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Freitag den 20. Januar
Nr. 17.
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Amtliches.
Gesund en: Ein Schlittschuh. Eine Zehnpfennigmarke und baares Geld, auf der Post liegen geblieben.
Zugelaufen: Ein grauer Hund. Ein gelber junger Hund, wèibl. Geschl.
Verloren: Ein Schlittschuh. Eine goldene Broche. Eine lederne Geldtasche mit 10 Pf.
Entlaufen: Ein junger gelber Pinscher, m. Geschl.
Hanau am 20. Januar 1882.
Aus Königl. Landrathsamt.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Die kirchliche Frage beherrscht gegenwärtig mehr als alles Andere unsere innere Politik und es ist darum erklärlich, daß man der Debatte über das dem Abgeordnetenhaus« bereits vorgelegte neue kircheupolitische Gesetz allseitig mit großer Spannung entgegensieht. Was die hauptsächlichsten Bestimmungen dieses aus fünf Artikeln bestehenden GZ tzentwurfes anbelangt, so setzt er im All-, gemeinen die am 1. Januar d. J. erloschenen Paragraphen des sogenannten Juligesetzes vom Jahre 1880 wieder in Kraft, wonach also den Bischöfen der Eid erlassen und die kommissarische Vermögensverwaltung unter gewissen Bedingungen aufgehoben wird, auch werden die eingestellten Staatsleistungen wieder ausgenommen. Ferner nimmt der Entwurf den vielberufenen Bischoisparagraphen aus 6er Regierungsvorlage vom 19. Mai 1880 und die Bestimmung über Dispensation der Geistlichen von den Bedingungen der Vorbildung wieder auf, er geht endlich über jene Vorlage hinaus, indem er die Entscheidung über den gegen eine Anstellung eines Geistlichen erhobenen Einspruch dem Cultusminister an Stelle des kirchlichen Gerichtshofes überträgt, soweit es sich hierbei um Hilfsgeistliche handelt. Ueber die Ablehnung oder Annahme dieses neuesten kirchenpolitischen Gesetzentwurfes im Landtage läßt sich jetzt natürlich noch kein Urtheil fällen, doch enthält derselbe so viele für das Centrum annehmbare Bestimmungen, daß man die Annahme dieses Gesetzes durch das Centrum und durch die Consertzativen für wahrscheinlich halten kann. — Bei der am vergangenen Montag im Abgeordnetenhaus« stattgefundenen Präsidentenwahl wurden v. Köller (deutschconservatio) §um Präsidenten, Frhr. ö. Heereman (Centrum) zum ersten und Stengel (freiconservativ) zum zweiten Vicepräsidenten gewählt.
Die sich ihrem vorläufigen Ende nahenden Verhandlungen des Reichstages boten in der letzten Zeit nichts außergewöhnlich Interessantes dar. Am Montag genehmigte das Haus in erster und zweiter Lesung die Reblauskonvention und den Consularvertrag mit Griechenland und beichäftigte sich am Dienstag zumeist mit Wahlprüfungen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung genehmigte der Reichstag in zweiter Lesung § 1 der Brrussstatistik dem Commissionsantrage gemäß, wonach eine Viehzählung nicht stattfindet. Im Laufe der Berathung hatte Staatssekretär v. Bötticher erklärt, es bestehe die Absicht, die socialen Barlagen so zu fördern, daß sie im Frühjahr einbringbar seien. Für die Unfallversicherung brauche man die Berufsstatistik nicht, sie sei aber nothwendig für die Alters- und Juvalidenversorgung. Auch ohne diese Entwürfe werde es dem Reichstage an Arbeit nicht fehlen. Der Reichstag genehmigte am Mittwoch die für das Reichstagsgebäude geforderte Summe in erster und zweiter Lesung und nahm den Antrag Windthorst auf Aufhebung des Jnternirungsgesetzes in dritter Lesung unverändert an. Am gleichen Tage legte im Abgeordnetenhause der Finanzminister den Etat von 1882/83 vor, welcher mit M. 939 806 617 balancirt und einen verfügbaren Ueberschuß von 28 862 485 M. ergibt. Das Ordinarium beträgt M. 905 727 373 und das Extraordinarium M. 34 079 249.
Die Nachrichten, daß die Stellung des Ministers für Landwirth- schast, Dr. Lucius, wegen angeblicher Meinungsverschiedenheiten desselben mit dem Fürsten Bismarck über die socialpolitischen Gesetzentwürfe erschüttert sei, werden ojficiös als völlig grundlos bezeichnet.
Der badische Landtag ist durch großherzszlichen Erlaß auf den 25. d. M. einberufen worden, um u. A. auch über verschiedene Eisenbahn-Vorlagen Beschluß zu fassen.
(Oesterreich-Ungarn.) Die Vorgänge im äußersten Süden der österreichischen Monarchie sind derartiger Natur, daß das Wiener Cabinet die Einberufung der Delegationen beschlossen hat, um zunächst von denselben einen außerordentlichen Credit zu verlangen. Es ist kein
1882.
