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ILHrlich 9 Statt. Halbj.4M.S0P. BierteljShrlich

8 Mark 25 Pfg. Wüt auswärtige Abonnenten mit dem betreffen­den Postausschlag. Die einzelne Num­

mer 10 Psg.

ferner Anreißer.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Preis:

Die tspaltige Garmondzeile *' deren Raum

10 Psg.

Die Sspalt. Zeile 20 Psg.

Di-3sPaltig-ZeiI»

80 Psg.

Nr. 287.

Amtliches.

Bekanntmachung

Wegen Ausreichung der Zinsscheine Reihe VI zu den Prioritäts-Obli- gationen der Münster-Hammer Eisenbahn.

Samstag den 10. Dezember

Die Zinsscheine Reihe VI Nr. 1 bis 8 zu den Prioritäts-Obli­gationen der Münster-Hammer Eisenbahn über die Zinsen für die Zeit vom 1. Januar 1882 bis 31. Dezember 1885 nebst den Anweisungen zur Abhebung der Reihe VII werden vom 1. Dezember d. I. ab von der Kontrolle der Staats Papiere hierselbst, Oranienstraße 92 unten rechts, Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftstage jedes Monats, ausgereicht werden.

Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang ge­nommen, oder durch die Regierungs-Hauptkassen, die Bezirks-Hauptkassen in Hannover, Osnabrück und Lüneburg oder die Kreiskasse in Frankfurt a/Main bezogen werden.

Wer die Empfangnahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat der­selben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Talons mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 2 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher der Talons eine numeiirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Im letzteren Falle erhalten die Einreicher das eine Exemplar mit einer Empfangsbescheinigung versehen sosort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben. In Schriftwechsel kann die Kontrolle der Staatspapiere sich mit den Inhabern der Talons nicht einlassen.

Wer die Zinsscheine durch eine der oben genannten Provinzial- Kassen beziehen will, hat derselben die Talons mit einem doppelten Ver­zeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichniß wird mit einer Empfangs­bescheinigung versehen sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provirzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen un­entgeltlich zu haben.

Der Einreichung der Prioritäts-Obligationen bedarf es zur Er­langung der neuen Zinsscheim Reihe nur dann, wann die Talons ab­handen gekommen sind, in diesem Falle sind die Prioritäts-Obligationen an die Kontolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Pro- Vinzial-Kassen mittelst besonderer Eingabe einzureichen.

Berlin, den 21. November 1881.

Hauptverwaltung der Staatsschulden.

gez. Sydow. gez. Hering, gez. Merleker. gez. Michelly.

Kassel, den 29. November 1881.

Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die Formulare zu den Verzeichnissen über die Behuss Empfangnahme der neuen Zinsscheine einzureichenden Talons bei der Regierungs-Hauptkasse hier und den sämmtlichen Steuerkassen unseres Bezirks unentgeltlich zu haben sind.

Königliche Regierung, v. Brau chitsch.

Tagesschau.

Der Theaterbrand in Wien.

Ueber den Wiener Theaterbrand entnehmen wir der Franks. Ztg." folgende Notizen: Wien, 9. Dez., 12 Uhr 20 Min.

Die gestern mitgetheilten Details über den Brand des Ring­theaters finden leider volle Bestätigung, doch sind auch drei Choristen wnglü& Die Zahl der Todten beträgt bestimmt zwischen 200 und

in der Nacht wurden 140 Leichen in die Todtenkammer des all­gemeinen Krankenhauses geschafft, doch wird die Zahl dcr in dem bren- vknden Hause zurückgelassenen Leichen auf mindestens hundert geschätzt, -oer der Wegschaffung der Leichen und Sterbenden von den Gallerien

1881.

that sich Staatsanwalt Graf Lamezan mit Lebensgefahr besonders her­vor, auch Erzherzog Wilhelm drang persönlich in das brennende Haus. Die ganze Nacht spielten sich die herzzerreißendsten Scenen in der Nach­barschaft des Brandplatzes ab, Hunderte suchten ihre Angehörigen, in den wenigsten Fällen mit Erfolg, da die meisten Leichen bis zur Un­kenntlichkeit entstellt waren. Der Brand entstand, wie schon gestern be­merkt ist, durch Auslaufen von Spiritus bei Anzünden der Gases. Die größere Ausdehnung des Unglückes hätte verhütet werden können, wenn man die Drahtcourtine rechtzeitig herabgelassen hätte und wenn nach dem vorzeitigen Auslöschen des Gases wenigstens die vorschriftsmäßigen Oel- lampen gebrannt hätten. Die plötzlich eintretende Finsterniß verursachte das schreckliche Gedränge, in welchem die meisten Galleriebesucher den Tod fanden. Um Mitternacht fing das Dach des Nachbarhauses zu brennen an, doch ward das Feuer im Keime erstickt. 12 Uhr 26 Min. Bis jetzt wird von 300 Todten gesprochen, meistens Galleriebe- suchern. Es sind entsetzliche Einzelnbeiten verbreitet.

