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Mittwoch den 25. Januar
Nr. 2L
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Amtliches.
Die Herrn Bürgermeister wollen bestimmt innerhalb 6 Tagen hierher anzeigen, welche Beträge den Gemeindekassen im Jahre 1881 aus dem Verkauf von geerntetem Obst zugeflossen sind.
Hanau am 24. Januar 18^2.
Der Landrath.
Gefunden: Eine dicke Perlenkette. Ein deutsches Lesebuch mit der Inschrift K. Mahr. Eine schwarze Schürze mit Verzierung. Ein einzelner Handschuh.
Verloren: Ein Portemonnaie mit über 3 Mark Inhalt.
Entlaufen: Ein junger Dachshund.
Hanau am 25. Januar 1882.
Ans Königl. Landrathsamt.
Tagesschau.
— Berlin, 24. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute die Vorträge des Polizeipräsidenten v. Madai, des Chefs der Admiralität General v. Stosch, des Chefs des Militärkabinets, General-Adjutanten von Albedyll und des Ministers der öffentlichen Arbeiten, Maybach, sowie um 11 Uhr militärische Meldungen entgegen.
—- Berlin, 23. Jan. Der Reichs-Anzeiger veröffentlicht folgende Bekanntmachung, betreffend die Uebereinkunft mit den Niederlanden wegen gegenseitigen Schutzes der Waarenzeichen:
Zwischen dem deutschen Reich und den Niederlanden ist durch Auswechslung von Erklärungen der beiderseitigen Regierungen eine Uebereinkunft dahin getroffen worden, daß bezüglich der Waarenzeichen die Angehörigen des deutsch.» Reichs in den Niederlanden sowie in deren Colonieen und die niederländischen Staatsangehörigen in Deutschland denselben Schutz wie die eigenen Angehörigen genießen sollen; daß ferner die Angehörigen des einen Landes, um in dem andern ihren Waarenzeichen den Schutz zu sichern, die in diesem Lande durch die Gesetze oder Verordnungen vorgeschriebenen Bedingungen und Förmlichkeiten zu erfüllen haben. Die Uebereinkunft soll vom Tage ihrer Bekanntmachung an in Anwendung treten und bis nach erfolgter Kündigung durch den einen oder den andern der vertragschließenden Theile in Kraft bleiben. Dies wird mit Bezug auf §. 2Ö des Gesetzes über Markenschutz vom 30. November 1874 hierdurch veröffentlicht. Berlin, 19. Januar 1882.
Der Reichskanzler. In Vertretung: v. Bötticher.
— Berlin, 24. Jan Der heutigen (33.) Sitzung des Reichstages wohnte der Reichskanzler Fürst Bismarck fast von Anfang an bei. Vor der Tagesordnung nahm der Abg. Karl Meyer zunächst Veranlassung seinen Parteifreund Sonnemann von dem Verdacht zu eximi- ren, rach welchem ein deutscher Reichstagsabgeordreter in einem Briefe die Nothwendigkeit der Zurückgabe Elsaß-Lothringens an Frankreich ausgesprochen hat. Darnach tritt das Haus in die Tagesordnung ein, deren erster Gegenstand ist: Berathung des Berichts der^ReichsschuIden- Kommission. Abg. Frohme: Zum so und so vielsten Male kehrt der Tuet des Reichskriegèschatzts in der Vorlage wieder. 120 Millionen liegen im Julinèthurm in Spandau angehäuft, für den Fall eines neuen Krieges! Fünfzig Jahre lang soll nach dem Ausspruüe des Feldmarschalls Moltke Deutschland kriegsbereit sein, um französischen Revanche- g<lüsten zu begegnen! Als man 1871 Elsaß-Lothringen dem Reiche bergesügt, erhoben sich viele Stimmen, welche von der Nothwendigkeit tpraâ en, der Bevölkerung ihr Selvstbestinmungsrecht zu wahren" — (Unterbrechung; Rufe: Zur Sacke! Der Präsident macht den Redner darauf aufmerlsam, daß nur die Rechnungen eines Jehres zur Debatte stehen.) Ich glaube doch, daß es mit gestattet sein muß, von der Be- recktigung dieses Schatzes zu sprechen, von seiner event, Verwendung zu best ren Zwecken! Erneute Unterbrechung! der Präsident wiederholt seinen Vurbeholt,) Ueber die Rechnungen habe ich nichts zu sogen! (Heiterkeit), Der Bericht wird darauf ohne weitere Diskussion an die Recknungèkommifsion verwiesen, N> chdem hierauf die Zusatzakte zur Schiffahcksakte, betr. die Donau-Mündungen in erster und zweiter Be- raihung ohne Diskussion angenommen war, wurde zur dritten Berathung des Etars übergegangen, Die General-Diskussion brachte zunächst eine lange Rede des Abg. Dr. Hänel über den Königlichen Erlaß vom 4. Januar. Der Redner stellte zunächst das formelle Recht des Deutschen
1882.
