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Hamuer Anreißer

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und GamstagS mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Nr. 292.

Freitag den 16. Dezember

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1881.

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Amtliches.

Für den am 7. Februar 1865 zu Rückingen geborenen Friedrich Koch — Sohn des verstorbenen Mühlenbesitzers Konrad Koch — dermalen in Büdingen, ist um Entlassung au» dem Preußischen Unter- thanen-Verband behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

Hanau am 10. Dezember 1881.

Der Landrath

Münchener Gemeinderathe siegte die katholisch-cvnservative Partei in h neun von 10 Bezirken mit 18 Bevollmächtigten gegen 2 Liberale.

(Oesterreich° Un g arn.) Die Brandkatastrophe in Wien vom = 8. Dezember mit ihren grausigen Einzelheiten läßt in Oesterreich die politischen Tages Ereignisse noch immer nicht wieder genügend hervor­treten. Die Zahl der Vermißten wird jetzt auf 917 angegeben und demnach dürfte auch die Gesammtzahl der bei jenem namenlosen Un­glücke Umgekommenen leider kaum unter diese Ziffer sinken. Am Sonn- e tag fand in Wien die erste Beerdigung von Opfern des Ringtheater- brande» statt, welcher am Montag die feierliche Bestattung von 140 weiteren Verunglückten auf dem Wiener Centralfriedhofe in einem Mas« sengrabe folgte. Die Aufräumungsarbeiten an den Ruinen des Ring­theaters gehen nur langsam von Stätten; am Dienstag wurden die Sou­terrain-Lokalitäten des Ringtheaters und die Kellerräume von einer Commission untersucht, doch fand man keine Leichen vor. — Das 3 Herrenhaus hat die Vorlage betreffs Verstaatlichung der Westbahn und r das Abgeordnetenhaus die Wehrgesetznovelle angenommen.

r (Frankreich.) Der Feldzug, den im französischen Senat die - Rechte unter der Führung von Jules Simon und des Herzogs von r Broglie gegen Gambetta in Scene zu setzen gedachte, ist gleich im Be­ginn gescheitert. Denn Gambetta hat dadurch, daß der Senat einstim- ) mig die Creditforderungen für den tunesischen Feldzug bewilligte, einen

e nicht unbedeutenden Erfolg davongetragen, welchen auszunützen er jeden-

t falls energisch bemüht sein wird. Vielleicht wird aber die' Frage der

t vom Ministerpräsidenten neu errichteten Ministerposten der Rechten eine

. geeignetere Waffe zu Angriffen gegen Gambetta in die Hand geben, da

t Letzterer es nicht für nöthig gefunden hat, die Einwilligung des Parla-

t mentes in dieser Angelegenheit abzuwarten.

! (Italien.) Der Papst ertheilte am Montag den anläßlich der : jüngsten Canonisation nach Rom gekommenen Erzbischöfen, Bischöfen ; und anderen Würdenträgern her katholischen Kirche eine feierliche Ab- schieds-Audierz, wobei Cardinal Fürst Schwarzenberg eine lateinische Ergebenheitsadresse des Episcopats verlas. Der Papst dankte ebenfalls m lateinischer Sprache und betonte, daß die Vereinigung des Episcopats mit dem päpstlichen Stuhle heute nothwendiger sei als je. — Die Ge­rüchte erhalten sich, wonach in den Tagen vom 3. bis 5. Januar kom­menden Jahres das österreichische Kaiserpaar mit dem König und der Königin von Italien eine Zusammenkunft haben würde und zwar soll dieselbe in Turin stattfinden.

(Rußland.) In dem in Petersburg in vergangener Woche ge­gen Mrowinski, Fursoff und Teglef zu Ende geführten Staatsprozesse wurden dieselben zu dreijähriger Verbannung nach dem Gouvernement Archangel und Verlust ihrer sämmtlichen Titel und Würden verurtheilt. Die Verurtheilten beabsichtigen, wie die „Neue Zeit" meldet, ein Cassa- tionsgesuch einzureichen. Ferner soll der Prozeß gegen den Nihilisten Trigoma, welcher als der intellektuelle Urheber des letzten, gegen den Kaiser Alexander 11. gerichteten Attentates, gilt, Mitte nächsten Januars in besonderer Senatssitzung verhandelt werden.

(Rumänien.) Die Haltung, welche die rumänische Deputirten- kammer in der Donausrage kundgibt, ist kennzeichnend für die Stimmung Rumäniens in dieser Angelegenheit. In dem an den König gerichteten Adreßentwurf betont die Kammer, daß die Vertretung des Landes die Regierung bei der Vertheidigung der territorialen und souveränen Rechte Rumäniens in der Donausrage entschieden unterstützen werde. In ähn­lichem Sinne spricht sich dcr vom rumänischen Senate mit 35 gegen eine Stimme angenommene Adreßentwurf aus. Bei der Debatte hierüber erklärte der Minister des Auswärtigen, Statescu, wie befriedigt die Re­gierung sei, daß ihre Kundgebung in der Donaufrage die beifällige Zu­stimmung des Landes gefunden hätte.

