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Nr. 29.

IlizSiM

Freitag den 3. Februar

1882.

Amtliches.

Philipp Weilbrunn in Preungesheim wurde als Sachverstän­diger zur mikroskopischen Untersuchung des Schweinefleisches auf Tri­chinen für genannte Gemeinde widerruflich bestellt.

Hanau am 26. Januar 1882.

Johannes Schaack zu Großkrotzenburg beabsichtigt die Anlage einer Schlächterei in seiner an der Hanauer Straße gelegenen Hofraithe Karte N. Nr. 326 (Brandversicherung Nummer 100).

Unter Bezugnahme auf §. 16 der Gewerbe-Ordnung vom 21. Juni 1869 wird dies mit dem Anfügen zur allgemeinen Kenntniß ge­bracht, daß die Pläne und Beschreibungen des Projektes 14 Tage lang zur Einsicht hier offen liegen, woselbst Einwendungen gegen die Anlage binnen gleicher Frist bei Meidung der Ausschließung vorzubringen sind.

Hanau am 27. Januar 1882.

Bei der katholischen Schule in Großauheim soll eine sechste Stelle errichtet und mit einer geprüften Lehrerin besetzt werden, welche zugleich den gesammten Unterricht in den weiblichen Handarbeiten zu ertheilen haben würde.

Das Einkommen beträgt 750 Mark pro Jahr neben freier Woh­nung bezw. entsprechender Wohnungsentschädigung und 90 Mark jähr­lich für Feuerung.

Bewerberinnen werden zur Einreichung ihrer Meldungsgesuche dahier oder bei dem Herrn Krcisschulinspektor Sermond zu Fulda aufgefordert.

Hanau am 27. Januar 1882.

Der Landrath.

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Mit dem am vergangenen Montag erfolgten Schluß des Reichstages liegt wiederum ein Abschnitt in der parlamentarischen Geschichte des Reiches hinter uns. Das Charakteri­stische sür die abgelaufene Session war das Fehlen einer zuverlässigen Regierungsmehrheit, wie solche in den früheren Sessionen mehr oder weniger scharf ausgeprägt vorhanden war, und wenn trotzdem fast sämmt­liche Regierungsvorlagen mit zum Theil nicht unbedeutenden Majoritäten angenommen worden sind, so lag dies daran, daß auch die Mehrzahl der Reichsboten, trotz der trennenden Partei-Unterschiede, die Nothwendig­keit dieser Vorlagen anerkannte. So wurden denn von wichtigeren Ge­setzentwürfen angenommen diejenigen über den Hamburger Zollanschluß, die Bernfsstatistii und über die Errichtung eines Reichstagsgebäudes (letzterer in Form einesAntrages" des Bundesrath,s), ferner wurde der Etat, mit Ausnahme einiger Abstriche, genehmigt ; definitiv abgelehnt wurde nur der Volkswirthschastsrath. Die Regierung wie das Land können also mit den Ergebnissen der abgelaufenenen Session im Allge­meinen zufrieden sein, indessen kann man dieselbe gewissermaßen nur als ein Vorspiel zu den großen dramatischen Scenen betrachten, welche sich im nächsten Reichstag anläßlich der Berathung über die verschiedenen socialpolitischen Vorlagen und über das Tabaksmonopol ohne Zweifel abspielen werden und cs wird daher erst die nächste Reichstagssession von weitgehendstem Einflüsse auf die künftige Gestaltung unserer inneren Verhältnisse sein.

Der Bundesrath hielt am Montag eine Plenarsitzung ab, in wel­cher er verschiedene Beschlüsse des Reichstages entgegennahm, außerdem Wuide ein Antrag Sachsens auf Abänderung des §. 153 des Reichs­strafgesetzbuches (über wissentlichen Falscheid) dem zuständigen Ausschüsse überwiesen.

Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich am Montag und Dienstag lediglich mit der ersten Lesung des Etats und wurde dieselbe am letzt- genanntm Tage erledigt, ferner verwies das Abgeordnetenhaus nach dem Anträge 9. Benda's einige Etatstheile, darunter das Extraordinarium im Eismbahnetat, an die Budgetkommission und beschloß, letztere für den Eisenbahnetat um sieben Mitglieder zu verstärken. Am Mittwoch erle­digte das Haus verschiedene kleinere Vorlagen.

Die schon früher angekündigte Ceremonie der Ueberreichung des

englischen Hosenbandordens an König Albert von Sachsen soll nunmehr am 7. Februar stattfinden und wird die den Orden überbringende außer­ordentliche englische Gesandtschaft in der Nacht vom nächsten Sonnabend zum Sonntag in Dresden erwartet. Ob der deutsche Kronprinz und dess n ältester Sohn, Prinz Wilhelm von Preußen, welche bereits Ritter des Hosenbandordens sind, der Ceremonie beiwohnen werden, steht noch dahin.

