Lokales.
Hanau, den 13. Dezember.
S. (Stadttheater.) Obgleich wir einem Theaterabende, für den mehrere kleine Stücke mit wenigen Personen angekündigt sind, gewöhnlich mit einigem Mißtrauen entgegensehen, haben wir uns doch in dieser Hinsicht durch die letzte Freitags-Vorstellung angenehm enttäuscht gefunden. Das größere der beiden Stücke dieses Abends, das zweiaktige Lustspiel „Die Gefangene der Czarin", frei nach Bayard von Friedrich, kam in seinen entscheidenden Scenen zu vortrefflicher Wirkung. Um den Preis rangen Fräul. Gensike (Czarin) und Herr Mauz (Alexis). Jene bot uns eine vorzügliche Leistung. Ihr Auftreten und ihr ganzes Wesen war fein und majestätisch, sie ließ in ihrem bewegten, wechseln- Mienenspiele deutlich anerkennen, welche Empfindungen ihr Inneres erfüllten. Herr M anz dagegen zeigte sich wieder als den gewandten Darsteller von einer ebenso natürlichen und leichten, als gewinnenden Spielweise. Im Sinne der Dichtung führte auch Herr Schwarz seine Partie (Polizeiminister) angemessen duach. In dem folgenden zweiten Stücke, dem einaktigen Genrebild „Der Zigeuner" von Berla, that sich Herr Manz auch auf einem ganz anderen Gebiete, als bisher, mit recht vielem Glücke hervor. Er gab die Hauptfigur der Piece, den singenden, spielenden und tanzenden Zigeuner, so wirksam, daß hierdurch dem Stücke die günstigste Aufnahme beim Publikum zu Theil wurde, und es verdient, neben der schönen Begabung und dem Fleiße des Künstlers auch dessen Vielseitigkeit unsere beste Anerkennung.
Am Sonntag ging der „Veilchenfresser" über unsere Bühne, ein hier sicherlich allgemein bekanntes Stück, dessen erneute Vorführung durch das Auftreten eines illustren Gastes wohl gerechtfertigt war. Herr Stägemann vom Stadttheater in Frankfurt a. M. spielte die Titelrolle in einer nach jeder Richtung bis in das Kleinste hin wohl ausge- arbeiten künstlerischen Vollendung, so daß seine Leistung uns einen wahrhaften Genuß bot. Das anwesende Publikum konnte daher nicht müde werden, dem Künstler seine Zufriedenheit in lautem Beifall auszudrücken. Von den hiesigen Mitwirkenden war es hauptsächlich Fräul. Gensike (Frau v. Wildenheim), welche der meisterhaften Leistung des Gastes sich anzunähern bemüht war, was ihr denn auch bei ihrer bekannten Routine und Sicherheit bestens gelang. Im klebrigen wurde durchweg das Erforderliche geleistet, um eine möglichst einheitliche Wirkung des Stückes herbeizuführen.
■— Im Laufe des Monats November 1881 kamen im Kreise (excl. Stadt Bockenheim) zur Anzeige: 46 Personen wegen Diebstahl; 2 Personen wegen Betrug; 50 Personen wegen Betteln und Landstreicherei; 1 Person wegen Verausgabung falschen Geldes; 1 Person wegen Verdachts der Brandstiftung; 4 Personen wegen Kuppelei; 12 Personen wegen Unfug; 2 Personen wegen Thierquälerei; 127 Pesonen wegen Uebertretungen.
— Im heutigen Termin wurden zu Mitgliedern der Handelskammer die Herren Gerhard Grub er und E. Schönseld-Toussaint neu- und die Herren A. Hopff und Friedrich Jung wieder gewählt.
— Wegen Abschluß der Bücher des hiesigen Creditvereins, eingetragene Genossenschaft, und der damit verbundenen Zinsenberechnung finden vom 15. bis 31. d. Mts. einschließlich weder Ein- noch Rückzahlungen von Sparkasseneinlagen statt; die sonstigen Vereinsgeschäfte erleiden jedoch keinen Stillstand.
