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Nr. 25.
Montag den 30. Januar
1882.
Amtliches.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Eine getragene Herrenweste. Ein s. g. Brodbuch.
Verloren: Ein Trauring.
Hanau am 30. Januar 1882.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesschau.
— Der „R.- u. St.-A." Nr. 25 veröffentlicht: Allerhöchster Erlaß vom 11. Sanitär 1882, betreffend die Auflösung der Königlichen Direktion der Berliner Stadteisenbahn und Errichtung einer von der Königlichen Eisenbahndirektion zu Berlin ressortirenden Eisenbahn-Baukonimission zu Berlin.
— Berlin, 28. Jan. (Reichstag, 37. Sitzung.) Die gestern abgebrochene Münzdebatte wird fortgesetzt. Dr. Bamberger tritt für die reine Goldwährung ein und polemisirt gegen die gestrigen bimetallisti- schen Ausführungen Leuschners. Bezüglich des Antrages Richter befürwortete Löwe Namens der Budgetkommission dessen Annahme, also aus dem Ueberschuß des laufenden Etatjahres eine solche Summe in die Einnahme des nächsten Etats einzustellen, daß dessen Bilancirung ohne Erhöhung der Matrikularbeiträge erfolgen kann. Nachdem noch ver- schiedene Redner zu dieser Sache sprachen, wurde der Antrag Richter mit großer Majorität angenommen; auch das nach Maßgabe des Richter- schen Antrages modificirte Etatsgesetz wird genehmigt, ebenso bet ge- sammte Etat in definitiver Schlußabstimmunz mit dem Auleihegesetz. Nächste Sitzung am Montag.
— 4. Plenarsitzung des Hauses der Abgeordneten Montag, den 30. Januar 1882, Vormittags 11 Uhr. Tagesordnung: Erste Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Feststellung des Staatshaushalts Etats für das Jahr vom 1. April 1 «82/83 und des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Ergänzung der Einnahmen in diesem Etat.
— Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalange- legenheiten zu Berlin veröffentlicht im „R.- u. St.-A." folgendes: Um Personen aus gebildeten Ständen, welchen die Mittel zu einer Badekur ganz oder theilweise fehlen, den Gebrauch der Heilquellen und Bäder zu Marienbad in Böhmen zu ermöglichen oder zu erleichtern, wird denselben Seitens der Friedrichs-Wilhelms-Stiftung für Marienbad eine Geldunterstützung von je 100 M. gewährt und Erlaß der Kurtaxe rc. vermittelt. Dem unterzeichneten Minister steht der Vorfchlag zur Verleihung von jährlich zwei dieser Beihülsen zu. Hierauf reflektir nde Bewerber werden aufgefordert, ihre Gesuche mit den nöthigen Zeugnissen versehen alsbald und spätestens bis Anfangs März d. I einzureichen.
— Freiburg, 26. Jan. Ein scharfes Licht verbreitet über die bedauerliche Praxis der geschäftsmäßigen Weinfälschung die Ver- Handlung der hiesigen Strafkammer gegen den Weinhändler Herbster von Sulzburg im Kreise Lörrach. Der Angeklagte wurde überführt, in kurzer Zeit 3181 Liter Sprit und 1300 Liter Rothwein als Färbemittel bezogen und während er nur 300 Hektoliter Wein eingeführt hatte, 52 000 Liter abgesandt zu haben. Bon dem „Kunstwein", der aus Kartoffelzucker, Wasser, Sprit, Tresterabguß und (was bisher noch nie beobachtet worden) einem erheblichen Zusatz von Salz bestand, hat der Angeklagte den Hektoliter zu 45 — 80 M. in die Gegend von Säckin- gen, in die Bodenseegegend und nach Sigmaringen verkauft. Da diese Mischwaare, selbst wenn 50 pCt. echten Weines sich darunter befinden sollte «was die Untersuchung als das günstigste Verhältniß seststellte), nicht über 14—15 M. das Hektoliter zu stehen kommt, so nahm der Gerichtshof eine auf Erzielung übermäßigen Gewinnes gerichtete Täu- fchung des Publikums an und verurtheilte den Angeklagten Heibster zu zwei Monaten Gefängniß und 500 M. Geldstrafe, seinen Küfer Gutjahr wegen Beihülfe zu vierzehn Tagen Gefängniß. (§. 10, Alinea 1 und 2 des Nahrungsmittelgesetzes, §. 263 des R.-Str.-G.-B.) (K. Z.)
— Wien, 28. Jan. Bei der österreichischen Delegation wurde heute vom Minister des Auswärtigen, Grafen Kalnoky, die Vorlage über das außerordentliche Heereserforderniß von 8 Millionen eingebracht, welches zur Durchführung der militärischen Maßnahmen behufs Unterdrückung der im Süden der Monarchie und im Okkupationsgebiete ausgebrochenen Bewegung für nothwendig erachtet wird. Die Vorlage wurde Vn Ausschüssen überwiesen.
