verständiger Liebe zum Sohne. Vielfachen Beifall erntete Herr Herrmann, der den Gaisbub zu einer köstlichen Figur ausarbeitete und die Anwesenden mit seinem „Schenk mir was" und seinen dummklugen Scherzen immer wieder zur Heiterkeit hinriß. Von den übrigen Mitspielenden nennen wir noch als, jede Partie in ihrer Art, wohlgelungen Frl. Großer (Nandl) und die Herren Schlägel (ein vortrefflicher Klosterwrrth), Friedrich (Maler), Dederich (Muckl), Temme (Röthelbachbauer), während sich die Herren Schwarz (Hochzeitlader) und Süwer (Schneider) in ihrer bekannten Komik wieder geltend zu machen wußten. Auch die sonstigen Darsteller zeigten sich angeregt und mit Eifer bemüht, die Gruppen-Scenen und Bauerntänze gut auszuführen —
Fast nach jedem Acte wurden die Milwirkenden mit Beifall geehrt, und es erfolgte namentlich auch an dem dramatisch belebten und sehr wirksamen Schlüße des dritten Actes mehrfacher Hervorruf. Es war ein wohlgelungener Abend, und das Stück wird auch ferner auf eine günstige Aufnahme rechnen können.
— Alle, welche glauben, auf die mehrmals in unserem Blatte erwähnten Vermächtnisse der Demoiselle Marie Elisabeth F affin Anspruch machen zu können, haben solche morgen, Mittwoch den 4. Januar, Nachmittags 4 Uhr, unter Vorlage der entsprechenden Zeugnisse, bei der Dia- konie der wallonischen Gemeinde (franz. Waisenhaus in der Frankfurter Straße) geltend zu machen.
— Eine Anzahl roher Jndividien (den augerichteten Verwüstungen nach müssen es mehrere gewesen sein) kühlten in der Neujahr snacht ihren Muth an Thüren und Häuschen verschiedener in der Nähe des Dammes der Friedberger Bahn bei Heusers Wiese gelegenen Gärten und fügten durch solche bübische Handlungsweise den Besitzern recht empfindlichen Schaden zu.
— Durch das gestern eingetretene starke. Thauwetter ist der Eis- erndte ein sehr schnelles Ende bereitet worden; glücklicherweise ist der Bedarf der Herrn Brauer ziemlich gedeckt, so daß für die wärmere Jahreszeit doch ein kühles Glas Gerstensaft zu erhoffen ist.
(Theater.) Wir erinnern wiederholt an das morgen stattfindende Benefice des Herrn F. Schlägel und empfehlen den beliebten Künstler bester Berücksichtigung durch ein volles Haus.
V ersteigerung s- und Verpachtungs- rc. Kalender für M-ttwoch den 4. Januarr.
Nachmittags 2 Uhr werden im Landkrankenhause dahier eine Partie getragener Kleidungsstücke gegen Baarzahlung verkauft; zugleich werden alte Leinwand und Putztücher, Knochen, Gespül und Küchenabfälle für das Jahr 1882 meistbietend vergeben.
— Für heute. Oratorienverein: Probe für die Damen um 70r, für die Herren um 80s Uhr. — Geflügelzucht Verein: Abends 8 Vs Uhr im Vereinslokal: Gratisverloosung resp. Versteigerung diverser Tauben.
— Bockenheim, 2. Jan. Ein dahier arbeitender Schuhmachergeselle, der in vsriger Woche (am 2. Weihnachtstag) mit noch einem Nebengesellen nach Frankfurt ging uns daselbst ein Tanzlokal besuchte, ist noch nicht wieder hierher zurückgekehrt und ist man im Kreise seiner Bekannten über den Verbleib desselben nicht ohne Sorgen, da sich bis jetzt noch nicht das Geringste darüber ermitteln ließ. (B. A.)
