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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.
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Freitag den 27. Januar
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Die Ispsltige Parmondzeile »d.
deren Saum
10 Psg.
Die Zfpalt geil«
20 Psg.
Die SspaltigeZeil«
30 Psg.
1882.
Lestellungkn
auf den Hanauer Anzeiger für die Monate Februar und März nehmen alle Postanstalten sowie die Expedition (Waisenhaus, Hammergasse Nr. 9) entgegen.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Postkarten mit Antwort im Verkehr mit Paraguay und San Domingo.
Denjenigen Ländern des Weltpostverein», nach welchen Postkarten mit Antwort abgesandt werden können, sind nunmehr auch Paraguay und San Domingo beigetreten. Das Porto für derartige Postkarten beträgt 20 Pfennig.
Berlin W., 21. Januar 1882
Der Staatssekretair des Reichs-Postamts. Stephan.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Die Reichstagsverhandlungen haben noch kurz vor dem unmittelbar bevsr stehenden Schlüsse des Reichstages zu einer hochdramaiischen Scene geführt, welche sich in der Dienstags-Sitzung des Reichstages abipultc. Auf der Tagesordnung stand die dritte Lesung des Reichshaushatsetats; die Generaldebalte eröffnete der fo.tschiittliche Abgeordnete Hänel mit einer einmhenden Kritik des fatfei fiepen Erl- sses vom 4 Januar, in welcher der Redner zunächst das Reche des Reichstages frfiftellte, den betreffenden Erlaß zu dièku- tiren, worauf er auf die E nzelheiten desselben einging und hierbei betonte daß der Erlaß n chk etwa zur Stärkung, sondern zur Schwächung des Ansehens des Königthums in Preußen geeignet sei. Hierauf ergriff der vom Beginn der Sitzung ab anw-sende Reichskanzler das Wort, um in längerer Rede sich in seiner eigenthümlichen schneidigen Weise gegen den von der Fortschrittspartei eihobenen Vorwurf zu vertheidigen, daß er sich durch das Ansehen der Krone decken wolle. Energisch wies Fürst Bismarck befo ders die Unterschiebung zurück, daß die Könige Preußens den merovingischen Schattenlönigen oder den j 'panischen Herrschern glichen, bei uns gelte das Wort noch nicht: Le roi règne, mais il ne gouverne pas ( er König regiert, cwer er herrscht nicht). Mit der Verfassung in der Hand wies Fürst Bismarck Arükel für Artikel die ganze Un ichtigkeit der von den Gegnern der Regierung dem Erlaß gegebenen Deutungen rach, er appeUirte an das Genchtigkeits- und Billigkcitsge- fütl der Nation, ob er je etwas anderes erstrebt habe als die Größe und Ehre des Vaterlandes und die Zufriedenheit seines Kaiserlichen Herrn Besonders energisch verwahrte sich der Reichskanzler, wie schon erwähnt, gegen den Vorwurf, daß er seine eigene Person mit dem Schilde des Kaiserlichen Namens decke dns hieße, ihn der persönlichen Feigheit besch l igen, deren er n cht fähig sei. In seiner Aufregung asancirte Furst Bièmaick, augenscheinlich durch mißverstandene Zwischenrufe aus d.n Reden er Fo tschriitèparN i auf's Höchste gereizt, von seinem Platze bis zur Rednert^üne und wohl eine Mmvte lang tönten heftige Worte des R ichskanzlers, einiger Aw eoi dneter der Linken und des Präsidenten, zum Theil unneiftä dl ch dm che nander und nur mit sichtlicher Anstreng- u> g gelang es dem Füisten Bismarck, sich wieder zu fassen. Nachdem der Abgeordnete Hänel dagegen protestirt hatte, als ob er dem Reichskanzler den Vorwurf der Feigheit gemacht habe, ergriff Fürst Bismarck nochmals das Wort, um sich auf das Entschiedenste gegen derartige Be- leidigun eit zu verwahren, an die er allerdings gewöhnt sei. Tiefer be- wce.ten Scene g gei.über waren die Ausiührungcn der übrigen Redner zu dem Erlasse von ge r gerem Inter sie, doch waren sämmtliche Reden durchaus sachlich gehalten und konstaiirte schließlich Staatssekretär v. Bötticher, daß der Erlaß seinem Hauptinhalte nach von allen Seiten als richtig anerkannt worden sei. Der eigentliche G genstand der Tagesordnung, die dritte Lesung des Etats, wurde am Dienstag so gut wie gar nicht berührt. Der Reichstag setzte am Mit Woch noch die Generaldis- kussion des Etats fort und beschloß, nach deren Schluß zunächst Wahl
prüfungen zu erledigen. Lasker meinte, der Minister v. Puttkamer werde nach der Interpretation des königlichen Erlasses durch Fürst Bismarck seine jüngsten Aeußerungen über den Dank des Kaisers an die Beamten für ihre Wahlagitation zurücknehmen müssen. Bundeskommissar v. Puttkamer hob in seiner Erwiederung hervor, daß es jetzt allgemein anerkannt sei, daß in der Confliktszeit nicht der Landtag, sondern die Regierung das Richtige im Auge hatte. Die Bismarck'sche Politik sei schon damals schwer verkannt worden.