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Reichstages fest, den qu. Erlaß des Königs von Preußen zu diskutiren und übte sodann an den einzelnen Sätzen des Erlasses eine eingebende Kritik. Den herbsten Tadel erfuhr natürlich die angebliche Herabziehung des unverantwortlichen Souverains in den Wahlkampf und die Parteistreitigkeiten; überdies sei der Erlaß nicht etwa zur Stärkung, sondern leider nur zur Schwächung des Königlichen Ansehens geeignet. Der Herr Reichskanzler, obwohl mit seinem körperlichen Leiden kämpfend, wies in längerer Rede mit bewundernswerther Energie und Schneidig- keit die liberale Suppssition zurück, als die Könige Preußens mit den merovingischen Schattenkönigen oder den japanischen Taikuus zu vergleichen. Bei uns gilt das Wort noch nicht: Le roi règne mais ne gouverne pasi Mit der Verfassung in der Hand wies Fürst Bismarck Artikel für Artikel die ganze Unrichtigkeit der von den Fortschrittlern beliebten Deutungen und Darstellungen nach, er appellirte an das Rechtsund Gerechtigkeitsgefühl der Welt, ob er je etwas anderes bestrebt und erreicht habe, als die Ehre und Größe seines Vaterlandes und die Zufriedenheit seines Königlichen Herrn. Wenn man ihm vorwerfe, seine eigene Person mit dem Schilde des Königlichen Namens zu decken, so heiße das, ihn einer persönlichen Feigheit beschuldigen, der er nicht fähig sei, Herrn Hänels Protest gegen letztere Vorhaltung konnte den gewaltigen Eindruck dieser Rede nicht abschwächen, der womöglich noch verstärkt wurde durch die warmen, patriotischen Worte, mit denen der Abg. v. Treitschke für den Erlaß Partei nahm. Dagegen bewegten sich die folgenden Auslassungen des Abg. v. Bennigsen in den Bahnen kühler Ablehnung, während Abg. v. Kardorff mit kräftigen Farben die Praxis der Fortschrittspartei bei den Wahlen schilderte. Abg. Frhr. Schenk v. Stauffenberg sprach wesentlich im Sinne der Herren Hänel und v. Bennigsen. Die rein technisch; Seite des Erlasses vertrat Staatssekretär v. Bötticher. (Post)
— Die „Köln. Ztg." schreibt: Nach einer Mittheilung, die wir aus Petersburg empfangen, wird Fürst Lobanow aus London abberufen werden, um, mit den Amtsgeschäften, vielleicht auch mit dem Titel eines Kanzlers betraut, die oberste Leitung der russischen Staats- geschäste zu übernehmen. Der dadurch erledigte Botschasterposten in London dürfte dem bisherigen Botschafter in Berlin, Herrn v. Saburow, zufallen, der nur noch einmal auf kurze Zeit nach Berlin zurückkehren wird, um die Vorbereitungen zu seinem Abgänge von dort zu treffen. Die schon vor einiger Zeit als ein noch unbegründetes Gerücht verbreitete Mittheilung, daß Herr v. Giers als Botschafter nach Berlin gehen werde, bestätigt sich. Herr v. Giers, der als ein ungewöhnlich befähigter Staatsmann gilt, wird in Berlin auf eine durchaus sympathische Auf- nähme rechneu dürfen. Die öffentliche Meinung stellt ihn bekanntlich in einen gewissen Gegensatz zu Jgnatiew.
— Die Eisenbahnverstaatlichungsvorlage ist dem Preuß. Abg.-Hause zugegangen Es wird darin die Genehmigung der betr. Vorträge und die Ermächtigung zur Verwaltung und zum Betriebe 1. der Bergisch- Märkischen, 2. der Thüringischen, 3. der Berlin-Görlitzer, 4. der Cottbus-Großenhainer, 5. der Märkisch-Posener und 6. der Rhein-Nahe- Eisenbahn nach Maßgabe der vertraglichen Bestimmungen nachgesucht. — Dem Abg.-Hause sind ferner die Vorlagen wegen der finanziellen Garantien bei dem Uebergange der Privatbahnen auf den Staat und betreffend die Einsetzung von Bezirks-Eisenbahnräthen und eines Landes- eisenbahnroths zugegangen.
— Nach dem soeben erschienenen Fraktionsverzeichniß des Reichstags gehören an: den Deutschkonservativen 49 (einschl. der Hospitanten Minister v. Goßler und v. Puttkamer), der Reichspartei 27s dem Zentrum 107 Mitglieder (darunter die 9 welfischen Hospitanten: v. Ave- lebsen, v. Alten-Linden, beide v Arnèwaldt, Graf Benn gsen, Graf Bernstorff, Brüel, v. Scheele, v. Wangenheim); die P.len zählen 19) die Nationalliberalen 43, liberale Vereinigung 47 (darunter die Hospitanten Grieninger, Brüß, Guthfleisch, Warmuth); Fortschrittspartei 58, Volkspartei 8, Sozialdemokraten 12, Elsaß-Lothringer 15. Wilde gibt es 10, v. Bockum-Dolffs, Bühler, Johannsen, Langwerth v. Simmern, Lassen, v. Levetzow, V. Ludwig, Schäffler, Stübel, v. Treitschke.
— Es heißt der „Germania" zufolge, der Landrach v. Bennigsen- Förder, der bekanntlich wegen Beleidigung des Kammerherrn Berling zu drei Monaten Gesängniß verurtheilt werden ist, habe seine Entlassung erbeten und bereits erhalten.