(Türkisches Reich.) In Arabien ist die Cholera unter den Mekka-Pilgern noch immer nicht erloschen. Nach einer Meldung aus El-Vedj sind in der ersten Dezemberwoche von 3340 Pilgern 45 ge­storben, davon 21 an der Cholera, in den letzten Tagen des vorigen Monats kamen in Mekka 19 Cholerafälle vor. Die Gefahr einer Wei- I terverschleppung dieser Epidemie durch die Pilger besteht demnach immer j noch.

Gefunden: Ein brauner Muff. Eine goldene Broche. Eine Zehnpfennig-Marke, auf der Post liegen geblieben.

Verloren: Zwischen Dörnigheim und Hanau eine Pferdedecke. Hanau am 16. Dezember 1881.

Aus Königl. Landrathsamt.

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser wohnte am Dienstag der bei Königs-Wusterhausen abgehaltenen Hosjagd in Begleitung der Königlichen Prinzen und verschiedener fremder Fürstlichkeiten, darunter König Albert und Prinz Georg von Sachsen, bei. Am Abend des ge­nannten Tages kehrte der Kaiser nebst seinen hohen Gästen in bestem Wohlsein nach Berlin zurück.

Die bisherigen Verhandlungen im Reichstage haben gerade noch nicht in der nöthigen Weise die in mancher Hinsicht noch mangelnde Klarheit in unserer inneren politischen Lage gebracht. Namentlich gilt dies hinsichtlich der Beziehungen zwischen dem Reichskanzler und dem Centrum, worüber man die widersprechendsten Ansichten hören kann. Auch der Conflikt zwischen dem Reichskanzler und Herrn Windthorst wird verschiedenartig beurtheilt und da vorläufig weder auf der einen noch auf der andern Seite ein Entgegenkommen zu bemerken ist, so muß man abwarten, welchen Gang diese so viel Aufsehen erregende Angele­genheit nehmen wird. — Der Reichstag setzte am Dienstag die Etats­berathung fort und bewilligte sämmtliche an die Budget-Commission zur Berathung überwiesenen Theile der Eisenbahn-Verwaltung nach den Commissions-Anträgen. Hierauf gelangte die schon in der Presse viel­fach debattirte Angelegenheit der Errichtung eine» Reichstags-Gebäudes zur Sprache. Nach den Vorschriften der Geschäftsordnung müssen Vor­lagen des Bundesrathes, auch wenn sie keine Gesetzentwürfe enthalten, einer dreimaligen Berathung unterliegen, wenn nicht mit Zustimmung des Bundesrathes eine einmalige Berathung beschlossen wird. Staats­minister von Bötticher erklärte sich Namens des Bundesrathes mit einer einmaligen Berathung einverstanden und in diesem Sinne entschied sich auch das Haus mit großer Mehrheit, trotz des Widerspruches des Abg. Windthorst. Zunächst entwickelte der Abg. Reichensperger (Centrum) seine in dieser Angelegenheit seit zehn Jahren niedergelegten kunstästhe- tischen Ansichten, plaidirte wiederum für die Wahl des sogenannten „kleinen Königsplatzes" als Bauplatz des neuen Reichstagsgebäudes und beantragte schließlich die Ueberweisung des bundesräthlichen Antrages auf Errichtung eines Reichstags-Gebäudes an eine Commission von 14 Mitgliedern. Dem gegenüber führte der nationalliberale Abg. Gerwig aus, daß eine Commissionsberathung ein Begräbniß für den Entwurf fei und beantragte seinerseits: „Der Reichstag entsendet seinen Präsiden­ten und sieben von diesem zu ernennende Mitglieder in die vom Bun­desrathe vorgeschlagene Commission." Nach lebhafter Debatte, woran sich die Abgg. Stauffenberg, Marcard, Ludwig, Perrot und Windthorst betheiligten, wurde die Regierungsvorlage nebst dem Anträge Gerwig's angenommen. Das Haus vertagte sich sodann bis Donnerstag, den 15. d. M., an welchem Tage dasselbe verschiedene Anträge und Interpella­tionen erledigte.

Die Vertagung des Reichstages vor den Weihnachtsferien wurde für Sonnabend, den 17. Dezember, erwartet, auf welchen Tag auch die definitive Präsidentenwahl festgesetzt war. Nach der Geschäftsordnung des Reichstages muß das Präsidium vier Wochen nach Beginn der Session neugewählt werden, doch dürfte es keinem Zweifel unterliegen, daß das Präsidium Levetzow-Fcanckenstein-Ackermann wiedergewählt wird, und zwar, wie hierbei üblich, per Acclamation. I

Bei den am Dienstag stattgefundenen Ergänzungswahlen zum j