tirtenkammer ist am 16. Dezember ohne bemerkenswerten Zwischenfall geschlossen worden.
(England.) Die englische Regierung hat endlich den ersten Beweis geliefert, daß sie entschlossen ist, auch gegen die Wühlereien der Organe der irischen Landliga vorzugehen. In vergangener Woche wurde das Bureau des Dubliner Journals „United Jreland", des Hauptor- gans der Landliga, polizeilich geschlossen. Hierbei wurden der Redakteur und ein Commis verhaftet und außerdem das vorhandene Papier, die Maschine und andere Utensilien weggenommen. Diese Maßnahme ist ganz zweckmäßig und deutet auf den Entschluß der Regierung hin, nunmehr mit den strengsten gesetzlichen Mitteln dem Unwesen der Landliga zu steuern.
(Italien.) Der italienische Senat beschäftigte sich im Laufe der vorigen Woche angelegentlich mit dem Gesetz über die Wahlreform. Hierbei nahm am Freitag Ministerpräsident Depretis Anlaß, noch einmal auf die Wiener Reise des italienischen Königspaares zurückzukom- men und versicherte, daß die Minister mit nach Wien gegangen seien im Interesse des europäischen Friedens und eines sicheren und würdigen Friedens sür Italien; sie seien dorthin gegangen mit dem Bewußtsein der Pflicht und Liebe für das Vaterland. Diese Erklärung wurde vom Senate mit großem Beifall ausgenommen.
(Orient.) In der rumänischen Deputiitenkammer hat in voriger Woche die Berathung des Adreßentwurfs begonnen. Der oppositionelle Depulirte Carp verlas einen Gegenadreßentwurf, welcher zwar das ganze Regierungsprogramm umfaßt, aber nur die inneren Fragen bespricht. Nach Ansicht Carp's ist die Donaufrage nur eine untergeordnete Frage, welche jetzt noch keine definitive Lösung erhalten könne, weil die Vollmachten der Donau-Commission erst im Jahre 1883 erlöschen. — In einem zu Konstantinopel kürzlich stattgefundenen Ministerrathe wurde beschlossen, den englischen Delegirten Bourke um Aufklärung über sein plötzliches schroffes Austreteü in den letzten Sitzungen der Gläubiger der Bondholders zu ersuchen.
(Süd-Amerika.) Die Diktatur, welche der ehemalige Präsident von Peru, Pierola, seit der Einnahme Lima's durch die Chilenen in diesem Lande den Siegern zum Trotze ausübte, ist beendet. Nachrichten aus Lima besagen, daß Pierola durch seine eigenen Leute zum Aufgeben seiner Diktatur-Stellung gezwungen worden sei. Das Gerücht, wonach Pierola in den hierdurch hervorgerufenen Unruhen umgekommen sei, hat sich zwar nicht bestätigt, dagegen scheint sich die Nachricht zu bestätigen, daß Pierola sich bereits nach Europa eingeschifft habe. Mit der Beseitigung Pierola's sind die Aussichten auf eine endliche Verständigung Chile's mit Peru wieder günstigere geworden.
Tagesschau.
— Berlin, 19. Dezbr. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz machte am Samstag Abend dem Fürsten Bismarck einen längeren Besuch.
— Berlin, 18. Dezbr. (K. Z.) Die Hamburger Zollanschlußfrage ist in der Commission vorläufig erledigt. Der Bericht wird nach den Ferien erstattet werden und die Annahme im Reichstage vvraus- sichtlich gemäß den letzten Beschlüssen der Commission erfolgen. Diese hat bekanntlich, soweit es sich um eine gesetzliche Regelung handelt, nur diejenige Bestimmung der fraglichen Anträge aufrecht erhalten, nach welcher der Artikel 34 der Verfassung auch auf das gegenwärtige Freihafen- gebiet Anwendung finden und dasfelbe ohne Hamburgs Zustimmung keine Aenderung erfahren könne. Diese Bestimmung soll auch Aussicht auf Annahme im Bundesrath haben, was bei den andern von der Commission abgelehnten Bestimmungen nicht der Fall gewesen wäre.
