Verände­rungen eingetreten. Der Ministerpräsident Brstiano übernimmt die Finanzen, General Augekescu das Kriegsministerium, Chitzu das Justiz- ministerium und Georg Lacca das Innere.

T a ff e Ä s ch a n. ~

Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs an Stelle