Zweifel mehr, daß sich Oesterreich in Süd-Dalmatien und anscheinden auch in der Herzegowina einem wohlorganisirten Aufstande gegenübersieht, der von serbischen und russischen Agitatoren geschürt wird. Einer dieser Agitatoren, ein gewisser Matanovics, wurde in Cattaro verhaftet und fand man bei ihm Papiere von großer Wichtigkeit, welche über die Organisation des Aufstandes Aufschluß geben. Angesichts der drohenden Situation in Dalmatien hat die österreichische Regierung energische militärische Maßregeln angeordnet und eine Reihe von Regimentern hat bereits Marschbefehl nach dem Süden erhalten. f " . 7 4
(Frankreich ) Die innere Lage in Frankreich wird gegenwärtig ausschließlich durch das G^mbetta'sche Revisionsprojekt der französischen Verfassung und im Zusammenhang hiermit durch die Listenscrutiniums- frage beherrscht. Die Stimmung in der Deputirtenkammer wie im Senat ist allerdings diesen Plänen des französischen Ministerpräsidenten wenig günstig, aber es ist trotzdem nicht unwahrscheinlich, daß es dem entschiedenen Auftreten Gambetla's gelingen wird, mindestens das Listen- scrutinium durchzusetzen. Bekanntlich scheiterte dieses Projekt im vergangenen Jahre an dem Widersprüche des Senats, nachdem nun aber die Ersatzwahlen für den Senat die republikanische Mehrheit in dieser Körperschaft und speciell die Opportunisten, die Partei Gambetta's, erheblich verstärkt haben, sind die Aussichten für die Annahme des Listen- scrutiuiumS auch im Senate günstigere geworden. Jedenfalls ksnn man aber den Debatten über diese Angelegenheit in den Kammern mit großer Spannung entgegensetzen.
(Englan d.) Die politischen Parteien in England rüsten sich bereits für den bevorstehenden parlamentarischen Kamps, welcher mit der am 7. Februar erfolgenden Eröffnung des englischen Parlamentes seinen Anfang nehmen wird. Northcote, der Führer der Conservativen, hat die Mitglieder der Opposition aufgefordert, bei Beginn der Parlamentssession auf ihren Plätzen zu sein, da unzweifelhaft bei der gegenwärtigen kritischen Lage der Dinge in der bevorstehenden Session schon bald nach deren Eröffnung sehr wichtige Verhandlungen zu erwarten seien. Diese Verhandlungen werden sich wohl zunächst auf die von der englischen Regierung geplanten Veränderungen der Gesäftsordnung des Parlaments beziehen, worüber zwischen den Conservativen und den Liberalen große Meinungsverschiedenheiten herrschen.
(Rußland.) Der russische „Regierungsbote" hat das Reichs- budget für 1882 veröffentlicht, wonach die Finanzlage des russischen Reiches keine ungünstige zu nennen ist. Die Gesammteinnahmen und Gesammtausgaben balanciren mit 762 Millionen Rubel und zwar betragen die gewöhnlichen Einnahmen nach der Aufstellung des Finanz- ministers ca. 654 Millionen Rubel, während die ordentlichen Ausgaben auf 658 Millionen Rubel veranschlagt sind. — Am Montag fanden vor dem Petersburger Militairbezirksgerichte die Verhandlungen in dem Processe gegen Sankowsky und Melnikow wegen des gegen General Tscherewin, den früheren Gehilfen des Ministers Jgnatieff, gerichteten Mordanfalles statt. Da das Gerichtsverfahren ein geheimes war, so ist über den Ausgang des Processes noch nichts bekannt.
(Schweden und Norwegen.) Am vergangenen Dienstag wurde zu Christiania der außerordentliche norwegische Storthing (Landtag) zur Berathung des Handelsvertrages mit Frankreich eröffnet. Die Thronrede betont die große Bedeutung des Handelsvertrages für den Handel und die Schifffahrt Norwegens und erwähnt außerdem noch der stattgehabten Vermählung des schwedischen Kronprinzen und der in den wirthschaftlichen Verhältnissen eingetretenen Besserung.
(Orient) Im Orient ist es noch immer die egyptische Frage, welche die europäischen Cabinete jetzt am meisten beschäftigt. Der Protest der Pforte gegen das Vorgehen Englands und Frankreichs in Egypten wird allseitig als ein Zeichen aufgefaßt, daß die Türkei entschlossen ist, ihre Suzeränitäts-Rcchte über Egypten energisch zu wahren. Indessen werden keine ernsten Verwickelungen aus der egyptischen Angelegenheit befürchtet.
(Tunis.) Aus Tunis kommt die Aufsehen erregende Nachricht, daß der zweite Bruder des Bey, Tajeb, durch den tunesischen Kriegsminister plötzlich verhaftet worden ist und in einem Gemach des Bardo bewacht wird. Man vermuthet, daß es sich um eine Verschwörung ge- gen den Bey, deren Haupt Tajeb sein soll, handelt.
Tagesschau.
— Berlin, 19. Jan. In seiner heutigen (29.) Plenarsitzung