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Hanauer Astiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Nr. 11.
Freitag den 13. Januar
Amtliches.
Zahlreiche Kreiskorporationen und Gemeinden, welche in neuerer Zeit unter Benutzung der augenblicklichen Lage des Geldmarktes die Herabsetzung des Zinsfußes der von ihnen ausgegebenen, auf den Inhaber lautenden Anleihescheine (Obligationen) beschlossen und zu diesem Bebufe nicht den Weg der Abstempelung der bisherigen Anleihescheine, sondern den der Ausgabe neuer Stücke gewählt haben, sind hierbei von der Absicht geleitet worden, mit dem Zeitpunkte der Begebung der letzteren eine neue Tilgungsfrist unter Beibehaltung des Satzes der alten Tilgungsquote beginnen zu lassen. Durch eine derartige Finanzoperation wird eine Verlängerung der ursprünglich festgesetzten Tilgungsfrist bewirkt, welche als zulässig nicht erachtet werden kann. Dieselben Er- wäquugsgründe, welche zu der in den Circular-Erlassen vom 8. Septbr. 1868 (Min. Bl. der inn. Vcrw S. 276) und vom 22. März 1875 (Min. Bl. S. 124) enthaltenen Bestimmung geführt haben, daß zur Tilgung der von Korporationen in Jnhaberpapieren aufzunehmenden Anleihen ein bestimmter Prozentsatz des ursprünglichen Schuldkapitals verwendet werden soll, um eine den allgemeinen volkswirthschaftlichen Interessen entsprechende Normirung der Tilgungsfristen herbeizuführen, sind auch dafür maßgebend, daß grundsätzlich der ursprünglich festgesetzte Endtermin der Tilgung auch für die Tilgung derjenigen Anleihe innegehalten werden muß, welche an die Stelle der bisherigen zu treten bestimmt ist.
Die Tilgungsquote für die sogenannten Convertirungsanleihen ist daher so zu berechnen und in den bezüglichen Korporationsbeschlüssen so festzusetzen, daß die Tilgung der neuen Anleihe mit dem sür die Tilgung der einzulösenden Anleihe bestimmten Zeitpunkte beendet ist.
Berlin den 6. Dezember 18'1.
Der Finanz-Minister. Der Minister des Innern.
,__________Bitter.__Im Auftr : Herrfurth.
Gefunden: Acht Stück zusammen gebundene Schlüssel. Ein schwarzer Muff. Zwei weiße Taschentücher,
Entlaufen: Ein Leonberger, langhaarig, geschnittene Ohren, m Geschlechts.
Verloren: Ein gelber Glacehandschuh. Ein Portemonnaie mit ca. 5 M nebst Visiten-Karten.
Hanau am 13. Januar 1882.
Aus Königl Landrathsamt.
f o-MmWWtn^ tms-lknhi M Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 21. Januar, Nachmittags IV2 Uhr, im Gasthaus zum „goldenen Löwen" in Hanau.
Tagesordnung:
1) Verschiedene Mittheilungen.
2) Mittheilung über Anschaffung guter Obstbäume.
3) Berichterstattung des Herrn Kreisthierarzt Collmann über die von dem Verein ausgegebenen Zuchtbullen.
4) Vergeben eines Vereins-Bullen.
Die Gemeinden, welche daraus reflektiren, sollen sich innerhalb 10 Tagen bei dem Vorstand melden.
5) Versteigerung der von dem Verein angeschafften Trieurs (Frucht- reinigungsmaschinen).
6) Zuckerrübenbau. Besprechung über die Reise nach Wabern, zum Zweck der Einsichtnahme der bertigen Zuckerfabrik.
D er Vorstand.
Die Herren Bürgermeister werden um Veröffentlichung des Vorstehenden gebeten.
Hanau am 10. Januar 1882.
Der Landrath.
Rmkhfchsn.
R. F. (Deutsches Reich.) Nach dreiwöchentlicher Pause hat der deutsche R ichstag seine durch die Weihnachtsferien unterbrochene Thätigkeit am 9. Januar in voll cm Umfange wieder ausgenommen.
1882.
