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Nr. 3.
Mittwoch den 4. Januar
1882.
Amtliches.
Gefunden: Eine Peitsche. Ein goldener Ohrring. Ein weiß- und roth-karrirtes Umhängetuch. Ein Notizbuch über Backwaaren. Ein karrirtes Kindertaschentuch.
Zugelaufen: Ein Schaaf.
Verloren: Ein Fünfmarkschein. Ein Portemonnaie mit ca. 14 Mark.
Hanau am 4. Januar 1882.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesschau.
— Berlin, 3. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen gestern Nachmittag den Vortrag des Reichskanzlers Fürsten von Bismarck entgegen, empfingen heute den Polizei-Präsidenten von Madai, nahmen in Gegenwart des Gouverneurs und des Kommandanten mili< tärisckie Meldungen und hierauf die Vorträge des Chefs der Admiralität, Generals der Infanterie von Stosch und des General-Lieutenants von Albedyll entgegen. Später empfingen Se. Majestät den Oberst- Kämmerer Grafen Redern.
— Berlin, 3. Jan. Der Rücktritt des Oberprüfidenten der Provinz Ostpreußen, v. Horn, ist noch nicht erfolqt und schon erscheinen täglich neue Angaben über seinen Nachfolger. Nach uns zugehenden bestimmten Versicherungen hätte der jetzige Oberpräsident von Hannover, von Leipziger, die meiste Aussicht zur Berufung für diesen Posten; doch scheint man über seinen Nachfolger in Hannover noch nicht schlüssig. Die Absicht geht dahm, mit der Nachricht von dem Rücktritt des Herrn v. Horn auch sofort die Ernennung seines Nachfolgers zu veröffentlichen. Was im weitern über Candioaturen für die Oberpräsidentschaft von Ostpreußen, namentlich bezüglich des Finanzministers Bitter oder des Obelpräsidenten von Brandnrburg, Dr. Achenbach, verlautet, darf als haltlose und noch dazu ungeschickte Erfindung angesehen werden. — Heute sand im Palais des Reichskanzlers eine Sitzung ' des Ministerraths statt, die nahezu zwei Stunden währte. Es ist anzunehmen, daß d-e Kirchenvorlage den Hauplgegenstand der Berathungen gebildet hat. — Graf Herbert Besmaick kehrt heute auf seinen Posten nach London zurück.— Dem Ueb.rtritte einer Anzahl preußischer Officieie als Jnstruc- teure in die türkische Armee soll militürischerseits nichts im Wege stehen. (K. Ztg.)
— S. M. S. „Stosch", 16 Geschütze, ist am 18. November pr. vor Kobe Hiago angekommen und beabsichtigte am 23. dess. Mts. nach Nagasaki zu gehen. — S M S. „Hertha", 19 Geschütze, Kommandant Kapitän zur See von Kull, ist am 20. November v. Js. in Amoy eingetroffen und beabsichtigte am 15. Dezember v. Js. nach Nagasaki in See zu gehen.
— Die Wehrordnung gestattet Volksschullehrern und Candidaten des Volksschulwesens, sobald sie die vorgeschriebene Prüfung bestanden haben, nach kurzer Uebung unter den Waffen die sofortige Beurlaubung zur Reserve. Diese Beurlaubung ist jedoch nach einer Ministerialver- fügung nicht ein dem Lehrerberufe zugestandenes Vorrecht, sondern war durch den bisher fühlbaren Mangel an Bolksschuklchrern begründet. So soll denn auch die in Rede stehende Maßregel den zwar als Schulamts- kandidaten Geprüften, aber an Prioatrnstituten Beschäftigten nicht zu Gute kommen.
— Lus Cosel wird der Schlesischen Zeitung gemeldet, daß sich in der Zahl der Subhastationen ländlicher Grundstücke erfreulicherm! ise eine Abnahme bemerklich mache. Sei es infolge Einführung der Wuchergesetze, sei es, weil ich die bäuerlichen Verhältnisse durch die diesjährige gute Ernte wesentlich gebessert hätten, jedenfalls könne eine wesentlich günstige Aenderung konsiatirt werden. Während früher bei dem Königlichen Kreisgericht zu Cosel stets 100 bis 120 Suhl) Stationen ländlicher Besitzungen im Gange gewesen seien, würden jetzt beim Königlichen Amtsgericht, dessen Besirk jetzt dieselben Ortschaften wie das Kreisgericht umfasse, nur 17 ®tesL- n subbastirt.
