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Theaters für nothwendig erachtete Thüren nicht hatte anfertigen lassen. Man zollt von allen Seiten der Energie, mit welcher die polizeiliche Behörde die an höchster Stelle begutachteten Sicherheitsmaßregeln ins Leben ruft, den vollsten Beifall. Der Deutsche Landwirthschaftsrath beginnt feine nächste Session am 13. k. M. Auf der Tagesordnung stehen: die Währungsfrage, der Erlaß eines neuen Aktien-, eines neuen Gensssenschaftsgesetzcs, Reichsvcrsicherungswesen, insbesondere Gesetzge­bung über Unfallversicherung, Eisenbahntariffrage.

In der letzten Reichstagssession wurde von einer Kommission der vom Abg. Buht eingebrachte Gesetzentwurf über das Verbot der Kunstweinfabrikation angenommen. Wie der Nat.-Z. berichtet wird, hat man im Reichsgesuudheitsamt ein derartiges Gesetz für die nächste Reichstagssession in Aussicht genommen. Inzwischen soll nach Berlin ein Kongreß von Weinproduzenten berufen werden, um für das Verbot der auf die Täuschung des Publikums gerichteten Fabrikation von Kunstweinrn zu wirken.

Zur dritten Berathung des Etats werden die Csnservativen durch den Abg. v. Massow den Antrag einbringen, die in zweiter Le­sung abgelehnte Forderung für die Errichtung einer Knabeuerzikhungs- und Untcrosficiervorschule in Neubreisach zu bewilligen. Da bei dieser Frage neben und über den militärischen Interessen wichtige nationale Gesichtspunkte in Betracht kommen, so wird hoffentlich auch die liberale Partei diesem oder einem das gleiche Ziel verfolgenden Anträge ihre Unterstützung nicht versagen, vielmehr einen der Wege erschließen helfen, auf welchen deutsches Wesen seinen Einzug in die Bevölkerung des Reichslandes halten kann.

Es wird derGermania" versichert, daß die Liste der Candi­daten für den fürstbischöflichen Stuhl in Breslau bereits an das Domkapitel zurückgesandt sei. Ueber den Termin der Wahl verlautet noch nichts.

Deutschland besitzt zwanzig Universitäten, auf denen es im Win­tersemester 18801881 21 168 Studireude gab, davon kamen auf Ber­lin 4107, Leipzig 3326, München 1890, Breslau 1281, Halle 1211, Tübingen 1074, Göttingen 959, Würzburg 921, Bonn 887, Königs­berg 788, Straßburg 745, Marburg 604, Greifswald 599, Heidelberg 543, Erlangen 473, Freiburg 443, Jeua 438, Gießen 391, Kiel 288, Rostock 200. Unter diesen Studirenden war die Zahl der Nichtdeutschen am größten in Heidelberg, nämlich 20 Prozent, sodann in Straßburg 12 Prozent, in Leipzig 8 Prozent, in Berlin, München und Würzburg 6 Prozent in Halle und Göttingen 4 Prozent rc Die Frequenz an den 9 deutschen technischen Hochschulen, betrug im Wintersemester 1880 81 insgesammt 2633 Studirende, welche Zahl sich solgendermaßen vertheilte: Berlin 831, München 383, Dresden 352, Stuttgart 310, Karlsruhe 257, Hannover 245, Aachen 121, Darmstadt 77, Braunschweig 57.

In Düsseldorf hat die letzte Kunst- und Industrie-Aus­stellung einen Ueberschuß von 240 000 M. ergeben. Dieser Tage fand eine Versammlung statt, um zu berathen, was mit der sittlichen Summe anzufangen sei. Die meisten Düsseldorfer wünschen die Summe durch Beiträge zu vergrößern und dann ein kunstgewerbliches Museum zu bauen.

Dresden, 13. Jan. Die Kammer der Stande genehmigte den Ankauf der Bahn Chemnitz-Würschnitz und der sächsisch-thüringischen Ostwestbahn Zwickau Weida.

