Einzelbild herunterladen
 

Abonnement»- Preis:

ILHrlich 9 Mari. Holbj. 4 M. 50 P. Bierleljâhrlich

* Diart 25 Psg. Für auswärtige Abonnenten eit dem betreffen­den Postaufschlag. Die einzelne Num­mer 10 Psg.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Jnsertkan»- PreiS:

Lie ispalUge Earmondzeile ob. deren Raum

io Psg.

Die gspalt. Zeile 20 Psg.

DieSjpaltigeZeil«

30 Psg.

Nr. 22.

Donnerstag den 26. Januar

Amtliches.

Entlaufen: Ein junger Dachshund von braun-gelber Farbe, mit weißer Brust und 4 weißen Pfoten, weibl. Geschlechts.

Gefunden: Eine wollene Pferdedecke.

Hanau am 26. Januar 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau.

Berlin, 25. Jan. Se. Königliche Hoheit der Prinz Carl, der Durchlauchtigste Herrenmeister des St. Johanniter-Ritter-Ordens, hielt heute mit den Ehren-Commcndatoren, den Commendatoren und Ordens­beamten in Höchstseinem Palais ein Ordens-Kapitel ab.

Berlin, 25. Jan. Die heutige (34.) Reichstags-Sitzung wurde mit einer Reihe vonBemerkungen vor der Tages-Ordnung" eröffnet. Sonach wurde die Budgetberathung fortgesetzt, was der Abg. Lasker dazu benutzte, um in längerer Ausführung gegen die gestrige Rede des Herrn Reichskanzlers zu polemischen. Ihm erwiderte Staats­minister von Puttkamer als Bundeskommissarius, um zunächst die Unter­stellung des sezessionistischen Redners zurückzuweisen, als sei die Politik von Olmütz etwas anderes als eine traurige Nothwendigkeit gewesen. Zu derselben Art historischer Legendenbildung gehöre es, wenn gesagt werde, die Verweigerung der Mittel zur Vermehrung der Armee in der Konfliktszeit sei nur aus formellen Gründen erfolgt. Ebenso verkehrt feien die liberalen Anschauungen in der Herzogthümersrage gewesen, alle Liberalen waren gegen die Mobilmachung von 1866: die Minister wa­ren es, die damals die Stütze des Königs bildeten und das Volk, das sich in großen Krisen immer um die Monarchie schaart und die falschen Fahnen verläßt. Herrn Hänel gegenüber wies der Minister die Vor­würfe der Verfassungswidrigkeit und des Mangels an moralischem Muthe zurück. Speziell erläuterte dann der Regierungsvertreter die Rechtmäßig­keit des Königlichen Erlasses an die Beamten, diese müsse u. A. auch dem Abg. Bennigsen gegenüber geltend gemacht werden, welcher gestern andeuten zu wollen schien, die Würde, Intaktheit und Autorität der Be­amten könne darunter leiden. Die Meinung des Abg. Richter ferner, als habe die Regierung im Verlauf der Session eine Schwächung ihrer Stellung erlitten, sei ebenso unzutreffend. Vor allen Dingen habe sie die Neberzengung, einem Konflikt ferner zu stehen als je. Wenn die Regierung gegenwärtig Sorgen hegt, so werden diesel­ben durch ganz andereWolken am eur opäischen H oriz ont hervorgerufen. Und sollten diese Wolken sich entladen, dann wird die Nation erkennen, daß ihre Monarchie der Hort der Ordnung und Freiheit ist. Sichtlich machte diese inhaltschwere Erklärung einen tiefen Eindruck auf das Haus. Endlich nahm auch der Führer des Centrums, Abg. Dr. Windthorst, Gelegen­heit, seine Meinung über den Erlaß zu äußern. Er hielt denselben zu- nächst vor das Forum des preußischen Abgeordnetenhauses gehörig, er lobte die Tendenz desselben, welche in der Betonung der Stärke der Monarchie liege, hielt aber diejenige, bezüglich der Betheiligung des Be­amtenthums an den Wahlen für überflüssig, wenn sie nicht anders in- terpretirt werden sollte, wie es von der Regierung geschehen sei. Wenn man in diesem Hause von der Mitwirkung der Parteien an der Ent­wickelung Preußens verhandele, so sei dies für die nichtpreußischen Mit­glieder mindestens unzart und befördert dies Verfahren ebensowenig die Versöhnlichkeit der Einzelstaaten, als die Einheit des deutschen Reichs. Der Abg. Virchow wollte dem Erlasse doch nicht eine so harmlose Be­deutung beilegen, als es regierungsseitig geschehen, er sähe darin eine lebhafte Agitation gerade gegen die Fortschrittspartei. Im Weiteren er­örterte der Redner die Mitwirkung der Fortschrittspartei an der Bildung des Deutschen Reiches und erstatte dieselbe für gleichwerthig mit der aller anderen Parteien. Die Generaldiskussion wurde nach diesem Redner geschlossen. (Post.)

