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Nr. 19.
Montag den 23. Januar
Amtliches.
Der gegen den Taglöhner und Maurer Konrad Fahn und dessen Ehefrau Elisabeth, geb. Weiß, von Romsthal am 8. Juli 1876 erlassene Steckbrief wird als erledigt zurückgezogen.
Hanau den 20. Januar 1882.
Der Erste Staatsanwalt.
____________________Schumann.___________________
Der gegen Dienstmann Wilhelm Germann von Hanau am 13. Mai 1868 erlassene Steckbrief wird wiederholt erneuert. (Nr. 66 V. U. R./68.)
Hanau den 17. Januar 1882.
Der Erste Staatsanwalt.
____________________Schumann.___________________
Tagesschau.
— Berlin, 21. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute den Vortrag des Militär-Kabinets entgegen und empfingen den Statthalter in Elsaß-Lothringen, Feldmarschall Freiherrn von Manteuffel, in besonderer Audienz.
— Der zum Kaiserlichen Minister-Residenten bei der Republik Chile ernannte Legations-Rath Freiherr Schenk zu Schweinsberg ist auf seinem Posten eingetroffen und hat die Geschäfte der Mission übernommen.
— Berlin, 21. Januar. (Reichstag31. Sitzung.) Bei der am Sonnabend fortgesetzten Berathung der Hamburger Zollanschlußfrage im Reichstage sprachen Schlutow, Meier (Bremen), Kardorff, Kleist-Retzow und Windthorst für §. 2 der Vorlage (Reichszuschuß), Richter (Hagen) und Bamberger dagegen. Der Bundescommissar Rohloffs bezeichnete das Hineinziehen der Hamburger Bevölkerung in die wirthschaftlichen Interessen des Reiches als die wesentliche Aufgabe der Vorlage. Die Freihafenfrage werde im Princip und von der Vorlage nicht berührt, der Werth der Hamburger Exportlager werde eher gehoben als geschmälert. Nachdem noch der Finanzminister die Vorlage gegenüber Richter und Bamberger vertheidigt hatte, wurde zur Abstimmung über §. 2 geschritten unn derselbe mit 111 gegen 102 angenommen. Die §§. 3 und 4 der Hamburger Vorlage wurden mit dem Anträge Richter, wonach die Ausgaben in den Etat einzustellen sind, unverändert angenommen, ebenso die^von der Commission beantragte Resolution. ____. _
Der Reichstag nahm am Sonnabend noch die internationale Reblausconvention und den Consularvertrag mit Grichenland in dritter Lesung an und tritt am Montag in die dritte Berathung der Hamburger Vorlage ein. — Der Schluß des Reichstages wird für nächsten Sonnabend erwartet.
— Berlin, 20. Jan. Der Reichstag wird wahrscheinlich geschlossen und nicht bloß vertagt werden. Auch in Regierungskreisen spricht man kaum noch von einer Nachsession des Reichstags im Frühjahr, man erklärt es vielmehr für unwahrscheinlich, daß bis zum Frühjahr die betreffenden Gesetzvorlagen ausgearbeitet werden können. (K. Z.)
— Berlin, 21. Jan. Eine Bekanntmachung des Reichskanzlers vom heutigen Tage erklärt, daß die Rinderpest im ganzen Reiche als erloschen anzusehen ist.
— In Berlin starb am 18. d. im 52. Lebensjahre der Schriftsteller Adolf Mützelburg, der eine erstaunliche Menge „historischer Romane", freilich auch sehr sabrikmäßig, verfaßt und dafür auch viele begierige Leser gesunden hat, weil er eben ein reiches Erfindungstalent bekundete.
— (Aus der Reichshauptstadt.) Die Tribüne berichtet: Ein älterer, anständig gekleideter Mann schlug am Mittwoch ein Schau- senster des Gerson'schen Modebazars an der Werderschenstraße mit einem Steine ein und begab sich sodann in das Gerson'schc Geschäftslokal, woselbst er sich als den Thäter bezeichnete und an das Personal die Aufforderung richtete, ihn sestnehmen zu lassen. Nach dem Kriminslkom- missariat gebracht, gab er an, ein Kaufmann aus Posen zu sein und erzählte, daß er dort ein eigenes Geschäft betrieben und in Folge zahlreicher Verluste in Konkurs gerathen sei. Seit einiger Zeit ernähre er sich und seine Familie als Buchhalter in kümmerlicher Weise. Seiner Körperschwäche wegen (er ist auf einer Seite gelähmt) konnte er jedoch in letzter Zeit seine Stellung nicht mehr ausfüllen und mußte sie schließlich ausgeben. Seine hier wohnenden Verwandten ließen ihn im Stich,
1882. weßhalb die Verzweiflung über ihn kam. Ohne Obdach und vom Hunger gepeinigt, wollte er sich sreiwillig todten, aber der Gedanke, daß er dadurch seinen Kindern einen Makel aufdrücken würde, hielt ihn^da- von ab. Auf der Straße konnte er nicht liegen, stehlen wollte er nicht und deßhalb schlug er, um im Gefängniß Obdach zu finden, die Schaufensterscheibe eines Mannes ein, den der zugefügte Schaden nicht sehr schmerzen würde. Dem Wunsche des Unglücklichen wurde entsprochen, er wurde zur Hast gebracht.
