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Nr. 283.
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Amtliches.
Das Ausschreibe» vom 19. Oktober d. I., den Aufenthalt der Tagelöhnerin Karoline Müller, geboren am 4. Oktober 1857 in Gelnhaar, betreffend, wird hiermit erneuert.
Hanau am 2. Dezember 1881.
Das Ausschreiben vom 20. Oktober d. J, betr. die Ermittelung des Aufenthalts des Tagelöhners Kaspar Friedrich Möller, geboren zu Schmalkalden, wird hiermit erneuert.
Hanau am 2. Dezember 1881.
Der Landrath.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Im Reichstage wurde am Donnerstag die Position sür den deutschen Volkswirthschaftsrath (85 000 M.) mit 169 gegen 83 Stimmen abgelehnt. Trotz der beredten Vertheidigung des Reichskanzlers und seiner wiederholten Versicherung, daß der Volkswirthschaftsrath durchaus nicht den Charakter eines Nebenparlaments tragen solle und trotzdem er aus die Nothwendigkeit einer derartigen Institution hinwies, wurde die hierfür geforderte Summe mit der erheblichen Majorität verworfen. Dafür stimmten die beiden conservativen Fraktionen und der kleinere Theil des im Ganzen schwach vertretenen Centrums, dagegen votirten die Liberalen geschlossen, der andere Theil des Centrums und die verschiedenen kleineren Fraktionen. Von großer Praktischer Bedeutung ist dieser erste Mißerfolg der Reichsregierung allerdings nicht, aber eS bleibt immerhin zu bedauern, daß durch die Verwerfung der Forderung für den Volkswirthschaftsrath verschiedenen Interessen, bei denen die praktische Sachkenntniß im Reichstage fehlt, so wenig gedient ist. Die am Freitag fortgesetzte Specialberathung des Etats bot im Allgemeinen nicht viel Interesse dar; nur bei dem Capitel: Ausgabe« für Ueberwachung des Auswanderungswesens, entspann sich eine interessante Debatte über das Auswanderungswesen überhaupt, in welcher verschiedene fortschrittliche und ultramontane Redner sich bemühten, die starke Auswanderung als ein nationales Uebel darzustellen; auch wurden die seltsamsten Gründe für die anhaltende starke Auswanderung angeführt, an welcher der neue Zolltarif, da» Socialistengesetz und sogar der Culturkampf schuld sein sollten. Die Ausgaben für das Auswanderungswesen wurden schließlich genehmigt, desgleichen eine lange Reihe weiterer Etatspositionen. Am Sonnabend gelangte im Reichstage der Etat des Reichsjustizamtes zur Berathung. Auf eine Anfrage erklärte Staatssekretär Schelling, daß die Revision des Gerichtskostengesetzes den Reichstag noch nicht in dieser Session beschäftigen würde. Windthorst, Hartmann und Herwig wünschten die größte Beschleunigung. Payer brächte die Reform der Militär-Strafprozeßordnung zur Sprache, worauf der Commissar der Militärverwaltung erklärte, daß die Sache nicht über die Vorstädte« der Commissionsberathung hinaus und deshalb nicht spruchreif sei. Auf eine Interpellation des Abgeordneten Sonnemann bezüglich der Reform der Aktiengesetzgebung sagt Staatssekretär Schelling eine möglichste Beschleunigung der betreffenden Arbeiten zu. Auch der übrige Theil der Sitzung war von keinem allgemeinen Interesse; die Etats des Reichsjustizamtes, des Reichsheeres, sowie eine Reihe anderer Etats wurden unverkürzt bewilligt. Am Montag trat der Reichstag in die Berathung des Marine-Etats ein.
Dem BundeSrathe ist der bereits mehrfach angekündigte Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Erhebung einer Berufsstatistik, sowie die Vornahme einer Viehzählung im Jahre 1882, zugegangen.
Im Reichsschatzamte werden die Arbeiten zur Tabaksmonopol- Vorlage durch die Fachkenntniß des DirektorS der kaiserlichen Tabaks- fabrik in Straßburg, Regierungsrath Dr. Roller, rasch gefördert, wie man der „Elberf. Ztz." schreibt. Die eventuell zu leistenden Entschädigungen an die mittleren und kleinen Fabrikanten, sowie an die Agenten und Händler solle« sehr zufriedenstellend ausfallen. Nach übereinstimmenden Ermittelungen hat Deutschland ca. 80 000 Cigarren- und Tabaksarbeiter nöthig, weshalb auch die zu leistenden Entschädigungen keinen allzuhohen Umfang annehmen würden.