— In Dresden starb am Weihnachtstage der General v. Schreibershofen, der älteste deutsche Militär; denn er wurde fast 96 Jahre alt. Ein Thüringer, in Neustadt a. O. geboren, trat er jung in kgl.
sächsische Dienste und diente, ein Kind seiner stürmischen, fast vaterlandslosen Zeit, vielen Heeren. Mit den Sachsen suchte er 1806 bei Jena gegen die Franzosen, wurde gefangen und bald Adjutant eines französischen Generals und sogar Ritter der Ehrenlegion. Mit den Franzosen kämpfte er 1813 bei Leipzig gegen die Verbündeten, wurde Adjutant des Engländers Wellington und kehrte nach Dresden zurück. Im Bundestage diente er als militärischer Bevollmächtigter Sachsens.
— München, 2. Jan. Seit einigen Tagen wird der Kassier des hiesigen Kreditvereins Josef Höß vermißt. Die gepflogenen Recherchen ergaben namhafte Unregelmäßigkeiten in der Kasse und der Geschäftsführung dieses Vereins. Die veruntreuten Summen sollen über 100 000 Mark betragen; Steckbrief ist erlassen.
— Paris, 2. Jan. Die Nachrichten, daß die Verhandlungen über den englisch französischen Handelsvertrag abgebrochen seien, werden von der „Ägence Havas" für unrichtig erklärt, mit dem Hinzufügen, daß die englischen Kommissare sich nach London begeben hätten, um Instruktionen bezüglich der neuen Vorschläge Frankreichs einzuholen.
— Gambetta tritt in mancherlei Weise in die Fußtapfen seines kaiserlichen Vorgängers Napoleon III. Wie dieser sucht er in der deutschen Presse vertrauliche Verbindungen anzuknüpfen und zwar durch seinen Privatsekretär Rainach. Zur Ehre der Presse sei es aber gesagt, er hat bis jetzt überall Körbe bekommen. Interessant ist es, daß Gambetta zu Ministern und Vertrauten drei Männer mit deutschen Namen und doch wohl auch.deutschen Ursprungs hat: Weiß, Spuller, Steinach.
— Rom, 31. Dezbr. Die Eruptionen des Vesuv haben in den letzten Tagen zuaenommen. In der Richtung aus Ottainno ergießt sich neue Lava. In vielen Orten wurden Erderschütterungen wahrge- nommen.
— Rom, 2. Jan. (K. Z.) Die Neujahrsworte des Königs an die Deputation der Kammern haben einen um so tiefern Eindruck gemacht, je seltener König Humbert persönlich in die Staatsgeschäfte eingreift. Besonders bemerkt wird die Verknüpfung der Worte, daß jegliche auswärtige Einmischung in innere Angelegenheiten zurückzuweisen sei, mit der Aufforderung an den Kammerpräsidenten, die rasche Erledigung der Militärvorlagen zu betreiben. Dieses eines Sohnes Vietor Emanuels würdige Auftreten hat freudigen Widerhall bei allen Parteien außer den Clericalen gefunden.
— Dublin, 2. Januar. Gestern sind sowohl hier wie auch an anderen Orten Irlands mehrere hervorragende Mitglieder der Frauen- Landliga verhaftet worden.
— Petersburg, 3. Jan. (K. Z.) Das Journal de St. Pe- tersbourg meldet, China habe die erste Rate der in dem Kuldscha-Ber- trag festgesetzten Entschädigungssumme an Rußland auszahlen lassen.
— New-Jork, 30. Dez. Die südliche Pacific. Eisenbahn von San Francisco nach New-Orleans ist eröffnet worden. Dieselbe Bahn ermöglicht eine billigere Verbindung zwischen England und der Küste des Stillen Oceans und dürfte auch insbesondere auf die Verschaffung von ©etieibe nach Europa einwirken.
— Tri est, 2. Januar. Der Lloyddampfer „Juno" ist heute Vormittag IO14 Uhr mit der ostindischen Ueberlaudpost aus Alexandrien hier eingetroffen.
— New-Iork, 2. Januar. Der Daüipfer des Norddeutschen Lloyd „Mosel" ist hier eingetroffen.
Reichsgerichts-Entscheidungen.
— Macht in einem Strafverfahren ein vor der Hauptverhandlung vom Untersuchungsrichter vernommener Zeuge in der Hauptverhandlung von seinem Rechte, das Zeugniß zu verweigern, Gebrauch, so kann nach einem Urtheil des Reichsgerichts, 1. Strafsenats, vom 1. November v. I., das Gericht den Untersuchungsrichter über die Angaben dieses Zeugen zeugeneidlich vernehmen.
— Der Einspruch gegen ein Versäumnißurtheil, für welches § 304 Abs. 1 der deutschen Civilprozeßordnung eine Nothfrist von zwei Wochen festgesetzt hat, welche mit der Zustellung des Versäumnißurtheils beginnt kann nach einem Urtheil des Reichsgerichts, V. Civilsenats, vom 23.