In München macht ein Unglücksfall, welcher sich dieser Tage bei einem dortigen Zahnarzt ereignete, großes Aufsehen. Eine junge Bürgersfrau von Giesing wollte sich Zähne ausnehmen lassen; der Zahn­arzt fand es für nöthig, die zu Behandelnde mit Chloroform zu betäu­ben. Während nun die Betreffende unter dem Einflüsse der Chloroform- Narkose im Stuhle saß, bemerkte plötzlich der für einen Moment an einem Seitentische beschäftigte Zahnarzt, als er zu seiner Patientin zu­rückkehrte, eine auffallende Veränderung in deren Gesichtszügen. Alle sofort angewendeten Mittel, um die Betäubte wieder zu sich zu bringen, blieben erfolglos und mußte der Zahnarzt sich alsbald zu seinem Schrecken vergewissern, daß seine Patientin eine Leiche war. Amtliche Erhebungen über dieses Vsrlommniß sind im Gange. Dem Vernehmen nach wurde auf ausdrücklichen Wunsch der betreffenden Patientin die gewöhnliche Dosis Chloroform angewendet und keine der hierbei üblichen Vorsichts maßregeln versäumt.

Brüssel, 12. Jan. Gestern fand hier die internationale Fahrplan-Conferenz behufs Herstellung der Sommerfahrpläne für das laufende Jahr statt. Außer den sehr bedeutenden Veränderungen, welche durch die Eröffnung der Gotthard-Bahn bedingt wurden, sind wesentliche Verbesserungen im internationalen Verkehre vereinbart worden; so z. B. wurde die Verbindung Wien-Köln bezw. London um mehrere Stunden gekürzt. Die Mitglieder der Conferenz besichtigten heute die ausgedehn­ten Hafen- und Bahnanlagen in Antwerpen, sowie die Quais und Schiffe der Great Castern Bahn. Am 28. Juni wird die nächste inter­nationale Fahrplan-Conferenz in Lindau stattfinden.

Die am 18. Dezember erfolgte Zählung der Einwohner von Paris hat ergeben, daß Paris an diesem Tage 2 225 910 Einwohner hatte; es hat in fünf Jahren um 237 104 Einwohner zugenommen.

Von den excentrischen Arrondissements haben fünf über 20 000 Ein­wohner mehr als bei der Zählung von 1876, das ganze Seinedeparte­ment ist um 341 961 Seelen gewachsen.

Paris, 12. Jan. (K. Z.) Gambetta besteht auf Durch­führung der Listenabstimmung, obgleich fast alle republikanischen Blätter, mit Ausnahme der persönlichen Blätter des Conseilspräsidenten, sich gegen diese Maßregel aussprechen. Selbst solche Blätter, welche der Listenabstimmung als solcher den Vorzug geben, rathen von der Annahme derselben unter den jetzigen Verhältnissen ab, weil sie jetzt Gambetta allmächtig machen würde. Sogsr die Union Rüpublicaine, das Organ des neuen Seinepräfekten, zeigt Bedenken. Im Ministerrathe, der unter Gambetta's Vorsitz diesen Morgen gehalten wurde, kam die Frage be­reits zur Berathung. Mehrere Minister riethen, die Listenabstimmung aus dem Gesetzentwurf betreffs Veränderung der Verfassung zurückzu­ziehen; Gambetta blieb jedoch fest in seinem Willen. Darauf beschloß der Ministerralh denn, daß im Gesetzentwurf die Herstellung der Listen- abstimmung aufrecht erhalten bleiben, der Entwurf der Deputirtenkammer sofort nach Bildung ihres Bureaus vorgelegt und für denselben die Dringlichkeit verlangt werden solle.

Paris, 12. Jan. Der Jndöpendant versichert, daß vor dem Jahre 1883 keine tilgbare Anleihe gemacht werden würde. In den Staatskassen seien am Schluffe letzten Jahres 500 Millionen vorräthig gewesen.