Die „Elsaß-Lothr. Ztg." wendet sich in einer ihrer letzten Nummern
Dienstag den 6. Dezember
1881.
gegen diejenigen Blätter, welche aus finanziellen oder anderen Gründen die Erbauung eines Kaiser-Palastes in Straßburg bemängeln, indem sie die Gründe darlegt, welche für die Verwirklichung dieses Projektes sprechen. Am Schluß schreibt daS genannte Blatt: „Wir glauben übrigens nicht zu irren, wenn wir annehmen, daß es im Reichstage bei einer Frage, welche an die Person Sr. Majestät des Kaisers heranreicht, überhaupt keine Parteien geben, sondern der Beschluß so ausfallen wird, wie es der Würde des deutschen Reiches entspricht."
(Oesterreich-Ungarn.) In Oesterreich beschäftigt man sich lebhaft mit dem Passus in der rumänischen Thronrede bezüglich der Donaufrage. In der betreffenden Stelle nimmt die rumänische Regierung eine geradezu feindselige Haltung gegen die berechtigten Wünsche Oesterreichs in der Regelung der Donausrage ein und die Wiener Blätter betonen nicht mit Unrecht, daß an dieser Haltung Rumäniens die nachgiebige Politik Oesterreichs gegenüber dem jungen Königreiche schuld sei. Vielleicht entwickelt nunmehr Graf Kalnoky hinsichtlich des rumänischen Nachbars die Energie, an der es Baron Haymerle fehlen ließ.
(Frankreich.) Die ersten Handlungen des Ministeriums Gam- betta spitzen sich unverkennbar gegen die Curie zu. Der CultuSminister Bert trägt sich mit dem Gedanken, an den französischen Staatsuniversi- tätrn das Studium der katholischen Theologie zu unterdrücken, welche Maßregel die Herrn Bert zugeschriebene feindselige Gesinnung gegen die Curie allerdings bestätigen würde. In der Deputirtenkammer wird auch das Cabinet Gambetta eine unbedingte Majorität für seine gegen die Ausschreitungen der Hierarchie gerichteten Bestrebungen finden, ob aber auch im Senat, erscheint zur Zeit noch fraglich. —■ General Chancy hat es definitiv abgelehnt, als Botschafter in Petersburg zu bleiben, dagegen wird er einen hohen Posten in der französischen Armee übernehmen. .— Aus Tunesien meldet eine Depesche des Generals Saussier, daß die Franzosen das befestigte Dorf Eaiacha, in der Gegend von Gahsa, erstürmt und hierbei den Aufständischen große Verluste beigebracht hätten.
(England.) Die unerquicklichen Zustände in Irland bilden noch immer ein stehendes Capitel in den englischen Zeitungen. Fast jeder Tag bringt neue Gewaltthaten der Anhänger der irischen Landliga und Landbill und Landgerichtshof scheinen für die Anhänger Parnells gar nicht vorhanden zu sein. Es wären daher strengere Zwangsmaßregeln, als die jetzigen, entschieden am Platze, wie Verschärfung des Waffenge- fetzes durch neue Bestimmungen, zeitweilige Aufhebung der Geschworen- gerichte und selbst Verhängung des Kriegszustandes und wird die Regierung wohl auch vom Parlamente nach dessen Wiederzusammentritte Vollmachten in dieser Richtung verlangen. — Das über die afghanischen Angelegenheiten veröffentlichte Blaubuch enthält u. a. auch einen Brief Abdur Rahman's, worin sich derselbe verpflichtet, nichts ohne die Zustimmung Englands zu unternehmen.
(Italien.) In nächster Zeit wird in Rom gelegentlich der Ca- nonisirung von vier neuen Heiligen eine große Versammlung von Cardinälen und Bischöfen stattfinden. Hierbei foll dem Papste eine lateinische Ergebenheits- und Beileids-Adresse überreicht werden, welche der Papst dann beantworten wird. Diese Kundgebungen sollen der Agitation für Erweiterung des Garantiegesetzes, für eine wenigstens theilweise Wiederherstellung der weltlichen Gewalt des Papstes gewissermaßen die Weihe und einen neuen kräftigen Aufschwung verleihen.
(Rußland.) Die Untersuchung über den Mordanfall auf den russischen General Tscherewin ist in vollem Gange, ohne indessen wesentlich neue Momente zu Tage gefördert zu haben. Es scheint indessen nicht, als ob das Attentat nihilistischen Ursprunges sei, dasselbe ist vielmehr als die That eines überspannten Kopfes zu betrachten. Nichtsdestoweniger ist durch jene verbrecherische That in Petersburg die Furcht vor den Nihilisten wieder aufs Neue belebt worden, so daß die Ueber» siedelung des Czaren von Gatschina nach Petersburg wieder fraglich geworden ist.
(Orient.) Die „Postfrage" zwischen der Pforte und Griechenland droht sich zu einem neuen Streitfall zwischen beiden Staaten zuzu- spitzen. Nachdem die türkische Regierung bereits die griechischen Postbureaus in Konstantinopel und Janina hat schließen lassen, hat sie nun