Die Sitzungen am Montag und Dienstag waren der Hauptsache nach der Berathung über die Interpellation des Frhrn. v. Hertling (Centrum) gewidmet: ob die verbündeten Regierungen beabsichtigten, die bestehende Fabrikgesetzgebung einer weiteren Ausbildung zu unterziehen. Der am Montag im Reichstage mit anwesende Reichskanzler Fürst Bismarck beantwortete die Interpellation, welche besonders auf die möglichste Beschränkung der Sonntags- und Frauenarbeit Bezug nahm, im Allgemeinen dahin, daß die von dem Vorredner gegebene Anregungen noch verfrüht erschienen, doch gab der Reichskanzler zu verstehen, daß die verbündeten Regierungen Reformanträge im Sinne der Interpellation voraussichtlich im Laufe dieses Jahres — etwa im April — einbringen würden, aus welcher Mittheilung des Reichskanzlers man also auf eine bevorstehende Frühjahrs-Session des Reichstages schließen kann. Im Uebrigen betonte Fürst Bismarck die großen Schwierigkeiten, welche sich der Frage einer Verminderung der Arbeitszeit entgegenstellten und warnte deshalb davor, groß?, unerfüllbare Hoffnungen nach dieser Richtung bei den Arbeitern anzuregen. Die übrigen Redner, welche am Montag und Dienstag noch über den in Rede stehenden Gegenstand sprachen, gaben alle ihre Sympathie sür eine weitere Ausbildung der Fabrikgesetzgebung zu erkennen und selbst der socialistische Abgeordnete Grillenberger erklärte sich mit einzelnen Punkten der Hertling'schen Interpellation einverstanden. Die Sitzung am Dienstag schloß mit ziemlich lehaften Auseinandersetzungen conscrvativcr und liberaler Redner über verschiedene Punkte der Arbeiterfrage. In seiner Sitzung am 11. Januar lehnte der Reichstag zunächst den Antrag des socialistischen Abgeordneten Rittinghausen auf Vermehrung der Zahl der Reichstagswahlkreise ab. Hierauf folgte die Berathung des Antrages Windthorst auf Aufhebung des Expatrii- rungsgesetzes gegen die reu tenten katholischen Geistlichen und empfahl der Antragsteller seinen Antrag als das beste Mittel zur Anbahnung einer Aussöhnung zwischen den kirchlichen Gegensätzen in Deutschland, v. Kleist Retzsw erklärte sich Namens eines Theiles der Csnservaiiven gegen den Antrag, während der andere Theil der Couservativen für den Antrag stimmen werde. Von den National-Liberalen sprach sich Ho- brecht gegen, Namens der Polen Jadczewski sür den Antrag aus, auch Virchow erklärte, daß der größte Theil der Fortschrittspartei für den Antrag Windthorst stimmen würde.
Auch die meisten Reichstags-Commissisnen haben mit Beginn dieser Woche ihre Thätigkeit wieder ausgenommen. Die Commission für den Bau eines Reichstagsgebäudes wählte am Montag eine Süll Commission behufs Feststellung des Bauprogrammes. Ebenso hielt die Commission für den Anschluß der Unterelbe an das Zollgebiet eine Sitzung an genanntem Tage ab, in welcher beschlossen wurde, den für gedachten Zweck geforderten Reichszuschuß in der Höhe von 200 000 Mark zu bewilligen.
In der bayerischen Abgeordnetenkammer wurden am 10 Januar die Anträge des clericalen Abg. Lenzer auf Minderung der Mililair- ausgaben und auf spätere Anberaumung der Zeit für die jährliche Hauptübung der bayerischen Truppen berathen. Der liberale Avgeord- nete Frankenburger hatte hierzu die Modifikation beantragt: „soweit dies ohne die Schädigung der Reichswehrkrast und der Schlagfertigkeit des Heeres geschehen kann." Es ist bezeichnend für die Tendenzen der ultramontanen Mehrheit in der genannten Kammer, daß die Anträge Lenzer's ohne diese Modifikation angenommen wurden.
(Oesterreich-Ungarn.) Der Streit der Nationalitäten im österreichischen Kaiserstaate ist zur Zeit ziemlich verstummt und es richtet sich daher die allgemeine Aufmerksamkeit in Oesterreich jetzt vorzugsweise auf die nicht zu leugnende ernste Lage in Süd-Dalmatien und den angrenzenden Theilen Bosniens und der Herzegowina. Die ansehnlichen Verstärkungen, welche die österreichische Regierung nach den genannten Bezirken zu senden im Begriff steht, beweisen, daß man in Wien die aufständische Bewegung im Süden der Monarchie vollständig zu würdigen versteht. Diese Bewegung ist von um so größerer Bedeutung, als sie, wie schon angedeutet, selbst nach Bosnien und der Herzegowina hineinreicht, von wo aus die aufständischen Bocchesen augenscheinlich Zuzug erhalten. Die militärischen Operationen in den aufständlschen Gebieten sollen nach Eintreffen der signalisirten Verstärkungen unter der