— S. M. S. „Stosch", 16 Geschütze, ist am 2. November er. in Iokohama eingetroffen.
— Essen, 18. Dezbr. Die „Essener Zeitung" veröffentlicht folgende, an Karl Lueg in Oberhausen, Vorsitzenden des Vereins deutscher Eisenhüttenleute, gerichtete Antwort des Reichskanzlers, Fürsten Bismarck, auf das Danktelegramm des genannten am 11. d. Mts. in Düsseldorf versammelten Vereins:
„Berlin, 16. Dezember. Die Zustimmung des Vereins deutscher Eisenhüttenleute zur Wirthschaftspolitik der Regierung hat mich um so mehr gefreut, als dieselbe von einer für die Beurtheilung dieser Politik besonders zuständigen Seite ausgeht. Ich hoffe mit Ihnen auf nachhaltig bessere Zeiten für die Werke und die Arbeiter."
— Göttingen, 19. Dez. An den Direktor unserer chirurgischen Klinik, Professor König (in Hanau durch seine mehrjährige ersprießliche Wirksamkeit als Arzt bekannt. D. Red.), ist eine von der medizinischen Fakultät der Universität Bonn veranlaßte vorläufige Anfrage ergangen, ob er einen Ruf an die Stelle des kürzlich verstorbenen Geh. Medizinalraths Professor Busch annehmen würde; für diesen Fall solle er an erster Stelle vorgeschlagen werden. Professor König hat die Anfrage verneinend beantwortet. Die Studentenschaft beabsichtigt dem all- verehrten Lehrer durch einen Fackelzug ihrem Dank für seinen Entschluß Ausdruck zu geben. (K. Z.)
— Weimar, 19. Dezbr. Der Landtag hat die Vorlage, betr.
den Verkauf der Thüringer Eisenbahn, mitQ29 gegen 2 Stimmen angenommen.
— Wien, 19. Dez. Der Kaiser ließ sich heute vom Vizebürgermeister Uhl über die Ringtheaterkatastrophe mündlich berichten, fuhr sodann ins Opernhaus, welches wie bei einer Vorstellung erleuchtet war, besichtigte eingehendst alle Vorkehrungen gegen Feuersgefahr, inspizirte sämmtliche Räume bis zu den obersten Galerien, ordnete verschiedene weitere Vorkehrungen an und ließ die Gasbeleuchtung ganz absperren, um die Wirkung der angebrachten Oellampen zu prüfen. Der Kaiser verweilte etwa lOs Stunden im Opernhause. — Das Herausfördern des Schutts im Ringtheater wurde sistirt, weil die Dachgiebelmauer ein« zustürzen droht. Vom Personal sind 7 Billeteure und Garderobiere, 3 Orchestermitglieder, 3 Theaterarbeiter und der Klaquechef verunglückt. Das speziell mit der Unterstützung des Personals betraute Subkomitä vertheilte heute circa 40 000 fl. an 180 Personen. (Fr. Ztg.)
— Der große Gotthard-Tunnel ist mit Kanal und Nischen Ende November fertig geworden; der Aerth der geleisteten Arbeiten be- trägt 56 808 620 Francs. Die Direktion hat die am 1. Januar bevorstehende Betriebseröffnung für Personen, Gepäck, Thiere und Güter angezeigt. Der Gotthardpaß ist abermals zugeschneit und der Postoer- kehr wieder unterbrochen.