. — In Breslau sind, wie die Zeitungen melden, gegen 360 russische Juden eingetroffen, meistens in großer Hülflosigkeit, sodaß Sammlungen für sie angestellt wurden. Sie wollen nach Amerika auswandern und sagten aus, daß in Brody noch 5000 aus der Gegend von Odessa bis Kiew vertriebene Glaubensgenossen der Weiterbeförderung harrten.
— Wien, 20. Jan. (K. Z.) Stündlich werden kleinere Zusammenstöße zwischen den Aufständischen und den Truppen und der Gendarmerie gemeldet; vier Gendarmen überraschten in Trebinje einen Führer der Aufständischen, Stargewitsch Angelics, im Schlafe; sie wollten ihn gebunden nach Bilek führen, wurden aber unterwegs von der Bande Osman Begs überfallen. Die Gefangenen wurden befreit und drei Gendarmen getödtet; der vierte entfloh verwundet nach Bilek. Mehrere im Süden garnisonirende Regimenter wurden mobilisirt, andere erhielten Befehle zur Marschbereitschaft. Ein hiesiger Großfuhrmann schloß mit der Heeresverwaltung einen Vertrag ab, nach dem er binnen kürzester Frist 600 vollkommen ausgerüstete zweispäunige Fuhrwerke für Bosnien und die Herzegowina zu stellen hat. Nach Privatnachrichten aus Bosnien gährt es dort bis nach Serajewo hin. Die Berichte der bosnischen Landesregierung lauten besorgt; im Kriegsministerium herrscht die eifrigste Thätigkeit. Eine Meldung, nach der die Türkei gegen gewaltsame Mittel behufs Einführung der Wehrpflicht in Bosnien und der Herzegowina protestirt haben soll, hat sich bisher noch nicht bestätigt, indessen wird ein solcher Schritt der Pforte in hiesigen Kreisen nicht für unwahrscheinlich gehalten, obwohl er selbstverständlich am Ballhausplatze die schlechteste Ausnahme und entschiedene Zurückweisung erfahren würde. Der türkische Botschafter Edhem Pascha verhandelte mehrfach mit dem Grafen Kalnoky, doch sollen, wie von beiden Seiten übereinstimmend gemeldet wird, nur Eisenbahnfragen bei diesen Besprechungen behandelt worden sein. — Die Ernennung Hohenwarts zum Präsidenten des Verwaltungsausschusses behufs Ermittlung der möglichsten Ersparungen machte bei der Linken den schlechtesten Eindruck. Die Annahme, Graf Hohenwart werde baldigst ins Ministerium eintre- ten, ist nach meinen Erkundigungen unbegründet. Die Linke wird, wie heute der Vorsitzende, Kopp, unter Anerkennung der Haltung des böhmischen Großgrundbesitzes erklärte, den entschiedensten Kampf oegen die Regierung fortsetzen, doch herrscht in Parlamentskreisen eine düstere Stimmung.
London, 21. Jan. (K. Z.) Daily News zufolge sind in Damiette Unruhen zwischen mohamedanischen Soldaten und Christen ausgebrochen. Die Einwohner sind sehr bestürzt, die Consuln halten tägliche Besprechungen und berathschlagen über die Mittel zur Dämpfung des Fanatismus.
— St. Petersburg, 21. Januar. Der „Regierungs-Anzeiger" veröffentlicht eine Verfügung des Ministers des Innern, durch welche das Erscheinen der Zeitung „Porjadok" auf drei Monate verboten wird. — Astrachan und Zarizin sollen mittelst Eisenbahn verbunden werden.
— Egypten. Kairo, 21. Jan. Die Notabelnversammlung hat die absolute Ministerverantwortlichkeit beantragt. Nur zwei Minister erklärten sich gegen den Antrag.
— Washington, 21. Jan. Der vollziehende Ausschuß des nationalen Gesundheitsamtes hat strenge Maßregeln gegen die Ausbreitung der Blattern, unter andern die Errichtung von "Quarantäne-Anstalten, beantragt.
— Unweit San Antonio in Texas war kürzlich am Morgen die Straße mit drei an Bäumen hängenden Mexikanern verziert Es waren Straßenräuber, welchen die deutschen Farmer der Gegend den Garaus gemacht hatten.
— New-A ork, 20. Januar. Der Dampfer „Greece" von der Rational-Dampfschiffs- Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier ein- getroffen.