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Nr. 29L

Donnerstag den 15. Dezember

1881.

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Amtliches.

Grundstücks-Berkauf.

Die in der Gemarkung von K ilia nst ädt en belegene domainen- fiscalische Besitzung Karte Lit. E. Nr. 291/69, 292/69, 71 und 72 die sog.Bettenburg", bestehend aus 6 ha 90 a 49 qm Weinbergs-, Garten- und Ackerländereien nebst zugehörigen Weinbergshäuschen,

soll öffentlich meistbietend verkauft werden.

Termin hierzu ist auf

Donnerstag, den 22. dieses Monats,

Vormittags 10 Uhr, in die Gastwirthschaft des Andreas Zeh sen. zu Kilianstädten anbe- raumt worden.

Der Termin wird eine Stunde offen gehalten. Die Bieter haben dem unterzeichneten Beamten, auf Verlangen, ihre Zahlungsfähigkeit nachzuweisen, was durch Hinterlegung des zehnten Theiles des gebotenen Kaufpreises in baar oder inländischen Werthpapieren nach dem Tages­cours geschehen kann.

Hanau, am 6. Dezember 1881.

Der Königliche Domainen-Rentmeister

__________________B e l l.__10917

Grundstücks-V-rpachtung.

Die nachbezeichneten, in der Gemarkung von Niederrodenbach belegenenen Domanialgrundstücke, als:

von der sog. Erlerrbuschwiese Karte Lit. H. 3& 107 u. 107a

die Abtheilung 1 zum Flächenqehalte von 73 a 19 qm,

4 71 60 und

H 5 } sodann

das Grundstück Karte Lit. P. M 28. Wiese und Land in der alten Wiese zum Flächengehalte von 1 ha 53 a 30 qm, sollen anderweit vom 1. Januar 1882 ab auf 6 Jahre öffentlich meist, bietend verpachtet werden.

Zweiter Termin hierzu ist auf

Dienstag, den 20. dieses Monats, Nachmittags 3 Uhr, in die Haupt'sche Gastwirthschaft zu Niederrodenbach anberaumt.

Bei angemessenen Pachtgeboten wird der Pachtzuschlag, ohne Ab­haltung eines weiteren Termins, ertheilt werden.

Hanau, am 14. Dezember 1881.

Der Königliche Domainen-Rentmeister

Bell. 11191

Tagesschau.

Der Theaterbrand in Wien.

Wien, 13. Dez. Von der Brandstätte am Schottenring ist keinerlei Veränderung zu berichten. Im Laufe des heutigen Vormittags sind etwa acht Leichen gefunden worden. Das Vordringen ins Innere des Theaters ist noch immer gefährlich. Ein Theil des Parquets ist eingestürzt. Zahlreiche Entlassungen höherer Polizeibeamten werden all­gemein verlangt und erwartet, weil, wie nunmehr erwiesen, diese Beamten sich am Tage des Unglücks ihrer Stellung keineswegs gewachsen zeigten und die Rettung der Verunglückten unterließen, wo solche vielleicht noch möglich war. Auch gegen das Stadtbauamt ist die Erbitterung groß. Die Deutsche Zeitung meldet, vor vier Wochen habe eine polizeiliche Untersuchung des Ringtheaters stattgefunden und der betreffende Beamte habe den Direktor Jauner wegen einer Anzahl von Nachlässigkeiten zur Rede gestellt. Jauner habe schroff entgegnet, in dieser Angelegenheit sei nicht die Polizei, sondern das Stadtbauamt als zuständige Behörde an- zusehen, und sich geweigert, bevor er vom Stadtbauamt Auftrag erhalten, den Weisungen des Polizeibeamten nachzukommen. Die Wiener Allge­meine Zeitung schreibt, der Kaiser habe den Erzherzog Karl Ludwig beauftragt, dem ersten Obersthosmeister, Fürsten Konstantin Hohenlohe,

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das allerhöchste Miß allen darüber auszusprechen, daß derselbe am Tage nach dem Brande des Ringtheaters an den Diriktor Jauner ein Bei­leidsschreiben gerichtet habe. Der Befehl der Kaisers sei gestern voll­zogen worden. Fürst Hohenlohe ist heute Plötzlich abgereist, wie es heißt, nach seinen schlesischen Gütern. Der Kaiser befahl, den Bau des neuen Burgtheaters zu beschleunigen. Im Polizeihause sind sämmtliche bis jetzt im Ringtheater gefundenen Gegenstände, welche nicht identifi- cirten Leichen gehören, zur Schau ausgestellt. Die Kellerräume des Ringtheaters wurden heute Vormittag von einer Commission untersucht und volländig erhalten gefunden. Der mittlere Parquetraum und das Orchester sind einaestürzt. Im Keller sind keine Leichen vorgefunden.