— Lemberg, 28. Jan. Gestern sind hier bei mehreren Personen Haussuchungen vorgenommen worden, welche zahlreiche Beweisstücke für eine Verbindung der hiesigen Socialisten mit den ausländischen Führern der Internationale geliefert haben. Es haben mehrere j Verhaftungen stattgefunden. «Q
— Haag, 27. Jan. Die Zweite Kammer hat den Handelsvertrag mit Frankreich mit 46 gegen 32 Stimmen abgelehnt, ;
— Brüssel, 27. Jan. Die Nationalbank hat den Diskont für Wechsel, welche im Auslande auf Belgien gezogen sind, auf 7 pCt. erhöht. ' '
— Paris, 28. Jan., Mittags. Freycinet hat den Auftrag des Präsidenten Grèvy zur Bildung eines neuen Kabinets übernommen^
— Petersburg, 28. Jan. Der „Neuen Zeit" zufolge findet die für dieses Jahr beabsichtigte Ausrüstung mehrerer russischer Festungen nicht statt, sondern ist auf einen für den Ausgabeetat des Kriegsresiorts günstigeren Zeitpunkt verschoben worden. w
Spezialtelegramme des „Deutschen Montags-Blatt."^
— Paris, 28. Jan. Wie verlautet, wird das neue Kabinet — wenn nicht unvorhergesehene Eventualitäten eintreten sollten — zusammengesetzt sein, wie folgt: Freycinet Konseilspräsident und Auswärtiges, Ferry Unterricht, Goblet Inneres und Kultus, Humbert Justiz, Varroy Finanzen, Carnot öffentliche Arbeiten, Tirard Landwirthschast, Cochèry Posten. Als Kandidaten für das Kriegsministerium werden Billot, Saussier und Davoust, als solche für das Marineministerium Jaurèguiberry und Peyrou genannt.
— Rom, 29. Jan., 11 Uhr Vorm. Osficiös gibt man zu verstehen, der Sturz Gambettas werde den Ministerpräsidenten Depretis veranlassen, nächsten Dienstag, wo die Debatte über das System der Listenwahl in der italienischen Kammer eröffnet wird, vorsichtig auf die Stellung der Kabinetsfrage zu verzichten.
— Paris, 29. Jan., 10 Uhr. Gegen die Syndikats Kammer der Lyoner Wcchselagenten wurde die gerichtliche Klage eingeleitet. Das Tribunal ernannte einen gerichtlichen Liquidator, welcher gemeinsam mit einer Notabeln-Kommission die Abwickelung der Verbindlichkeiten der Wechselagenten in die Hand nehmen soll.
— London, 29. Jan. Dem „Observer" wird aus Dublin das Fallissement eines Fondsmaklers gemeldet. Die Passiva desselben sollen über 200 000 Pfund Sterling betragen. Weitere Fallissemets würden befürchtet.
Lokales.
Hanau, den 30. Januar.
— Gestern Nachmittag machten auf den Teichen verschiedene junge Leute durch eigenes Verschulden mit dem nassen Elemente Bekanntschaft. Weiteres Unglück ist dabei nicht vorgekommen und werden hoffentlich einige Tassen Fliederthee allenfallsige Erkältungen, die sich die Wagehälse zugezogen, wieder austreiben. Der Besitzer warnte wiederholt vor dem Betreten der fragt. Eisfläche und machte auf deren Unhaltbarkeit aufmerksam. — Aus dem ersten, vollständig sicheren Teiche huldigten Hunderte dem Vergnügen des Schlittschuhlaufens rc.
Versteigerung s- und Verpachtungs- rc. Kalender für Dienstag den 31. Januar.
Vormittags 11 Uhr wird im Geschäftsbüreau des Königl. Bau- inspektors Herrn Arnold, Bebraer Bahnhosstraße Ar. 13, Submissionstermin abgehaltcn: 1) auf die zum Abschluß des fiskalischen Finanzkammergebäudes hier von dem Schloßterrain erforderlichen Bauarbeiten, 2) auf den Abbruch des am Finanzkammergebäude gelegenen Remisen« Gebäudes, sowie die durch diesen Abbruch bedingten Herstellungen am Finanzkammergebäude.
— Für heute. Abends 8 Uhr im Saale des Gasthauses zur „weißen Taube": Oeffentlicher biblischer Vortrag des Herrn F. Stoll. — Spar- und Spielkasse zur „Stadt Bremen" : Generalversammlung; Tagesordnung: Vorstandswahl, Statutenfeststellung. — Spar- und Sprelkssse im „König von Schweden": Generalversammlung; Tagesordnung: Statutenseststellung, Vorstandswahl. — Abends 9 Uhr: Spritze Nr. 4 in den „3 Rindern" (oberes Sälchen); Nr. 5 im „goldenen Herz". — Zum „schwarzen Bären": Gemüthlicher Abend mit musikalischer Unterhaltung.