Wie Reichstagsbaukömmission hat beschlossen, eine allgemeine Konkurrenz für alle Deutsche bezüglich des Planes zum Reichstagsgebäude auszuschreiben.
Die bayerische Reichsrathskammer lehnte am Dienstag nach umfassender Debatte den Antrag des Ausschusses auf Zustimmung zu dem Beschlusse der Abgeordnetenkammer, betreffend die Aufhebung der Simultanschule, mit 30 gegen 24 Stimmen ab. Dagegen nahm die Reichsrathskammer den Abänderungsantrag des Consistorialpräsidenten Meyer auf eine Revision der betreffenden Verordnung mit 34 gegen 20 Stimmen an. — Am Dienstag fand in Augsburg unter ungewöhnlich starker Betheiligung das Begräbniß Vèlk's, des langjährigen Reichstagsabge- ordneten für Immenstedt-Lindau-Kempten, statt. Namens der drei liberalen Reichslagsfraktionen legte der Abgeordnete Buhl einen prachtvollen Kranz auf den Sarg nieder.
(Oesterreich-Ungarn.) Aus dem Süden der österreichischen Monarchie waren in den letzten Tagen über den Aufstand der Bocchesen und Herzegowzen keine Nachrichten von Belang zu verzeichnen. Doch ist die Lage in den aufftdnoif^en Bezirken nach wie vor sehr ernst, da das Auftreten immer stärkerer Jusurgentenbanden — manche derselben sollen bis zu 1000 Mann stark sein — signalisirt wird. Die österreichische Regierung fegt deshalb ihre militärischen Vorbereitungen fort und sind bereits die dalmatinischen Landwehrbataillone Nr. 79 und Nr. 80 mobilisirt worden.
(Frankreich.) In der durch das brüske Auftreten Gambetta's bezüglich der Frage der Verfsffungsrevision hervorgerufenen politischen Krise in Frankreich hat sich noch nichts verändert. Wie es heißt, ist die Regierung nach wie vor entschlossen, aus der Annahme des Revisionsentwurfes in seiner Gesammtheit eine Cabinetèfrage zu machen. Falls das Cabinet unterliegen sollte, würde Gambetta am folgenden Tage seinen Platz in der Kammer als Deputirter wieder einnehmen, im Bureau der Kammer verschiedene seit dem 14 November von ihm ausgearbeitete Gesetzentwürfe nieder legen und dieselben von der Tribüne herab vertheisigen. Der Präsident der Republik, Grövy, hatte in diesen Tagen verschiedene Unterredungen mit den früheren Ministerpräsidenten Ferry und Freycmet und will man hieraus schließen, daß für den Fall des Rücktrittes Gambetta's ein Cabinet Ferry-Freycinet zu erwarten sei.
(England.) In England rüsten sich die Parteien zu den herannahenden parlamentarischen Kämpfen. Namentlich auf der oppositionellen Seite, bei den Tories (Conservativen) bereitet man sich auf verschiedene Interpellationen und Angriffe vor, mit denen die conservativen Redner dem liberalen Cabinet Gladstone zu Leibe gehen wollen. Diese Angriffe dürsten sich in erster S nie auf die auswärtige Politik Gladstone's richten, welche den Tories mißfällt. Besonders mißbilligen dieselben die englische Politik in Egypten und das Zusammengehen Englands mit Frankreich in den egyptifchen Angelegenheiten. Die torystffchen Blätter behaupten, Gladstone habe sich hauptsächlich durch das Ungestüm des sranzösischen Cabinets zu einem solchen gewagten Schritt, wie cs die englisch französische Collektivnote an den Khedive gewefen sei, hinreißen lassen, und hierauf wollen die Conservativen hauptsächlich ihre Angriffe aus die Gladstone'sche Politik richten.
(Rußland.) In russischen Regierungskreisen scheint unzweifelhaft eine gewisse Abneigung gegen die Juden zu bestehen. Hierfür spricht unter Anderem auch der Umstand, daß der russische Botschafter in London, Fürst Lobanoff, in Folge einer Weisung seiner Regierung es ablehnte, die Bittschriften der englischen Israeliten zu Gunsten der russischen Juden dem Kaiser Alexander Hl. zu übermitteln. Vielleicht hat man in dieser Ablehnung auch eine versteckte Hindeutung der russischen