(Oesterreich-Ungarn.) Die Lage im Süden der österreichi­schen Monarchie ist noch immer für die österreichische Regierung eine ernste. Die Jnsurgentenhaufen schließen sich immer enger aneinander und treten in zunehmender Stärke auf. In der Nähe des Dormitor- berges sollen sogar 15 000 Insurgenten concentrirt fein, welche beabsich­tigen, Vorstöße nach Trebinje und Mostar zu unternehmen, wodurch die österreichischen Verbindungslinien nach dem Hinterlsnde ernstlich gesährdet erscheinen. Sonst wird von verschiedenen kleineren Zusammenstößen be­richtet, welche in den letzten Tagen zwischen den Oesterreichern und den Aufständischen stattgesunden haben, so bei Zimje, ferner auf dem rechten Ufer der Narenta und auf den Höhen von Svorcan, wobei die Insur­genten, wenn man den officiellen Wiener Berichten trauen darf, überall zurückgeworfen wurden und namhafte Verluste erlitten.

(Frankreich.) Die Zusammensetzung des neuen französischen Cabinets dürste jetzt zwar allgemein bekannt sein, da sich aber in ein­zelnen Ressorts noch verschiedene Veränderungen vollzogen haben, so er­scheint es der Vollständigkeit halber für sngezeigt, die Namen der neuen Minister zu wiederholen: de Freycinet Präsidium und Auswärtiges, Leon Say Finanzen, Ferry Unterricht, Billot Krieg, Humbert Justiz, Tirard Handel, Goblet Cultus und Inneres, Jauröguiberry Marine, Varroy öffentliche Arbeiten, Cochory Posten, de Mnhy Lsndwirthschaft. DasJournal officiell" hat bereits die Bildung des neuen Cabinets veröffentlicht, so daß man obige Liste als definitiv betrachten kann; auch die Ernennung der neuen Unterstaatssekretaire für die verschiedenen Res­sorts ist schon erfolgt. Das neue Ministerium Freycinet Ferry Say wird im Allgemeinen sowohl in Frankreich wie im Auslande günstig ausgenommen, denn die Namen dieser drei bedeutendsten Mitglieder des französischen Cabinets bürgen für eine friedliche Politik desselben. Das Cabinet de Freycinet wird wahrscheinlich alle politischen und wirthschaft- lichen Reformen vertagen und namentlich dürste einer der ersten Regie- rungsskte desselben in der Einbringung eines Antrages in der Kammer auf Vertagung des Verfassungsrevisionsprojektes bestehen und man hofft, daß die große Mehrheit der Deputirtenkammer diesem Antrag beistimmen werde. In Calais sind durch das Platzen eines 500 000 Liter hal­tenden Wasserreservoirs drei Häuser unter Wasser gesetzt worden, wobei, soweit bis jetzt ermittelt ist, 27 Personen umgekommen sind. Die unnatürliche Spannung an der Pariser 8örse hat sich endlich durch den Sturz derUnion-Generale" gelöst und werden in dem Pariser Börsen­wesen durch die Beseitigung dieser auf ganz und gar unsoliden Grund­lagen basirten Bank nunmehr wieder gesundere Verhältnisse Platz greifen.

(England.) Die englische Regierung fühlt das Bedürfniß, An­gesichts der bevorstehenden Eröffnung des englischen Parlaments sich über mehrere Fragen der auswärtigen Politik zu äußern. So hielt der Ünter- staatèsekretair im Auswärtigen Amte, Dilke, am Dienstag Abend in Chel­sea eine Rede, welche hauptsächlich der Vertheidigung der auswärtigen Politik der englischen Regierung gewidmet war. Der Redner betonte die Ausrechthaitung des Einvernehmens Englands mit Frankreich in der egyptischen Frage und äußerte sich hoffnungsvoll über das Zustandekom­men des englisch-franz. Handelsvertrages, die britische Regierung werde indeß keinen Vertrag retrograder Natur abschließen.

(Rußland.) Die Rede, welche der russische General Skobeleff, der Besieger der Turkmenen, jüngst zu Petersburg auf einem zur Feier des Jahrestages der Einnahme von Geok-Tepe veranstalteten Banket ge­halten hat, erregt in- und außerhalb Rußlands ungewöhnliches Aussehen. Der General schilderte in seiner Rede die Achal Teke-Expedition und gab dann in tiefgefühlten Worten seinen Sympathien mit den Aufständischen in Dalmatien und der Herzegowina Ausdruck und schloß mit einem nicht mißzuverstehenden Hinweis auf den historischen Beruf Rußlands, den unterdrückten slavischen Völkerschaften beizustehen. Daß General Skobe-