(Aus der Reichshauptstadt.) Der diesjährige Chirur- genkongreß, der seit Grm dung der Gesellschaft bisher stets in der Woche nach Ostern (Univerfilätsfirnn) stattgesunden hat, wird diesmal in die Pfingstwoche verlegt, damit den Mitgliedern Gelegenheit gegeben werde, die am 15. Mai ds. Js. zu eröffnende Ausstellung für Hygiene und Rettung-wesen zu besuchen. Der Kongreß beginnt am 30. Mai mill einer Begrüßung der Mitglieder. Die wissenschaftlichen Sitzungen wer-,

1882.

den am 31. Mai beginnen und bis 3. Juni dauern. Der Voß. Z. zufolge wird Pr'nz Heinrich, der gegenwärtig im Süden weilt, noch in diesem Jahr eine größere Seereise unternehmen, und zwar auf der neu­erbauten G attdeckkorvette Olga. Sie wird auf dieser ersten Reise als Schiffsjungenschulschiff dienen und, wie es heißt, dem Kommando des Korvettenkapitäns Frhrn. V. Seckendorf, des militärischen Begleiters des Prinzen Heinrich, anvertraut werden. Der Prinz wird dem Stabe der Korvette als dienstthuender Lieutenant zugetheilt werden. Die Dauer der Reise ist auf 14 Monate bestimmt. Besucht werden die Häfen der Ostküste von Süd- und Mittelamerika, sowie die westindischen Inseln. Vielleicht wird bei dieser Gelegenheit auch Newyork besucht.

Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Nach demR- u. St.-A." Nr. 22 wurde unterm 23. Januar verboten: die diesjährigen Nummern 14 und 15 der im Druck und Ver­lag von A. G. Stein in Glauchau und unter der Redaktion von Gustav Stein daselbst erscheinenden periodischen Druckschrift:Der Beobachter. Sächsische Volkszeitung und Geschäftsanzeiger", sowie das fernere Er­scheinen der genannten Zeitschrift.

Die nächste Prüfung der Zeichenlehrer und Zeichenlehrerinnen bei ber Königlichen Akademie der Künste zu Berlin findet im Monat März d. I statt. Die schriftlichen Meldungen nebst den vvrgeschriebe- nen Zeugnissen sind bis spätestens zum 20. Februar d. J. einzureichen.

S. M. S.Stosch", 16 Geschütze, hat am 15. Dezember pr. Amoy verlassen und traf am 17. dess. Mts. in Hongkong ein.

Karlsruhe, 24. Jan. Der heute über den Gesundheitszu­stand des Großherzogs veröffentlichte Bericht konstatirt eine weitere Ab­nahme der Augenentzündung und fortschreitende Besserung im Allgemein­befinden.

München, 24. Jan. Die Reichsrathskammer lehnte nach umfassender Debatte den Antrag des Ausschnsses, dem Kammerbeschlusse wegen Aufhebung der Simultanschule zuzustimmen, mit 30 gegen 24 Stimmen ab und nahm dagegen einen AenderungSantrag des Consists- riqlpräsidenten Meyer auf Revision der betreffenden Verordnung mit 34 gegen 20 Stimmen an.

Wien, 24. Jan. Der Bürgermeister Dr. Rewald hat heute seine Entlassung eingereicht.

Wien. Direktor Hornbostel hat am 20. Jan. dem Bürger- meisterstellvertreter Uhl als Obmann des Hilsskomitös bekannt gegeben, es sei Wunsch des Hrn. Göttel, daß die Spende von 125 OOÖ fl. zu einer Stiftung verwendet werde, deren Interessen zu Gunsten der Hinter­bliebenen der Opser des Ringtheaterbrandes verwendet werden sollen, doch dürfe diese Stiftung nicht den Namen des Stifters führen. Der großmüthige Spender verzichtet auf den Nachruhm.

, Brü n n, 25. Jan, Die Polizei hat in dem nahe gelegenen Julienfeld geheime Zusammenkünfte sozialdemokratischer Arbeiterführer entdeckt. Mehrere Personen, darunter auch der Redakteur desVolks­freund", Dundela, wurden verhaftet und Haussuchungen vorgenommen. Die eingeleitete Unteisucknng erstreckt sich auf Bildung von geheimen Verbindungen und auf Majestätèbelcidigung.

DasJournal de St. Pötersbourg" bespricht die Sammlungen des englischen Somité für die russischen Juden und sagt, Lord Shaftes- bury und die Prälaten, welche an der Spitze der Subscription standen, trieben anstatt Philanthropie eine beklagenswerthe antireligiöse und dem­gemäß antiphilanthropische Politik. Die englischen Journale, vor allen dieTimes", hätten über die angeblich von russischer Seite verübten Greuelthaten Details veröffentlicht, die von willkürlichster Phantasie und evidentester Böswilligkeit zeugten. Die volle Wahrheit sei vielmehr fol­gende: Nur an dem Eigenthum, nicht an den Persvnen habe man sich vergriffen, Todesfälle seien nur ganz isolirt borgetemmen und nur dann, wenn die Menge W.derstand gefunden habe. Die Juden hätten zwar Schaden am Eigenthum erlitten, aber es seien mehr Christen als Juden bei den Plünderungen ums Leben gekommen, entweder infolge von Ge­genwehr oder Intervention Seitens der Truppen. Die von englischer Seite angegebene Ziffer sei aber so unerhört übertrieben, daß es un­möglich sei, dieselbe näher ins Auge zu fassen. Die Erzählungen von Schändung von Frauen seien reine Eifindung, es fei kein Fall irgendwo konstatirt, keine Klage darüber angestellt worden. Solche ' Erzählungen müßten begreiflicherweise zur Steigerung des Effektes in den englischen