— Bockenheim, 2. Jan. Die Mitglieder der hiesigen ehemaligen Turner-Feuerwehr haben, nach dem „B. A.", in einer Generalversammlung beschlossen, den vorhandenen Kaffenbestand unter sich zu vertheilen. Von mehreren Seiten war der Wunsch geäußert worden, das Geld zu einem Fonds zur Anschaffung einer eigenen Spritze beizutragen ; derselbe fand aber nicht die nöthige Unterstützung.
— Kassel, 2. Januar. (Verein gegen Hsusbettelei.) Im Monat Dezember v. I. erschienen an der Unterstützungsstelle 782 hülfsbe- dürstige Personen, darunter 36 Hiesige (gegen 705 resp. 34 im Vormonat). Es wurden 721 Anweisungen auf Nachtquartier und 232 dergl. auf Verköstigung ausgegeben. (H. M.)
— Eschw ege, 29. Dez. Heute in der Frühe stürzte der Lederfabrikant Herr Fr. Wilh. Deckert aus dem vierten Stocke seines Gerbereigebäudes und erhielt dadurch einen lebensgefährlichen Schädelbruch. Derselbe befindet sich in einem bewußtlosen Zustande und ist die Ursache des Sturzes, da er sich im oberen Stocke des Gebäudes allein befand, noch unbekannt. Indeß soll Herr Deckert mehrfach an Schwindel- anfällen durch Blutandrang nach dem Kopfe gelitten haben, und wird vermuthet, daß auch ein solcher Anfall die Veranlassung zu dem Unglück gegeben hat. (K. Jl.)
— Fulda, 2. Jan. Die „Fuld. Ztg." schreibt: Von unterrichteter Seite wird uns mitgetheilt, daß für die Wiederbesetzung der evangelischen Pfarrstelle zu Hünfeld, die schon mehrere Monate erledigt ist, vorerst noch keine Aussicht vorhanden sei. Es mangele eben an evangelischen Theologen.
— Mit dem 1. Januar sind erleichternde Bestimmungen für Bücher- Postsendungen in Kraft getreten. So dürfen die beigefügten Rechnungen mit allen auf den Inhalt der Sendung bezüglichen Vermerken versehen werden. Die Post übernimmt es, den Betrag der Rechnungen von
dem Empfänger bei Aushändigung der Sendung sofort oder nach sieben Tagen einzuziehen und an den Absender abzuführen.
— (Jagdkalender.) Im Monat Jannar darf folgendes Wild gejagt werden: männl, und weibl. Roth- und Dammwild, Rehböcke, Hasen, sowie Auer-, Birk- und Fasanen-Hähne und -Hennen, Enten, Wachteln, Trappen und Haselwild.
Aus dsr UMgegkâ
— Frankfurt a. M., 2. Jan. In der Neujahrsnacht ging es recht tumultarisch zu und sind mehrere durch Schießen entstandene Unglückssälle zu beklagen. Leider fand ein grsßer, grober Exceß durch einen Briefträger Morgens 30s Uhr in der Schnurgafse statt, der mit einem Dolchmesser einem Gasarbeiter die Hand durchstach, einen Stich in den Oberarm an der rechten Kspsseite gab und dessen Bruder eine klaffende Halswunde beibrachte. — In der Neujahrsnacht fiel ein betrunkener Prosit-Neujahrschreier am Dampfschiffsbock in den Main, wurde jedoch gerettet. Das unfreiwillige kalte Bad hatte ihn ganz nüchtern gemacht. — In der Neujahrsnacht wurden 38 Personen auf der Konstabler Wache eingebracht. (G.-A.)
— Weilburg, 31. Dez. Heute Nacht zwischen 2 und 3 Uhr beförderten 8 Bahnarbeiter einen Waggon vom Kirchhofer Tunnel nach Gontersau; 3 Arbeiter drückten auf der rechten und 3 auf der linken Seite, während 2 hinten schoben. Bei der Gelegenheit glitt der auf der rechten Seite in der Mitte thätige Arbeiter Deuster von Kirchhofen aus und stürzte so unglücklich, daß der eine Arm und das eine Bein auf das Geleise zu liegen kamen. Die Räder gingen ihm über den Arm und trennten ihn vom Körper. Laß ihm nicht auch das Bein abgerissen wurde, hat der Unglückliche seinem Hintermanne zu verdanken, welcher ss viel Geistesgegenwart besaß, das Bein schnell von der Schiene fortzuschieben. Deuster wurde heute Morgen mit dem ersten Zuge nach Gießen geschafft, wo er in der Klinik Aufnahme gefunden hat. (Weilb. Tbl.)
