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Nr. 5. Freitag den
6. Januar 1882.
Amtliches.
Gefunden: Ein Regenschirm, auf dem Stadthause stehen geblieben. Eine Mütze mit den Buchstaben K. P. Zwei kleine Psrle- monnaies mit Inhalt. Ein kleines Messer mit rothem Stiel.
Entlaufen: Ein Doggenhund, schwedische Raye.
Hanau am 6. Januar 18^2.
Aus Königl. Landrathsamt.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Die Anzeichen auf eine Fortdauer des allgemeinen Friedens, unter denen das alte Jahr seinen Vorgängern folgte, haben durch die Aeußerungen der regierenden Häupter beim Neu- jahrsempfange an den einzelnen europäischen Höfen eine Verstärkung erhalten, denn mehr oder weniger lebhaft wurde hierbei auch die Hoffnung auf Erhaltung des europäischen Friedens ausgedrückt. Am entschiedensten sprach sich wohl Kaiser Wilhelm nach dieser Richtung hin aus, denn beim Empfange der Generalität betonte der Kaiser, daß er fest darauf vertraue, den Frieden wenigstens Europas auch in diesem Jahre erhalten zu sehen. Uebrigens ist es sehr bemerkt worden, wie officiös geschweben wird, daß bei dem diesjährigen Neujahrsempfange am Berliner Hofe Fürst Bismarck seit einer Reihe von Jahren zum ersten Male an der Spitze des Staatsministeriums zur Beglückwünschung des Kaisers erschien. Es heißt, der Kaiser habe Gelegenheit genommen, dem Reichskanzler bei diesem Anlaß erneut den Ausdruck seiner vollen Sympathie zu erkennen zu geben. Die Zahl der Glückwünsche, welche dem Kaiser telegraphisch zum Jahreswechsel zugingen, soll diejenige früherer Jahre noch erheblich übertroffen haben.
Die Aussichten auf eine baldige definitive Beilegung des kirchenpolitischen Streites in Preußen sind, wenn man die hierüber vorliegenden Nachrichten vergleicht, nicht so kurzer Hand abzuweisen. Besonders knüpft man an die Unterhandlungen, welche Dr. Busch an Ort und Stelle mit dem Vatikan gerührt hat, in Berliner politischen Kreisen große Erwartungen, dann wird auch der Mission des Cardinals Fürst Hohenlohe nach Rom eine besondere Wichtigkeit beigemrssen, derselbe soll der Ueberbringer eines eigenhändigen Schreibens des Kaisers an den Papst sein. Einen klaren Einblick in den Stand der Verhandlungen zwischen Preußen und Rom wird man jedoch erst durch die Verhandlungen im preußischen Landtage betreffs der erwarteten kirchenpolitischen Vorlage gewinnen.
Das Schlußergebniß der Volkszählung im deutschen Reiche vom 1. Dezember 1880 liegt nunmehr in seinen genauesten Ziffern vor. Die Gesammtbevölkerung Deutschlands betrug demnach bei der letzten Zä lung 45 234 061 Einwohner und zwar 22 185 433 männlichen und 23 045 625 weiblichen Geschlechts. Die Vermehrung gegen die Zähl! ng vom Jahre 1875 beträgt 2 505 689; auf Preußen kommt eine Bevölkerungsziffer von 27 279 111 (gegen 25 742 404 im Jahre 1875). Die Bevölkerung hat in allen Bundesstaaten und sogar in allen einzelnen Kreisen zugenommen, mit alleiniger Ausnahme des Kreises Waldshut in Baden, wo ein Abgang von 199 stattgesunden hat.
In den Rückblicken der Blätter beim Jahreswechsel werden auch vielfach den Wirkungen der Wirthschaitspolitik des Fürsten Bismarck eingehende Betrachtungen gewidmet. Dieselben fallen natürlich je nach dem Parteistandpunkte der einzelnen Blätter sehr verschieden aus, aber dem unbefangenen Beobachter kann es doch nicht entgehen, daß im Allgemeinen die deutsche Gewerbsthäiigkeit in fortschreitendem Aufschwünge begriffen ist. In allen Zweigen deutscher Industrie ist das vermehrte Leben zur unwiderlegbaren Thatsache geworden, das Geschäft, der Verdienst, hie Arbeit, der Lohn haben sich überall gehoben und man darf sich der Hoffnung hingeben, daß auch das begonnene Jahr einen weiteren Fortschritt unseres gesaminten wirthschastlichen Lebens bringen wird.
(Oesterreich-Ungarn.) Der Ausstand in Süd Dalmatien beunruhigt die österreichische Regierstng denn doch mehr, als sie sich viel, leicht selbst gestehen will. Am Montag fand beim Ministerpräsidenten Grafen Taoffe eine mehrstündige Berathung über die Vorgänge in der Krevoscije statt, welcher die Generäle Uebersheim und Thümmel sowie der Sratthalwr von Dalmatien, Jovanovic, beiwohnten. Letzterer begab sich am Dienstag direkt nach den aufständischen Bezirken. Gegen die aufständischen Bocchescn soll im Ganzen ein Armeccorps von 10 000
Mann, reichet) mit öen in einem solchen Kampfe besonders nullten Specialwaffen und durchgehends mit Gebirgskanonen versehen, zur Verwendung kommen. Das Corps soll bei Triest zusammengezogen und per Dampfer nach Cattaro befördert werden, von wo aus die eigentlichen Operationen gegen die Aufständischen beginnen sollen.