Paris, 13. Jan. (K. Z.) Infolge 8er vom Congreß der Elektriker kundgegebenen Wünsche hat die französische Regierung be­schlossen, an die Marinestaaten Vorschläge wegen Zusammenberufung einer diplomatischen Conferenz zu richten, welche das völkerrechtliche Verhältniß der un erseeffchen Telegraphen ordnen soll.

Der France zufolge ist den großen Eisenbahngesellschaften vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten eine Note zugegangen, in welcher ihre Zustimmung zu folgenden Vorschlägen gefordert wird: Ermäßigung der gegenwärtigen Personeutransporttarife um 50 pCt ; Uebernahme der Verpflichtung, die Waarentransporte auf dem kürzesten Wege zu bewerk­stelligen; endlich Ermäßigung der Waarentransporttarife um 20 pCt. Dagegen würde der Staat auf die Abgaben verzichten, welche er gegen­wärtig von dem Eisenbahnverkehr erhebt. Die Eisenbahngesellschaften wurden um Mittheilung ihrer Antwort innerhalb 14 Tagen ersucht, von der Annahme oder Ablehnung der ihnen gemachten Vorschläge würden die weiteren Entschließungen der Regierung abhängig feinJ

St. Petersburg, 13. Januar. DerRegierungsanzeiger" veröffentlicht den Kaiserlichen Ukas über den Loskauf des Bauernlandes sowie die Ernennung der bisherigen Leiter der Ministerien der Finan­zen und des Krieges Bunge und Wannowski zu Ministern und die Er­nennung des Ministers der Kommunikationen Possiet zum Admiral.

Reichsgerichts-Entscheidungen.

Die Bestimmungen der deutschen Civilprozeßordnung darüber, unter welchen Voraussetzungen die Vollstreckbarkeit ausländischer Erkennt­nisse zu versagen ist, finden, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Civilsenats, bim 5. November 1881, keine Anwendung auf die Voll­streckbarkeit der im Auslande ergangenen Schiedssprüche. Diese sind in Deutschland unter denselben Bedingungen vollstreckbar, unter welchen in­ländische Schiedssprüche (entsprechend den Bestimmungen des X. Buchs der Civilprozeßordnung) boUiiredt werden können. Auch ist hierbei nicht in Betracht zu ziehen, ob die Schiedsrichter von den Parteien direkt ge­wählt worden sind, oder sb die Parteien auf die Entscheidung durch solche Personen kompromittirt haben, welche von Vereinen oder Berufs­klassen an einzelnen Orten zu dem Zwecke gewählt worden sind, um als geeignete Schiedsrichter für gewisse Arten von Streitigkeiten angerufen werden zu können.

Lokales.

Hanau, den 14. Januar.

(Theater.) Fräulein Gruber, welche ihre Rolle an unse­rem Stadttheater, wie allen Besuchern desselben zur Genüge bekannt ist, aufs Beste ausfüllt und daher such in der Gunst des Publikums hoch steht (wir erinnern nur an die von der Dame gespielten RollenGräfin Danischeff",Clementine" inWohlthätige Frauen" rc.), hat am nächsten Mittwoch ihr Benefiz und zu dem Abend ein ZugstückDer Herrgott­schnitzer von Ammergau" gewählt. Wenn das Stück an und für sich schon Viele bestimmen mag das Theater zu besuchen, so wird es zu dieser Gelegenheit noch in erhöhtem Maße der Fall sein, um Frl. Gruber zu zeigen, daß ihr Streben auch die gehörige Würdigung findet.

Heute Morgen wurde durch die Polizeibehörde ein Individuum, das sich mit selbstgefertigten Papieren fechtend umhertrieb, in Haft ge­nommen. Wie wir erfahren, ist der Verhaftete ein ganz intelligenter Mensch, der als Einjährig - Freiwilliger gedient hat, nachher aber auf Abwege gerieth.