Ueber die Schuldigen am Wiener Ringtheater-Braude wird, wie dieFranks. Presse u. Handelsztg." schreibt, also doch noch Gericht gehalten werden. Die empörte öffentliche Meinung fordert es und die gravirenden Thatsachen, die nun vorliegen, unterstützen diese Forderung. Ein Wiener Blatt schrieb gestern:Heute ist die Stadt ein Trauerhaus morgen wird sie ein Gerichtshof sein!"

Die unabweisliche Berechtigung dieser Anklage ergibt sich für Je­den, der die Mühe nicht scheut, aus der verwirrungsvollen Menge der Einzelmittheilungen die entscheidenden Punkte herauszuschälen. Und da stellt sich denn als das Geheimniß dieses Unglücks immer klarer heraus, daß die Katastrophe ihre fürchterliche Opferzahl nur deshalb erheischt hat, weil die Löschmannschaften sich auf den leichtfertigen Glauben, daß das Theater leer sei, prüfungslos verlassen haben (!) und in Folge dessen alle Rettungsversuche mit frevlerischer Fahrlässigkeit vor der Zeit eingestellt haben. Kaiser Franz Josef selbst äußerte: Wegen der Ring- thester-Kaiastrophe müsse ein Exempel statuirt werden. Fürst Hohenlohe hat bereits eine Rüge erhalten, weil er am Tage nach dem Brande ein Beileidsschreiben an Direktor Jauner gerichtet.

Nachdem für die Todten gesorgt ist, nun, nachdem die ganze Größe des unbeschreiblichen Unglücks ebenso übersichtlich zu Tage liegt, wie die Ursachen, welche es bewirkten, nun ist es wirklich Zeit, auch an die Be- srredigung des empörten Gerechtigkeits-Gefühls zu denken, welches hun- derttausendstimmig die Strafe für die Schuldigen fordert.

Es muß Gericht gehalten werden über alle Unfähigen, Pflichtver­gessenen, deren Kopflosigkeit und Egoismus Hekatomben ahnungsloser Menschen dem Flammentode überlieferte, Tausende in Noth und Ver­waisung stieß.

Indessen vergrößert sich immerfort das Beweismaterial für das unbegreifliche Versäumniß". So wird derVorstadt-Ztg." verbürgt, daß der Direktor der Creditanstalt, Herr Ziffer, der sich als einer der Ersten mit seiner Gemahlin aus der Fremdenloge ins Freie rettete was jedoch nur durch die genaue Ortskenntniß Ziffers möglich war den Sicherheitswachleuten, die unter den Arkaden beim Theaterausgang standen, zurief:Licht hinauf, es müssen Hunderte von Men­schen hinter mir sein!!!" Man antwortete ihm, das Haus sei bereits g eleert, er möge fortgehen. Herr Ziffer remonstrirte. Man schaffte ihn jedoch weg.

Bekanntlich war am verhängnißvollen 8. Dezember Vormittags eine Wohlthätigkeits-Vorstellung im Ring-Theater, bei welcher der Wiener Männergesangverein mitwirkte. Das Ring-Theater war durch die schreck­liche Zugluft berüchtigt, welche dort vorherrschte und Rheuma und Zahn­schmerz waren die regelmäßigen Folgen eines Theaterbesuches. An dem Vormittage des 8. beschwerte sich auch der Präsident des Männerge- sangvereius, R. v. Olschbauer, bei Herrn Jauner über die Zugluft, die alle Soffiten in fortwährender Bewegung erhielt mit dem Bemerken, daß dieselbe nicht nur eine Gefahr für das Theater bedinge, sondern auch Halsschmerz erzeuge und alle Stimmen ruiniren müsse.Sie haben Recht", erwiderte Herr Jauner wörtlich,der Zug ist fürchterlich und wird auch mein Tod sein." Bon einer Vorkehrung dagegen wurde nichts gesprochen. Leider hat es den Tod von nahezu tausend unschuldigen Personen verursacht!

Nachdem in dem größeren Artikel noch weitere Belege strafwür­digster Vernachlässigungen aufgeführt sind, heißt es in demselben gegen das Ende hin:

Die Statthalterei in Wien Ijat an den Magistrats-Präsidenten die