— Rom, 19. Dez. (R. u. St.-A.) Der Senat setzte heute die Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Wahlreform, fort. Zu Artikel 3, welcher bestimmt, daß diejenigen Wähler sind, welche nicht unter 19 Francs 80 Centimes an direkter Steuer zahlen, wurde in geheimer Abstimmung mit 102 gegen 92 Stimmen ein Amendement angenommen, nach welchem in den obigen Betrag die Provinzialzuschläge eingerechnet werden sollen. Die Regierung hatte sich gegen dieses Amendement ausgesprochen. Morgen kommt das Grünbuch mit Depeschen über die griechische Grenzfrage zur Vertheilung.
— London, 19. Dez. Bei Bolton hat eine Gruben - Explosion stattgefunden und sind 80 Personen umgekommen. (Fr. Pr.)
— Algier, 18. Dez. Eine offizielle Depesche aus Oran konsta- tirt, daß die Leichen von 160 bei der Überschwemmung von Perregaux ums Leben Gekommenen aufgefunden worden sind.
— New-Aork, 18. Dez. Der Nordpölfahree Dr. Hayes ist gestorben.
— New - A 0 rk, 17. Nov. Der Hamburger Postdampfer „Wie- gand" ist hier emgetroffen.
Neichsgerichts-Entscheidungen.
— Ein wegen vorsätzlicher Körperverletzung gestellter Strafantrag ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, III. Strafsenats, vom 8. Oktober d. I., auch wirksam für die Strafverfolgung wegen fahrlässiger Körperverletzung, wenn die Untersuchung ergibt, daß in dem betreffenden Falle keine vorsätzliche Körperverletzung, sondern nur eine fahrlässige vorhanden ist, und der gestellte Strafantrag ergicbt, daß der Antragsteller die Verfolgung der Körperverletzung unter allen Umständen hat herbeiführen wollen.
Lokales.
Hanau, den 20. Dezember.
S. (Stadttheater.) Die Aufführung von Lessing's „Emilia Galotti" am vorigen Freitag war im Wesentlichen eine ziemlich gelungene. Das Stück selbst ist der Zeit nach das erste große deutsche Trauerspiel und in Beziehung aus Anlage, Charakterzeichnung und Durchführung der Handlung ein Muster dramatischer Poesie. Der Stoff gehört eigentlich dem römischen Alterthume an und ist entnommen aus dem Leben der Römerin Virgina, von Lessing aber ins Moderne übertragen und nach einem kleinen Fürstenhofe Italiens verlegt. Bei der diesmaligen Darstellung verdienen das erste Lob Frl. Cramer, welche die Heldin des Stückes mit ihrem jungfräulichen Stolz unb Heroismus würdig wiedergab, sowie Frl. Gensike, die als Orsina die aufwallende Rachsucht der verschmähten Italienerin zu trefflichem Ausdruck brächte. Die schwache Mutter, welche auf die ihrer Tochter zu Theil gewordene Auszeichnung einen dummen Stolz empfindet, gelang Fräul. Grub er recht gut. Der Edelmuth und die mannhafte Entschlossenheit Odoardo's, des Vaters Emilia's, fand in Herrn Schlögel den besten Vertreter. Bei der Art, wie Herr Friedrich den Marinelli, jenen elenden Höfling, dem jedes Mittel recht ist, um den Launen feines Herrn zu genügen, auffaßte und wiedergab, kam die niedrige Gesinnung und schurkische Natur des Bösewichts nicht scharf genug zum Ausdruck. Wir verken- neo indessen nicht, daß Herr Friedrich sonst der Partie Sorgfalt und Fleiß zugewandt und im Uebrigen recht gut gespielt hat. Die kleine Rolle des Grafen Appiani gab Herr Dederich zufriedenstellend. Der Fürst ist im gewissen Sinne ein liebenswürdiger Charakter, schwärmt dilettantisch für die Kunst, hat aber keinen Begriff von der Bedeutung seines Fürstenberufes und dringt nur auf die Befriedigung seiner Neigungen und Launen, ohne sich Maß und Ziel aufzuerlegen. Herr Schönlank war wohl bemüht, diese nicht ganz leichte Aufgabe zu lö-