— Vergangenen Samstag Abend zwischen 5 und 6 Uhr wurde einem in der Leimengasse wohnenden Schuhmacher zu großem Verdruß der Hausfrau das fettgemachte Gänschen gestohlen. Der Mann lies natürlich nach der Polizei und machte Anzeige, worauf es auch dem recherchirenden Schutzmanne gelang, die Gänseliebhaberin in einem jungen hübschen Mädchen zu ermitteln. Das Weitere wird sich finden.
Versteigerung s- und Ve'rpachtungs- rc. Kalender für Mittwoch den 14. Dezember.
Angebote auf Uebernahme der Brodlieferung für die hiesige Armenverwaltung pro 1882 sind spätestens im Laufe des Tages im Büreau hiesiger Armenkommission abzugeben (s. Nr. 280 „Han. Anz.").
Holzversteigerung in der Oberförsterei Kassel bei Gelnhausen; Termin Vormittags 10 Uhr im Gasthause zum „Löwen" in Wirtheim. Verkauft werden 800 fm Eichen-Stamm- und Stangenholz, zu Wein- Pfählen und Grubenholz geeignet, sowie ca. 1000 fm Kiefern-Grubenholz (s. Nr. 283 „Hau. Anz.").
— Für heute. Abends7Uhr in der „Centralhalle": Besprechung der Herren Metzgermeister. — Oratorienverein: Probe; Sopran und Alt von 7U-, Tenor und Baß von 80s Uhr an.
—, Die Eisenbahn-Direktoren Frye in Frankfurt a. M., Dr. jur. Eyer in Kassel und Dr. jur. Sombart in Wiesbaden wurden zu Re- grerungsräthen ernannt.
— Am 15. d. Mts. wird an der Bahnstrecke Wilhelmshöhe-Wald- U>ppel zwischen den Stationen Niederzwehren und Bettenhausen die Haltestelle Waldau für den Personenverkehr eröffnet werden. Die Be-,
förderung von Reisegepäck findet bis auf Weiteres nur im Verkehr nach Waldau statt.
— Die „Fr. Ztg." erzählt folgendes Beispiel der „höhern Cra- vsttenmacherei". „Ein durch überaus kecke Börsenmanöver in seinen Kreisen längst „berühmter" Geldindustrieller zu Frankfurt borgte einem Bauer vom Vogelsberg noch in der guten alten Zeit der „freien Reichsstadt" ein bescheidenes Sümmchen von 200 Gulden zu dem mäßigen Zinsfuß von 6 pCt. Seinen nächsten Freunden erzählte der harmlose Landbewohner, er habe überhaupt nur 150 Gulden bekommen und einen „Schein" unterschrieben, daß er die Summe in drei Jahren zurückzahlen müsse. Die Ausklärung dieses Irrthums ließ nicht lange auf sich warten; in pünktlich drei Monaten hatte der Bauer ein Wechselchen von 200 Gulden auf dem Halse, den es leider zu Protest gehen lassen mußte. Leichter selbst, als er sich gedacht, erzielte er eine „Einigung" mit dem Geldmann dahin, daß er in ergiebiger Weise für dessen Küche und Keller sorgte, was er denn auch 15 Jahre hindurch ehrlich gethan hat, bis schließlich die Forderungen der Familie des Darlehers so unverschämt wurden, daß fast der ganze Ertrag des Anwesens in Butter, Eiern u. s. w. an die ein Mal geborgten 150 Gulden gehängt werden mußte! Vor stark einem Monate brach endlich das „freundschaftliche" Verhältniß zwischen Gläubiger und Schuldner plötzlich zusammen; in kurzer Zeit aber wird, der „menschenfreundliche" Geldmann, der trotz der Lieferungen des „guten Michels" Zinsen und Zinscszinsen und wohl noch etwas mehr berechnete, unbestrittener Eigenthümer des Besitzthums seines „Schuldners" sein, und dieser den Bettelstab in die Hand nehmen müssen."