— Mainz, 31. Dez. Die Zigeunerin, welche beider bekannten Kettenheimer Affaire einen Mann mit einem Messerstich tödtlich verwundete und deßhalb zu einer längeren Freiheitsstrafe verurtheilt wurde, ist gestern, nachdem das Reichsgericht die dagegen eingelegte Revision verworfen hat, in das Gefängniß abgeführt worden.
— Darmstadt, 2. Jan. In vergangener Woche wurde hier ein Bettler verhaftet, bei welchem sich ein Schweizer-Sparkasse-Buch vorfand. Die Summe des Buches betrügt 3000 M. und ist dasselbe auf den Namen des Zettlers ausgestellt.
— Gießen, 2. Jan. In der Neujahrsnacht wurde einem in der Bismarckstraße wohnenden Lehrer mittelst eines Revolvers durch das Fenster und die Stubenthüre geschossen und zwar kurz nachdem der Lehrer mit seiner Frau sich von demselben Fenster entfernt hatte. Ein gleiches Bubenstück wurde in einem Hause des Lcihgesterner Wegs verübt. Hier schlug die Kugel an die Decke des Zimmers und fiel von da auf die unten stehende Lampe, gerade vor eine Frau, welche mit ihrem Kinde vor dem Tische saß. In der Ludwigsstraße mußten einige Laternenscheiben als Zielobjekt dienen. — Das Unwesen der Neujahrsgratulitio- nen vsn Seiten Bettler und Stromer am gestrigen Tage war derart, daß die Polizei gänzlich machtlos hiergegen war. Unter dem Deckmantel des Gratulircns wird gebettelt nach allen Regeln. Die Gutmüthigkeit des Publikums kann allein wohl hier nur Schuld sein, daß dieses Uebel sich alljährlich mehrt. Läßt sich dieses nicht abändern, zumal die erfochtenen Pfennige später meistens in Branntwein verjubelt weroen? — Am Freitag wurde im Launsbacher Walde beim Holzfällen ein 22jäh- riger Bursche von einem Baume heran getroffen, daß er sofort eine Leiche war. Der Verlust ist für die Eltern sehr hart, weil es ihr einziger Sohn war. (G. A.)
Marktbericht.
Frankfurt a. M., 2. Januar. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrieben waren: ca. 330 Ochsen, 32® Kühe, 360 Kälber und 600 Hämmel. Die Preise stellten sich per 100 Pfund Fleischgewicht: Ochsen 1. Qual. M. 60—66, 2. Qual. M. 60—62, Kühe' 1. Qual. M. 54—56, 2. Qual. M. 45—50, Kälber 1. Qual. M. 54-56, 2. Qual M. 40—50, Hämmel 1 Qual M. 58—60, 2. Qual. M. 40—50. Schweine wurden vorige Woche circa 600 Stück verkauft und mit 65 Pfg. das Pfund bezahlt.
(Produkten-Markt vom 2. Januar.) Waizen, effektiv hieß ab Bahnhof hier Mark 25. Waizen, fremder, je nach Qual. Mark —. Roggen Mark 190s—21. Gerste Mark 16Vs—2034. Hafer Mark 15—170^. Kohlsamen Mark 28Vs—29Vs. Wicken M. 17 Vs-19. Rüböl, detail, M. 64.
Thermometer st and.
1. Januar. Tiefster Stand + 4°, Abends 7 Uhr + 4°;
2. Januar. Morgens 7 Uhr + 6°, Vormittags 10 Uhr + 7°. |=