7 Uhr 30 Min. Abds. Die Zahl der Todten wird jetzt auf 450 geschätzt. Außerdem befinden sich in der Brandruine noch zahlreiche verkohlte menschliche Körper. Der Polizeikorridor ist mit Personen ge- süllt, welche Vermißte anmelden.

8 Uhr 50 Min. Abds. Je weiter die Arbeiten in den rauchenden Trümmern des Ringtheaters fortgesetzt werden, desto größer erscheint die Zahl der Opfer. Gegenwärtig wird dieselbe auf circa 500 angegeben. Als vermißt sind bereits über 1000 Personen angemeldet; doch finden sich von denselben viele ein; auch scheinen fingirte Namen angegeben zu sein, um den Anmeldenden Eintritt in die Leichenkammer zu ermög­lichen. Unter den agnoscirten Leichen befinden sich zahlreiche Studirende, Geschäftsleute, Einjährige Freiwillige, viele Ehepaare. Der Gemeinderath beschloß in seiner heutigen Sitzung, sich der Waisen der letzteren anzu- nehmen. In der Schauspieler-Versammlung bei Jauner erklärte dieser, daß kleinere Schauspieler und Theater-Arbeiter ihre Gage für den De­zember ausbezahlt erhalten sollten. Die Entrüstung des Publikums über die Vorkommnisse, welche die Katastrophe zu solch' großen Dimensionen anwachsen ließen, ist in fortwährendem Steigen. Immer mehr stellt sich heraus, daß die schwersten Versäumnisse vorgekommen, welche ernsten Grund zu strafgerichtlicher Verfolgung geben. Die kürzlich nach dem Theaterbrand in Nizza vorn Ministerium des Innern erlassenen Sicher- Heitsinstruksionen sind im Ringtheater gänzlich ignorirt worden. Es war weder Feuerwehr da, noch brannten Oellampen; die Sicherheits- thüren waren verrammelt; ein Mann zur Bedienung der Drahtcourtine fehlte._ In der Verantwortung hiefür theilen sich die Theaterleitung, die Polizei und das Stadtbauamt. Graf Taaffe wird in der morgigen Sitzung des Abgeordnetenhauses eine ausführliche Erklärung hierüber geben.

Weiter entnehmen wir die folgenden Notizen über das entsetz« liche Unglück derFr. Pr.":

Wien, 9. Dec. Ueber die Entstehung des Brandes vom Ring- Theater gibt der Maschinenmeister Folgendes an: Beim Anzünden der Decorationslichter durch den elektrischen Strom fingen die Decorationeu Feuer. Die Flamme verbreitete sich so rasch und ward so riesig, daß der eiserne Vorhang nicht mehr herabgelassen werden konnte. Das Un­glück ist weit entsetzlicher, als bisher angenommen wurde. Ueber 300 Personen fanden in den Flammen den Tod. Ganze Familien, die Or- chestermitglieder, Theaterarbeiter werden vermißt. An der Börse wurden bis jetzt 28000 Gulden gesammelt. Die sämmtlichen Unternehmungen für Leichen-Bestattung vereinigen sich, um die Opfer zur letzten Ruhe­stätte zu bringen. Die Feuerwehr ist unausgesetzt mit dem Wegräumen der Trümmer in dem inneren Theater beschäftigt. Auf den Galerien sollen noch verkohlte Leichname liegen. Zu diesen kann man erst nach Stützung der Galerien gelangen. Die Sanitätswagen vom rothen Kreuz führen die Leichname und Leichentheile weg. Der Andrang der Fa- milien-Angehörigen ins allgemeine Krankenhaus und das Garnison-Hos­pital, wo die Leichen zur Erkennung niedergelegt worden, ist so groß, daß Militär und Polizei die Ordnung aufrecht erhalten müssen. Ganz Wien ist in größter Bestürzung. Sämmtliche Zeitungen eröffnen Sub- scriptionen. Der Kaiser spendete einen namhaften Betrag zur äugen-