— Schlüchtern, 11. Dezbr. Nach der „Kinz.-Ztg." wurde am Donnerstag auf Requisition der königl. Staatsanwaltschaft Hanau der auf Bahnhof Elm wohnhafte Stationsassistent verhaftet. Es liegt gegen denselben begründeter Verdacht vor, Geldunterschlagungen begangen und in Beziehung hierauf die zur Eintragung der Einnahmen bestimmten Bücher gefälscht zu haben. Der Verhaftete hat incl. seiner Militair- dienstzeit 22 Dienstjahre absolvirt.
— Kassel, 9. Dezbr. In der heutigen Sitzung des Communal- Landtags, referirte zunächst der Eingabenausschuß über mehrere Petitionen, die durch Uebergang zur Tagesordnung ihre Erledigung fanden. Hiernüchst ließ sich die Versammlung die Mittheilung des ständischen Verwaltungsausschusses, betreffend die Seitens der Staatsregierung au- geordnete außergewöhnliche Abgabe von Waldstreu aus Staatsforsten pro 1881/82, zur Nachricht dienen und beschloß, den Antrag der Abgg. Hollandt, Pfannstiel und Üteudörffer, betr. die Abgabe von Streuzeug an die Einwohner des Kreises Schmalkalden aus dem in demselben gelegenen, zum Fideikommiß des Herzoglich sachfen-gothaischen Gesammt« Hauses gehörigen Waldungen nebst den dazu gehörigen Eingaben der Ortsvorstände von 20 Landgemeinden jenes Kreises an den Oberpräsidenten mit dem Ersuchen abzugeben, mit der durch die Sachlage, insbesondere durch den diesjährigen Nothstand gebotenen Beschleunigung eine amtliche Feststellung des Sachverhalts vornehmen und je nach deren Ergebnisse in jeder zulässigen Weise seine Fürsorge nicht nur behufs Ab- Hülfe des dermaligen Nothstandes durch außerordentliche Verabfolgung von Streuzeug, sondern auch dahin eintreten zu lassen, daß künftig die für den Kreis Schmalkalden in hohem Grade wichtige Bestimmung des §• 4 der Vereinbarung vom 30. Januar/13. Februar 1869 zu vollständiger und unverkürzter Ausführung gebracht werden.
Zum Schlüsse wurden die bisherigen Mitglieder der ständischen Schatzkommission wieder gewählt.
— Kassel, 12. Dez. Den hiesigen Tagesblättern zufolge, dürfte der Herr LandeLdirektor von Bischoffshausen in der Person des Präsidenten des Kommunallandtages, Herrn Obervorsteher von Schutzbar gen. Milchling, seinen Nachfolger erhalten.
— Allendorf, 10. Dezbr. Wie unser „Werra-Bote" erfahren haben will, hat nunmehr die Gemeinde Sooden den schon lange erwarteten großen Holzprozeß gegen die Stadt Allendorf mit Hülfe eines Kasseler Advokaten angestrengt. Der Werth des streitigen Gegenstandes ist seitens der Klägerin auf 100 000 Mk. veranschlagt. Das wird für den verlierenden Theil bedeutende Advokaten- und Gerichtsgebühren absetzen. Man dart mit Recht auf den Ausgang dieses Monstreprozesses gespannt sein. Selbstredend hat die Stadt Allendorf auch einen Anwalt und zwar in der Person des Herrn Dr. Weigel zu Kassel angenommen.
— Fulda, 12. Dezbr. Nach einer seitens Königlichen Kriegs- Ministeriums an die städtische Behörde ergangenen Mittheilung ist mittelst Allerhöchster Kabinetsordre vom 26. November die Verlegung des 2. Bataillons Hessissichen Füsilier - Regiments Nr. 80 von Fulda nach Marburg zum 1. April 1881 bestimmt und sonach das Jmmediatgesuch der hiesigen Stadtbehörde vom 20. September er. an Se. Majestät den Kaiser um fernere Belastung der zeitigen Jnfanteriegarnison in Fulda bezw. die Wiederbesetzung der Stadt mit einer solchen abschlägig beschie- den worden. (Fuld. Krsbl.)
— Fulda, 12. Dezbr. Von Neujahr 1882 ab wird die seither