(Frankreich.) In Frankreich steht vielleicht schon für nächsten Monat ein wichtiges Ereigniß bevor, nämlich der Zusammentritt des Congresses in Versailles. Unter diesem Kongresse versteht man nämlich die gemeinschaftlichen Sitzungen des Senats und der Deputirtenkammer, f welche bald nach Wiederbeginn der parlamentarischen Session stattfinden und etwa zwei bis drei Wochen dauern werden. Der Congreß hat in . der Hauptsache die zwischen den beiden genannten Körperschaften schwe- - bcnden Differenzen zu beseitigen, aber dies kann unter Umständen sehr schwierig werden, da jede Kammer die gesetzgebende Gewalt behält, so ■ daß dann jedes Haus, wenn keine Einigung erfolgt, für sich zu tagen hat und die Vorstände des Senats und der Deputirtenkammer das Einvernehmen zwischen beiden Kammern herzustellen haben. Da jedoch vor dem Zusammentritt des Congresses die Ergänzungswahlen zum Senat stattfinden und die republikanische Mehrheit desselben hierdurch wahrscheinlich noch eine erhebliche Verstärkung erfahren wird, so sind keine die Verhandlungen des Congresses störende Zwischenfälle zu erwarten.
(England.) Die englische Regierung hat einen neuen Schritt zur Bekämpfung des agitatorischen Treibens der irischen Landliga unternommen. Bei Beginn dieser Woche find in Dublin und anderen irischen Städten die angesehensten Mitglieder der Frauen-Landliga verhaftet worden, welche eine fast ebenso rege Thätigkeit als die Mitglieder der bereits unterdrückten Landliga entfalteten. Diese neueste Maßregel des Cabinets Gladstone wird nicht verfehlen, die Erbitterung in der irischen Landbevölkerung gegen die englische Regierung noch zu steigern, aber letztere konnte gar nicht anders handeln, denn die verhafteten weiblichen Ligisten galten, seitdem Parnell und die übrigen Häupter der Landliga verhaftet wurden, als die eigentlichen Träger der agrarischen Bewegung.
(Italien.) Die Worte, welche König Humbert beim Neujahrsempfang an die Deputationen der italienischen Kammern richtete, haben, wie der „Köln. Ztg." gemeldet wird, in Italien einen um so tiefern Eindruck gemacht, je seltener König Humbert in die Staatsgeschäfte eingreift. Besonders sei die Verknüpsung der königlichen Worte, daß Italien jegliche auswärtige Einmischung in seine inneren Angelegenheiten entschieden zurückweisen werde, mit der Aufforderung des Königs an den Kammerpräsidenten, die rasche Erledigung der Militairvorlagen zu betreiben, sehr bemerkt worden. Es handelt sich hierbei um die Bewilligung von Nachtragskrediten im Betrage von etwa 200 Millionen Lire, welche Summe nöthig ist, um die für das italienische Heer geplanten Reformen durchzuführen, und es ist kein Zweifel, daß das italienische Parlament dem Wunsche des Königs entsprechen und die geforderten Summen bewilligen wird.
(Türkei.) Die langen Verhandlungen zu Konstantinopel über die Art und Weise der Abtragung der türkischen Kriegsschuld an Rußland haben noch immer nicht zu einem nennenswerthen Resultate geführt. Den hauptsächlichsten Streitpunkt zwischen den türkischen und den russischen Bevollmächtigten bildet noch immer die Höhe der Entschädigung und ehe mau sich hierüber geeinigt, dürfte noch manche Welle den Bosporus hinunterfließen.
(Egypten.) Die egyptische Nationalpartei unter Führung des Obersten Arabi Bey hat jetzt ein förmliches Programm veröffentlicht, dessen Hauptpunkte folgende sind: Anerkennung der Suzeränitätsrechte der Pforte über Egypten, Erfüllung der Zusage des Vicekönigs mit einer Delegirünversammlung zu regieren, Anerkennung der Nothwendigkeit einer allerdings blos provisorischen Finanzkontrole Egyptens durch die europäische Finanzkomnussion, Vergrößerung der egyptischen Armee bis auf 18 000 Mann. — Wie es heißt, wollen Frankreich und England demnächst gemeinsam gegen die Intriguen des abgesetzten Vicekö- nigs, Ismail Pascha, in Egypten vorgehen.
Tagesschau.
— Berlin, 5. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute die Vorträge des Kriegsministers von Kameke und des Militärkabinets entgegen. — Um 4 Uhr Nachmittags ist der Vize Prä- dent des Staats-Mmisteriums, von Putlkamer zum Vortrage befohlen.